Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 4 (1930)
- Issue
- Heft 127 (21.2.1930)
- Date
- 1930-02-21
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Nt. W DIE NEUE WELT Seite 5 ' Wollt Ihr nach der Redoute der Rabe pflegen Müßt Ihr Euch in Berthold Sameks Betten legen 30 BettwareitHaus BERTHOLD SAMEK lantrat* t VIII., LerchenlelderstralU 4iV Telephon A 2€ 2?S Filiale: XVII., Harnataar Hauptstraße ✓ Tetephon B-44-4-S4 Alle Bettwaren, Bettfedernreinigung, Umarbeitung Uber den Tagl Rädelsführer gewesen sind. Dieselben werden zair Verantwortung gezogen werden. * In -der letzten Zeit haben sicüi in der Nord-Bukowina die Mordtaten der Räuberbanden gehäuft, Insbesondere sind es kleinere jüdische Besitzungen und Gasthäuser, weiche die Raubmörder zum Schauplatz ihrer Tätigkeit wählen. Die letzten Untaten waren die Ermordung der Jüdin Frau Re ich, welche samt ihrem kleinen Kinde verbrannt wurde, und diie wenige Tage später erfolgte Tötung des Kaufmannes Deutsch. Als man. einen der verhafteten Mörder, den Nasile Hacman fragte, warum diese Morde begangen wurden, erwiderte Hacman: „Man hat uns doch gesagt, daß es jetzt gegen die Herren und gegen die Juden geht!" Im Verhör berichtete ein anderer Mörder. Oimiri Prelepitza: „Ich gab meinem Bruder das Geld durch das Fenster und sagte ihm: loh hab die Jüdin hingemacht! Mein Bruder erwiderte: Zünde an! Ich schleppte hierauf die vom Schusse getroffene Frau, sie war wohl schon tot, ins Gesühäftslokal, übergoß sie mit Naphtha und zündete sie an." Ein Interview mit Präsidenten Weizmann. Gegen ein Parlament in Palästina. — Gegen vorzeitige Verhandlungen mit den Arabern. Die Warschauer jüdische Tageszeitung „H a j n t" bringt ein Interview mit dem Präsidenten der Zioni« stischen Weltorganisation Prof. Dr. Chaim Weizmann. Mit Bezug auf die Forderung des Brith Schalom und der Nichtzionisten in der Jewish Agency nach Errichtung eines Parlamentes in Palästina sagte Dr. Weizmann: ..Ich bin der Ansicht, daß die Zeit für ein Parlament in Erez Israel noch nicht gekommen ist. Falls man von unserer Seite einen Druck in der.Richtung der Schaf» fung eines Parlamentes ausüben sollte, werde ich dies scharf bekämpfen und eventuell meine Demission geben. Die englische Regierung —- führte Dr. Weizmann aus — ist derzeit von der Flottenkonf er enz ganz in Anspruch genommen. Erst in drei Wochen wird die Regierung die Möglichkeit haben, sich mit den zionistis sehen Angelegenheiten zu befassen. Es ist noch nicht be» kannt, ob eine zweite Untersuchungskommis* 8ion für Palästina bestimmt werden wird. Sollte dies ge* schehen, wird die Lösung der Erez IsrackFrage auf lange hinausgeschoben sein. Üeber die Aussichten einer Verständigung mit den.Arabern erklärte Dr. Weizmann: Es sind Gerüchte verbreitet, über eine Verständigungskon« f er enz der Zionisten und Araber in London. Ich weiß gar nichts hie von. Eine solche Konferenz kann nur Zustandekommen, wenn die Araber früher den Haupt« forderungen der Zionisten wegen Aufrechterhält t u n g der B a 1 f o u r»D e k 1 a r a t i o n und Freiheit der jüdischen Einwanderung nach Erez Israel zugestimmt haben. Von der Judenmission. Ein magerer „Geschäftsbericht". — Jetzt kommen die „mongolischen4' Juden dran. — Seelenfang mit Inseraten. — Und nun arbeitet sie auch in Palästina. Es gibt mehr als genug Juden, welche ihr Judentum aus Gewinn« oder Ehrsucht wegwerfen, mehr als genug freiwillige Renegaten. Hingegen ist die von verschiedenen Kirchen „gewerbsmäßig" betriebene Judenbekehrung kein sehr erfolgreiches Geschäft. Die Auslagen sind groß, der Nutzen zahlenmäßig klein. Jetzt veröffentlicht eine englisch'katholische Missionsgesellschaft in London, die „Is r a e 1 s * V'e fei n i g ü n g", ihren Tätigkeitsbericht, aus dem hervorgeht, daß es ihr in den letzten fünf Jahren gelungen ist, etwa 100 Juden — wie sie ausdrücklich betont, meist aus besseren Ständen stammend ~^ zum Katholizismus zu bekehren. Vor allem scheint die Gesellschaft in Polen „erfolgreich" zu arbeiten, denn es hat sieb, wie der Geschäftsführer berichtet, als notwendig herausgestellt, in Posen und Warschau neuerdings „Geschäftsstellen" zu errichten. Die Erfolge, die die Mts» sion in London erreicht hat, ermutigt sie nun dazu, in Yokohama und Tokio Judehmissionen zu errichten, um die mongolischen Juden, deren Geschichte sich bis zum vierten Jahrhundert zurückverfolgen läßt, zu bekehren. ... Das mit den „mongolischen" Juden muß ein gee sehäftstüchtiger Spaßvogel erfunden haben, um den from« men Ladies weitere Gelder abzuknöpfen. In Deutschland scheint das Geschäft des Juden» fanges .auch Weht stürmisch fortzuschreiten. Dort haben sich die leitenden Herren und Frauen entschlossen, den Betrieb zu modernisieren, dem Zeitgeiste anzupassen. Sie bedienen ■ sich' nunmehr des neuzeitlichen Mittels der Zeitungsreklame. Im Inseratenteile des „Neuen Wie» n e r Journal s" war folgende „Geschäftsankündigung" zu lesen: „Aus der Kuhn«Stiftung sollen zehn Legate zu 500 Reichsmark solchen jüdischen Familien über* geben .werden, die ihre zwölf« bis vierzehnjährigen Töchter in christliche Pensionate geben wollen, mit dem Ziele der Taufe. Bewerbung der jungen Mädchen mit Lebenslauf und Begründung des Schrittes, Zustim» mung der Eltern oder Verwandten an Dr. Berg er, Aachen (Inlandsporto)." Es ist erfreulich, daß der Geist der modernen Reklame bis in die frömmsten Kreise dringt. Weniger erfreulich, daß sich Zeitungen dazu hergeben. Seelens fängerei gegen Zeitungstarif zu unterstützen. Das Organ der arabisch«christlichen Jugend „El Zarat" bringt folgende Meldung: Die englische Mis» s i on erhält in Asah ein Krankenhaus, das besonders stark von christlichen Arabern in Anspruch genom« men wird. Der Anstaltsgeistlichc Harry G r e e v e s hält seit einiger Zeit sowohl in Versammlungen als auch wäh< rend des Gottesdienstes Reden zugunsten der Er« ■BB iFlWlliiT s uche für meine ichte schönes, intelligentes, universell gebildetes, kaufmännisch tüchtiges Mädchen aus gutem jüdischen Hause, 28 Jahre alt, von seltener Herzensgüte, vornehmer Gesinnung, S 25.000.— Bärvermögen nur seriösen, gebildeten, charaktervollen Mann in gesicherter Position, 35 bis 40 Jahre alt. Nur nichtanonyme, ernstgemeinte direkte Zuschriften werden berücksichtigt. Vermittler ausgeschlossen. Gefl. Zuschriften unter „Dr. Emes" an die Expedition dieses Blattes jn^jMjjM!»^^™«!^»^^^^^^™^«« riehtung des jüdischen Nationalheims in Palästina. Der Missionär beeilt sich jedoch jedesmal, diese seine Stellungnahme zugunsten des jüdischen Na« tionalheims damit zu begründen, daß er die Ueberzcu« gung habe, daß wenn die Juden in ihre Natio« nalhcimstütte in Palästina zurückkehren, nahezu sämtliche den christlichen Glau« b e n annehmen würden. Die christlicluarabische Jugend hat gegen diese Stellungnahme des Missionärs wiederholt offen demonstriert und da Grceves seine Predigten und Vorträge in dem bezeichneten Sinne fort* setzte, setzten die Araber mit einem förmlichen Boy* kott sowohl der Missionskirche als auch der von der englischen Mission geführten Krankenanstalt ein, so daß die christlichen Araber, als der Missionär an einem Sonn» tag die Patienten und die übrigen Zuhörer aufforderte, für die Errichtung des jüdischen National« heims in seinem Sinne Gebete zu verrieb« t e n, ostentativ die Kirche verließen und auf Order der arabischen Führer in Haifa nunmehr das Krankenhaus überhaupt meiden. I)rei Wochen Gefängnis für antijüdiscJie Aus- . schreitungen in Frankfurt a. Main. , Frankfurt a. M., 16. Februar. (J. T. A.) Im vergangenen Sommer wurden die Anlagen in Frankfurt a. M. von >N ationalsozdalisten unsicher gemacht. Meist waren es Trupps von zehn Mann, die jüdische Passanten anrempelten und dann das Weite suchten. Es konnten bis jetzt drei Fülle von Ausschreitungen 'aufgeklärt - werden. Von den entlarvten Tätern konnte der Schreiner Friedrich Ditzel überführt werden, zweimal an solchen Ueberf allen aktiv teilgenommen zu haben. Erst vor einigen Monaten wurde er wegen g'ef&lvrlicher Körperverletzung zu einer .Gefängnisstrafe verurteilt. Nun stand er erneut vor dem S^raf lichter unter der Anklage, an dem Ueberf all auf % w e i j üdiscJie Bürger in der Friedberger-Anlage in der Nähe des Heine-Denkmals am 28. August teilgenommen zu haben. Einer der Ueberfallenen wurde il wird man leicht von Erkältung befallen. Man muß daher rechtzeitig Sorge dafür tragen, daß int Hanse nie fehle der in seiner schmerzlindernden Wirkung einzige DIANA- 'Franzbranntwein mit Menthol welcher für Massage, Einreibung, Umschlage und als Ourgelwasser gleich unentbehrlich ist. INehmen Sie nur Dianall Wartiota Nachahmungen waisan Sie entschieden zurück! Ueberau erhältlich. von Difeel sehr sdiwer mißhandelt, dem anderen raubte er den Hut, der später in seiner, Ditzcls, Wohnung gefunden wurde. Ditzel leugnete, wurde aber durch Zeugen überführt. Das Gericht verurteilte ihn wegen gefährlicher Körperverletzung zu einer Gcfiingnisstrnfo von drei W o c he n. Südafrika gegen die jüdische Einwanderung. Ein Schandfleck auf die nationale Ehre des Judentums, — „Unerwünschte Elemente." — Der einmütige Protest der südafrikanischen Judenheir. — Palästina, das offene Tor. Als der südafrikanische Innenminister Doktor D. F. Malan dem Parlament in Cnpstadt eine Bill unterbreitete, wonach die Einwanderung aus den osteuropäischen Ländern auf ein Minimum reduziert werden sollte, protestierte die Jndenschaft in Capstadt in einer Riesen Versammlung gegen rlicj-cn Gesetzentwurf. Es war klar, daß er gegen die jüdische Einwanderung gerichtet war. Mit Recht betonte der Präsident des Capstadt- Komitees des südafrikanischen Jewish Board of Deputies (Jüdischer Abgeordnetenklub), daß die Juden Südafrikas sich als loyale und wertvolle Bürger erwiesen haben, wie überall, wohin sie unter dem Druck moralischer und wirtsdiaftlidier Not gekommen sind. Man kann ohne Uebertreibung behaupten, daß den Juden die Entwicklung der wichtigsten Industrien Südafrikas, wie der Schuh-, Woll-, Kleider- und Diamantenindustrie, zu verdanken ist. Der Erwerbfleiß und die Intelligenz der südafrikanischen Juden hat u. a. die Konzentration des Diamantenhandels und der Diamantenschleiferei in Capstadt möglich gemacht und bewirkt, daß die amerikanischen Häuser seit kurzem nicht mehr die Amsterdamer, sondern die südafrikanischen Diamantenbörsen aufsuchen. Wie richtig, die südafrikanischen Juden die Einwanderungsbill einschätzen, beweist der Umstand, daß sie sie als einen Schandfleck auf die nationale Ehre des Judentums bezeichnen und gleichzeitig den schärfsten Kampf gegen diesen Antisemitismus ankündigen, der sich „s chamlos und nackt als politische Tugend manifestiert". Aber die Stellungnahme der national bewußten Judenheit Südafrikas und ihre Proteste haben nichts genützt. Das südafrikanische Parlament hat das Einwanderungseinschrünkungsgesetz angenommen und damit ist den osteuropäischen Ländern, das ist den Juden, ein weiteres Immigrationsland gesperrt. In der Debatte brachten zwar die meisten Par-: lamentarier zum Ausdruck, daß das Gesetz sich nicht gegen die Gemeinschaft der Juden richte, sondern nur gegen gewisse Länder. Sie mußten allerdings zugeben, daß die Juden die Hauptmasse der Auswanderer aus jenen Ländern bilden, die man nun von Südafrika möglichst fernhalten wolle. Für die Einmütigkeit der südafrikanischen Judenheit zeugt die Tatsache, daß alle jüdischen Gemeinden Resolutionen gegen die Bill faßten, und um wenigstens etwas zu erreichen, die Zulassung von Einwanderern auf Grund ihrer individuellen Eigenschaften forderten und eine Regelung gemäß dem Ursprungsland ablehnten/Aber selbst dieser zweckmäßige Vorschlag fiel auf unfruchtbaren Boden. Es tauchte sowohl in der Debatte als auch in der Begründung der Bill durch den Innenminister die uns wohlbekannte Floskel von den „unerwünschten Elementen" auf und die uns in Europa, lebenden Juden wohlbekannte, in die Einschüchterungs-, ja Erpressungsphvase gekleidete Aufforderung, nicht weiter das Gesetz zu bekämpfen, um eine Feindseligkeit der Bevölkerung gegen die Juden, die in anderen Teilen der Welt zu katastrophalen Resultaten geführt habe, in Südafrika nicht aufkommen zu lassen. Auch hier das Rezept von Zuckerbrot und Peitsche! Der Premierminister sagt in einer Rede, daß der Jude in Südafrika eine Position einnimmt, die'keiner der übrigen Teile der Bevölkerung nachsteht; wenn es überhaupt einen Volksteil gibt, auf den die Afrikaner als Mitafrikaner blicken, so ist es der jüdische Volks teil. Und der Innenminister droht. Er hat taube Ohren gegenüber der von General Smuts ge führten Südafrikanischen Partei, welche die Bill mit Recht als ein Dokument zur Stigmatisier ung der judischen Bevölkerung bezeichnet. Die Bill ist angenommen. Sie sieht im wesentlichen vor, daß von jetzt ab aus Litauen, Polen, Lettland, Rußland und Rumänien jährlich nicht mehr als je 50 Personen nach Südafrika einwandern dürfen. Die Quote von 50 Einwanderern jährlich aus deu erwähnten Ländern ist gleichbedeutend mit der völligen