Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 4 (1930)
- Issue
- Heft 127 (21.2.1930)
- Date
- 1930-02-21
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 90% known words query
- IRI
…/2711613-2711736-2711745--1673-2714905- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Hrodna 1× ep/1044655
- Safed 1× ep/1046078
- Tunis 1× ep/1048155
OCR text
h Seite * die mm welt Jte iör das Bett der Gegenwart und Zukunft III Schlaltautfjullft, mit einem Griff als Bett verwendbar "SS Josef Röblitz noini ^'S;?^l2 Schlachtung als erste eingeführt. Das vom Stadtrat von Manchester angenommene Statut macht eine Aus* nähme für Personen jüdischen Glaubens, die vom ObeirabbJner eine Lizenz für, Schächtung nach jüdischem Ritual erhalten haben. Solche Schächter haben das Recht zur Schächtung von Vieh; dessen Fleisch zur Nahrung für die jüdische Bevölkerung be* stimmt ist. Die dem Unterhaus vorliegende Bill enthält ebenfalls eine Verfügung, laut welcher die Schächtung nach jüdischem Ritual auch bei Gesetzwerdung der Bill nicht verboton sei» soll. Die englische Regierung unterstützt die SchHelitbill nicht. London, 13. Februar. (J. T. A.) Auf eine Anfrage des Oberstleutnants Moore, der die von den Tierschutzvereinen ausgearbeitete Bill über humanes Schlachten der Tiere im Unterhaus eingebracht Hat, erwiderte Ministerpräsident MacDonald im Unterhaus, die Regierung sei zu diesem Zeitpunkte reicht geneigt, die Schlechthin zu unterstützen. * ' Die englischen Sozialisten scheinen eben Uber die Religionsfreiheit der Juden anders zu denken, als ihre Gesinnungsgenossen am Kontinent. Das Judenelend in Polen. Eine Rede des Abg. Farbstein. Im Verlauf der Budgetdebatte im polnischen Paria« ment ergriff' das Wort im Namen des Jüdischen Klubs der Abgeordnete F 4 r b s t' e i n, der auch Präsident der Warschauer Jüdischen Gemeinde ist. Er unterbreitete Vorschläge zur Refortnierung des Steuer* Systems," das einseitig die stadtische jüdische Bevölke» rung belastet und schilderte die wirtschaftliche Katat strophe, in'der sich die jüdische Bevölkerung Polens in» folge der schlechten und besonders zürn Schaden der jüdi» schert Wirtschaftskreise sich auswirkenden Politik der Regierung befindet. 90 Prozent der Wechsel werden nicht eingelöst, ein Handel existiert fast nicht mehr, die Umsatzsteuer fegt wie ein Taifun über die Städte und vernichtet Industrie, Handwerk und Handel. Die Lage des jüdischen,-Handwerkers und Klein» händlers gestaltet sich von Tag zu Tag hoffnungsloser; Liquidierung von Unternehmungen, die seit Jahrzehnten existieren, die furchtbare Ziffer der Bankerotte, die Zahl der Selbstmorde infolge wirtschaftlichen Zusammen« bruchs — all das sind Symptome der schweren Tragödie des jüdischen Handwerkers und Kleinhändlers..... Die Feststellung, daß kein Jude von einer staatlichen Institution angestellt wird, sagt noch nicht alles; die Wahrheit ist, daß wo die Regierung frühere private Unternehmungen ins Monopol des: Staates nimmt, sie all« Juden, die bisher itt diesen Unternehmungen beschäftigt waren, auf die Straße wirft In der Tabakindustrte haben früher viele tausendt Juden Beschäftigung und Lebensunterhalt gefunden. Heute, wo die Tabakindustrie verstaatlicht («t, findet man unter 13.000 Arbeitern im ganten 440 Juden, davon allein in der Fabrik in Grodno, wo man die Zahl der jadischen Arbeiter von 100 Prozent auf 40 Prozent reduziert hat, 340 Juden, so daß im ganzen übrigen Polen auf 12.000 Tabakarbeiter im ganzen 100 Juden kommen, In der Tabakindustrie Warschaus, wo früher 1500 jüdische Arbeitet dauernd beschäftigt waren, arbeitet heute ein einziger Jude. In den Fnbrlksbüros wurde die Zahl der jüdischen Beamten von 519 auf 3 reduziert; in der Direktion des Tabakmonopols sind unter mehreren hundert Beamten n u r d r e i Juden. Das ist eine mittel« alterliche Art der Judenverfolgung. Zu landwlrtschaft» licher Tätigkeit läßt man Juden nicht zu, der Beamten« beruf ist ihnen versperrt, das Handwerk wird durch die Steuerschraube vernichtet, aus, allen Regicrunsunterneh* mungen werden die Juden hinausgestoßen — der Rest ist Verzweiflung. Macht sich die Regierung denn niemals Gedanken darüber.. wga, aus ^diesen,.; verzweifelten Men*, sehen werden wird; weiß sie nicht, daß Verzweiflung gefährliche Stimmungen erzeugt? Viele Maßnahmen der Regierung erinnern an den Staatskommunismus, indam jede private Initiative getötet Wird, nähert sich Polen immer; mehr' dem, Bolschewismus, ist Zeit zur, Umkehr! ■■' Die jüdischen Beschränkungen aus der Zarenzeit in Polen aufgehoben. Warschau, 15. Febjru&r. Die VerfassungskoinmissiOn der polnischen Öeputiertenkammer hat in dritter Lesung die aus der Zarenzeit stammenden religiösen und natio» nalen Beschränkungen der Juden aufgehoben. Die; flüfgehobenen Bestimmungen beziehe sich auf Bödenerwerb und Ausübung gewisser Gewerbe, ferner auf das Wohnrecht. Sie stehen im Gegensatze zur polnischen Verfassung. Trotzdem wurden sie aufrechterhalten und angewendet und es bedurfte erst eines besonderen Ge* setzes, um sie aus der Weit zu schaffen. Fast zehn Jahre haben sich die zionistischen Abgeordneten um das Zu* standekommen dieses Gesetzes bemühen müssen. Antisemitische Bewegung in Rumänien. Der jüdische Kommunist Abraham Göldenben» zn zehn Jahren verurteilt —- Unruhen und> Braudstiftung.— Es geht „gegen die Juden und die Herren!" — Theologie.; professpren als jRiidelsfiilirer.: .. Am,^5. F^braa^Japd vor. <tem'.Tribunalin*«Maßest••. die Verhandlung .gegj^i" «eh. wäfcrigeh jüdischen Kommunisten Abraham' ö öld e'nb e r g statt, . welcherrj-in Auftrag einer Von Moskau organisierten geheimen' GsseHsohaft \ ein R e v o1 v e r a 11 e n t a t gegen den Innenminister Naida-Volvod unternommen hälfe! Nachdem aide von der ' Verteidigung'' "gesteiften Anträge abgewiesen wurden, legten die Advokaten die. Verteidigung nieder. Nach' ewiem kurzen Plädoyer. de$ Staatsanwaltes iälite der Gerichtshof das Urteiü. Es lautet Goldenberg wird, wegen versuchten Mordes zu einer Kerkerstraie von .... m ■ ..... Die tragische Geschichte des Azulai Zu Anfang des letzten Jahrzehnts des 17. Jahrhunderts jedoch trat in den Lebensbedingungen der jüdischen Sklaven auf Malta eine Veränderung ein, die Azulai in seinem Entschluß, Malta zu seiner Heimat zu machen, wankend machte. Der Seekrieg in der Levante nahm an Intensität ab, die Opfer wurden immer geringer, die noch auf der Insel befindlichen Sklaven allmählich befreit. Die Aufrufe der Parnassün zu Venedig wurden immer seltener, die Gesamtzahl der ausgeschickten Briefe ging von 40 auf 22 zurück. Ende 1691 hatte Azulai nur noch einen Genossen, einen . gewissen Moses Josef aus Safed. Er begann sich einsam zu fühlen und nach zwanzigjähriger Gefangenschaft, während welcher Zeit er iu, stetiger Fühlung mit-Venedig verblieben war, suchte er um seine eigene Befreiung an. Er war alt geworden und hatte ohne jede. Belohnung unbegrenzten Dienst geleistet, Scharen von Mitsklaven befreit werden gesehen und war selbst, ohne zu klagen, in der Gefangenschaft geblieben. Die Parnassim von Leghorn fügten der von Venedig ausgeworfenen Summe von 30 Reals 40 hinzu und Garsin wurde angewiesen, eventuell bis auf 120 zu gehen. Aber auch Azulais Genosse konnte nicht zurückgelassen werden. Garsin sollte auch dessen Befreiung betreiben. Schließlich, als es im Juli 1694 schien, daß Azulais Leiden als Gefangener zu Ende seien, empfingen die Parnassim statt der Nachricht von seiner Abfahrt die Kunde von seinem Tode (1696). VIII. Die Taufe ab, Rettung. Dem Schrecken der Sklaverei zu entrinneu, gab es eine leichte Möglichkeit —• die Taufe. Aber dieser leichte Weg wurde von den Sklaven äußerst selten beschritten. Eine Ausnahme war Jakob Cardiel aus Tunis. Als sein Schiff gekapert wurde, verteidigte er sich. Aus Angst vor den Folgen, wenn man sein Religionsbekenntnis erführe, gab er sich im ersten Jahr stiiier Gefangenschaft als Moslemit aus. in der Meinung, daß er größere Chancen hätte, freigegeben zu wurden, gestand er ein, Jude »u »ein. Die davon in Kenntnis gesetzten Parnassün gaben den Auftrag, den Fall zu untersuchen, ühd er würde schließlich als Jude anerkannt; Als er aber sah, daß auch dibs nicht rasch zum Ziele führen betrat er den leichten Weg. Nach dreijähriger Gefangenschaft nahm er das Christentum an, mehr aus Verwirrung, wie der Konsul schrieb, als aus Ueberzeugting. Ein anderer Konvertite. Giuseppe Antonio Cohen, von dem nicht sicher ist. ob er Sklave war, erlangte einige Berühmtheit durch den Verrat der türkischen Flotte (1?49). ix Malta unter britischer Herrschaft. Genau festzustellen, wie lange die Gemeinschaft der Sklaven auf Malta hestaud, ist unmöglich. Mit der allgemeinen Befriedigung und dem Anwachsen humanistischer Ideen nahm der Sklavenhandel zwangsläufig ab. wenn sich auch sonst die Lebensbedingungen - nicht grundlegend änderten., Die Sklaverei auf Malta hörte ganz erst im 19. Jahrhundert auf und die Sklaven würden, erst, als die Ordensritter ihre Herrschaft ver-r loren; hatten, am 15. Mai 1800 offiziell befrei! Der Jude als reisender Kaufmann war wahrscheinlich bis zum SchJuß das Opfer der Seeräuberei. Das wird erhärtet durtfh den Bericht der Befreiung des Daniel de Ben- ' jamin Silva und seine?* Frau Judith, die von den; Parnassim im Jähre 1?52. uüöü 200 Dukaten, wahrscheinlich aus Malta ausgelöst würden. '; V 'In den letzten Tagen ihrer Herrschaft zeigten die MaUheser-Ritter größere jT p 1 e r a n z und einige wenige jUdiache Kauflöüte nahmen auf. dem aussichtsreichen Handelsplatz Malta Wohnsitz. Selbst einige gewesene Sklaven kehrten zurück, so daß 1802, als die Briten in den Besitz der Insel kamen, eiu Ansatz einer jüdir sehen Gemeinschaft bereit* vorbanden war, Unter britischer Herrschaft nahmen sie an Umfang zu> Auch heute noch gibt es dort, eine feste, jüdische G,e*.; nioiuschaft mit einem Rabbi und einer Synagoge. Unter ihre»'Mitgliedern siud gewiß Nachkommen von Sklaven vorhanden, die ein neues Element in der tragischen Gel schichte Israels darstellen, eine Gemeinschaft, wie sie' kein'anderer Ort und keine andere Epoche gekannt hat:- i film ftr Msten-Reüslonlsfen OtsttmKts ■HB* Morttog» den 24. Peber 1930, um 739 Uhr abends im tat* „Arkaden", I, Universitätsstraße Referent: Dr. David Bukspan über: Landespolitik Anschließend Diskussion Gäste willkommen zehn Jahren verurteilt Da der Verurteilte beim Verlassen des Saales die Rufe ausstieß: „Nieder mit der Klassenjustiz! Nieder mit den Mördern des Volkes! Hoch Sowjetrußland!" erhielt er; weitere sechs Monate. Die Tat Goldenbergs' bildete seinerzeit den Ausgangspunkt kommunistischer Demonstrationen und Voristöße, andererseits war sie für die Antisemiten efct willkommener Anlaß, mit einer Judenhetze einzusetzen, jderen Motto war: Kampf gegen die jüdischen Zerstörer der ^romanischen Gesellsc-hartsordming and des rumänischen- ^Staate*. - r *; ' Alis B a '1 a c e a h a wird uns berichtet: toi den ieteten pTagen sind in der Gemeinde B a 1 a c e a n a, Bezirk S ntceava, mehrere jüdische Häuser angejz fin.de t w o tde tu Es ist unzweifelhaft, daß diese Brandlegungen auf die letzte antisemitische Hetze zurückjzufüliren sind, die anläßlich der Wahl für den Bezrrksrat ivon den at&istfschen. Agitatoren in verstärktem Maße im jSuczawacr Bezirk entfacht wurde. Der Primär des Ortes ßalaceana, welcher»Ilm Gendarn^rieassistenz angesucht. 'hat, hat einige Drohbriefe erhalten, in welchen Ihm angeldroht wurde, d a ß a u. c h er vernichtet würde,, iwenh er sich rer Juden annehmen sollte. Es sei hier hervorgehoben, daß Balaceana eine größe Gemeinde ist und |daß, trotzdem knatJ-p vor de» eingangs erwähnten Vorfällen der Gendarmerle pösten aufgelöst wurde. Die Jüdischen Einwohner dieser Gemeinde sind infolge-dieser' iVorkornnHiisse in Furcht und Schrecken versetzt und ^a-ben sich an1 die Mesige Ktiltusgemernde <om Intervention bei den kompetenten Behörden gewendet. •: .. ... .. . '■ .' . r: ■ •* '< " . ' , . ( , , ... .... . . .... l Aüi"B«'kargs t wird gemeldet: Die, a-^ti^n^iisebeit fetadeirtensohaft in Bukarest traf Ans(ilte'h ^f'ör'^ä'uJ-v- 'b i.e r ü<n g v ö h E x z e s ae n gegen die jüdische Bevölkerung und die jüdischen: öffentlichen Institutionen. Di« iPolizei griff ein und verhinderte die beabsichtigten Ausschreitungen. Alle Synagogen, das Haus der jüdischen Gemeinde, ./das Haus des Vorsitzenden der Gemeinde, Herr« iEli B e t c o v i c y und , die Gebäude anderer Jüdischer ^öffentlicher InstWiiMonen werden durch Polizei p o s t e n ibewadit.- Auf Anor-dmingder Polizei mußte der Festakt aus Anlaß der .Einweiming des 3üdiscficii' Hauses ' iVersehobon weifden, weil zu befürchten war, daß der Fest-' akt durch AntiseraiHien gestört werden wdrd. r .'■.. * Aus Kischinew wird gemeldet: In Kisohinew,-. lern Schauplatz der großen Judenpogrome von 1903 und 1905, kaineii am 11, Februar, abends, antisemitische Ausschteirunffen vor, die Vqin etwa 150 Hörern der theologischen Fakultät in' Kischihew und ihrem Anhang organisiert worden wiaren. Ein von Juden besuchtes Kaffeehaus wurde d e m.o 1 i e r t, Fenstersöheiben,, Büfett, Tische und &tühle wirrden zwföocben. In mehreren jüdischen Ge- ■schäften wurden d'ie Schaufenster eingeworfen. Ein Gendarmeriekordon umringte die Exzedenten, um sie zur Polizei zw bringen; 'Den Studenten gelang es aber, den Kördon zu durohbteöhen und in das Hoohsclmlgebäude zu flüchten. — Die Bukarester Presse bringt ausführliche Berichte über die Exzesse. Die Zeitung „Dimineatza** führt Klage über das passive V e r h alten der S1 ch e r h e i t so r g a n e, die zu spät eingeschritten waren, während der chauvinistische „U n i v e r s u 1" den Fall so darstellt, als ob IMföche Kaufleute die Studenten provoziert hätten. Die Untersuch! mg gegen die cuzistischen Studenten, die die Konditorei rtV a r s o.v i a" demolierten und Fenster fn jüdischen Geschäftslilden einschlugen, führte zur Ermittlung, daß zwei Theologieprofessoren die TUNS jb. jmhju.^ mjr G\(HHI1ITA11IR0L 8chn«Usug*tatl«n aMnwh am Brtnnar. WufKtoncMnts SklsoUfrxi« mit fOmUg«n SohncfvathüNniUM wn UKte 0««tmb«r bU ernte MOi* Skikunt, Ro4*U»«hn, «»• Uufplatz. BvhagiMitr Auftnthalt Im HOTEL UHD PENSION TBINSEBHOF 1314 m e. 4 M., in ttmlgw Uft, mu baut, modtrn und |*<fit9ön «ing«rl«tit«t, 60 Btttan, ftt*B«n<li» K«tt< und Wcnn< wimr, Zwttraftvltvnf und 0Hdw, Brft« ktoMiB« WliW K0«N. PdurtMMpMl» «k uk. auf vtrtimw *m#i*