Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 4 (1930)
- Issue
- Heft 127 (21.2.1930)
- Date
- 1930-02-21
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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r n* m Dlß NEUE WELT Seite 5 WALTERS PREISE UNERHÖRT BILLIG MONATE KREDIT bei nur 10% Anzahlung u. 1% monatl. Zuschlag Radioapparate / Sprechmaschlnen / Beleuchtungskörper BELEUCHTUNGSHAUS WALTER VI, GUMPENDORFERSTR. 88B; NIEDERLAGE: VII., NEUBAUG. 4 bayrischen Viehes. Vom bayrischen Bauernbund, der ebenfalls zugestimmt, kann man gleiches nicht sagen. Doch dürfte er zweifellos in der Angelegenheit des A bstechens von Tieren sachverständiger sein, als in Dingen der jüdisch eil Religion." „Daß wirklich keineswegs humanitäre Gründe bei den Befürwortern des Gesetzes ausschlaggebend gewesen sein können, erhellt aus der Leichtigkeit, mit der man sich in Fällen, wo nicht Juden, sondern bayrische Bauern von den Vorschriften des Gesetzes berührt wären, über die elementaren G t u n d s ä t z e, die man soeben aufgestellt hat, hinwegzusetzen gedenkt. Es ist ein offenes Geheimnis, daß die Zustimmung des bayrisdien Bauernbundes zu dem Gesetz damit erkauft worden ist, daß in der Begründung auf kommende Ausführungsvorschriften verwiesen wird, durch die mechanische Betäubung nur in den großen städtischen Schlachthof anlagen vorgeschrieben werden wird, während auf dem Lande nach wie vor der berüchtigte Kopfschlag als „humane Tötungsart" zugelassen bliebe, genau so wie das nicht weniger.berüchtigte Stechen der Säue." Man ersieht aus diesen Ausführungen, welche ohne jeden Erfolg, geblieben sind, daß die bayrischen Sozialdemokraten nur für „jüdische Grausamkeit" ein Auge haben, den „arischen" Saustcdicreien gegenüber sind sie blind. Das nennt man „grundsatztreu", beileibe nicht antisemitisch. Das Blatt der katholischen Zentrumspartei (bayrische Volkspartei), die „Fuldaer Zeitung", sdireibt: „Es tut hier gar nichts zur Sache, ob man Verständnis für den Standpunkt der orthodoxen Juden hat oder nicht. Man kommt audi zu einem vollkommen falschen Ergebnis, wenn man sich auf die rationalistisdie Untersuchung einläßt, ob die rituelle Vorschrift, die vor Jahrtausenden an Ort und Stelle praktisch und wohlbegründet sein mag, heute nodi den ihr ursprünglich innewohnenden Sinn hat. Wo käme man hin, wenn man unseren Parlamentsmajoritäten die Interpretation kirchlicher Vorschritte nund Gesetze überließe? Betrachtet man das Problem von dieser grundsätzlidicn Seite her, dann ist es auch eine bedeutungslose Nebenfrage, ob die jüdischen Gutachter, die die vorgeschlagenen Betäubungsmethoden als immer noch unvereinbar mit den rituellen Vorschriften erklären. Menschen eines ausgesprochenen schlechten Willens sind. Das Urteil, ob einer rituellen Vorschrift Genüge geleistet wird, muß ausschließlich der betreffenden Religionsgemeinschaft überlassen bleiben." „Es ist auch nicht die Frage zu prüfen, wie man sich vom christlichen Standpunkt aus zum Schächten stellt. Das Christentum hat das ganze Gesetz der Juden überwunden. Es ist daher töricht und verständnislos, von einem Eintreten der christlichen bayrischen Volkspartei für jüdische Auffassungen zu sprechen. Ks ist allerdings die Auffassung der bayrischen Volkspartei, daß das Parlament nicht der Ort ist, um den Juden zu christlichen Auffassungen zu bekehren. Nicht um den Juden zu helfen, hat die bayrische Volkspartei diese Haltung eingenommen, sondern um dem Staate zu sagen, daß er kein Recht hat, in die. religiöse Sphäre einzugreifen Die jüdischen Sklaven auf Malta. Von Cecil Roth. Der bekannte Historiker und Korrespondent der Britischen Historischen Gesellschaft Cecil Roth legt im New Yorker „Menorah Journal" die Resultate seiner Forschungen über die Juden von Malta nieder, die wir auszugsweise wiedergeben. Cecil Roths meisterhafte, wissenschaftlich fundierte Darstellung wird gewiß das Interesse aller Leser fesseln. VI. Das religiöse Leben der Sklaven. . Selbst im tiefsten Unglück fanden die Sklaven Gelegenheit, dem angeborenen jüdischen Trieb zur Wohltätigkeit Genüge zu tun. Ein rührendes Beispiel bieten zwei Sklaven, beide Familienväter, die einem ihrer Leidensgenossen, Salomön ben Isaak Azich aus Leghorn (Livorno), einem 17jährigen Jüngling, der von Smyrna unterwegs war, beisprangen. Dieser befand sich im Dienst des Großmeisters, der ihn zwang, unerträglich schwere, seine Kräfte übersteigende Arbeiten zu verrichten. Die zwei alten Männer bewirkten eine Intervention zu seinen Gunsten, ohne ihr eigenes Leid auch nur zu erwähnen. Trotz der unglückseligen Lage, in der sich die Sklaven befanden, wußten sie dennoch ihrer Neigung, Gutes zu tun, die Wege zu ebnen, wenn sie auch nieftt immer auf ein würdiges Objekt stießen. So ereignete sich z. B. ein Skandal im Falle des Jesa ja Ore'tic'e» aller Wahrscheinlichkeit nach eines Galeerensklaven, der sich im Jahre 1716 auf der Insel befand und vorgab, ein Gefangener wie die anderen zu sein, und ohne Zweifel vom Vertreter der venezianischen Gesellschaft Unterstützungen erhielt. Er erzählte seinen Mitsklaven eine derart rührende Geschichte, daß er ihr Mitleid erregte. Sie halfen ihm wegzukommen, nicht nur indem sie den Vertreter bestürmten, sondern auch durch eigene Spenden aus ihrer schmalen Kassa. Er vergalt und Staatsbürger im Gewissen zu bedrängen. Wir haben das tiefste Verständnis für alle Tierschutzbestrebungen und für die menschenfreundlichen Beweggründe, die einen Teil der Antragsteller des vom Landtag angenommenen Gesetzes bewegten. Aber es gibt auch hier eine Rangordnung der Werte. Die Gewissensfreiheit des Menschen steht über der Sorge, daß irgendwo eine kleine Lücke in den Tierschutzbestimmungen beste Ii en könnte. Es ist zu hoffen, daß die Vertreter der Judensdiaft sidi ernstliche Mühe geben, von sidi aus ihren vorgeschriebenen Ritus mit dem menschlichen Empfinden eines Volkes, in dem sie leben, in Einklang zu bringen." § Nur diese mjrM m AJISchwedenklinge AM M^fflV'11^ macht Rasieren 4r zum Vergnügen Die führende schwedische Weltmarke Schächten ist keine Tierquälerei. Berlin, 14. Februar. (J. T. A.) Der Strafrechtsausschuß des deutschen Reichstages beschäftigte sich am Freitag, den 14. Februar, mit den Paragraphen 366 und 412, die Tierquälerei mit Gefängnis bis zu sechs Monaten oder Geldstrafen bedrohen. Mehrere Parteien hatten hierzu Abänderungsanträge gestellt. Um nun zu verhindern, daß etwa von gewisser Seite das Schächten als Tierquälerei hingestellt und damit bestraft werden könnte, hatte das Z'entrum den folgenden Antrag eingebracht: „Handlungen an Tieren dürfen nicht mit Strafe bedroht werden, soweit sie zur Verfolgung ernster wissenschaftlicher Zwecke oder zur Erfüllung der Gebräuche einer Religionsgesellschaft des öffentlichen Rechts geboten sind." — Der Zentrumsabgeordnete Bell, ehemals Reichsjustizminister, begründete diesen Antrag und erklärte, daß seine Freunde in dem Schächten keine Tierquälerei sehen, daß sie es für erforderlich halten, den ihnen ihr Wohlwollen damit, daß er Decke und Mantel eines anderen Sklaven, des Abraham A jet, und die Gebetbücher der Synagoge mitnahm. Rührender noch ist die Tatsache der Verpfändung der Lampen und anderer Silbergegenstände aus der Synagoge durch die jüdischen Sklaven, um die Auslösung zweier Leidensgenossen, des Moses M e s s i n i und des Mardechai M a j o, zu erwirken. Die Parnassim zogen den Sklaven für diese ihre Manipulation den entsprechenden Betrag ab, um solche beklagenswerte Handlungen für die Zukunft unmöglich zu machen, und beauftragten den christlichen Vertreter, die verpfändeten Gegenstände auszulösen. Nichtsdestoweniger verleugnete ihr Verweis nicht das Gefühl der Bewunderung. Des religiöse Leben der Gefangenen wurde häufig durch die Anwesenheit gebildeter Genossen bereichert. Der hervorragendste Gelehrte, von dem wir Kenntnis haben, war Jakob ben Israel, der Levite, auf Morea gebürtig, Uebersetzer des Korans ins Hebräische. Er war dann später Rabbi von Zante (Canthi), wo er 1634 starb und ein ansehnliches Responsenwerk zurückließ. Er betrachtete seine Gefangenschaft auf Malta, wo er sich mit seinem ganzen Haushalt befand, wie er sich seihst ausdrückte, als göttliche Fügung. Mehr als eine Auslösung von Gefangenen ist diesem Rabbi zu verdanken. Bezeichnend ist die Tatsache, daß besonders Reisende, die für die vier heiligen Städte in Palästina sammelten, der Gefahr der Gefangennahrae ausgesetzt waren. So wurde ein Sammler mit anderen neun Personen auf einem venezianischen Fahrzeug im Jahre 1672 ergriffen. Im Jahre 1666 wurde eine Gesellschaft von Rabbinern, welche die frohe Botschaft vom Messias Sabbatai Z w i verbreiten wollte, im Mittelmeer gefangen genommen. Eine interessante und tragische Figur taucht im letzten Jahrzehnt des 17. Jahrhunderts auf. Moses A z u 1 a i entstammte ohne Zweifel der berühmten marokkanischen Familie von Gelehrten und Mystikern,. von denen einige nach Palästina emigriert waren. Wie er Religionsbediirfnissen ihrer jüdischen Mitbürger gerecht zu werden. Das Schächten sei eine Religionseinrichtung des Judentums, deshalb müsse man es auch weiter ausdrücklich gestatten. Der Redner verwies weiter auf die Reiohstagsberatungen im Jahre 1911 und auf die damalige ausführliche Rede des Zentrumsabgeordneten Gröber. Auch Ministerialdirektor Schäfer vom Reichsjustizministerium nahm ausführlich auf die religiösen Sdiächtvorsohriften Bezug und trat für die Beibehaltung des Schäohtens ein. — Ein Vertreter des Reichsgesundheitsamtes gab die Erklärung ab, daß das Reichsgesundheitsamt, wie in früheren Zeiten, auch jetzt noch auf dem Standpunkt stehe, daß man in dem Schächtakt der Juden keine Tierquälerei sehen dürfe. Die Schächtfrage in England. London, 14. Februar. (J. T. A.) Der Gesetzentwurf über humanes Schlachten der Tiere (Humane Slaughter of Animals Bill) kam vor das Unterhaus zur zweiten Lesung. Die Königliche Tierschutz« gesellschaft hat aus diesem Anlaß einen Appell an die Oeffentlichkeit gerichtet, in dem die Wähler aufgc« fordert werden, die Bill zu unterstützen. In dem Appell wird mitgeteilt, daß bisher die Verwaltungen von 356 Orten Satzungen angenommen haben, wonach die Tötung von Schlachttieren ausschließlich durch mechanisch funktionierende Instrumente zu geschehen habe. Bei Vorlage der Bill sprach sich ein Teil der Mit* glieder des Unterhauses für Vertagung aus. Andere Mit« glieder, meist Konservative, waren fürsofortige Be« handlung der Bill. Es kam zu sehr e r r e g t e n Szenen. Schließlich wurde beschlossen, die Bill in einer der nächsten Sitzungen in Behandlung zu ziehen. „Manchester Guardian" führt aus, es bestehe wenig Hoffnung, daß die Regierung die Bill unterstützen wird. Reformen auf dem Gebiete der Tierschlachtung seien darum der Initiative lokaler Behörden überlassen. Unter den Großstädten hat Manchester das System humaner nach Malta kam, ist bis heute schwer zu erforschen gewesen. Seine Anwesenheit ist jedoch für das Jahr 1671 bezeugt. Er muß in die Hände eines milden Herrn geraten sein, denn es sind Anzeichen dafür vorhanden, daß er für sich selbst arbeiten durfte und um Auslösung nicht ansuchte. Seine Bemühungen galten immer nur anderen und eine Zeitlang war er Beistand Garsins. Er pflegte zu berichten, welche Gefangenen eingebradit wurden, welche Schritte zu ihrer Auslösung zu unternehmen seien und welche ausgelöst wurden. Die Parnassim brachten ihm volles Vertrauen entgegen und wiesen ihren Vertreter« an, ihm die Regulierung der internen Geschäfte der Sklaven zu übergeben. Er scheint ein Mann von einiger Bildung gewesen zu sein, der gelegentlich hebräisch korrespondierte und ohne den Trost durch die Lektüre jüdischer Schriften die Gefangenschaft nur schwer hätte ertragen können. Er ist auch tatsächlich zuerst in Verbindung mit der Absendung eines Exemplars des Midrasch Tauchuma nach Malta erwähnt; er war wahrscheinlich der Anführer einer Gruppe von Sklaven, die um einen ordentlichen Kalender (Sepher Iburim) ansuditen; einige Zeit später hören wir, daß er ein anderes kalendarisches Werk (Tikkum Issacha) erhielt. Ein anderes Werk von praktischer Nützlichkeit wurde ihm gesandt, u. zw. der PitronChalomoth (Traumdeutung) und ein liturgischer Kommentar „Maamodoth". Seine rabbinischen Kenntnisse waren von praktischer Bedeutung. Im Jahre 1673, ebenso wie 1685, wurde er von seihen Mitsklaven aufgefordert, Scheidebriefe auszustellen. Seiner Hilfe ist auch die Errichtung des Ofens für die ungesäuerten Brote zuzuschreiben. Kam unter den Sklaven Renitenz vor, was angesichts ihrer unglücklichen Lage nicht verwunderlich war, so war er es, der die Disziplin wieder herstellte. Aus all dem geht hervor, daß er während der ganzen Periode des Aufenthalts auf der Insel die Rolle der Führerschaft inne hatte. Azulai scheint in all diesen Jahren keinerlei Anstrengung zur Erlangung der Freiheit gemacht zu haben. Er fühlte sich anscheinend in der Position eines Führers der jüdischen Sklaven, die kamen und gingen, zufrieden und harrte in seiner Stellung auf.