Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 4 (1930)
- Issue
- Heft 127 (21.2.1930)
- Date
- 1930-02-21
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seife-1 DfirramwcLt Nr. 12? Saraus — "un'd; vot\ seinem .Standpunkte, Attf jtfxqt logisch —, daß es auch ke|n Jüdisches Notionalheim geben könne und düt|e Er und seine Freunde in der Jewish Agency, so sagt Rabbiner Schulmann, werden nie für ein Jüdisches Nationalheim eintreten. Direktor Oskar Wassermann nnd seine Freunde In Deutschland. Auch in Deutschland gehen die Dinge eiäen ganz sonderbaren Weg. Bei der letzten öffentlichen Tagung des Keren Hajessod hielt einer , der ersten-nichtzionistischen Funktionäre, Vizepräsident des Keren Hajessod Herr Arnold Tiet'z ans Köln, 'eine! Rede, welche von der offiziellen zionistischen Presse, ausfuhrlifch wiedergegeben wurde, allerdings mit Auslassung eiier Stelle. Diese Stelle aber enthielt den Pretest des Hirrn Tieiz' ■ *'' ' " * ~~ ~ '- fegen den Gebranch der Bezeichnung Erez Israel (Land Israel) fär Palästina, ', t ' v " . > * Er bezeichnete dieses Wort als Provokation der Araber und Nichtzionisten und verlangte, daß diese Be« Zeichnung aus allen Aufrufen und Aufsätzen der JeWish Agency und des Keren Hajessod verschwinde! Tausende Jahre ist dieses Wort allen Juden ..heilig!- Die britische Regierung hat dieses Wort auf die palästinensischen Briefmarken drucken lassen. Aber'Herr Tietz und seine. Freunde wollen es als „Provokation" v e * s eh w i n d e n lassen. , Noch nachdenklicher muß ein Artikel des Präsidenten des deutschen Keren Hajessod Direktor Oskar Wassermann stimmen. Er sagt über das jüdische Nationalheim folgendes: ■ ■ - — „Die Bezeichnung der jüdisehen Kolonisation als Aufbau einer „jüdischen nationalen Heimstätte" nach dem Ausdruck der sonst vorzüglichen und als Grundlage des Yölkerbundmandates jedenfalls ohne große Gefahr nicht abzuändernden Balfour-Deklarätiön ist vom riichtzionistischeii Standpunkt aus nicht gläöklich Hind'kann zu Mißdeutungen führen. S c h le c h t e s W o ,f1 aber solHegutem Werk nicht schaden. Kein Nichtziöriist und hur sehr wenige Ziönisiett -Würden' dienationale ' Heimstätte 'in der jFdrirf eines jüdischen Staates errichten wollen, s e I b s t w e n n s o 1 c h e m Unternehmen n i c h t üntt b e r;wi'n d I i c h e S c h w i e r i g 'k e i f e ri ' entgegenstehen würden. Dagegen ist es zweifellos, daß sehr vieleZionisten, wohl die Me h r h e i t, die nationale Heimstätte, wenn auch nidit als politisches, so doch als kulturelles Zentrum des .jüdischen V o 1- /ke sV ausgestalten wollen." / > ■. * Alse auch dä; Ablehnung *dett>.nationalen Heimr stätte. Daß der Nichtzioäist Herr Direktor Wassermann es unternimmt, im Namen der Mehrheit der Zior nisten den politischen Zionismus abzulehnen Und-im Namen dieser Mehrheit nur ein „kulturelles Zentrum" als Ziel der Zionismus hinzustellen» . sei ihm nicht überlgenqmmön. Er schließt aus seiner engeren Umgebung, welche ja aus Anhängern des Dr. Magnes und grundsätzlichen Verkleinerern des. Zionismus besteht» auf den Weltzionismus. Er schließt falsch, aber-das sei ihm,vergeben. J^ie,Schuld trifft ..^eine zionistischen Berater.' "" ' ' " —'' '•- " ■ ■ ••■ * . ••- \ . : . Wenn man diese Nachrichten, deiien symptomatische Bedeutung nicht abgesprochen werden kann, in Betracht ■zieht; darin muß Von einer Krise in der erweiterten Jewish; Agency gesprochen werden. Sie muH rasch und entschlossen beendet werden. Klarheit müh" geschaffen werden, denn es steht ganz Großes auf dem Spiele. *' 1 i: st. ^llllllllllJIIIIIIIIIIIIIlIfllllllllllllllllllllllllJIIIIIIJIllIIIIIIIIII 2 Verband demokratischer Ziormtcn | S Mittwoch, 4en2&V Februar 1930 um halb, ff .Übt | abends im Cal6 Produktenbörse, Il„ Tabocstr. 10 | Gegenstand: Oberrichter Brandeis i als Mensch und Politiker ** ' ''S s .Referent'! 5 | Dr.Alex.Wolf aus St. Louis (U.S.A.) | Siiiiiiiniiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiifiiuitiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiii^ Dr. Alexander Wolf in Wien. Ein Mitarbeiter Theo* dor Herzls, welcher unter dem Führer als Sekretär gedient, dann nach Amerika ging und dort zusammen mit Ober* richter B r a n d e i s für den Zionismus gewirkt hat, weilt in Wien. Er wird im Verbände demokratischer Zionismen am 26. Februar über „Brandeis als Mensch und Politiker" sprechen. Eine antizionistische Rede von Henry Morgenthaiu New York, 11. Februar, (J. T. Ä.) Henry Morpn* thau, der einstige Botschafter der Vereinigten Staaten in der Türkei, der als einer der unversöhnlichsten Gegner des Zionismus in der amerikanischen Judenheit bekannt ist, hielt In einet vom ßutgert} Xlub veranstalteten Versammlung in derJSi&st Side von New York eise Rede, in der er ausführte» der Zionismus sei zum Fehlschlagen verurteilt* «* -habe, zwischen- Juden jujd Arabern,., die .vor dem Kriege friedlich triiteihander Icfeten, ein 'Moment ernster Ünrtthe ' hinein" gebracht Indem die Zioniaten Forderungen aufstellen, denen die Araber -nicht zustimmen können, neben gie Palästina, als Wohnsitz^ für* die^uden uninö|lich gemacht. |s W fundamentale* Dehler g%w£sen, itt* &lfour*Üeklat^tidn, die eine nationale Heimat für dlfo Juden in Palästin« versprach, so zu interpretieren, als ob Palästina In eine Nationale Heimat der Juden umgewandelt werden sollte.; v »v - *#* Soeben im 1. — 10. Tausend erschienen' SCHALOM ASCH s:.v: fj..A-tVA-■ ROMAN Nach JPei*jrtAurg*\ dem großen Gesellschaft*- und Stftenroraati, folgt mit „Warschau" der lelensvolle Roman des arbeitenden Volkes, ein spannendes Werk von .unerhörter Bildkraffv ein Zeitgemälde von eindrin^licHster Wirkung. V ■ Gsnzl ein «inh an d S 11.^- PAUL ZSOLNAY VERLAG / WIEN Kaiser Vyilhelm II. verbietet ein Dreyfufistück. Wir haben in unserer letzten Nummer über die niederträchtige Holte•■beriichtet.vwelche die wilhelminische. Regierung in der Oreyfusr'Äfföre spielte- Nun berichtet das ,iHömburger -isr;. Faniilienblatt":,- * vi- Der Berliner Theaterdirektor Max Samst beabsiditigt, im Theater in der. KommändantenstraBe ein Schauspiel . „Ka p i t ä n D r e y f u s" von Okonkowsky (nicht zvt Verwedisehi mit dem zur Zeit in Berlin gespielten Dreyfus-Drama von Rene" Kestner) zur Aufführung zu bringen. Dieses Stüde wurde vor mehr als zwei Jahrzehnten an vielen Bühnen gespielt Direktor Samst wollte es seinerzeit im Ostend-Theater in Berlin inszenieren;;, es wurde -aberauf B eiehl des Kaisers Wilhelm IL vom Berliner Polizeipräsidenten verboten. In einer Unterredung, die Samst damals mit dem französischen Botsdmfter hatte, bat ihn auch dieser, von der Aufführung des Stüdces abzusehen. Samst appellierte damals beim Bezirksausschuß und erreichte eine Aufhebung des Verbotes; der Polizeipräsident aber legte— w i e d er auf Gehe iß d es Ka i se r s — Berufung ein. Der Prozeß kam nicht zur Entscheidung, die Sache versandete und Samst hatte, nachdem sich in* zwischen auch die Begeisterung für Dreyfus gelegt hatte, kein'Interesse an «dem Schauspiel mehr: Er glaubt aber, daß das Stück heut e beim Publikum auf Erfolg rechnen kann. .— _ Präsident Masaryk über, die jüdische Abstämmling der Habsburger. - Prag, 15. Februar (J. T. K) Die demnächst er* scheinende Nr. 11/12 des Zentralorgajies der tschechoslowakischen Journalisten veröffentlicht ausführlich das Gespräch zwischen dem Präsidenten der Republik- und der unter Führung von Dr. Georg Bernhard be: ihm erschienenen Delegation der Exekutive der „F e d t r a« tion international des Journalistes" aus Anlaß der Tagung, die im April 1929 in Prag stattfand. Als das Mitglied der Delegation, Dons, d'«5 Frage nach der Reinheit der Rassen in Westeuropa aufwarf, erklärte der Präsident u. a.: „Es ergibt sich die Frage, in Welchem Maße es eine reine Rasse oder reines Blut überhaupt gibt und ob es eine g.u.te Sa.oh.e ist. Heute wissen wir doch schon, daß alle Nationen rassen* mäßig selir durchgemischt sind. Wenn wir so vvon den Rassen sprechen,'fällt mir ein, einst habe ich gehört, daß die. Habsbürger jüdischer Abstammung seien. Etwas Näheres darüber weiß ich nicht, doch wurde mir gejagt, daß^ die$ in. einer, Ausgabe von, Meyers Kon* v^rjs|tj|onal^clk6{( #and \ihd ^äß der österreichische Hof dfo ganze Auflage habe aufkaufen lassen. Selbst hatte ich keine Gelegenheit, die Richtig» kftit dieser Angabe zu kontrollieren." Dr. Georg Bernhard, der Führer der Delegation, erklärte, er werde versuchen, das festzustellen. Es wäre allerdings sehr interessant, wenn die: Repräsentanten einer so eminent katholischen Dynastie jüdischer Herkunft waren. ■ Das Andenken an Professor PontremolL Wien, 16. Februar. (J. T. A.) Ein Brudftr von Professor Pont r e m o 1 i, des jungen italienisch«jüdischen Gelehrten, eines Enkels des verstorbenen italienisch-jüdischen Staatsmannes ^und einstigen Ministerpräsidenten Italiens Luigi L u z z a t ti, weilte in den loteten Tagfen in Wien, um mit Professor Bchounek über die Veröffentlichung der wissenschaftlichen Aufzeichnungen Pontremolis während der Nordpolfahrt des italienischen Luftschiffes „I ta 1 i aM zu verhandeln. Bekanntlich ist P o n t r e ro o 1 i bei, der Katastrophe der von General Nobile geführten „ItaMe" nebst anderen Teilnehmern an der Expedition mit dem Rumpf des Luftschiffes abgetrieben worden und ist seither verschollen, während Behouuek mit Nobile und einigen anderen.Teilnehmern, die sich in der Luftschiffgondel befanden, später durch die vom russisch-jüdischen Arktis-Forscher Profeesdr S a m o i 16 w i i $ g b geleitete Rettungsexpedition 4es Eisbrechers „Kresftin" gerettet werden konnten. Behounek erzählte in einer In Wien gehaltenen Vorlesung, daß die Mutter Professor Pontremolis und Tochter Luzzattis ihr ganzes nicht unbeträchtliches Vermögen zur Ausrüstung einer Rettungsexpedition zur Auffindung der verschollenen Pontremoli-Gruppe hergegeben hat. Prof. Behounek, der Tschechoslowake ist, zollte in seinem Vortrage der Gelebrtenpersönllchkeit Pontremolis hohe Anerkennung. Jüdisches Schächten verboten, arisches Saustechen erlaubt! Zum SchnchtVerbot in Bayern. — Die Sozialdemokraten haben den Hakenkreuzlern zum Siege verholfen- — Jüdisdie, katholische und sozialdemokratische Proteste. «— Die arisdien Sanstechereien sind „human" und bleiben erlaubt. Das Gesetz über das Schlachten von Tiereh, deutlicher bezeichnet: das Schä cht verbot, ist zustandegekommen, unter aktiver Mitwirkung der sozialdemokratischen Fraktion des bayri«; sehen Landtages; von der 33 Mitglieder zählenden Fraktion haben sich Jl vor der Abstimmung entfernt, 22 haben für die Regierungsvorlage gestimmt und i)ir dadurch zur Annahme verhölfen. Auch die im Antrag. Scharnagl; gegebene letzte Möglichkeit, den Bedürfnissen der jüdischen Bevölkerung Rechnung in trageü, indem man das Staatsministerium des Innern, zur 'Zulassung von Ausnahmen in besonderen Fällen er-1 mächtigt, wurde, ebenfalls mit den Stimmen der Sozialdemokraten, abgelehnt, lieber dieses konsequente Zusammengehen der parlamentarischen Vertreter ' dei* ] bayrischen ' Sbziäideniokratie mit;; dein Antis^htHismu«- und det^ Reiaktion Bchi^bi^äs-M^n^ner ,rj 1 d f'S^h^' Echo":' ~" -1' r: ■ ■;" ■■' ' „Die Darlegungen des Herrn Dr. Högner (Sozialdemokrat) im Verfassnngsausschuß des Landtages, daß sich die Sozialdemokraten von' jeder antisemitischen Tendenz vollkommen frei wüßten, können nur Erstaunen über so viel Harmlosigkeit erregen; Denn es kommt In politischen Dingen doch immer auf die W i r k u.h g an, und die Haltung der SbzialdenuK kraten ist, nach ihren Wirkungen beurteilt, antisemitisch. Die Sozialdemokraten habensich in einer Frage,' von der die Juden am. stärksten betroffen werden, von ausgesprochen r anitisemitischen Absichtesn :; ins Schlepptau nehmen^ und sich bereitfinden lassen, ihre Mitwirkung zu einem Gesetz zu bieten, das von jedem Juden als antisemitische Maßnahme empfunden werden mußte. Es wird sich bald zeigen, ob die SdiSditfrage mit diesem bayrischen Gesetz ihre endgültige Erledigung gefunden hat, oder ob nicht doch Reid\sinstanzen noch eingreifen werden. Man darf das aus manchen Gründen sogar erwarten und wird dann wohi auch hoffen dürfen,; daß in der Gesamtheit der deutschen Sozialdemokratie die Haltung der bayrischen Fraktion als das erkannt und beurteilt wird, was sie in Wirklichkeit ist: als ein sdilimmer, politischer Fehler." * In der bayrischen Sozialdemokratie selbst hatten sich Stimmen gegen das Vorgehen der Landtagsfraktion erhoben. In dem Parteiorgan „M ü n c h n e r Pos T polemisierte der sozialdemokratische Rechtsanwalt Dr. Ph. Löwenfeld gegen das Schächtverbot: „Die Notwendigkeit für das Schächtverbot ist im Verfassungsausschuß mit Gründen der Hu m a n i t ä t belegt worden. Daß diese durchzusetzen sind, wo sich dazu eine formale handhabe bietet, ist selbstverständlich, wenn sie bestehen. Qb sie bestehen, muß in diesem Falle besonders skeptisch geprüft werden, wenn man sich die Gesellschaft ansiebt, in der sich die Fraktiöhsvertreter im Verfassungsausschuß bei ihrer Stellungnahme' befunden haben. Zustimmung fanden sie bei den Nationalsozialisten und bei den Deutsch nationalen, also bei jenen Parteien, die sich in Amnestieauträgen für die lieben Fememörder überbieten, obwohl bisher iri Feme- und ähnlichen Mordfällen w e d erbe i J u.d e n ü och b e i S o % i a 1 d e m okraien eine vorherige Betäubung für erforderlich erklärt wurde. Auch die Tod es* angst haben die Hitleiieute im Jahre 1923 den Genossen, die sie aus dem Münchner Rathaus gewaltsam herausgeholt neben oder in deren Wohnungen sie gewaltsam eingedrungen sind, ganz gewiß nicht, ersparen wollen, Die H um a nj t ä t rdieser. Gruppe betätigt sich ako vorwiegend bei dem Umbringungsmodua defi