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Die neue Welt · 1930-02-21 · Heft 127 (21.2.1930) · page 1

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Journal
Die neue Welt
Volume
4 (1930)
Issue
Heft 127 (21.2.1930)
Date
1930-02-21
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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BEZUGSBEDINGUNGEN: Oesterreich monatlich S 1.50, vierteljährig S 4.20, ganzjährig S 16.—; Polen monatlich ftoty 2.—, vierteljährig Zloty 6.—; Tschechoslowakei monatlich Kc 6.—, vierteljährig Kc. 15.—; Jugoslawien monatlich Dinar 14.—-, vierteljährig Dinar 40.—; Rumänien monatlich Lei 40.— vierteljährig Lei 120.—. R EVU E BEZUGSBEDINGUNGEN Deutschland monatlich Mark 1.—, vierteljährig Mark 3.—; Bulgarien monatlich Lewa 40.—, vierteljährig Lewa 1.20; Italien monatlich Lire 5.—, vierteljährig Lire 14.—; Schweis und die übrigen Länder monatlich Schweizer Francs 1.50, vierteljährig Schweizer Francs 4.50. .......___________.....__________.______ . HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER Redaktion und Verwaltung: Wien, IX., Universitätsstraße 6—8 Telephon: A25-2-82 ~ Erscheint jeden Freitag Jahrgang 4 Freitag» den 21. Februar 1930 Nr. 127 H KOHLE KOKS ANTHRACIT höchster Qualität BÄSCH. IV. Argentinierstrane 22 TalABha» U-46-403 Telephon w%mlM Ein Nachspiel. Die Tragödie Halsmann ist vorläufig abgeschlossen. Ein junger jüdischer Student ist schuldig gesprochen, seinen Vater erschlagen zu haben. Das Rechtsempfinden der Juden und nicht weniger Nicht juden ist hart getroffen. Es scheint ihnen, daß unglückselige Zufälle und harte Vorurteile einfem unschuldigen Unglücklichen ein unseliges Schicksal bereitet haben, . ' Nun beginnt ein Nachspiel. Ein ganz übles Nachspiel. Ein Wiener Blatt brachte eine Zeichnung, die Illustration eines Protestes gegen das abschließende tfrteil des Obersten Gerichtes. Der Jude Halai&ann hängt als gequälter, verstümmelter, Jesus Christus an dem Kreuze und ."um ihn stehen die »beraten Richter/ alle-ohne-K^jjfäi als öeine Mörd&&' ' Das Blatt ist ein sogenanntes Judenblatk ist das, was man .eben ein Judenblatt nennt. Nicht etwa ein Blatt, das der Erörterung jüdischer Angelegenheiten gewidmet ist, das jüdischen Interessen dient. Dann wäre es ja ein jüdisches Blatt und kein Judenblatt! Es nimmt von der Existenz der Juden und eines jüdischen Volkes keine Notiz, weil es ein Judenblatt ist. Es tut ganz deutsch, ganz weltbürgerlich. Für Behandlung jüdischer Not und Qual hat es keinen Raum. Es geht aufs Ganze, aufs Große. Es schreibt der deutschen Nation und der ganzen Welt vor, wie sie politisch zu handeln, wie sie gesellschaftlich zu leben haben. Es bestimmt, welche Art von Kultur und Moral den Deutschen und der ganzen Welt am zuträglichsten ist. Weil es ein Judenblatt ist. Und es tut dies in einer ganz überlegenen Art, von oben herab. Weil es ein Judenblatt ist. Seine Herausgeber, seine Redakteure, seine Zeichner sind Juden, teils nicht, teils halb, teils ganz getaufte. Deutschtum, Weltbürgertum und ein Judentum, das von sich selbst nichts wissen will. Wenn man diese Dinge gehörig durcheinander mischt und mit einer tüchtigen Portion überhitzten Selbstbewußtseins übergießt, dann entsteht ein Judenblatt. Gegen dieses Judenblatt sind jetzt die Vertreter des christlichen Oesterreich mit schwerem Geschütz aufgezogen. Sie schreien, weilein Judenblatt ihre heiligsten Symbole, den Erlöser, das Kreuz, zum Instrumente billiger Satire gewählt, weil;es cjiese;- Symbole verunglimpft hat. Der Staatsanwalt hat gegen das Judenblatt Anklage erhoben, wegen Gotteslästerung und Beleidigung der höchsten Richter des Landes. Es wird nun Verhandlungen geben, deren Hauptinhalt die Erörterung jüdischer Arroganz, jüdischer Respektlosigkeit'Vor den heiligsten Gefühlen der Christenheit, jüdischer Zerstörungsdrang sein wird. Die österreichische Judenschaft, wird nach dem erschütternden _Hälsmann7Prozeß, den peinigenden Prozeß voll hämischer Sticheleien und antisemitischer Wühlereien, den Prozeß gegen das den Christengott herabsetzende Judenblatt über sich ergehen lassen müssen. Mit den Leuten von dem Judenblatte, die außer ihrer Abstammung mit Jüdischem nichts mehr gemein haben wollen, wird das jüdische Volk Oesterreichs, der ganzen Welt, auf der Anklagebank sitzen. Und Halsmann, dem das Blatt dienen wollte, wird gedient sein, aber zum Schlechten. * Es ist der Fluch der Assimilation«juden, der Juden, die keine sein wollen, daß sie Unheil stiften, auch wenn sie das Guie wollen. Entwurzelt schwanken sie zwischen Knechtseligkeit und Ueberheblichkeit. Ohne Wert in sich haben sie das Gefühl für die höchsten Werte der anderen verloren. Dem niedrigen Instinkte der anderen huldigend, haben sie ihr Judentum bereitwillig weggeworfen, weil dieses Judentum den anderen nicht gefällt. Sie demütigen sich vor den anderen, bis ins Tiefste. Dann verfallen sie in das Extrem und glauben sich berechtigt, den anderen Vorschriften machen,, an ihre heiligsten Dinge rühren zu dürfen. Jüdischer Stolz und jüdische BescheidenHeit, welche die eigene Würde und die Würde anderer zu# schätzen wissen, sind ihnen fremd.;IJnd darum stiften sie Unheil, auch wenn sie Gutes wollen. < :'4k. .. , r. st, . Was geht in der Jfewish Agency vor Gegen das Jüdische Nationalheini! , Die Erweiterung der Jewish Agency durch Nichtzionisten ist im Vorjahr in Z ü r i c h in größter Aufmachung beschlossen worden. Fanfaren schmetterten es in die Welt: „Alles, was im Judentume Rang, Namen und Geld hat, ist nunmehr für den Aufbau des Jü dischen Nationalheimes in Palästina!" Ein großer Sieg des zionistischen Gedankens! Vielleicht hat man gar so laut geschrien, um die eigenen Zweifel an dieser Sadie zu betäuben? Wenige Monate sind ins Land gegangen und die Siegesstimmung ist verflogen. Das Zusammenspannen von Nichtzionisten und Zionisten für ein gemeinsames politisches Ziel, das in Zürich, am grünen Tisch, so glatt vor sich ging, erweist sich in Wirklichkeit natürlicherweise als ein unlösbares Problem. Die Anzeichen hiefür treten immer deutlicher zutage. Das vielgerühmte Zurückstellen der eigenen Ueberzeugung zugunsten der Zusammenarbeit für ein gemeinsames Ziel ist an sich eine schwere Sache. Es wird aber unmöglich, wenn der Glaube an die Gemeinsamkeit des Zieles wankend wird. Und dieser Glaube ist wankend geworden! Beweis dafür sind nicht die Streitigkeiten, welche sich bereits zwischen Weizmaan und der Zionistischen Exekutive einerseits und Warburg und den amerikanischen N i c h t z i o n ist e n anderseits ergeben haben. Das könnten immerhin augenblickliche und gutzumachende Entgleisungen sein, Mißverständnisse,* dem Mangel an richtigem Kontakt entsprungen. Uebrigens haben sich ja Weizmann und Warburg beeilt, zu erklären, daß diese „Unstimmigkeiten" schon aus der Welt geschafft sind. Möge es so sein! Maßgebend ist das nicht. Maßgebend ist, daß kurz nach geschlossenem Pakte, dessen^ Basis der Wille zur Errichtung des Jüdischen Nationalheimes ist, 8Bewt Bötersen. ♦ ♦ SooatöaWetteit! Sogal'^aBtetten finb unübertroffen gut Selämbfang rheumatischer, gichtischer und nervöser Schmerzen, Kopfschmerzen, Erkältungskrankhelten. £ogal föeibet bi« $arnfäitre an* unb geht baher bireft gut SSurjct be* Uebe« l SBcnn Xtrafenbe üon Siebten biefeS Littel öerorbnen, föunen audj ©ie es oertrauensooll taufen, fragen <Sic Sfjren Är$t! 3« «(tat flftothelen. ffrciS S 2.40._ö 83/84 Alle Im redaktionellen Teil befindfichen entgeltlichen Notizen sind durch ein beigefügtes E bezeichnet. von verbündeter nichtzionistischer Seite aus gegen das Jüdische Nation alheim gekämpft und nicht nur die Möglichkeit seiner Errichtung bestritten, sondern auch die Zweckmäßigkeit seiner, Errichtung in Frage gestellt wird. Opposition gegen das Jüdische Nationalheim! Was für einen Sinn hat dann noch der ganze Pakt? Daß sich aber diese Opposition, schon kräftig regt, geht aus nachstehenden Meldungen deutlich hervor» Dr. Stephen Wise warnt vor SeJbstvernichtungl Eineri nder hervorragendsten Führer der amerikanischen Zionisten, Div Stephen Wise;'erkl^rt^iä deV palästinensischen. Tageszeitung „Hasman", daß als erste Folge der Erweiterung der Jewish Agency der Zusammenbruch der Zionistischen Organisation in Amerika in die Erscheinung trete, und weiters, daß ein Wiederverfallen der amerikanischea Juden in antizio-: nistische Stimmung festzustellen sei. Dr. Wise sagt: „Die Zionistische Organisation Amerikas hat dem Plane der Erweiterung der jewssh Agency durch' Nichtzionisten zugestimmt und sien, wie es jetzt klar wird, dadurch selbst Vernich ifi'V Wenn sich in Euroya dasselbe abspielen wird, was sich jetzt in Amerika abspielt, dann wird die Zionistische Weltorganisation bloß eine Erinnerung bleiben. Es sind alle Anzeichen dafür vorhanden, daß der A n t i z i o n i s m u s in den Dreisen des nichtzionistischen Teiles der Jewish Agency wieder aufsteht Charakteristisch ist die Zustimmu&g dieser Kreise zu dem Plane des Universitätskanzlers Dr. Magnes, dessen Verwirklichung das jüdische Palästina preisgeben würde. Doktor Weizmann und die Zionistische Weltorganisation müssen fester als je auftreten. Sie dürfen es nicht zulassen, daß von der Balfour-Deklaration auch nur ein Jota genommen werde. Dr. Weizmann darf sich' nicht in das nichtzionistische Lager hineinziehen lassen, Angriff Rabbiner Schulmanns gegen das Jüdische Nationalheim. Wie begründet die Sorgen des Dr. Stephen Wise sind, erhellt aus einem Artikel des New Yorker Rabbiners Dr. Schulmann, welcher in fast allen amerikanischjüdischen Blättern abgedruckt war. Dr. Schulmann ist der Führer einer großen Gruppe amerikanischer Juden und leitendes Mitglied der erweiterten Jewish Agency, Er nimmt die Pläne des Dr. Magnes betreffend die Errichtung eines P a r 1 a m e n t s in Palästina, welche mit der Vernichtung des jüdischen Palästina gleichbedeutend sind und von der Zionistischen Weltorganisation, Dr. Weizmann mitinbegriffen, entschieden abgelehnt wurden; zum Anlasse* um Dr. Magnes auf den Schild zü heben. Er behauptet, d a ß es keine jüdische Nation gibt< und folgert Verband demokratIscher Zionlsten Voranzeige 2 große Pur Im-Ki nderff eiern - •' t. :.' Z u r Auf f ü h r u n g. a n b I d n Tat« n 9*1» n g Ii am 15. und 16. März 1930 „Purim in Tel»Awiw" Der große Karten ' ......................................."...........■■■■■■■■■■Min............................... ~-...-..,.ri rTTTT||1>|.....nmiimmuuuinmiiHn

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