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Die neue Welt · 1930-02-14 · Heft 126 (14.2.1930) · page 6

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Journal
Die neue Welt
Volume
4 (1930)
Issue
Heft 126 (14.2.1930)
Date
1930-02-14
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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r Seite 6 DIE NEUE WEL T Nr.!26 Mwmimit«wwiniMmf SIEGM. KORNMEHL CmOtSPUlSCHMIIUlAII Unftm IX« Betts*«*» 1», Tefephoa 17.3-99 tu 16*9.34 L i e f e r a n t für Heilanstalten Abteilungen für «nyy«««itch düter Aufsieht des Ehrwürdigen Rabbinats der Itr. Kol* tusgemeinde Wien Atiteaustetltina koatanle» IX., Berggass« IS , XVIII., WMirlfigtrstr. §7 nrnmuwtrmmifuittiti. riiiiwmuMimittmitfiiiifmmiMiiitf iitiiinnt iiuniit nix tm ifiHin inrnttiitimtnimruifm irattfHiimniuti w*mmnn Mandat verbinden das Land mit dem ganzen jüdi» sehen Volk. Die BalfoursDeklaration spricht von dem Recht des jüdischen Volkes einerseits und von den bürgerlichen und den religiösen Rechten der übrigen Be« wohner (arabisches Volk ist nicht gesagt) andererseits. Das Mandat spricht von dem Recht des jüdischen Volkes ..seine Heimat aufs neue zu errichten". Da» rum kann das Schicksal des Landes nicht der derzeitigen Mehrheit, den arabischen Bewohnern ausgeliefert werden und auch nicht den derzeitigen Bewohnern des Landes, die schon die Anzahl von Juden enthalten, denen es bereits gelang, nach Palästina zu kommen. Die sind nur ein Teil, der als Pioniere dem Heere voranging, denjenigen, die noch kommen werden und das Land auf* bauen und gestalten werden. In dieser Richtung haben wir u. E. unsere Stel« lung vor der Britischen Regierung darzulegen, und wir Rinken und hoffen, daß die englische Regierung unsere Stellung verstehen wird, und daß auch der Völkerbund unsere Haltung für richtig und im Einklang mit der Lage von Erez Israel und dem Volke Israel ansehen wird: solche Anschauungen sind in der Mandatskommission schon verlautbart worden. Doch handelt es sich für uns hier nicht nur um die Richtünggebung unserer Aufklärungsarbeit und nicht nur um den Wunsch, die englische Regierung zu beeinflussen, «ie möge uns nicht vor diese harte Prüfung stellen — son* dern, und wir betonen dies mit Nachdruck, die Ansicht des Jischuw geht dahin, daß auch wenn wir vor der Tat» sache stehen und unsere Anschauung von der englischen Regierung nicht akzeptiert wird und sie uns konstitutio* nelle Aenderungen vorschlagen wird, wir damit nicht einverstanden sein können. Der Jüdische Jischuw in Erez Israel wird auf keinen Fall damit einverstanden sein, ein schlechter Sendbote des jüdischen Volkes zu sein; denn der Jischuw weiß sehr wohl, daß er die Grundlagen des nationalen Heimes nicht wird: wahren können, wenn die Entscheidung über das Land der arabischen Mehrheit ausgeliefert werden wird. T Wir haben schon ausgeführt, daß j e d e konstitu« t ioneile Änderung den Kern periodischer Pogrome bilden wird und den Jischuw, die Grundlage und Wurzel des Nationalen Heims, den Po« grom taten preisgeben und die Möglich* keit der Entwicklung des nationalen Heims gefährden würde. Darum ist es klar, daß solche Vorschläge nicht zur Beruhigung des Landes und zur Herbeiführung des Friedens beitragen würden. Doch wenn wir auch auf die nicht kompetenten Ratgeber von innerhalb und außerhalb hören würden, die da sagen, dies würde für eine gewisse Zeit Beruhigung und Frieden bringen, ' , so dürften wir nicht die Erstgeburt des Zionismus — das Recht des jüdischen Volkea auf das Land — um das Linsengericht solchen Friedens erkaufen, der nur durch unsere Schwächung und einer Absage an unse* ren Idealismus begründet werden könnte. Am Schlüsse unserer Kundgebung wollen wir noch unserer Ansicht Ausdruck geben, daß in dieser verant* wortlichen Stunde, in der der zukünftige Weg des Zionis» mus bestimmt wird, die zionistische Leitung sich in ständigem und engem Kontakt mit den Massen der Angehörigen der Weltorganisation befinden sollte, die um das Schicksal des, Zionismus und die Rein he i t unserer-Bestrebungen besorgt sind. Es ist klar, daß die zionistische Leitung nicht nur der öffentlichen Meinung Gehör zu schenken hat, sie hat diese öffentliche Meinung auch zu schaffen. Zum Zwecke der Stärkung des zionistischen Geistes in der ganzen Diaspora, zum Zwecke der Vereinigung aller zionistischen Teile ist es nötig, daß die Zionistische Exekutive eine Kundgebung ihrer Stellung zu den Fragen veröffentliche, die auf der Tagesordnung stehen — natürlich soweit eine Veröffentlichung in' dieser Sache möglich ist. Die Exekutive bat ganz Idar gegen die Verkleinerung des Zionismus; wie sie aus den Vorschlägen mancher Kreise und einzelner . nicht kompetenter. Menschen hervorgeht, ihre Stellung kundzutun. Derartige Erklärungen schaden unserer Stellung sehr, da sie den Feinden Waffen in die Hand geben, die gegen unsere Rechte intrigieren. Die zionistische Leitung sollte sich nach Möglichkeit bemühen, derartige Taten nicht ge» schehen zu lassen und eine Einheitsfront aller Kreise des Volkes zur Verteidigung unserer vollen und ganzen Rechte zu bilden. Die Antwort des Jischuw lautete, daß er seinen Platz nicht verlassen und seine Wacht nicht auf« geben werde. Wir wollen unsere Ausführungen mit einer Zu« sammenfassung unserer hauptsächlichen Forderungen sur polltischen Lage beschließen: Keine Erniedrigung Unser Jugend- und Verbandsheim. Nach langen Bemühungen ist es gelungen, ein großes, eigenes Heim zu sichern. Das Heim bietet grolie Vorttagssöle, Lehr/immer, Büroränme usw. in ausreichender Zahl, um einen wirklichen Sammelpunkt jüdischen Lebens zu schaffen. Vor allem aber werde» wir in der Lage sein, die Wiener jüdische Jugend zu erfassen, sie in eine Umgebung zu bringen, welche Schutz gegen die fortschreitende Entjuünng bietet. Unser Ideal ist es. aus unseren Jungen und Kindern treue Träger des Judentums zu machen. Juden mit Würde und Bescheidenheit, jüdische V o 11 m e n s c lt c n. Unser Heim gibt uns die Möglichkeit, diesem Ideale zu dienen. Die Erhaltung des* Heimes ist durch unseren Verband gesichert. Aber die Einrichtung erfordert größere Mittel. Wir streben ja an, das Heim behaglich und allen Anforderungen entsprechend auszustatten. Wir bitten daher alle, die unser Bestreben gutheißen, alle, denen die Zukunft unserer Jugend am Herzen liegt und denen die Schaffung eines würdigen, der Pflege des jüdischen Gedankens geweihten Heimes als gute Sache gilt, einen einmaligen Beitrag zu leisten. Spenden nehmen der „Verband demokratischer Zionisten" und die Verwaltung „Die Neue Welt", Wien, IX., Univcrsitütsstraßc 6—8, entgegen. Wir haben auch Banst eine zu 1 S und 2 S in Blocks zu je 10 Stück herstellen lassen. Wer durch Verkauf dieser Bausteine unsere Sache fördern will« kann bei den oben bezeichneten Stellen Blocks erhalten. Für den Verband demokratischer Zionisten: Robert Stricker, Obmann. VI. Spendenonsweis: Sammlung Katz S 35, Sammlung Insp. Stern S 10, Ehrlich S 2, A. Schnur S 20, B. Steinklein S 20, Klappholz S 5; Sammlung zion.-demok. Jugend, 4. Rate S 50, Sammlung Nebenzahl-Niwes S102, durch Frau Nebenzahl ß. S 40, durch Frau Pia Klein S 20, B. S. S 25, durch Frau Paula Stricker: Frau Leser S 20, B. P. S 20, Weiß S 20, Sammlung Weinberg S 20, K. Brauch S 10. Jaques Schwarz, 2. Rate S 10, durch Fritz Pollak-Go. S 20, Frey S 20, Gr. S 30, R. S 10, Ing. K. S 10, Sammlung Brüder Schiffmann, l.Rate S 300, zusammen S 819. Bisher insgesamt S 7017. und keine Verzichte. Zur Uebergabe des Steuers in die Hände der Araber können wir nicht zustimmen, auch nicht zu einer teilweisen Uebergabe. Wenn die Re» gierung derartige Forderungen verlautbaren sollte, werden wir sie anhören, aber nicht akzeptieren. Um so weniger haben wir derartige Pläne auszuarbeiten. Ohne Schuld vor öott sind wir den Arabern gegenüber und rein werden wir auch vor den Mens sehen sein, wenn wir mutig und stark und ohne Er» niedrigung die großen Prinzipien des Zionismus dar« legen, der das in seine Heimat zurückkehrende Volk zur Befreiung führt. ^illlllllllUllllillUllllUllllliilllliuiiuiiiiiuiitiiiiuuiaiiiiiiic 1 Verband demokratischer Zionisten | wHBBKBU^mmtKEKHtl^^K^EIBIBKtKKBK^KKU&BKKK^HK^^^^^B I Mittwoch, den 19. Februar 1930 um halb 9 Uhr S 5 abends im <af6 Produktenbörse), II., Taborstr. 10 ] Versammlung] | Gegenstand: Parteien u. Parteipolitik | | im Zeitalter der Hasmonäer S | Referent: Dr. David Rothblum § s •** gM^mumj^ Notschrei aus Sowjetrußland. Von einer offiziellen jüdischen Stelle ist. uns die Abschrift eines soeben aus Rußland eingetroffenen Briefes Übergeben worden. Wir bringen aus dem Inhalte einige Stellen. Der Brief ist im Auftrage der geheimen Verbände frommer Juden geschrieben. „An unsere lieben und teueren Brüder! Wir wissen, daß Ihr alle Juden liebet und war wissen, daß Ihr Mitgefühl (im Original Jesurim) mit uns habet. Deshalb, liebe und •heilige Brüder, wundert es uns, daß Mir über uns schweigt. Es hat den Anschein, daß Ihr nichts von uns wißt. Entschuldigt mich, daß ich solches sage: Ich, der ich in.Städten und Städtchen herumfahre. Wehe, wehe,- wehe, Hebe und teure Brüder! Man quält unsere Juden. Wer spricht, er will Gott dienen, den quäk man zu.Tode, Nein! Der Tod ist viel geringer als die Leiden der russischen Juden. Ein Jude darf nichts .tun. Man will einem A r be.it smenschen solange keinjStückchen Brot geben, als er am Sc-habbes nicht arbeitet, und er nxiß unterschreiben --- fern sei es von «ns — d^ß er an Gott nicht glaubt. Er darf nicht beten gehen, er darf nicht zum Rabbiner gehen, die Bethäuser zieht man ein, und auf das Bethaus, welches noch besteht, leg* man so viele Nalog (Abgaben), daß es nicht möglich ist, sie zm bezahlen. In allen Städten fehlt die Milewah. Man läßt 'keine Mlkwah bestehen. Wo noch eine Mikwaft besteht, aber sohlte man dafür so viel bezahlen, was unerschwinglich ist. Man ist, Gott behüte, vor dem Schließen derselben. Man läßt kein Kosoherfleisch zu. Die Schächter läßt man nicht Vieh (gemeint ist Großvieh) schlachten. In manchen Städten läßt man sogar kein Geflügel sofolachten. Sollte ein Schüchter an einem verborgenen Orte Schächten und ertappt man ihn dabei, so setzt man ihn Jus Gefängnis, und seine „Stube" wird angefordert. Den Rabbinern legt man Steuer auif, so daß viele Rabbiner an die Regierung schreiben müssen, daß sie ibrem Beruf entsagen, und lene Rabbiner, welche nicht entsagen, haben kein Stückchen Brot. Main; tritt sie mit den Füßen, und schreiben kann das auoh keiner, deshalb schreibe ich es, nssiismuisism» Dipl. Ingenieur anfangs der Dreißigerjahre, sucht Bekanntschaft mit jutfger gebildeter Dame aus gut jfidV Hause mit Vermögen oder Einheirat Diskretion zugesichert Anträge erbeten unier „Jüdisches Heim 1930" an die Expedition dieses Blattes isiissrtspsiiiiiissssssstjsjs<e<sjit<iissssstisiiseisiii LAUSANNE ÜB ISRAELITISCHES MÄDCHEN-PENSIONAT Villa $6vlgn6 1908 gegrOndst // Referenzen Prosp kte durch die Vorsteherinnen: Mmei M. et B. Biooh und mit großem Schrecken (gemeint Gefahr), und würde man mich ertappen, so würde 'man mich erschießen... Jörn Ki'Ppur ist man in alte Bethäuser gelaufen, um das Beten zu verhindern. An manchen Orten wurden in die Bethäuser Steine geworfen. Man wilü nur ein Stückchen Brot geben, wenn man . . •. entsagt, und Menschen wollen essen. Sie müssen also alles tun. Würde man -nur den Tod androhen, um die Sabbat-Entweihung zu erzwingen, so würde man sich töten lassen, aber man martert zu Tode, und K i n d e r w o 11 e m e s s e n. AM die Leiden der frommen Juden zu beschreiben ist unmöglich. Gar nicht zu reden davon, daß jedem, der ein Geschäft gehabt, alles weggenommen wurde, sogar die Wohnung samt Bettzeug, er selbst tos Gefängnis geworfen. Würde man im Gefängnis zu essen geben, so wären alle Jitden g e r n e ins Gefängnis gegangen. Aber man gibt fceifai Essen, und die Leiden sind «roß. Man kann infolge ünreln- Üchkeit vergehen. Jetzt aber haben alle Juden schon Jängst keine Geschäfte mehr, und dennoch -werden sie dafür verantwortlich gemacht, daß sie früher einmal Krämer waren oder ihre Bitern. Kurzum, Jeder wird für schuldig befunden und zu Tode gequält, viele Menschen aus ihrer Wohnung geworfen. Alles wurde Ihnen ■weggenommen. Es äst ei« Schrecken, dies anzusehen. Von Tag zu Tag neues Leid, neue Gesera. Unsere Kinder wurden uns entrissen. Ein Cheder darf man nicht besuchen. Erwischt man einen Melammed beim Unterricht eines Kindes, so wird er in das Gefängnis gesetzt. Man hat ihre Fußböden auifgeg-raben und die Wände niedergerissen, um zu suchen, ob nicht etwas versteckt wurde. Menschen verschickt mau nach . . . Wehe, wehe! Heilige Brüder, wie bitter ist die Laigc unserer Juden. Wehe, bitter ist den Rabbinern, sie schreiben Euch gar nicht, denn sie fürchten sich sehr und befinden sich in großen Schrecken; äußere dem haben sie keinen Bissen Brot- Nur ich unterziehe midi des Schreibens... Es mögen viele tausende Menschen versammelt sein ■und darunter nur zehn Banditen, welche von Dingen sprechen, die niemals auf der Welt dagewesen, und allte wissen, daß es eine Lüge sei — wird keiner sagen, daß es unrichtig ist. Sagt es aber einer, so wird er verbannt. Versteht Ihr schon, was sich bei uns tut?! Deswegen sollt Ihr nicht verschweigen, allen unsern Brüdern in Amerika zu schreiben, auf daß .Gewalden* gemacht werden in ganz Amerika und aufgeiüi'.eit werde die große Welt, daß ein St;irm gehe von e'. i^m Ende der We.t zum andern. Wiie läßt man es zu, daß Menschen so gemartert werden? Warum tat man sich so verlegt auf die Religion? Warum schweigen alle unsere Brüder in den freien Ländern, wo man reden darf? Bei uns, wenn -wir gaT nichts reden', sagt man, wir haben geredet und man kommt bei Nacht und ergreift viele Menschen und verbannt sie, wie schTecMlch ist unsere Lage, Schweiget nicht! Schreiet! Lärmt! Man 'iilttttnit uns alles weg, die Kinder aus der Wohnung samt allem anderen und schickt es nach dem Auslände; man tauscht es um gegen Maschinen, unser Blu t wird gegen Maschinen eingetauscht. Es wäre schon besser gewesen, daß Amerika Maschinen gäbe und wreschne (?) Menschen verlangen, welche keine Rechte haben. Und wir hätten für die Maschinen abgearbeitet. Man schweige ndpht und rette uns alle Juden. Wir werden vergeben vor Schreck der Leiden. Woflt Ihr uns nicht retten, so rettet däe „Judiscfokett", Man nimmt unsere kleinen Kinder und redet ihnen ein, daß es — fern sei es von uns — keinem Gott gebe. Dies lehrt man alle Kinder. Warum schweigt Ihr? Wir Wörden schreien, könntet Ihr unser Geschrei vernehmen! Man schickt amerikanische Delegierte m uns, und unsere Regierung 'hält sie In allen söh&neren Orten auf. Man zeigt ihnen Moskau und die schönen Orte. Man gibt ihnen gutes Essen, man führt sie in das Theater, Wae er-

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