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Die neue Welt · 1930-02-14 · Heft 126 (14.2.1930) · page 3

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Journal
Die neue Welt
Volume
4 (1930)
Issue
Heft 126 (14.2.1930)
Date
1930-02-14
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Nr. 126 DIE NEUE WELT Seife S gen he it. Graf Klebeisberg wollte sich offenbar ein Alibi verschaffen, wobei er aber jene Tätigkeit vergessen zu haben scheint, die er 1920 entfaltet hat. Im Jahre 1921 hat Graf Klebelsberg die Ehrung durchaus nicht von sich gewiesen, als Präsident im Unterrichtsausscbufl die Beratungen über den Numerus clausus zu leiten und den Ausschuftbericht an unterzeichnen. Der Kultusminister hat keine Prinzipientreue bewahrt. Das Votgehen des Grafen Klebelsberg verletzt tief das christliche Gefühl. Abg. Wolff griff ebenfalls den Kultusminister an und nannte „Egyenlöseg" ein „Makkabäerblatt". Die Parteikorrespondenz der Einheitspartei welcher Graf Klebelsberg angehört, veröffentlicht folgende Mitteilung: An eingeweihter Stelle wird betont, daß Graf Klebelsberg, als er zur Festversammlung der Pester Israelitischen Kultusgemeinde erschienen ist, bloß einem schon früher gegebenen Versprechen nachgekommen war. Die Feier bewegte sich frei von jeder Politik. Minister Graf Klebelsberg hat keine politischen Erklärungen abgegeben und lediglich einige Reminiszenzen aufgefrischt, Anderes lag durchaus nicht in seiner Absicht und noch weniger wollte Graf Klebelsberg in bezug auf die Zukunft den Entschließungen der Regierung in welcher Richtung immer prä judizieren. Ein wackerer Graf! Man weiß nicht, was man mehr bewundern soll, seinen Mut oder den Optimismus der ungarischen Juden. Deutschland und die Dreyfus- Aßäre. Eine der größten Lumpereien der Weltgeschichte. — Der lächelnde Schurke. Rechtsanwalt Bruno Weil, stellvertretender Vorsitzender des Zemralvercins deutscher Staatsbürger jüdischen Glauibens, hielt in Berlin vor einer Zuhörerschaft, die sich zu einem großen Teil aus Juristen zusammensetzte, einen Vortrag über die .,Af f ä r e'D r c y f u s", der spannend und in der Wirkung sensation-eM war. Der Vortragende gab Kenntnis von den deutschen Akten mm Fall Dreyius, von denen der größte Teil bis jetzt einer weiteren OerferHiichkeii vollkommen mibeka nn t war. Die Akten betreffen Berichte des damaligen deutschen ßotschasfters in Paris Grafen Münster, des deutschen Militärattaches Obersten Scbwarzkoppen, der nach der Version der Anti-Dreyfus-Partei die Mitteilungen vom ,.V errät er Dr ey f u s" über französische MiK-tärgebeimnisse und das mysteriöse Bordereau in Empfang genommen haben soll. Randbemerkungen des früheren Kaisers Wilhelm II. zu den. Berichten, schriftliche Aeußemn'gen des damaligen Reichskanzlers Fürsten Bülow, die Niederschrift einer last tragisch verlaufenen Unterredung zwischen Münster und Scbwarzkoppen u. v. a. Aus aileh diesen Berichten, Aufzeichnungen und Randbemerkunsen geht klar und zweifelfrei hervor, daß der von der französischen Militärpar-tei wegen Verrates militärischer Geheimnisse an Deutschland verfolgt gewesene und von zwei Militärgerichten verurteilte jüdische Kapitän Alfred Dreyfus niemals irgend welche mittelbare oder unmittelbare Beziehungen zu deutschen zivilen und militärischen Stellen unterhalten hat, ebenso zweifeifrei geht aus den deutschen Akten hervor, daß der französische Major Es te rh a zy, der damals «von der französischen Militärpartei gedeckt und gegen die Anklagen eines Zola, Clemeucean u. a. in. beschützt wurde, dem Obersten Schwarzkoppen französische militärische Akten auslieferte und an ihn jenes mysteriöse „Bordereau" schrieb, das später in die Hände des französischen Generalstabes gespielt wurde und dessen Autorschaft durch ein falsches Urteil von Schriftsachverständigen Dreyfus zugeschrieben wurde. Das spannendste Moment in dem Vortrag Dr. Weils war die Schilderung folgender Episode. Bevor der zweite Dreyfus-Prozeß vor dem Militärgericht in Renncs stattfinden sollte, wandten sich der damalige französische Ministerpräsident, der französische Außenminister und der französische Kriegs minist er isoliert und geheim, ohne daß einer von der Tat des anderen wußte, teils an Kaiser Wilhelm, teils an den Reichskanz>ler Fürsten Bülow mit der Bitte, wenn Dreyfus unschuldig ist, das mitzuteilen, was ihn entlasten kann. Der Appell der /fiv»<9~ Die führende schwedische Weltmarke Nur diese Schwedenklinge macht Rasieren zum Vergnügen französischen Regierungsletter ist daraus zu erklären, daß sich Frankreich damals infolge der Dreyfats-Affäre fast an der Schwelle eines Bürgerkrieges befand, der durch die Klärung des Falks vermieden werden sollte. Aus den deutschen Akten geht nun hervor, daß Kaiser Wilhelm seinerseits nicht abgeneigt war, das zu tun, was zur Liquidierung der Affäre gerührt hätte. Fürst Bülow, der Reichskanzler, aber vertrat einen anderen Standpunkt. Es sei nicht zu wünschen, so führte er aus, „daß Frankreich durch eine rasche und eklatante Reparation von Dreyfus sich sofort wieder die liberale und jüdische Sympathie erwirbt. A m besten ist es, wenn die Affäre weiter schwärt, die Armc e zersetzt und Europa s k a n d a 1< i e r t." * Wer (kennt nicht die Bfflder vom Fürsten Bülow? In allen Zeitungen wurde immer und immer wieder das volle BiedermaiMisgesicht mit dem gütigen Lächeln gebracht. Er hat immer gelächelt! Wie recht «hat Shakespeare: „Man 'kann läöhelm und lächeln u>nd doch ein Schurke sein!" Hitlers Geldquelle. — Ford verweigert die Unterstützung, — Die antisemitische Internationale. München, 8. Februar. Ueber die Geldquellen der Nationalsozialisten wird zum zweiten Male vor dem Landgericht München verhandelt. Anlaß ist die Berufung gegen das Urteil des Amtsgerichtes, das gegen die Völkischen v. Graefe, den Schriftleiter des „Bayrischen ®S ift du tor^Iid>e§ 9&)rf*uft.unfl§mittel gegen ©tut« «tmut, fflfaftettlcttott, $it(ferftan%it; waten fäiteS ftetä> tums an ^^rfaljen tntö SMtam-uwn incrrooll für Äiulbet. ^ag eituiflc Sßrot in fy)fl>tcm'id)ct Scr)xitfuu>a. ftn 4wn auten •^cinfofwjanMituflen um) SPücferacn crbälttitf). &djr bequem: istmonf'brot in Scheiben flStanniolpaduttfl). StmottSbrotfabtift SBieits&aaran 11 . m i täpUrfjer $oftoctfanb — (Sjrport * Kuriers" Oster huber, den Schriftleiter der „Münchener Post" Zerfaß auf je 1000 Mark, gegen den sozialdemokratischen Stadtrat Wimmer und den Führer des Münchner Reichsbanners Dichtel auf je 800 Mark wegen übler Nachrede lautete. Die üble Nachrede wurde in verschiedenen Artikeln und in einem WaMpiakat gesehen, in denen Hitlers Preisgabe des deutschen Südtirol Im Zusammenhang mit möglichen finanziellen Beziehungen mit den italienischen Faschisten diskutiert wurde. Während der Verhandlung erklärte Graefe, er sei auch beute noch überzeugt, daß finanzielle Beziehungen zwischen der Hitler-Partei und den italienischen Faschisten bestehen: seine Quelle sei indirekt der deutsche Botschafter in Rom, Baron N e u r a t th. Hitler erklärte, drei Grundsätze habe er immer hochgehalten: Niemals Geld von Juden zu nehmen, niemals Geld von Ausländern zu nehmen, und niemals Geld zu nehmen, das unter irgend einer Bedingung gegeben werde. Im Anschluß daran stellte die Verteidigung an den Zeugen Rosenberg, der als Hitlers AußcnpoHtiker gilt, die Frage, ob ihm Lüdecke, Hitlers Auslandsemissär, aus Amerika geschrieben habe, daß er Henry Ford um Subventionen für die Nationalsozialisten angegangen habe, von ihm aber ahg wiese n worden sei. Lüdecke habe in New York den Münchner Schriftsteller Peter Schcer getroffen, ihm diese Mitteilung gemacht und hinzugefügt, daß er in gleicher Mission zuvor in Italien gewesen sei. Gegen diese Frage erheben H i 11 e r und sein Verteidiger in größter Nervosität Einspruch, wie sie überhaupt das deutliche Bestreben zeigen, die Beweisaufnahme möglichst einzuschränken. Das Gericht lehnte diese Frage der Verteidigung als nicht zur Sache gehörig ab. Der Berliner 'rechtsstehende Journalist Werner Abel berichtete als Zeuge, daß in einem Lokal in der Wurzerstraße Hitler, Roßbach, der Zeuge und der Italiener Nigliorati anläßlich eines Begrüßungsabends für Roßbach an einem Tische gesessen haben. Es habe eine | Verband demokratischer Zionteten I §§ Dienstag, den 18. Februar, um halb 9 Uhr abends im ff | Calö City, IX., Porzellangasse 1 g | Versammlung f §§ Tagesordnung: §j | Politische Lage der Juden. — Wie wir den Fall | | Halsmann sehen. I I Referenten: 1 Oberbaurat Robert Stricker« Or. I. Waldmann m Die jüdischen Sklaven auf Malta* Von Cecil Roth. Der bekannte Historiker und Korrespondent der britischen Historischen Gesellschaft Cecil Roth legt im New Yorker ^M^noran Journal" die Resultate seiner Forschungen über die Juden von Malta ■ nieder, die wir auszugsweise wiedergeben. Ceqils Roths meisterhafte, wissenschaftlich fijndierte Darstellung wird gewiß das Interesse aller Leser fesseln. III.*) D$r unzerbrechliche jüdische Lebensgeist. Der Umgang der Tätigkeit der Gesellschaft war immens. Aufler den Gefangenen im Mittelmeer wandten sich auch Gefangene aus dem ständigen Kriegsgebiet Italiens, Ungä r ns und Polens, Sklaven in den Galeeren des Adriatischen und Tyrrhenischeu Meeres, Marseille, Elba, Korfu und Xanthi, Opfer der Kosaken im Norden und der Tataren im Osten, unglückliche Juden, die in der Knechtschaft des fernen Persien schmachteten, ..uro Hilfeleistung an die Parnassim dos Cautivos (Vorstände der Hilfskasse), in der Gewißheit, Hilfe, vielleicht auch Befreiung zu erlangen. Aber den Hauptteil ihrer Arbeit mußte die Gesellschaft in Malta leisten. Die Geschichte dieses Hilfswerkes, wie sie uns aus Originaldokumenten vermittelt wird, ist nicht nur ein Denkmal für den edelsten jüdischen Wohltätigkeitssinn, sondern zeigt uns auch den unzerbrechlichen jüdischen Lebensgeist, der Umstände, wie sie nicht schwerer gedacht werden können, heroisch überwindet. Die Verbindung mit Malta war äußerst schwierig. Ein Brief aus Venedig nach Malta dauerte zwei bis drei Monate. Man brauchte daher in Malta selbst einen Repräsentanten der Gesellschaft. Unter dem Regime des Malteserordens durfte dann und wann ein Jude in Malta seßhaft werden, natürlich nur unter großen Einschränkungen. Die venezianischen Kaufleute hatten auf Malta TU i all ei te r, die zu jedem Dienst bereit waren, und einige von ihnen wirkten für die GewZ. *i Stehe Nr, .125 yom 7. Februar 1930, Seilschaft als „Konsuln"; sie bekamen keinen Gehalt, hatten aber allerlei Begünstigungen in Form guter Geschäftsverbindungen mit den Juden in allen Teilen der Welt; sie hatten überdies das Recht, 5 Piaster für jeden befreiten Sklaven einzufordern. Der erste dieser Agenten war ein gewisser Baccio Bandinelli, der wahrscheinlich seit der Etablierung der Gesellschaft bis zum Jahre J670 (in welchem er starb) wirkte. Sein Nachfolger war ein französischer Kaufmann namens Francois Garsin, ein Richter des Tribunals „Consolato del Mare". /Wie gesucht diese Tätigkeit war, beweist die Tatsache, daß Thomas Luis da Souza dem Bandinelli Hilfsdienste anbot, der sie ein Jahr lang üben durfte, bis Garsin selbst diese Funktion übernahm. Garsin erwies sich als uneigennützig und erhielt von den dankbaren Parnassim ein Schreiben, worin es heißt: „Um so größer ist Ihr Verdienst vor Gott und von ihm werden Sie entlohnt werden dafür, daß sie einem Volk, von dem Ihren so verschieden, hilfreich beigesprungen sind." Nichtsdestoweniger hatte Garsin aus dieser Verbindung einen Nutzen. Die Parnassim halfen ihm bei seinen Geschäften in Venedig und verschafften ihm 1671 die Intervention des Rabbinats in Alexandrien gegen säumige Schuldner. Garsin starb i706, nachdem er 35 Jahre Dienst geleistet hatte. Sein Sohn Jean Baptiste bot sich den Parnassim als Nachfolger seines Vaters an. Auf ihn folgte Philippo Antonio C r e s p i. Die letzten Jahre fanden die „Konsuln" einen Mitarbeiter in dem jüdischen Kaufmann Samuel F a r f a r a aus Leghorn. IV. Loslösung und Fürsorge. Wenn die Maltheserritter von ihren Raubfahrten zurückkehrten, besuchten die „Konsuln" das Gefängnis, um nach Juden unter den Gefangeuen Ausschau zu halten. In den häufigsten Fällen waren es einfache Kauf, leute oder friedliche Reisende. Wenn jüdische Beute winkte, wurden nicht einmal die Flaggen christlicher Mächte respektiert Ein solcher Fall wird vpp der Ergreifung eines toskanischen Schiffes erzählt, auf dem sich zehn Juden, sieben Männer und drei Frauen, befanden, unter dem Vorwand, sie seien ottomanische Staatsbürger. Sie wurden nach Malta gebracht und frech auf dem Markt f e i 1 g e b o t en. Eine von den Parnassim an den Dogen gerichtete Petition brachte ihnen nach diplomatischen Verhandlungen und dem Spruch des Gerichtshofes des Großfürsten von Toscana die Freiheit. Das war ein Ausnahmsfall. Im allgemeinen waren die Schwierigkeiten der Befreiung ungeheuerlich. Am 23. Juli 1725 wurden 18 Gefangene eingeliefert, die auf einer Fahrt von Saloniki nach Smyrna begriffen waren. Alle waren arm mit Ausnahme eines Mannes Jakob Fonesca, des Bruders von Dauiel Fonesca (einem Freunde Voltaires), der ursprünglich Marannengeistlicher war und später, nachdem er sich offen zum jüdischen Glauben bekannte, als Arzt des Großveziers in Konstantinopel wirkte. Fonesca verweigerte das Lösegeld und wurde mit Hilfe des französischen Gerichtes, wo sein Bruder großen Einfluß besaß, befreit. Die anderen waren der Wohltätigkeit ihrer jüdischen Brüder überantwortet. Einige Zeit vorher, im Herbst 1675, wurden zehn arme Juden auf dem Weg nach Palästina gefangen und auf die Insel gebracht. Fünf davon starben an den Leiden, der Rest wurde schließlich gegen ein hohes Lösegeld freigegeben. Ein anderer großer Trupp kam im Jahre 1685, als die Stadt Coron an der dalmatinischen Küste geplündert wurde, 21 jüdische Gefangene waren es. All die Fälle sind nur ein kleiner Ausschnitt aus dieser Epoche bzw. aus der Zeit, in der Venedig seinen heroischen Kampf gegen die Türkei am Ende des 17. Jahrhunderts führte. Es fand ein ununterbrochener Zufluß von Gefangenen statt, von denen die meisten arm waren und so der venezianischen Gemeigde Gelegenheit zur Uebung von Wohltätigkeit gaben. Wenn jüdische Gefangene eintrafen, wurden sie augenblicklich von den Vertretern der Gesellschaft auf deren Rechnung mit einer kleinen Gabe bedacht, die die unmittelbare Not abstellen sollte. Außerdem wurde ein Goldstück wöchentlich für jeden einzelnen zur Verfügung gestellt, es sei denn, daß die Mittel des Fonds eine Reduzierung verlangten. Aber auch dann bekam jeder jüdische Sklave jährlich in barem eine Summe, die

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