Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 4 (1930)
- Issue
- Heft 125 (7.2.1930)
- Date
- 1930-02-07
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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* Nr. 125 ofc mm mi\ s*it« f Das Gewissen. Von Wladimir Jabotinsky, Jerusalem. Wir bringen diesen Artikel des Führers der Zionisten «Revisionisten aus Gerechtigkeitsgefühl und um einer Teiidenz, welche dem Zionismus sehr gefährlich wer* den kann, entgegenzuwirken. Es ist zum System geworden, die Zionisten*Revisionistcn, vor allem ihren Führer, als Faschisten und dunkle Reaktionäre darzustellen, und zwar in der Regel ohne Angabe von Gründen. Man kann ohne Uebertreibung von einer organisierten Kampagne apre* chen, welcher die obersten zionistischen Stel* len nicht ferne stehen dürften, da nicht zu* letzt Beamte der Zionistischen Organisation allerorten in der bezeichneten Art gegen Ja« botinsky und den Revisionismus auftreten. Sachliche Kritik am Revisionismus ist gewiß erlaubt, in mancher Hinsicht auch wün» sehenswert. Aber tendenziöse Kampagne ge* gen eine Gruppe, deren gutes zionistisches Empfinden nicht in Frage gestellt werden kann, ist eine gefährliche Sache, gefährlich nicht für den Revisionismus, sondern für die Zionistische Organisation. I. Gewöhnlich reden wir über das Gewissen der Engländer und beklagen uns, daß ihr Gewissen sich nicht so regt, wie es sein sollte. Heute aber will ich den Zustand des Gewissens bei uns Juden und besonders bei uns Zionisten in Betraoht ziehen, weil auch da etwas nioht ganz in Ordnung ist. Gerade der Engländer, bei dem wir — und nicht ganz mit Unrecht — schwerwiegende Mängel hinsieht* lieh seiner politischen Ethik finden, hat einen ganz be* stimmten Vorzug: Er „gönnt". Et wird seinen Gegner scharf und mit Bosheit bekämpfen; aber wenn das Leben beweist, daß der Gegner, leider, recht behalten hat, läßt der Engländer ab und sagt zum Gegner: „Du hast ge« wonnen, sei du jetzt hier der Herr im Haus, und ich werde zusehen, wie dein Haushalt klappt. Und ich werde dich nicht einmal stören, solange du keine Dummheiten machst." Das heißt bei den Engländern: jemandem eine Chance geben. Obwohl ich von den englischen Sitten nicht begeistert bin, muß ich bekennen, daß das eine schöne Eigenschaft ist; noch mehr, sie betätigen sie prak« tisch. Versteht sich: nur unter sich. Für Nicht eng« länder haben sie einen besonderen Maßstab und eine besondere Moral, zum mindesten dort, wo der „Fremde" ein Schwächling ist und es ruhig hinnimmt. Aber unter sieh wenigstens halten sie sich an diese Sitte des „Gön* nens" und des Chance#Gebens. Wir Juden und Zionisten verstehen das selbst un» jtereinander nicht. Wir Revisionisten haben es wirklich schon satt zu hören: „Recht habt ihr schon gehabt." Aber was kann man denn tun — man hat es zwar Uber, aber es ist doch angenehm. Letzten Endes ist es doch die Wahrheit, und die Wahrheit wird man nicht los. Man wiederholt es jetzt auf Schritt und Tritt: Die unparteiische Masse und sogar der Parteianhänger der gegnerischen Richtung, weil die Masse ein Gewissen gehabt hat, bevor man sie durch Haß und Neid vergiftet hat. Nicht so bei jüdischen Parteiführern. Die kennen kein „Gönnen". Bei ihnen ist der Neid stärker a 1 s d a s Gewissen. Alle möglichen Opfer werden sie auf dem Altar der jüdischen Nationalsache bringen, nur das eine Opfer nicht: anzuerkennen, daß der Gegner recht; gehabt hat, Sie werden vertuschen, verschweigen, verdrehen. Hilft auch das nicht, so werden .sie schimpfen; hilft auch das nioht, so werden sie verleumden und und hetzen, wenn sie auch im Herzeh meistens ehrliche Menschen sind. Denn alles das ist immer nooh besser als „Gönnen". Und das Gewissen? Das Gewissen schweigt. Kommt es nämlich zur Parteigegnerschaft im Jüdi». sehen Leben, schläft das Gewissen ein. Ueberhaupt ist das ein interessantes Beispiel für die jüdisohe gesellschaftliche Pathologie; Das Verhältnis zun} Revisionismus nach den palästinensischen Greueln. Bei der Masse haben wir an Vertrauen gewonnen: würde man heute Wahlen zum Kongreß ausschreiben, würde sioh das fühlbar machen (und gerade deshalb wol« len sie den Kongreß nicht), aber bei den Parteiführern ist es gerade umgekehrt. Auch früher haben, wir uns be* feindet. Jetzt aber ist es ein krankhafterHftß. Bei einem anderen Volke würden die Gegner einer Partei, deren Voraussagen sich durch die Fakten bestä« tigt haben, au§ diesen Tatsachen andere Schlüsse ziehen. Sie würden sagen: „Diese Partei hat in unseren Augen diese und jene Mängel, und Mängel bleiben Mängel, und gegen dieselben werden wir weiterkämpfen; aber in einem Punkte .hat sie recht gehabt und wir nicht; und deswegen muß man ihr in Zukunft größere A c h t u n g entgegen» bringen und ihren Worten Beachtung schenken. Bei uns. aber wird in .einem solchen Fall der ganze Gedankengang von einer einzigen Sorge beherrscht: Man1 darf es ihnen, nicht gönnen! Da alle behaupten, daß jene richtig gesehen haben, wir aber geirrt, muß man suche» gu beweisen: 1. daß jene g a r n i c h t s vorausgesehen haben, 2. daß wir selbst auch dasselbe vorausgesehen haben, 3. da es schwer sein wird, solche Sachen zulbe« weisen,, muß man einfach schreien, jene wären eine Ge« *ahr, eine Pest usw. II. Soweit interessiert mich diese pathologische Ersehe,!« nung lediglich als Beobachter. Gleichgültig, ob ihr's uns gönnt öder nicht. Schimpft so oder so — letzten Endes •rhirut man schon in 3v Jahnen gcsclligbaftliohen Ltboos die heilige Weisheit der Verachtung. Diese Erscheinung hat aber auch eine entschieden gefährliche Seit», die dem ganzen Zionismus notwendig Schaden bringen muß. Denn weil man uns nicht gönnen darf, daß wir die richtige Diagnose gestellt haben, will man auch ohne jene Medikamente auskommen, die wir als erste vorge* schlagen haben —» wenn auch jeder im Innersten emp» findet, daß diese Medikamente die einzigen sind, die uns noch retten können. Gerade aus dieser pathologischen Wurzel stammt die Einstellung des offiziellen Zionismus zum Legionsgedanken.Sogar heute, wo wir an die Wand gedrückt sind; wo wir wissen, daß man ohne Schute nicht weiter bauen kann, wo wir jeden Tag mit eigenen Ohren hören, wie der Engländer tobt, er sei nicht ver« pflichtet, seine Söhne und sein Geld für Gar« nisonen in Erez Israel herzugeben, und Wie er fragt, warum die Juden solche F e 1 g 11 n g e sind, daß sie nicht selbst ihr Land und Volk beschützen wollen; und wo wir ganz genau wissen, daß jede posititive Forde« rung von Reformen in Erez Israel sofort auf den sti>Ji« gen Einwand stößt: „Die Araber würden sioh daran stoßen, und wo nimmt man ein Schutainstru« mont her?"; wo auch jene das alles sehen, hören und wissen — können sie sich aber doch nicht dazu zwingen, das einzig richtige und ehrliche Wort auszusprechen, weil das Wort unseren Stempel trägt und sie es uns doch nicht gönnen dürfen. Ich bin beinahe bereit, noch eine bittere Voraus* sage zu machen. Nicht nur, daß die Nicht«Gönner von allein nie den Vorschlag der Errichtung einer jüdi« sehen Miliz machen worden (das ist nicht 3o wichtig; diesen Vorschlag kann man ohne sie und über ihre Köpfe, hinweg: machen, mit genau demselben Effekt). Aber meine bittere Voraussage besteht darin, daß die Nicht*Gönner in einem solchen Falle. den Vorschlag direkt b e k ä m p» fen, zu den Gojim lauf en wer den, um gegen die Idee einer jüdischen militärischen Einheit zu wühlen. Und ihre Presse wird versuchen, den Eindruck zu erwecken, daß sogar die jüdische Jugend gegen einen aolchen ^Faschismus" und nioht zum Dienst bereit sei. „Eine starke Uebertreibung", wird viel« leicht der gutherzige Leser sagen. „Glaubst du denn, daß sogar die Nioht'Gönner soweit gehen werden, eine Sache zu schädigen, ohne die sie selbst keinen Aiisweg ■ «■■!■■■■■■■»■■■ ■'»■■»■■»■■■■«»■■IIIWIIII»« ^38!: 1' ■ ' ■ 001 des Ersten allgemeinen Beamtenvereines Wien erteilt an öffsntllohs n. Bunde«ange«t9llto aller Kategorien «owl« an PenelonUum zu ihn gtiti« atlgsten Bedingungen und «egen höchst annehmbare Rilokx«liiuitg«motf«lltlleh langfristige Personalkredlte ohne LebensvarslcherungspoUzse Pitt monatlichen pufeluahiungen werden bei derZtasenberechnung berücksichtigt Die monatliche Rate beträgt für ein Darlehen von $1000.- S25.- Die Erteilung von Auskünften Uber.Spareinlagen und Entiegennahme von Darlelirnsansuchen erfolgt vorapeaen» rel durch die Zentrale: Wien XVIII, WolroHrer.tr, £r und durch die Stadtbüros: Wien I, Kärntnerstr. 39 (Eingang Schwangasse 1) I, Uranlftftr, 2 m /__ sehen?" Ich wäre glücklich, wenn, ich noch ein Fünkchen Hoffnung hätte, daß der Haß und .der Neid bei uns irgendwo eine Grenze erreichen werden . « « Eine Grenze? Ich habe zuviel gesehen und gehört, als daß ich noch an das Vorhandensein einet Linie glau» ben könnte, wo der Parteihaß aufhö|t und die Herrschaft des Gewissens beginnt. Wäre eine solche Linie in un« serem jüdischen Leben vorhanden, hätten wir sie heute doch erreicht, heute in den schwersten, kritischesten Ta« gen unserer neueren Geschichte. Aber seht, was vor sich geht. Seht, wie eine Mobilisierung aller offiziellen „Mm s c h i n e n" sich vorbereitet, um das Gewissen der Massen zu erwürgen, die in . uns plötzlich ihre Wegwelsen er* kennen; erwürgen, nicht zulassen, verschweigen, mit Ver« schwommenheiten . umnebeln. Lest z. B. den Aufruf der beiden Arbeiterparteien in Palästina, veröffentlicht nur wenige Wochen nach den Unruhen wenige Wochen nach der Zeit, wp die „Unseren" und die „Ihren" vereinigt den Mördern gegenübertraten; naive Leute glaubten schon, daß jetzt die frühere Feind« schaft erlöschen würde, daß man jetzt die Beleidigungen von vorgestern vergessen und von nun ab als Menschen, als Brüder leben würde, als streitende Brüder wohl, aber als Brüder — und da lest ihr nun einen Aufruf, der wie« der vom revisionistischen „G i f t" und' von seinen „u n« reinen" (1) Quellen spricht. Das größte Unglück der zionistischen Bewegung in ihrer heutigen Gestalt ist gerade die Krankheit des zum Schweigen gebrachten Gewissens. Unser Kampf in den Reihen der Bewegung ist nicht nur ein Kampf für ein Programm; es ist auch, und vielleicht in erster Linie, ein Kampf für die Ehrlichkeit. H«r n«u« Ufaton- Großfllm nach Leo Tolstois „HadschJ Murat" Produktion t Bloch»RaRlno«jlttel» iÄÄ ut bÄw Wamann Rofllot ALEX AN DIR WOlKOFF Dar weltberühmte Don-Kosakenchor In Ton u. Bült Up* im« AllelnauffqhriiHrj haut* und tlplloli Imi UFA-TON-KINO II., T«bor»troBa 8, Tel, R«4M«4! Beginn der Vorstellungen: S, 7 und 0 Uhr — SQftntagf ab I Uftf Zweite Palästinareise 5690» (25, Februar tt* 25, Mär« im,) Veranstalter; Verband Demokratischer Zlönifttn und Palestine Touring Club Wien. Die Anmeldungen für diese Reise werden b U « U m 15. d. M. entgegengenommen. Die Reisoleitung ersucht daher alle diejenigen, welche ihre Teilnahme wohl *nge< meldet, aber bis Jetzt das dem Prospekte beigeschlossene Anmeldeformular Ii och nicht eingeschickt haben, dies umgehend zu tun. Bei rechtzeitiger An« meidung kann die Reiseleitung die wenigen noch vor« handenen besonders gut gelegenen Kabinen auf dem Luxusexpreßdampfer „Ausonia", mit, welchem die Ueberfahrt zurückgclogt wird, reservieren lassen. In Erez Israel sind.alle Vorbereitungen für den Empfang der Teilnehmer bereits getroffen und dank den Erfshrun« gen der ersten Paläatinaroise wird es möglich sein, den Teilnehmern einen bequemen und abwechslungsreichen Aufenthalt im Lande zu bieten. Prospekte und Auskünfte durch Frau Paula Striöker, Wien, iL, Holländstraße 10, Telephon R*45«6*98 und Frau Berta Taubes; Wien, IL, BÖcklinstraße 92, Telephon R*45«ü05. AUS PALÄSTINA. Der Saatenstand in Palästina, Nach einem Bericht' des Landwirtschaftlichen Departements der Regierung ist der Saatenstand im Süden sowohl für Weizpn als.auch für Wintersaaten sefir günstig. Die Ernte in .den Suisongemüson (div. Kohl* arten, Rüben) war sehr ergiebig und konnte zu rentablen Preisen abgesetzt werden«, Mit Ausnahme, der Orangengürten bei Jericho, die durch Ostwinde im Dezember geschädigt wurden; ist für die Orengenpßanzungen in dieser Saison mit Piner erheblich höheren Ernte als im Vorjahr zu rechnen. Die. Ernte wird auf über 2*/j Millionen Kiste« geschätzt. Die Ba'näncnpfUuznngen haben durch . das; kalte Wetter in letzter JSeit etwas gelitten. — Im Nordbezirk haben die Rege» das Aufgehen der vor dem Regen ausgesäten Sompn gesichert. Die eingetretenen Regenpatisen gaben* den Landwirten die Möglichkeit, die Felder für die .Winterfrucht zu bestellen und auszusüeu., — Der Bericht betonf, daß die Landwirte in den nördlichen Distrikten zunehmendes Interesse für die Anpflanzung von F r u c h t' b ä u jn e » und Weingärten zeigen. Im Bezirk von Retb-Schaan sind in letzter Zeit zahlreiche Orangengärteü und Weinpflanaungen neu ungelegt worden. Die Seidenkultur in Palästina.. Die palästinensische Regierung teilt mit, daß auf Grund eines günstigen Sachverständigenberichtes über die Möglichkeit der Seidenkultur in Palästina beschlossen würde, die Seidenindustrie in Palästina amtlich zu unterstützen, Folgende Schritte sind in dieser Richtung bereits unternommen worden: Der Empire. Marketing Board hat eine S u b v o ntion von iOO Pfand, für Seidenkultürforschnngen in Wochen-Kalender Feber 1930 eav mn Schebath 5690 7 Freitag 7-B 8abbatilngang 4,55 8 Samstag 8- Sabbatauagang 5.46 w "w* wn wi ,na » Sonntag 10 Montag ich* 11 Dienstag Ii-* IS Mittwoch i«-t u Donners tat; 11-H) i