Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 4 (1930)
- Issue
- Heft 125 (7.2.1930)
- Date
- 1930-02-07
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 8 Palästina zur Verfügung gestellt Ferner ist ein Sach* verständiger für Seidenkultur als Instruktor für Seidenraupenzucht dem Departement für Landwirtschaft und Forste beigeordnet Worden. Der Beamte wird in allen Fragen der Maulbeerkultur, der Seidenraupenzucht und der PrSparierung der Seide bereitwilligst Auskunft erteilen. Anfragen sind an folgende Adresse zu richten: The Serieultural Instructor, Departement of Agriculture and Foreste, Near American Colony, Jerusalem. Das Departement für Landwirtschaft und Forste hat weiter ein Flugblatt über die Kultur des Maul- . beerbaums in den drei Landessprachen herausgegeben und wird demnächst edn zweites über die Seidenraupenzucht folgen lassen. Die Baumschulen der Regierung werden bis auf weiteres unentgeltlich Maul« beerpflanzen für die Pflanzung von Maulbeerbäumen zur Seidengewinnung verabfolgen. 40.000 Setzlinge stehen für die Verteilung während dieser Regenzeit zur Verfügung. Die Regierung hat sich ferner mit der Seidenpräparieranstalt in Zypern in Verbindung gesetzt. Muster von Seidenkokons, die im Jahre 1929 in P e t a c h- TikwaL und in Nablus gezogen worden sind, wurden von der Anstalt in Zypern zu günstigen Preisen gekauft. Der Direktor für Landwirtschaft in der Regierung von Zypern hält es für möglich, alle in Palästina produzierten Kokons abzusetzen, falls sie von guter Qualität und in gutem Zustande wären. Die Regierung hat außerdem Vorsorge getroffen, daß in nächster Zeit Vorträge und praktische Vorführungen über Seidenraupenzucht und das Spinnen in verschiedenen Orten veranstaltet werden und hat in einigen Regierungsschulen besonderen Unterricht über dieses Gebiet eingeführt. Vom Erzieh uugsdepartement wurde für den gleichen Zweck eine Seidenspinnmaschine erworben und in Nablus in Betrieb gesetzt Nene jüdische Wohnviertel in Jerusalem und Haifa aas den Mitteln des Hilfsfonds? Jerusalem, 3 t Jänner. (J. T. A.) Das Komitee des Palästina-Hilfsfonds hat, wie verlautet, 50.000 Pfund Sterling für die Errichtung jüdischer Wohnv i e r t e l in Jerusalem und Haifa bestimmt Die hebräische Arbeiter-Tageszeitung „D a w a rM teilt mit, daß das Komitee einen Vorschlag, in der Nähe van Jerusalem und Haifa besondere A r b e i t e r w o h nvdertel zu errichten, ab gel eh nt habe. Import und Export im Oktober 1929. Während des Monats Oktober wurden in Palästina für 602.435 Pfund Waren (gegenüber 697.610 Pfund im gleichen Monat des Vorjahrs) eingeführt Die Minderung ist auf die geringere Einfuhr von Weizen und Weizenmehl, Holz, Eisen, Textilwaren und Automobilen zurückzuführen. Der Export betrug im Monat Oktober 1929 142.475 Pfund (gegenüber 107.979 Pfund im Oktober 1928). Die Spezifikation im „Commercial Bulletin" zeigt eine Zunahme bei Durrah, Gerste und Weizen, dagegen eine Abnahme bei Orangen (der Orangenexport begann in der Saison 1929/30 einen Monat später als im Vorjahre) und bei Seife, E>ie Verbesserung der palästinensischen Handelsbilanz, die bereits in den Vormonaten sichtbar wurde, hat sich im Oktober 1929 fortgesetzt Die Steigerung des Exports gegenüber dem Jahre 1928 erklärt sich vor allem dadurch, daß infolge der Mißernte in diesem Jahre die Erträge und damit der Export landwirtschaftlicher Produkte 1928 weit hinter den normalen Ziffern zurückblieben. Der Import ist in den Monaten nach den Unruhen infolge der abwartenden Haltung der Importeure zurückgegangen. Zum Freispruch In den Prozessen um die Morde von Safed und Mozah. Die hebräische Presse Palästinas gibt ihrer Erregung wegen des im Prozesse gegen die zwölf des Mordes an der Familie Makleff beschuldigten Araber von Kolonieh gefällten Freispruchs Ausdruck. „Haar e z" schreibt: Die Rechtsliebe der britischen Richter steht uns außer Zweifel. Aber dieser Spruch ist das letzte Glied einer Kette von Ereignissen, die zeigen, daß niemand in Palästina sich verpflichtet fühlt, zu ermitteln, wer eigentlich das Geschehene zu verantworten hat. Wäre eine britische Farai 1 ie in der Weise vernichtet worden wie die Familie Makleff, würde auch dann die Palästinare gierung öffentlich ihre Unfähigkeit eingestehen, einem solchen Gemetzel Einhalt zu tun und die Mörder zu bestrafen? Der Freispruch besiegelt eine entsetzliche Tragödie, schreibt „Haares" weiter. Wer in Zukunft an dem verlassenen Orte Mozah vorbeikommen wird, wird die Zerstörung dieses kleinen Hauses nicht übersehen können, dessen Ruinen als Denkmal und als handgreiflicher Beweis für die wundervolle Verwaltungstüchtigkeit der britischen Mandatsverwaltung in Palästina in den Jahren 1929 und 1930 dastehen werden. „Doer Hayom" schreibt: Uns interessiert nicht, w|e die Richter zu ihrer Entscheidung gekommen sind, daß die gegen die Angeklagten vorgebrachten Zeugnisse nicht zu ihrer Verurteilung ausreichten. Wenn aber niemand da ist, der an Stelle der jetzt Freigesprochenen unter Anklage gestellt werden kann, und wenn die Regierung nicht die Araber ausfindig machen __DIE NEUE WELT__ kann, die für den Mord an der Familie Makleff zu bestrafen sind, dann sollte die Polizei, der verbrecherischen Vernachlässigung ihrer Pflicht angeklagt werden, durch die es möglich geworden ist, daß Mörder- und Räubertruppen, die eine ganze jüdische Kolonie ausgeplündert und fast eine ganze Familde ermordet haben, in Freiheit bleiben. Ehe sozialistische „D a w a r" schreibt: Wenn diese 12 Menschen wirklich unschuldig sind, dann mögen sie in ihre Häuser und zu ihren Familien zurückkehren. Aber die Palästinaregiierung hat die Frage zu beantworten: Wer hat den Mord an dieser friedlichen jüdischen Familie in Mozah verbrochen? Wer war es, der dieses unschuldige Blut vergossen hat? Es wäre tragisch, wenn ein Unschuldiger für ein Verbrechen, das er nicht begangen hat, zum Tode verurteilt werden würde. Aber die Familie Makleff ist tot. Irgend wer hat siegemordet Wersind dieMörder? Verhaftung Ittamar ben Avis in Jerusalem. — Freilassung gegen Bürgschaft. Jerusalem, 29. Jänner. (J. T. A.) Nach seiner Rück* kehr aus Europa ist Ittamar ben Avi, der Sohn des ver* storbenen berühmten hebräischen Philologen Eliezer ben Jehuda verhaftet worden. Ben Avi war bekanntlich Herausgeber der Jerusalemer hebräischen Tageszeitung „Doar Hayom" und der englischen Wochenschrift „Pa* lestine Weekly". Die Verhaftung erfolgte wegen des „o f f e n e n Briefe s", den ben Avi kurz nach den August*Unruhen in Palästina wegen des Verbotes des „Doar Hayom" an den High Commissioner Sir John Chancellor gerichtet hatte. Ittamar ben Avi ist schon vor längerer Zeit von der Leitung der beiden von ihm begründeten Zeitungen zurückgetreten. Die Tageszeitung „Doar Hayom" erscheint jetzt unter der Chefredaktion Wladimir Jabotinskys als revisio» nistische Zeitung, während „Palestine Weekly" von der zionistischen Palästina*Exekutive erwor* ben worden ist. Ittamar ben Avi ist gegen Stellung einer Geldbürgschaft aus der Haft , entlassen worden. Die römische Kirche kauft, weiteren Boden in Palästina. Jerusalem, 29. Jänner. (J. T. A.) Das lateinische Patriarchat in Jerusalem verhandelt, wie hier verlautet, neuerdings über den Ankauf eines palästinensischen Dorfes. Es handelt sich um ein Dorf in der Nähe von J e n i n, dessen Bodenareal ungefähr 5000 Dunäm groß ist. Das lateinische Patriarchat, das in Palästina die Interessen des Vatikans vertritt, hat in der letzten Zeit kurz hintereinander drei Dörfer mit einem Bodenareal von insgesamt mehr als 3 0.0 0 0 D u n a m käuflich er* worben. ''' •' ■<•■ < <w„.------- 30.000 Pfund für Munizipalitäten. — Nichts für Tel- Awiw. Jerusalem, 30.; Jänner. (J. T. A.) Das Budget der Palästinaregierung für das Jahr 1930, das jetzt veröffent* licht wird, enthält einen Posten von 30.000 Pfund für Zu« schüsse an verschiedene Gemeinde ver* waltungen, darunter auch einen Posten von 8000 Pfund für öffentliche Arbeiten der Stadt Jaffa. Ein Zuschuß für TebAwiw ist n i c h t vorgesehen, wobei die Bewilli* gung für die Aufrechterhaltung des Polizeidienstes in TebAwiw als Regierungshilfe angesehen wird. Der Bud* getüPosten für Zuwendung an Munizipalitäten betrug im vergangenen Jahre 60.0,00. Pfund. '. Ein Aufruf der Arabischen Exekutive gegen den Bodenverkauf an Juden. Die Arabische Exekutive hat in den letzten Tagen einen Aufruf veröffentlicht, der sich gegen den Verkauf von Boden von Arabern an Juden wendet und den Arabern die Gefahren vorstellt, die in den früheren Verkäufen arabischer Böden an' Juden gelegen seien. Von den Arabern selbst hänge es ab, durch Einstellung der... Boden verkaufe an Juden die Verwirklichung des Zionismus unmöglich zu machen. Wichtige archäologische Entdeckungen in Jerusalem. Jerusalem, 30. Jänner. (J. T. A.) Bei Bauarbeiten auf dem Skopusberg in der Nähe des Universitätsgebäudes stießen arabische Arbeiter auf mehrere Steinsärge aus der herodianischen Periode imit hebräischen und griechischen Inschriften. Ferner wurden zahlreiche Keramiken aus der Zeit vor der zweiten Tempelzerstörung gefunden. Eine der Inschriften erwähnt Chananjah ben Teradjon, stammt also aus wesentlich späterer Zeit. Das Antiquitätende» partement der Regierung überließ die weiteren Aus* grabungsarbeiten der Hebräischen Universität. Die Ent* deckungen wurden in der Nähe einer * Höhle gemacht, in der erst vor kurzem Gräber freigelegt worden sind. Vom Hebräischen Technikum in Haifa. Die Zahl der neuen Studenten, die sich für das Wintersemester am Hebräischen Technikum in Haifa eingeschrieben haben, beträgt 45; weitere 10 Studenten sollen demnächst aus dem Auslande eintreffen. Die Zahl der immatrikulierten Studenten beträgt 100, jedoch konnten, infolge der Raumbeschränkungen nicht a 11 e S tu deuten angenommen werden. Ifflfflfflfflflfflffiffl^ffiSS^fflfflfflffiifffflfflBffl KONTORISTIN von besserem Hause mit Englisch und Französisch, wird aulfl«nQmm9n. Unter „Junge Kraft" an die Redaktion des Blattes. mmmmiiim _ Nr. 1» An die Freunde und Leser des Blattes! Wenn Sie der Ansicht sind, daB die „Neue Welt'* ein empfehlenswertes Blatt ist, geben Sie ans freundlichst die Adressen von Freunden und Bekannten an. Wir werden denselben die „Neue Welt14 dnreh mehrere Wochen znr Probe gratis zukommen lassen. Wenn wir uns bei der Werbung auf Sie berufen dürfen, bitte dies ausdrücklich zu bemerken. Ans der Zusendung erwachsen weder Ihnen noch den Empfängern irgend welche Verpflichtungen. Die Verwaltung der „Neuen Welt". Eine Diskusion über die Kalenderreform in Washington. — Um die religiösen Rechte der Juden in Amerika. Washington, 27. Jänner. (J. T. A.) In Wa< shington fand am 14. Jänner eine öffentliche Diskus« sion über die jüdischen Einwände gegen die propagierte internationale Kalenderreform statt, bei der der Leiter des Wetterbüros der Vereinigten Staa* ten Dr. Charles F. Marvin den Standpunkt der In« ternationalen Liga für festen Kalender und Rabbi Louis J. Schwefel die jüdischen Einwände gegen, die beabsichtigte Reform vertraten. Die Diskussion wuchs über den Anlaß hinaus zur Erörterung der prinzipiellen Frage, ob die amerikanische Gesetzgebung auf die reli« giöse Uebung von M i n o r i tätsb ekennt« n i s s e n wie Juden oder Sabbatharier Rücksicht zu nehmen habe. Dr. Marvin legte dem überwiegend aus Juden bestehenden Publikum dar, daß die Kalender« reform unbeschadet ihrer Opposition oder ohne sie zu* standekommen und daß ihre oppositionelle Haltung nur dazu führen werde, daß sie zu Gegnern einer ver* nünftigen Reform gestempelt werden würden. Er bestritt dann, daß die Annahme eines neuen Kalenders irgendwelche bürgerliche oder religiöse Rechte, die in der Verfassung gewährleistet sind, verletzen würde. „Freie Uebung der Religion" bedeute lediglich Freiheit des r e 1 i g i ös e.n B r a u c h s und Glaubens. Diese Frei* heit bleibe von jeder Kalenderreform unberührt. Oe/cono* mische Schwierigkeiten, die durch die Uebung eines be# sonderen; Glaubens entstehen,, seien eine andere Frage. Die Verfassung gewährleiste nicht den Schutz vqr■., solchen ökonomischen Härten. Die Juden und Sab*, batharier sind auch jetzt schon gewissen Wirtschaft«; liehen Härten dadurch ausgesetzt, daß sie sich an den Sabbathen am Wirtschaftsleben nicht beteiligen. Es steht; ihnen frei, ihre Religion in dieser Weise einzuhalten^ aber weder die Verfassung noch die Gesetze schützen^ sie vor den ökonomischen Konsequenzen. Rabbi Schwefel griff Dr. Marvin» Arginnen*' tation an. Es sei das erstemal, daß er eine solche Stel* lungnahme im Verlauf der Diskussion über die Kalender*, reform höre. Er sei erstaunt und entrüstet darüber, daß Dr. Marvin es wage, eine solche Argii* mentation vor diesem Auditorium und vor der Presse der Vereinigten Staaten zu gebrauchen. 'Jeder1 verantwort* liehe Historiker oder Kenner der politischen Wissen* schaft würde diese eigentümliche Auffassung Von den religiösen Grundfreiheiten ablehnen müssen. Auch die Katholiken und Protestanten würden es nicht zulassen, daß ihre Feiertage jedes Jahr auf eine andere Zeit fallen. Der jüdische Sabbath würde nach der geplanten Kalenderreform gar in jeder Woche auf einen anderen Tag fallen. Er sei in der Lage,. Namen führender Bischöfe und kirchlicher Würdenträger zu nennen, die ihm persönlich erklärt haben, daß sie zum Kampf gegen die vorgeschlagene Kalenderreform mit allen Mitteln bereit seien, sobald nur ernsthaft an ihre Einführung gedacht werden sollte. Jüdische Emigrantenkinder sind die begabtesten. Die Stadtverwaltung von New York beschäftigt sich gegenwärtig mit dem Plan, für besonders begabte Studenten eine eigene Hochschule zu errichten., Angeregt wurde diese Neueinrichtung durch den Leiter des New Yorker City-College, Professor Dr. Paine, der in seinem Antrag darauf hinweist, daß jährlich eine große Anzahl von neueintretenden Studenten des City-. College gegenüber den. übrigen Kollegen eine so auffallende Begabtheit auf verschiedenen Wissensgebieten aufweist, daß es Pflicht der Allgemeinheit sei, für diese Studenten eigene Lehranstalten mit ihren Begabungen angepaßten Lehrplänen zu erhalten. In den staatlichen und städtischen Hochschulen in Amerika gibt es keinerlei Altersbegrenzung für Studierende. So haben sich zu Beginn des laufenden Schuljahres im New Yorker City-College 121 Hörer im Alter von 14 bis 17 Jahren gemeldet und haben auch Aufnahme gefunden. Es sind das durchwegs Studenten, die schon in der Mittelschule infolge ihrer außergewöhnlichen Begabung ihre für die Hochschule vorgeschriebenen Vorstudien in der denkbar kürzeisten Frist mit Auszeichnung absolviert haben. Achtzig Prozent dieser besonders begabten Studenten sind, wie Professor Paine in seiner Zuschrift an den Burgermeister von New York hervorhebt, Juden, Kinder jüdischer Einwanderer. Die Hälfte dieser jüdischen Studenten stammt aus