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Die neue Welt · 1930-02-07 · Heft 125 (7.2.1930) · page 6

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Journal
Die neue Welt
Volume
4 (1930)
Issue
Heft 125 (7.2.1930)
Date
1930-02-07
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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r $ i Union dar Zionbtea«RevlifoaiiI«a Oeiierreiehj | Briefanschrift Wien Post 36, Fooh 20 §j Montag, den 10, Febrqar 1030, halb 9 Uhr abends, ImCaff m Ariradah, I., Unlversitätaitraüe 3 (Souterrain) I DISKUSSION I mit | Awrigdor Hamciri 1 über feinen Vortrag | „Galuth und Palästina" I Gäste willkommen! Eintritt frei! Sc Kampf gegen „jüdische Kulaken". Moskau, 2, Februar, (J. T. A.) Fünf jüdische Bauern im Kreis Nikolajew wurden durch das jüdische Gericht in Nikolajew als „Kulaken" (reiche Bauern) zu dreijähriger Deportation verurteilt; gleich« zeitig wurde die Beschlagnahme ihres Vermögens zu« gunsten des Staates ausgesprochen. Die verurteilten jtidi« sehen Bauern appellierten an das Oberste Gericht, wel« ches das Urteil des jüdischen Gerichtes als vollkommen ungerecht und unbegründet aufhob. Seit einiget Zeit führt die jlddisch'kommunistische Presse eine scharfe Korn« pagne gegen angebliche „jüdische Kulaken" und verlangt Konfiskation ihrer Vermögen, obwohl es he« kannt ist, daß es reiche jüdische Bauern gar nicht gibt. Die Verhaftungen von Zioniaten in Rußland dauern an. Berlin, 2. Februar. In Berlin wohnende russischjüdische Persönlichkeiten haben auf privatem Wege aus Rußland Mitteilung erhalten, aus der hervorgeht, daß die im Zusammenhang mit den Augustereignissen in Palästina in verschiedenen Ländern des Sowjet« reiche eingesetzten Verhaftungen und Verfolgungen von Zionisten andauern und nun auch auf Zentralrullland übergreifen. Am 10, Jänner wurden in Moskau 13 angesehene Mitglieder von Hecbaluz und Haiehomer Hazair verhaftet, während 65 andere Angehörige dieser Gruppen sieh schriftlich verpflichten mußten, Moskau nicht zu ▼ erlassen. Anlaß zu diesen Maßnahmen soll die Verbreitung von Zeitungsberichten über die vor einiger Dar ersta Sowjetaesandte in England. Vom Jüdischen ApofhokerfehlHfn mm Flnanzmfnfster Sowierrußltndi. Im „Hajnt" schreibt J. fcfcnoff Übet den neuernannten Sowj*tgeiandtsa in Engt Und, 3okolnikDWi * Bis zum Ausbruche der Oktoberrevolution 191? labte in Moskau ein ganz unbekannter, junger, jüdischer Apothekergehilfe namens Brillant. Als die Bolsche« Wiken an die Organisierung der Regierung herantraten, standen ihnen wenig Intelligenzler auf Verfügung. Dt« zaristischen Beamten und die Mitarbeiter Kerensk'S hielten sich ferne. So gelang es dem oben genannten Brillant, und seinem Freunde Scheinmann, als Mit« arbeitcr rasch zur Geltung au kommen. Sie warfen sich auf das Gebiet der „Finanzen". Der Plan, das Vermögen und die Einlagen der Privatbanken au konfiszieren stammt von Brillant, welcher nunmehr seinen Jüd»« sehen Namen ablegte und sieh Sokolnikow, nach der Moskauer Vorstadt Sokolftiki, nannte. Er und sein Freund Scheinmann, welcher nach seiner plötzlichen Enthebung vom Posten eines Staatsbankdirektors nach Berlin flüchtete und jetzt dort lebt, führten die Ent« eignungsaktion durch. Brillant'Sokolnikow wurde dann intimster Mit« arbeite Lenins. Als über Druck Lenins der Frieden von Brest'Litowsk mit Deutschland und Oesterreich abgs» schlössen werden sollte, weigerten sich die russischen Delegierten Trotzki und Joffe, den Vertrag zu unterzeich« nen. Daraufhin sandte Lenin andere Delegierte, Tschit« scherin, Karachan und Brillant*Sokolnikow, und diese erfüllten den Befehl und unterzeichneten den bedeut* samen Vertrag. Dann wurde Brillant Kommissar für Finanzen. Zusammen mit Soheinmann führte er die Tscherwonetz* Währung ein. Sein ganzes Sinnen und Trachten galt der Sicherung dieser Währung, Als Stalin ans Ruder kam und die Industrialisierungspläne durchgeführt werden sollten, stellte sich Brlllant»Sokolnikow ihm entgegen. Er betrachtete Rußland als wirtschaftlich zu schwach. Auoh weigerte er sich, den „Komintern" beständig die großen Mittel für die politische Außenpropaganda zur Verfügung zu stellen. Er wird oppositionell in der Richtung nach rechts, zur gleichen Zeit, als Trotzki die linke Opposition bildet. Er wird von Stalin abgesägt, zieht sich zurück, ist aber so vorsichtig, keinen offenen Kampf gegen den Allgewaltigen zu unternehmen, Er aehlioßt sich keiner der oppositionellen Gruppen an. Als es jetzt galt, den ersten Sowjetgesandten für England zu ernennen, suchte Stalin nach einem Manne, der in wirtschaftlichen Fragen bewandert und durch poli? tische Außenpropaganda wenig kompromittiert ist. Er verfiel auf den in Ungnade gefallener*i Brillant*Sokolnikow. So wurde der jüdische Apothekergehilfe aus Moskau erster Sowjetgesahdter in England. PR NIUI WUT Nr. 12* SIEdM. KORNMEHL OROflfltlS<HHAU<RII 2entraje Ift.^ Beatuse 1^ Telennee 17-3*99 u. lfr9-34 Lieferant t ü r Heilanstalten JmmmäSSm^ unter Aufsieht des Ehrwürdigen Habbinats der 1er, Ktt> tttsgetneinde Wien AuteauetaltaHf fc««t«nlo« IX., Btrggastn IS ✓ XVIII., Wlhrlnflorstr. 97 :::::;::;;Ä"3SÄrxra=i=;t;r:i:,ssir nmmamiHmniii Zeit in New York stattgefundene Sitzung des American Jewish Congress, bei welcher Dr. Stephen S. Wise in scharfen Worten gegen die Zionistenverfolgung in Rußland protestiert hat, gegeben haben. Das Zentralkomitee von tfitachduth in Rußland hat eine Kund* gebuttg in da« Ausland gesandt, in welcher die Juden außerhalb Rußland« aufgefordert werden, angesichts der fortdauernden Verfolgungen der Zioniaten in Rußland mieht langer zu schweigen, saudem ihren Einfluß geltend zu machen und laut gögen diese Verfolgungen zu protestieren. 99 Synagogen in den ersten acht Monaten 1929 in Rußland geschlossen. Moskau, 2. Februar. (J. T. A.) Nach einer offiziellen Feststellung sind in den ersten acht Monaten des Jahre« 1939 in dem Gebiet der Sowjetunion 99 Synagogen beschlagnahmt. Im Jahre 1938 wurden insgesamt 59 Synagogen beschlagnahmt. Smoletisk und viele andere größere Städte sind ohne eine einzige Synagoge geblieben, Aus der Wiener Judengemeinde. Nichts gelernt. Bei den letzten Wahlen in den Wiener Kultusvor» stand hat die „Union deutschösterreichischer Juden" trotz des reaktionären Wahlrechtes, welches nicht nur die Frauen, sondern weit über die Hälfte aller Männer im wahlfähigen Alter des Stimmrechtes be* raübt, die seit Gründung der Gemeinde behauptete Mehr» heit verloren. Die Judenschaft hat also deutlich zu er* kennen gegeben, daß sie einen Wechsel des Regime» wünscht. Die Herren von der „Union", denen das Wählresultat seinerzeit gründlich in die Glieder gefahren war, scheinen wieder alles vergessen zu haben. In einer Versammlung der „Union" leistete sich der Referent, Herr Regierungsrat Dr. Oppenheim eine Rede, die an ■.Zuversichtiichkelt" nichts zu^wünsehen übrig läßt. Er verhöhnte vorerst;den Klub''^deV zionistischen Mandatare, rühmte sich' damit; daß se^ne%artei, die „Union", den Klub der Zioniaten durch bloße Drohuhg mit Neuwahlen zu Paaren getrieben und, zur Preisgabe seiner wichtigsten Forderungen genötigt habe. -So durfte vom allgemeinen Wählrecht überhaupt nicht -'gesprochen werden. Für die Zukunft kündigte Dr. Oppenheim an, daß am Wahl« rechte nicht gerüttelt werden dürfe. Die nächsten Wahlen werden ÜnbeÜlngt nach dem jetai« gen Wahlrechte stattfinden! So erklärte Dr, Oppenheim unter dem B^i^lle seiner Freunde- Jede Verhandlung über das Wahlrecht hat er damit zur Farce gestempelt. Die Herreh voji der „Union" glauben also ihre Herrschaft für a 1 je Zeit gesteh er t. So ge« sichert, daii sie äich auch Beschimpf ungeh der Zionisten glauben erlauben zu dürfen. Denn anders ist die über« miitlg« Rede des Herrn Dr. Oppenheim nicht zu erklären. Andere auch nicht das Benehmen eines anderen Union« Führers, das Herrn Börserates G1 ü o k, welcher ■—. wie wir letzthin berichtet haben' — in Vertretung des Kül» tusvorstandes die Zionistenals Leute bezeichnet hat, welche von ihm und seinen Freunden „Geld nehmen und hier bleiben", welcher eine % Lehrerin und ihre Zöglinge öffentlich mit Grobheiten überschüttet hat, weil sie so vermessen waren, bei einer Chanukfeier, Ziönslieder zu singen, Diese Zustände sind wohl nicht haltbar, und eigentlich sollte man den Herren von der „Union" dafür dankbar sein, daß sie das so deutlich zum Ausdruck ge« bracht haben. ■ i i HH.i.iai,. ii Die katholische „Reichspost44 und Jabotinsky. Verlorene Liebesmühe. Die führende Zeitung der österreichischen Katholiken und der christlichsazialeu Partei „Reichspost" bringt regelmäßig und ziemlich ausführlich Berichte über Palästina aus der Feder ihrea, Jerusalemer Dr. M.¬ Korrespondenten» in welchem in durchaus gemäßigt gehaltener Form sehr energisch gegen den Zionismus gekämpft wird. In einem dieser Berichte wird auch des Führer« der Zioniaten-Revisionisten Wladimir Ja hotin sky Erwähnung getan. Gr wird als Kronzeuge für den Umstand geführt, daß es einen Auegleich zwischen Juden und Arabern in Palästina nicht geben könne. Dies geht, so meint der Korrespondent, aus einer Rede Jabotinskys in Tel-Awiw klar hervor. Diesen Berieht nahm Jabotinsky zum Anlaß, um an die „Reichepost" ein Schreiben zu richten, in welchem er erklärt, er habe nicht gesagt, daß eine Verständigung mit den Arabern ganz und gar unmöglich sei, sondern, daß der richtige Weg zur Verstandigung nicht in politischen Konzestionen seitens der Juden liege. In der Frage der jüdischen Einwanderung könne et keine Konzeptionen > geben, da sonst der gesamte /Joni-ma« jugrumle ginge. Die Regierung müsse den Arabern klarmachen, daß sie fest entschlossen sei, die jüdische Einwanderung bis zur maximalen Potenz des Landes zu steigern. Erst wenn die Araber das verstehen, werden sie mit den Zionisten zu einem modus vivendi kommen, der ihre Rechte eicherstellt, ohne die jüdische Einwanderung zu hemmen. Jabotinsky schreibt weiter: „Ist es gut, würdig, menschlich, mit einem großen Massenelend und mit einer großen Massenhoffnung Wortspiel zu treiben? Das j ü d ie c h e Elend ist groß, das wissen auch unsere Gegner; und unsere Hoffnung, daß die zivilisierte Menschheit uns eines Tages helfen wird, so viole als möglich von unseren leidenden Millionen in Palästina unterzubringen, igt eine Erscheinung, die ein ehrlicher Gegner mit Achtung behandeln sollte. Ich kann noch jene verstehen, die diese Hoffnung mit einem klaren „Nein" beantworten und unser Volk zu endloser Agonie verurteilen. Das ist grausam, aber wenigstens ehrlich. Was ich aber nicht verstehe, ist dieses Katze-und-Maus-Spiel, das die palästinensische Administration mit uns seit Jahren führt, diese kasuistische Anstrengung, die zu beweisen sucht, daß da« uns versprochene Nationalheim nichts anderes als ein neues kleines Ghetto bedeuten kann. General Smuts, ein Mitglied jenes Kabinetts, in dessen Namen Balfour die Deklaration unterschrieben hat, sagte kürzlich in New York: „EinHeimistein Ort, wo man hingehen dar f." Verspricht nutn ein Nationalheim einem Volke, welches Millionen von heiinlosen Menschen in sedner Mitte hat, so kann es doch nur eine Bedeutung haben. So haben es in 1917 alle verstanden: die britische Regierung, das englische Volk, die Juden und die Welt. Und wenn wir heute England sagen: Sdierze nicht mit der Tragödie eines Volkes und mit einer jahrtausendealten Hoffnung, verbirge dich nicht hinter Wortspielen — was du versprochen hast, war klar: play the game! — dann erwarten wir dos Verständnis, die moralische Unterstützung aller. Das katholische Blatt bringt diese warmen Worte Jabotinskys und tut sie sehr kühl ab. Es schreibt: Wir veröffentlichen diese Darstellung des zionistisch-revisionistischen Standpunktes mit dem Beifügen, daß sie nach unserer Auffassung den Bericht unseres Dr.-M.-Korrespondenten bestätigt, Kein Volk der Welt, stehe es auf hoher oder tiefer Kulturstufe, ward heute freiwillig gestatten, daß ea in einem Teil seine« Landes aus der Stellung einer vielfachen Mehrheit in die einer Minderheit gedrängt werde. Das allein ist der Kern des Araberproblems in Palästina, Was die Balfour- Deklaration betrifft, so ist sie in erster Linie als Propagandist i s c h g e d n c h t e s K r i e g s m i 11 e 1 de r Entente Staaten zu betrachten, die ja gleichzeitig den Arabern in Palästina volle Freiheit und Unabhängigkeit versprochen hatten. Es sollten einerseits die Juden der ganzen Welt für die Kriegsziele der Entente, anderseits die Araber für den Kampf auf den asiatischen Kriegsschauplätzen gewonnen werden. Diesem Gedanken entspricht die verschwommene Textierung der Balfour- Deklaration, die es der britischen Regierung jederzeit ermöglicht, die jüdische Einwanderung zu «a*£l mmm M. V. MIRJAM Wir haben einen wertvollen Menschen, unsere liebe Bundesschwester FRITZI PRESNER am 2, Februar d, J. zu Grabe getragen. Alle, die sie kannten, werden ermessen können, welchen Verlust unsere Gemeinschaft durch ihr Scheiden erlitten hat. __Z. M. V. Mlijam, Gruppe I. Btoppen. Berechtigt ist die Forderung der Zionisten nach Klarheit über die weiteren Absichten der Mandatsmacht und des Völkerbundes; unberechtigt ist die Forderung, das arabische Element aus seiner mehrfachen Majorität in die Minderheit zu drängen. * Die Politik des Vatikans, also auch die Politik de* „Reichspost", ist edn für allemal gegeben. Sie ist antizionistisch. Elm jüdisches Palästina widerspricht dem Dogma der katholischen Kirche. Da nutzen keine Diskussionen. Rom wird sich mit einem jüdischen Palästina dann abfinden, wenn es ist. Nicht früher. Jabotinskys Versuch, die „Reichspost" von ihrem Standpunkt abzubringen, ist verlorene Liebesmüh. X SchnallMigatatlon St«ina«h am Srannar. WuntoMhttn** SklaaUüvJa mit BÜnttlo«* SehnaawarhlMtnl»»nn von Mltta 0a*ambar bt« End« MUrc. Sklkursa, Rodalbahn, SU*' Wpla*. SahaaKahar Aufenthalt Im HOTEL UND PENSION TRINSEDHOF 1814 m »4, K, in 4«<m»sw Uta, naw •** baut, moSarn und faattfan ainaarioMal. •0 Battan, Nasan«*» Kan» und Wen» wa»aar* ZanvaUiafeunf vod WWar. IraV Maattg« Wlanar KOoha. taiataMpraJa an Uk,lJO. asl ViUjitan PtaafaMa.

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