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Die neue Welt · 1930-02-07 · Heft 125 (7.2.1930) · page 5

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Journal
Die neue Welt
Volume
4 (1930)
Issue
Heft 125 (7.2.1930)
Date
1930-02-07
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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' Nr. 125 DIE NEUE WELT Seife $ Führung der Arbeit zur Errichtung eines staatlichen Hygiene«Instituts in Angora zu übernehmen. Dr. B. Feierabend, ein Jude, ist Fachmann für Serum* und son* stige Heilstofferzeugung. Er hat die Einladung ange« nommen. Ein jüdischer Journalist amerikanischer Gesandter in Albanien. New York, 31. Jänner. (J. T. A.) Der Präsident der Vereinigten Staaten, Herbert H o o v c r, hat dem bekannten jüdischen Journalisten Hermann Bernstein den Posten eines amerikanischen Gesandten in Albanien angeboten; Bernstein hat das Angebot angenommen. Auszeichnung des Präsidenten der Wiener Israelischen Kultusgemeinde. Bundespräsident Miklas verlieh dem Präsidenten der Wiener Israelitischen Kultusgemeinde Prof. Alois Pick das große Ehrenzeichen der Republik für Verdienste um den österreichischen Staat. Die Presse verzeichnet mit Genugtuung die Auszeichnung von Prof. Pick und nennt ihn eine auf dem allgemeinen wie auf dem jüdischen Gebiete unermüdlich und segensreich wirkende große Persönlichkeit. Die Londoner Royal Medical Association zeichnet einen Wiener jüdischen Gelehrten aus. Die Londoner Royal Medical Association hat den Wiener jüdischen Kliniker Prof. Heinr. Neiimann zur Abhaltung des fachwissenschaftlichen Festvortrages auf der Jahresversammlung der Association nach London geladen. Professor N e u m a n n, ein religiöser Jude und aktiver Mitarbeiter in zahlreichen jüdischen Wohlfahrtsinstitutionen Wiens, gilt schon seit langem in der medizinischen Welt als die größte Autorität in Ohrenheilkunde. Er ist Vorstand der Wiener Ohrenklinik. Dr. Jehuda Wilensky von der ungarischen Regierung empfangen. Bei dem Empfang, den der ungarische Minister V a s s dem Delegierten des Direktoriums des Keren Hajessod Dr. Wilensky gewährte, erklärte der Minister, daß die ungarische Regierung es als natürlich betrachte, wenn die ungarischen Juden den Aufbau von Palästina unterstützen, der in keiner Weise mit ihrem Patriotismus in Konflikt gerate. — Der ungarische Unterrichtsminister Graf Klebelsberg, der Herrn Dr. Wilensky gleichfalls empfing, sagte ihm namens der ungarischen Regierung eine größere Bücherspende für die Hebräische National- und Universitäts- Bibliothek in Jerusalem zu. Bevorstehende Abschaffung der Gesetzesbeschränkungen für die Juden in Polen. Warschau, 1. Februar. (J. T. A.) Ministerpräsident Prof. B a r t e 1 forderte den Justizminister D u d k i ewiez mit einem Schreiben auf, ungesäumt Vonbereitungen zur Abschaffung der noch aus der Zarenzeit stammenden gesetzlichen Beschränkungen der Juden in Polen zu treffen und das schon vorbereitete diesbezügliche Projekt dem Sejm zur 5. Lesung vorzulegen. Fanny Soloweitschik gestorben. Unser Freund und Mitarbeiter Dr. Max Soloweit« schik hat durch den Tod seiner Mutter einen unersetz« liehen Verlust erlitten. Die Verstorbene, Frau Fanny Soloweitschik, die ein Alter von 84 Jahren erreichte, ge* hörte zu den führenden Frauen im jüdischen Leben von Kowno. Aus einer kultivierten Familie stammend, nahm sie an allen jüdischen Aktionen Anteil. Besonders Wert« volles leistete sie als Leiterin der „Gesellschaft zur Unter* Stützung armer Frauen". Bis in ihre letzten Lebensjahre verfolgte Frau Soloweitschik alle Ereignisse und Bewegung gen in der jüdischen .Welt und nahm an allen Arbeiten Anteil, die im Zusammenhang mit der Wiederaufrichtung des jüdischen Nationalheims in Palästina stehen. Wir entbieten unserem Dr. Soloweitschik die innigste. Teilnahme anläßlich des Hinscheidens seiner Mutter, die nicht nur vom jüdischen Kowno, sondern auch von all denen betrauert wird, denen Gelegenheit gegeben war, die Verstorbene wirken zu sehen. Fünfte Reichskonferenz des Verbandes ostjüdischer Organisationen. Berlin, 1. rebruar. Die 5. Reichskonferenz des Verbandes ostjüdischer Organisationen findet am 23. Februar in Magdeburg statt. Die Tagesordnung wird noch bekanntgegeben. Junge Jüdinnen finden in Amerika nur schwer An- Stellung. Los Angeles, 25. Jänner. (J. T. A.) Anfangs Jänner fand in Los Angeles die Konvention des Council of Jewish Warnen (Jüdischer Frauenbund Amerikas) statt. Die Generalsekretärin des Council Mrs. Estelle Sternberger machte die Mitteilung, daß rund 10.0 0 0 junge jüdische Frauen und Mädchen in der Stadt New York infolge der Schwierigkeiten unbeschäftigt sind, die sich bei einer Anstellung aus ihrer Zuge* hörigkeit zum Judentum ergeben. Die Arbeit« geber, sagte Mrs. Sternberger, geben verschiedene Gründe dafür an, warum sie sie nicht beschäftigen wollen, aber der wahre Grund ist die Tatsache, daß diese jungen Frauen Jüdinnen sind. Die Lage in Chicago ist in dieser Hinsicht noch schlechter. Obgleich die Zahl der jüdischen Bevölkerung Chicagos weniger als ein Viertel der New Yorker jüdischen Bevölkerung beträgt, sind in Chicago aus den gleichen Gründen 8000 jüdische Mädchen unbeschäftigt. Ein treuer Freund. Graf Robert Cecil, der britisdie Vertreter beim Völkerbund, über das Palüstinamandat. Unter dem Eindruck der blutigen Ereignisse in Palästina haben die Feinde des Zionismus frischen Mut gefaßt und die „Ungerechtigkeit" und „Unmöglichkeit" des Planes, den Juden eine nationale Heimstätte zu schaffen, laut in die Welt geschrien. Und die halben und lauen Freunde haben die Gelegenheit wahrgenommen, sich zu drücken, den Zionistcn „Mäßigung" zu predigen, ihnen eine Einschränkung ihres Zieles anzuraten. Bis tief in die zionistischen Reihen hinein ist die feige und törichte Neigung gedrungen, den Zionismus kleiner und billiger zu madien, das vom Völkerbund dem jüdischen Volke gegebene Recht'preiszugeben. Umso erfrischender und ermutigender wirkt es, wenn ehrliche nichtjüdische Freunde mutig für den Zionismus in die Schranken treten, das vom Völkerbund gegebene Versprechen neuerlich in Erinnerung bringen, auf dessen restloser Erfüllung bestehen. Balfour, Lloyd George und General Smuts haben vor kurzem in diesem Sinne gesprodien. Nunmehr sagt Lord Robert Cecil, der mit den oben genannten Männern an den zionistischen Besdilüssen des Völkerbundes tätigen Anteil genommen hat, seine Meinung über die Verpflichtung des Völkerbundes und der britischen Mandatarmacht frei heraus. In einem von der Jüdischen Telegraphen-Agentur verbreiteten Artikel führt Lord Cecil aus: „Die Verantwortung Englands für die Vorgänge in Palästina ist seit den Unruhen im August Gegenstand lebhafter Erörterungen gewesen. JAFFA¬ ORANGEN »Pardess" Marke: V&^V2^--' ^xt^ver SAFTIG -SÜSS-KERNLOS Die Oelikateß-Oranse für den Kenner« Jedes bessere Obst- und Felnkosfgeschgft führt sie Anläßlich der Orangen-Ausstellung in Jaffa Ende Februar erhielt die Marke „Pardess" die Höchstzahl der Preise, nämlich 31 En gros: Bananen-Import, Wien XX, Nordwestbahn bloße Tatsache der Verantwortung der britischen Verwaltung g e g e n ü b c r dem Völkerbund kaiin an und für sich wenig dazu beitragen, die Schwierigkeiten der Regierung zu verringern, der Text des Mandatsvertrages jedoch kann in dieser Hinsicht verwendet werden, und der Wert der sehr genau umschriebenen Richtlinien, welche er gibt, hat bisher vielleicht nicht volle Beachtung gefunden, selbst bei jenen nicht, deren Aufgabe es ist, ihn zur Durchführung zu bringen. Jedenfalls verlohnt sich für jedermann, der an der Zukunft Palästinas Interesse nimmt, ein sorgfältiges Studium dieses Dokuments. Der Vertrag über das Palästina-Mandat hat ge- Jodaathrm DI£ BUNTfc WOCH£ im Wien VI, Mariahilfeiv strafe 71 STOFFE, RESTE für Kleidung und Heim zu bedeutend herabgesetzten Preisen Unübertroffen WASCH-, LICHT* und WETTERECHT J m Diese bezichen sidi hauptsächlich auf die Stellungnahme zur j ü d i sehen N a t i o n a 1 he im a t, die ein komplizierteres Problem darstellt als die alltäglichen Fragen der britisdien Kolonialpolitik in den übrigen Ländern des Orients. Der Durchschnittsengländcr, ob er nun im Staatsdienst stellt oder nicht, mißtraut dem Unbekannten und ist eher geneigt, sein Mißtrauen zu äußern, als sich über die Dinge zu informieren, denen er mißtraut. Die Erörterungen, von denen wir spredien, werden daher von besonderem Werte sein, wenn sie zu einem klareren Verständnis unserer Pflichten als Mandatar macht führen. Ein großer Teil der Verwirrung der Begriffe über diese wichtige Frage liegt in der Tendenz begründet, die britische Politik in Palästina von einem rein nationalen Gesichtswinkel aus zu betrachten. Das entspricht nicht länger der tatsächlichen Lage, wie immer diese auch vor Erteilung des Mandats gewesen sein mag. Denn durch dieses Dokument wurde der Beschluß, in Palästina eine nationale Heimat für das jüdische Volk zu gründen, der ursprünglich auf das britisdie Verspredien der Zusammenarbeit mit den Zionistcn zurückging, auf die Basis einer internationalen Bürgsdiaft gestellt. Der Treuhänder dieser Bürgsdiaft wurde als Mandatarmadit Großbritannien. Diese Gestaltung der Dinge wirkte sidi so aus, daß unser Recht auf die Kontrolle der Gesdiicke Palästinas eine weit festere Grundlage erhielt, als dies durdi das bloße Redit der Eroberung der Fall gewesen wäre. Für die Juden ist dadurch die. moialisdie Sidierheit für ihre Nationalheinuit ungeheuer verstärkt worden. Hinter ihr steht nun die Unterstützung des Völkerbundes, aber audi, wie wir hinzufügen können, die der Vereinigten Staaten, weldie an dieser speziellen Frage tiefes Interesse , besitzen und sie durch die Zustimmung des Senats und des Kongresses im Jahre 1923 billigten. Allen, die gleich mir von Anfang an überzeugte Vertreter der in der Ba 1 four-Deklaration zum Ausdruck gekommenen durchaus richtigen und praktisch durchführbaren Politik waren, erscheint diese Gestultung der Dinge außerordentlich zufriedenstellend. Die wisse Merkmale, die ihn von den anderen Mandatsverträgen unterscheiden, die im Artikel 22 des Völkerbundpaktes ihren gemeinsamen Ursprung haben. Von den Maßnahmen über die Sicherung der heiligen Stätten abgesehen, kommen hiebei die Klauseln an Betracht, welche auf die jüdische Einwanderung und Kolonisier ung Bezug haben. Man kann dieses Dokument als Vertrauensvollmacht für die jüdische Nationalheimat bezeichnen. Die Rechte der Araber erscheinenwirksam geschützt, wobei sie jedoch der fortschreitenden Erfüllung des hauptsächlichen Zweckes des Mandats untergeordnet sind und keineswegs ihm feindlich gegenüberstehen. Die Axifgabc einer Mandatarmacht ist gewiß eitic schwierige. Die durch die jüdische Einwanderung gegebenen wirtschaftlichen, sozialen und politischen Probleme stellen selbst in der vielfältigen Geschichte der Kolonisation etwas gänzlich Neues dar. D i c Durchführung der Einwanderung eines auf hoher Zivilisationsstufe, stehenden Volkes in eine außerordentlich rückschrittliche Gemeinschaft ist eine heikle Sadie. Dabei sind Takt und Festigkeit erforderlich, insbesondere nach einer Krise wie die, aus welcher Palästina soeben hervorging. Wir brauchen nicht den Bericht der Kommission abzuwarten, um zur Ueberzeugung zu gelangen, wie sehr die Besserung der Beziehungen zwischen den Rassen in Palästina davon abhängt, daß der ruhige Aufbau der jüdischen Nationalheimat nicht durch Agitation unterbrochen werde. Die Zeit ist gekommen, die in dem Mandat definierte Politik neuerlieh zu bestätigen. Gleichzeitig aber soll die Zuversicht in die Zukunft betont werden. Selbst wenn die von der britischen Regierung bewiesene Voraussidit und Initiative zu einer erweiterten Anerkennung der Ansprüche des jüdischen Volkes auf Verwirklichung seiner jahrtausendealten Ziele führen sollte, wird das britische Volk noch immer mit Stolz auf ein Unternehmen blicken können, bei dem es als erstes hilfreiche Hand geboten hat. Denn teilzunehmen an diesem Werk auf dem Boden des Gelobten Landes ist den Traditionen eines großen Kolonialreiches würdig."

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