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Die neue Welt · 1930-02-07 · Heft 125 (7.2.1930) · page 3

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Journal
Die neue Welt
Volume
4 (1930)
Issue
Heft 125 (7.2.1930)
Date
1930-02-07
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Nr. 125 DIE NEUE WELT Seite 3 Hammerschlag hat einen Tag nach seiner Nominierung bereits auf sein Amt verzichtet, Herr Dr. Ornstein ist Gott sei Dank geblieben. Wie die Herren ihre „ehrliche Mitarbeit" am Aufbau des „nationalen Heimes" für die Juden auffassen, geht aus einem Bericht ihres Organes hervor. Einer der Führer der „Union", Herr Regierungsrat Dr. Oppenheim, hat' sich nach diesem Berichte über seinen und seiner Freunde Beitritt'zur Jewish Agency wie folgt geäußert: „Die Beschickung der Jewish Agency war für uns Nichtzionisten eine schwere Frage. Wir haben diese Beschickung trotz unserer gegensätzlichen Einstellung für geboten erachtet, um die nationalen Auswüchse in der Jewish Agency selbst zu bekämpfen. Er erklärte auch, daß Palästina keine nationale Heimstätte werden dürfe und könne, drückte die liebreiche Hoffnung aus, daß die Zionisten, durch die blutigen Ereignisse in Palästina belehrt, nunmehr jeden politischen und nationalen Gedanken aufgeben werden. Sein Freund und Präsident aber, Herr Dr. Ornstein, äußerte sich in noch liebenswürdigerer Weise. Sein Organ schreibt: „Präsident Dr. Jakob Ornstein befaßte sich hierauf mit der Jewish Agency und betonte, daß man von dieser im Sommer des Jahres 1929 mit so großem Aplomb eingesetzten Körperschaft gerade jetzt nach den traurigen Ereignissen in Palästina nichts mehr höre und daß zum Beispiel diese Körperschaft auch nicht ihr Veto eingelegt hätte, daß von den in der ganzen Welt gesammelten Spenden von rund 18 Millionen Schilling — von dem armen Wien allein kamen S 140.000 — kaum 10 Prozent wirklich nach Palästina geschickt wurden."1 Angenehme Weggenossen! Der eine sagt, man sei der Agency, deren Zweck die Errichtung eines jüdischen Nationalheimes in Palästina ist, beigetreten nur zum Zwecke, die nationale Heimstätte zu leugnen und ihre Errichtung zu behindern. Und der andere stellt die Behauptung auf, daß die Agency neunzig Prozent der gesammelten Palästinagelder dem Zwecke „v o renthalten" hat. Er bringt natürlich nicht den Schatten eines Beweises hiefür! Wenn man bedenkt, daß beide Herren die prominentesten Führer der „Union" sind, nicht etwa schlichte Mitglieder, so tut sich eine wenig erfreuliche Perspektive auf. Das kann ja eine nette und „treue" Mitarbeit am Aufbau des jüdischen Nationalheim es werden! LAUSANNE B ISRAELITISCHES MÄDCHEN-PENSIONAT Villa Sövignö 1908 gegründet // Referenzen Prosp kte durch die Vorsteherinnen: Mm es M. et B. Bloch Das Schächtverbot in Bayern erlassen. Vergeblicher Protest der Judenschaft. — Die Sozialdemoo kraten und Hakenkreuzler geben den Ausschlag. Nachdem der Verfassungsausschuß des Bayerischen Landtages mit Mehrheit den Gesetzentwurf, welcher das Schlachten ohne Betäubung unter Verbot und Strafe stellt und solcherart das jüdische rituelle Schächten unmöglich macht, angenommen hatte, unterneh* men die Vertreter der bayerischen Judenschaft einen letzten Versuch, die Gesctzwerdung des Antrages zu vers hüten. Der Rat des Verbandes Bayerischer Israel u tischer Gemeinden, der Ständige Ausschuß der Tagung und die Bayerische Rabbinerkonferenz waren am 26. Jänner in Nürnberg versammelt und faßten die folgende Entschließung, die sofort dem Lands tag zugeleitet wurde: „Der Rat des Verbandes Bayerischer Israelitischer Gemeinden, der Ständige Ausschuß der Tagung und die Bayerische Rabbinerkonferenz, die heute in Nürnberg zu gemeinschaftlicher Beratung versammelt sind, nehmen mit tiefem Schmerz von dem Beschluß des Verfassungs« Nur diese Schwedenklinge macht Rasieren zum Vergnügen Die führende schwedische Weltmarke ausschusses des Bayerischen Landtags Kenntnis, der den ausnahmslosen Betäubungszwang beim Schlachten der Tiere fordert und so das durch die Jahr« tausendc geheiligte religiöse Gebot das Schächtens der Tiere verhindert. Die berufenen Vertreter des bayerischen Judentums legen hiermit Verwahrung ein gegen die Herab* setzung ihres Bekenntnisses, die Beeinträchtigung der durch die Verfassung des Reiches und des Landes ge* währleisteten religiösen' Gewissensfreiheit und die dadurch begründete Verletzung der Staatsbürger« liehen Rechte. Die jüdische Bekenntnisgemeinschaft er* wartet, daß der Landtag eine Ausnahme von dem Betäubungszwang für das rituelle Schlach* t e n zuläßt. Wir halten auf Grund wissenschaftlicher Nachweise daran fest, daß das Schächten jede Tierquälerei ausschließt. Wir haben uns dennoch mit allem Nach* druck dafür eingesetzt, eine mit den rituellen Vorschriften vereinbare Betäubungsmethode zu gewinnen, über deren Zulässigkeit unsere religiösen Instanzen zu entscheiden haben. Wir werden die Prüfung der Frage ernstlich fort» setzen, wir nehmen aber in Anspruch, daß uns die hierfür nötige Zeit gegeben wird. Wir haben das Vertrauen, daß der Bayerische Staat, der sich den Schutz der G es Wissensfreiheit stets in besonderem Masse ange« legen sein lassen und den Bedürfnissen der israelitischen Glaubensgemeinschaft jederzeit Rechnung getragen hat, in der Zeit größter allgemeiner Not die Kräfte des Landes nicht abstößt, sondern sammelt zum Wohle des Vaterlandes." Bentt edjmerjen... 2oaal«2ttWettett! Sopl^abletten finb unübertroffen $ur JSetämm'ung rheumatischer, glchtf scher und nervöser Schmerzen, Kopfschmerzen, Erkältungskrankheiten. Sogal fdjeibet bte$atnfäure <m£ uub flcf)t baljer bireft gur SBitrjel beö UebelS! SBcnn Saufeitbe oon Siebten biefeS Nüttel ücrorbnen, föunen auch Sie c§ »erttauenSoori faufen. fragen @ic 3J)ren Slr^t! 3n aflwt Stpotfoten. qSrciS S 2.40._ö 83/84 Die Bemühungen der bayerischen Judenschaft er« wiesen sich aber als erfolglos. Der Bayerische Landtag ging am 29. Jänner in die Behandlung des Gesetzentwurfes über das Verbot des betäubungslosen Schlachtens in zweiter und dritter Lesung ein. Nach einer Aussprache von wenigen Stunden schritt man zur Abstimmung. Der Gesetzentwurf wurde mit 6 5 Stimmen aller Fraktionen, einschließlich der Sozial« demokraten, gegen 42 Stimmen der Fraktion der Bayerischen Volkspartei angenommen. Die An« regung, eine Ausnahme für die jüdische rituelle Schächtung zu statuieren, wurde nicht berücksichtigt. Die Annahme des Gesetzes bedeutet demnach ein Verbot der Schächtung nach jüdischem Ritus in Bayern. Laut einer Bestimmung des Gesetzes tritt es am 1. Oktober 1930 in Kraft. Das Gesetz bedeutet, wie dies schon in den Entschlüssen des Verbandes der Bayerischen Israelitischen Rcligionsgemcinden und der Bayerischen Rabbinerkonferenz dargetan wurde, einen Verstoß gegen die Reichsverfassung, die die religiöse Gewissensfreiheit aller Staatsbürger garantiert, während das Gesetz, wie es im Landtag angenommen wors den ist, einen Bruch der religiösen Gewissensfreiheit be* deutet. Es wird mit Bestimmtheit angenommen, daß ein Appell an die Reichsregierung und den Staatsgerichtshof ergehen wird, in dem Sinne, daß das vom Bayerischen Landtag angenommene Gesetz als gegen die Reichsver« fassung verstoßend an den Landtag zur entsprechenden Abänderung zurückverwiesen wird. ^ifiiiifiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiic | Verband demokratischer Zionisten 5 Mittwoch, den 12. Februar 1930 um halb 9 Uhr | 5 abends im Calfe Produktenbörse, IL, Taborstr. 10 g [ Versammlung] | Gegenstand: Die Seele des Juden | | Referent: Dr. Viktor E. Pordes |?iiiiiiifiiiiiiiiiiiiiff!iiiifiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiimiiiiiiuiiiii? Die jüdischen Sklaven auf Malta. Von Cecil Roth. Der bekannte Historiker und Korrespondent der britischen Historischen Gesellschaft Cecil Roth legt im New Yorker „Menorah Journal" die Resultate seiner Forschungen über die Juden von Malta nieder, die wir auszugsweise wiedergeben. Cecil Roths meisterhafte, wissenschaftlich fundierte Darstellung wird gewiß das Interesse aller Leser fesseln. I. Die Malteserritter als Seeräuber. Mehr als 200 Jahre, bis tief ins 18. Jahrhundert hinein, lebte auf der Insel Malta eine jüdische Gemeinschaft von Sklaven, die unter dem Regime der Inquisition standen und von einem Christen beaufsichtigt wurden: das ist die Essenz einer faszinierenden Geschichte, die bis jetzt vollkommen unbekannt war und nun erschlossen ist, zunächst aus Dokumenten, die sich in meinen Händen befinden. Malta beherbergte eine jüdische Gemeinschaft fast fünfzehn Jahrhunderte lang, nachdem der Apostel Paulus die Insel besucht hatte. Katakomben bezeugen die Existenz der jüdischen Gemeinschaft in römischen Zeiten und behördliche Verzeichnisse künden von deren mittelalterlicher Geschichte, Aber die Insel fiel zusammen mit Sizilien unter die Herrschaft des Königshauses von Aragon und die jüdische Gemeinschaft von Malta teilte im Jahre 1492 das Los der spanischen Juden. Dann erfolgte das sonderbare Zwischenspiel der Sklavenepoche. Im Jahre 1550 setzte Karl V. die Malteserritter des Ordens von S t. J o h a n n e s, die von Rhodos neun Jahre vorher von den Moslems vertrieben wurden, in die Herrschaft über Malta ein. Die Bedeutung dieser Körperschaft und ihres Lehensbesitzes über Malta war auf der ununterbrochen herrschenden Feindschaft zwischen der moslemitischen und christlichen Welt gegründet, für welch letztere die Mitglieder des Ordens in gewissem Sinne die fahrenden Ritter bedeuteten. Sie leisteten demgemäß bestündig gegen die moslemitischen Mächte Kriegsdienst zur See, was sich nur sehr schwer vom Piratentum unterschied. Seehäfen wurden überfallen und deren Einwohner weggeschleppt, Schiffe ohne Unterschied geplündert, gekaperte Fahrzeuge nach Malta gebracht, Schiffsmannschaft und Passagiere uls Gefangene verkauft. Während der ganzen Herrschaft der Ritter, die bis zur Kapitulation vor den Franzosen im Jahre 1798 währte, war die Insel also die letzte Stätte des Sklavenhandels und der Sklavenarbeit. Die Opfer waren alle jene Personen ohne Ansehung des Standes, der Rasse, des Alters und des Geschlechtes, die auf den Schiffen segeln mußten. Die Juden machten einen, großen Teil der levantinischen Kaufmannsklasse aus und waren so vornehmlich Objekt der Seeräuber. Wegen ihrer nomadischen Lebensweise wurden cUe^Juden in unverhältnismäßig großer Zahl auf allen zwischen den osteuropäischen Häfen verkehrenden Schiffen angetroffen. Sie stellten auch ein ansehnliches Element der Bevölkerung der moslemitischen Häfen, die überfallen wurden. Sogleich nach der Etablierung der Ritterherrschaft beginnt der Name Malta mit steigender Häufigkeit in den jüdischen Schriften genannt zu werden, und zwar i n wenig rühmlicher Weise. Malta wurde in den jüdischen Augen das Symbol für alles, was grausam und h a s s e n s w e r t in der christlichen Welt war. Was immer auch damals darüber gesprochen worden sein mag, daß die Juden die große türkische Belagerung von Malta 1565 finanziert hätten, gewiß ist das eine, daß sie mit ängstlichen Augen die Belagerung abwarteten und daß ihre Enttäuschung über den türkischen Zusammenbruch groß war. Ein jüdischer Chronist bemerkt am Ende seines Berichtes über die Belagerung traurig : „Die Mönche von Malta sind auch heute noch ein Fallstrick für die Juden." Eine messianische Prophezeiung, die im frühen 17. Jahrhundert umlief, drückt in bitteren Worten das jüdische Gefühl ans, indem sie ausmalt, wie die Erlösung zugleich mit dem Fall der vier Königreiche der Gottlosigkeit (an erster Stelle Malta) vor sich gehen werde. Einer typischen Kaperung wird im „Tal der Tränen" von Joseph Hakohen zum erstenmal in einer jüdischen Schrift Erwähnung getan: ,1m Jahre 5312 (1552) trafen die Fahrzeuge der Mönclie vo,n Rhodos in der Richtung nach Malta auf einem Beutezug mit einem Schiff aus Saloniki zusammen, auf dem sich 70 Juden befanden. Sie kaperten es und kehrten auf ihre Insel zurück, die unglücklichen Gefangenen mußten sich nach allen Richtungen um Geldhilfe wenden, zur Beschaffung des Lösegeldes, das die elenden Mönche forderten. Erst nachdem die Gefangenen die Zahlung geleistet hatten, durften sie ihre Reise fortsetzen." Im Jahre 1567 fiel eine große Anzahl von Juden, die wegen der Verfolgungen des Papstes Pius V. in die Levante flüchteten, den Rittern zum Opfer. „Viele der Opfer sanken wie Blei in die Tiefe der See ob der Wut des Angriffs, viele andere wurden in die maltesischen Kerker geworfen, in dieser Zeit der Verwirrung", schreibt ein Chronist. Es lauerte die Gefahr nicht nur auf jene, die auf Schiffen zur See gingen. Ma rannen aus Ancona, Opfer des Fanatismus und des Verrats Pauls IV., wurden 38, die dem Scheiterhaufen entrannen, gekettet in die Galeeren Maltas geworfen, wenn ihnen auch später die Flucht gelang. Mit der Ankunft in Malta begann für die Gefangenen das Martyrium. Ein anschauliches Bild hievon entwirft ein englischer Reisender namens Philipp Skippon, der gegen 1663 Malta besuchte. „Das S k 1 a v e n g e f ä n g n i s ist ein schönes, rundum mit Säuleu umgebenes quadratisches Gebäude, wo die meisten der Sklaven Maltas ihr Nachtlager aufschlagen und bis zum Ave Maria bleiben müssen. Sie betreiben hier allerlei Handwerk, wie Baderei, Schneiderei etc. Es gibt ihrer ungefähr 2000, die dem Orden gehören, von denen die meisten jetzt in den Galeeren hausen. Und es gibt ihrer noch 300, die Sklaven von Privatpersonen sind. Das Gebiet ist eine Insel, von wo es schwer ist, zu flüchten. Stecken sie doch in Ketten und Fußfesseln! Juden, Mauren und Türkeu werden hier zu Sklaven gemacht und öffentlich auf dem Markt feilgeboten. Ein kräftiger Bursche von niedrigem Stand wird für 120 bis 160 Malteser Skudi verkauft. Die Juden sind von den übrigen durch einen kleinen gelben Fleck auf Kleid oder. Kappe zu er-

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