Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 4 (1930)
- Issue
- Heft 125 (7.2.1930)
- Date
- 1930-02-07
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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r Seile 2 DIE NEUE WELT Nr. 125 Müßt Ihr Euch in Wollt Ihr nach der Redoute der Rahe pflegen ^ÄflÄS 30 §8fll8ks BßltSD lßQBd p^WI,Ä,*, MÄrBa!i*r Hauputpa** / ™^h°n b.44.4-84 Alle Bettwaran, Bettfadernreinigung, Umarbeitung Ober den Tagt statu«, d. i. in der Proportion von 6 Nicht Juden zu 1 Juden. Der Plan hat zW Formen angenommen: 1. ©in IFrefes Parlament, das in'^le^^Maetit.;'dtffäi' ..dfei Elemente begrenzt sein soll (Eiö^ar&erüngV Äetjflische Kultur, Bodertankauf. Anm. d. Red;)? 2. ein freies, mit allen Machtmitteln ausgestattetes Parlament. Der erste Plan geht von einem bekannten jüdischen Schulmann aus, fordert daher Respekt und mehr als sorg* fältige Prüfung. Dieser bekannte Schulmann ist zusam» men m,it Dr. Weizmann und allen anderen Zionisten um den Frieden und das gute Einvernehmen mit den Arabern besorgt. Für ihn ist der Friede eine absolute Notwendigkeit für sein Ideal eines Kulturzentrums. Für die Zionisten ist der Friede ebenfalls notwendig — für den Aufbau des jüdischinationalen Heims. Um den Frieden zu erlangen, schlägt er eine legislative Versammlung mit demokratiscfupolitischem Regime vor, so sorgfältig ausgearbeitet, daß Immigration, Landbesitz und hebräische Kultur nicht behindert werden. Zwei Hauser sollen eingesetzt werden: eines mit enormer ara* bischer Majorität und ein anderes auf Basis gleichmäßig ger Zusammensetzung von Arabern, Juden und Briten. Die kurze Antwort auf diesen Plan ist: < Er ist unausführbar, er ist unpraktisch und unzweck* mäßig. Es ist nicht zu erwarten,, daß die Majorität der Juden diesem Plan zustimmen wird. Die Kolonisten würden ihn wie ein Mann ablehnen. Sollen diese tapferen Frauen und Männer, die ihr Leben riskiert, ihr Alles hergegeben, so gut und treu den Grund gelegt haben, die das wirkliche Fundament der höherwertigen Kultur in Palästina sind, nicht gefragt .werden? Ferner werden die. Ara he r aus praktischer Ein* sieht darauf nicht eingehen. Ich habe den Vorzug eines Gesprächs mit seiner Eminenz dem Großmufti in Jerusalem gehabt. S. E. wären sehr emphatisch in der Förderung der Annullierung der B a l f o u r« D es k 1 a r ä t i o n und der Errichtung eines . Parlaments auf Grund des gegenwärtigen., Status. In Erwiderung auf meine Frage erklärte der Großmufti, dkß er abermals das Angejbot vcm.192?,., (der. von Herbert Samuel geplante I^jllälAtiVÖ^'. Gpünb'fl"' als;' beratender. Körperschaft; Anm. d. Red.) ablehnen würde, und Musa Kassim Pascha* djer anweäettd «ary sa^te, aücft: er-:^wür<le so etwasv nicht akzeptieren. Für sie gibtes huremi fteies Patlarnerii, Sonst nichts. Die christliche arabische Delegation,r dif,pus sehr intelligenten Praktikern bestand, machte' es ganz, klar, "däfif sie keinerlei Ärt ^^r^äÄt, die"ni'^ht Colie souveräne Recht besitzt, zulassen könne. Meiner Meinung nach kann ' 1 0 ,;v; .-■ •-. ••••'•v ..-vw;-,- '•>*'• v ..... . \... . jdlese- Idee 'eines £aylame»t|;|n^&^firvateir ganz 'ausgeschaltet werden, da die Araber nur ein solches Parlament wünschen, das, diese Reservate aus der Welt schafft;'Iias sind die wfrklicneii Probfenie, die ' sie auf zivilisierte Weise kaltstellen wollen. :: "'■ Seihe; 'Eminenz erzählte mir weiter, daß er den Zustrom , von .Immigrantea eindämmen wolle, um die M/o ^äiu n dd e n g ü t e n N*a m<e n P a-I ä s-t i n a-s z u w.a h>r-e n l Die - christlichen ^Araber?sehen - nicht ein; iwes* halb Hebräisch eine offizielle Sprache sein soll, da sie doch das Administrationsbudget beiäste. Obwohl für eine „geschlossene Ansiediung" der Juden Vorsorge getroffen ist ~ wieviel Kronländereieh haben sie unter der gegenwärtigen Administration bekom* men? Und wieviel werden sie' vorn arabischen Parlament bekommen? Selbst unter den „Garantien", die Doktor Magnes erhielte, ist mit Bestimmtheit anzunehmen, daß sich nach drei Monaten kein einziger Jude mehr im Staatsdienst befinden würde. Zuerst gibt es unter 3055 eingeborenen Nicht* juden 767, d. i. 18 Prozent eingeborener Juden in der Administration. Die Gehälter für die jüdischen Beamten machen bloß 12,5 Prozent aus. Die Zahl der Juden im Eisenbahndienst beträgt nur 12 Prozent, im Polizeidienst 7 Prozent (170 von 2600), obwdhl die jüdische Bevölkerung 40 Prozent der Staatsein* künfte leistet und dem Staatsschatz pro Kopf 7.37 Pfund gegenüber. 1.84 Pfund pro Araber zuführt! Wenn die Juden der ganzen Welt Geist und . Absicht der Balfour»Deklaration zu töten wünschen, dann rate ich ihnen an,, der britischen. Regierung ein Parlament mit., diesen drei Garantien vorzuschlagen.. , Meiner Ansicht nach werden. die Juden diesen Plan ablehnen, die Araber ebenso, und schließlich wird die britische Regierung kaum eine Maschine in Funk* tion setzen, die in direktem Gegensatz zur Politik des Mandats steht. Und nun die „Selbstbestimmung"!. Was bedeutet sie unter den besonderen Umständen in Palästina? Es würde bedeuten die Selbstbestimmung für eine kleine Schicht der scädti» sehen Bffendis, für die Wiedergewinnung ihrer prU vilegierten Position zur Ausbeutung des Fellachen und zur Sabotage des großartigen jüdischen Werkes der letzten zehn Jahre. Wenn die Juden nur Mi nor.itä tsre cht e in Palästina wünschen, wenn sie dort nur geduldet sein wollen,, dann läßt sich eine solche Konstitution schaffen, Aber sie bedeutet für immer das Ende des Ideals vom jüdischmationalen Heim. Es scheint mir, daß Palästina für manche Leute ein riesiges Armenhaus, ein Museum oder ein Ghetto bedeutet. Diese Politik würde den Effendis alles das bringen, was sie im August durch Mord und Plünderung errei* chen wollten. Man kennt sich nicht aus! In den Straßen Wiens wird — jüdischer Humor feilgeboten, in dünnen, schäbigen Heftchen, die so billig sind wie ihr Inhalt. Es ist derselbe „jüdische Witz", wie man ihn in den Kabaretts, im Theater der Komiker und in den Possen hören kann, die mit Vorliebe von Juden frequentiert werden: der „jüdische Witz", der sich nicht genugtun kann in sexuellen Zweideutigkeiten, Schacher-Pointen, Gemüts roheiten und Familienschmutz, der also im Grunde uhjüdisch ist. Jüdische Lozelach und Schmonzes nennt man diese Literatur, die in den Straßen Wiens ihr Unwesen treibt. Man muß kein Erziehungsfanatiker sein, nni^/elt$]l^llen>'' zu können, wie bei aller Harmlosigkeit dergleichen Schmutz die Atmosphäre vergiftet; welch ethischer Tiefstand bei den Lesern vorauszusetzen ist,; nicht etwa deshalb, weil sie solch jüdischen Humor nicht ablehnen, sondern ihn, als hätten sie sich selbst darin gefunden, mit Behagen schlürfen. Man hat, eingedenk des neuen Preßgesetzes, nach dem Staatsanwalt gerufen. Der Staatsanwalt ist eingeschritten. Er hat — man verzeihe den Ausdruck — ein- Turl-Wiener-Witzblatt beschlagnahmt und damit vielleicht viele jüdische und nicht jüdische Leser .(diese delektieren sich scheinbar heidenmäßig daran) um einen Genuß . gebracht. Aber ein etwaiges Bravorufen hat nicht viel Sinn, solange die Mojsches Kanalgitterbestandteil und Itzigs Unterleibsgeschwür ein deklassiertes Großstadtjudentum im Parkett weiter vermauscheln; solange Armin-Berg-Schallplatten als Dokumente jüdischen Humors in die Welt gesetzt werden; solange die israelitischen Unionisten die ostjüdischen Brüder als Zugereiste ansehen und sich mit den Lozelach-Juden identifizieren; .solange wir selbst nicht die neue Generation zur Würde und zur Ehre unseres Judentums erziehen. Unser Judentum! Es ist fast, als hätten Wir in dieser marklosen Zeit ürid in dieser marklosen Stadt ein Monopol darauf; Unsere Leser und Freunde kennen unsere Einstellung zu 'i'hm,<;zttrir Judentum, das im Gesichtsfeldso vieler Meinungen, Richtungen, Parteien steht. :; . t Auch die österreichische Sozialdemokratie schenkt ihm Beachtung: wenn schon nicht in der Gerichtssaalrubrik, dann wenigstens im Kunstteil. Anläßlich einer Würdigung des Dichters Richard Billinger, eines katholischen Bauernsohnes, stellt Dr. Dävid Bach, der Minister der Stadt Wien für Kultur, Theater und Kunst, eine Betrachtung über diejenigen an, die im Streben nach dem Direktorposten des Burgtheaters eine rechtgl ä u b ige Gesfoairtig^ ^a|t vden Tag legen. Wer sind diese Geister? fragt Dr. Bach in der „Arbeiter-Zeitung". Und er hat eine prompte Antwort bereit: es sind die katholisierenden Juden und Judenstämmlinge. , (Die Judehstämmlinge stehen bei ihm unter Gänsefüßchen.) Wen wohil die „Arbeiter-Zeitung" meinen mag! Den Äütof der frommen Barbara Franz W e r f e 1, dem sie Weihrauch streute, als er in seinen Gedichten die Welt umarmte? Oder Max R e i n h a r d t, den Inszenator von „Jedermann" zu Füßen des Salzburger Doms? Oder etwa den Georg von Eisler-ferramare, der die katholischen Schottenspiele faustdick hinter den Ohren hat? Das sind echte katholisierende Juden und Judenstämmlinge vom reinsten Weihwasser. DES M O R GENS sieht man in jedem Hause DIANA FRANZBRANNTWEIN NIT MENTHOL in Gebrauch. Warum gerade diesen? 1. Weil die meisten Menschen gewohnt sind, ihren Körper mit Diana-Franzbranntwein einzureiben und ihn damit für die MUhen des Tages zu stählen und dieTätigkeit der Haut anzuregen, die Blutzirkulation zu beleben und die Nerven der Haut zu kräftigen. 2. Wer leicht zum Schwitzen neigt, muß unbedingt des Morgens den Körper mittels eines in Diana- Franzbranntwein getauchten Lappens frottieren, damit der geschilderte Uebelstand behoben wird. 3. Bei Brüchigkeit des Haares, Schuppen etc. ist Diana- Franzbranntwein von ausgezeichneter Wirkung. 4. Infolge des angenehmen Geruches und Geschmackes des Diana-Franzbranntweines sowie dessen Eigenschaften gibt derselbe ein ausgezeichnetes Zahn- und Cmrgelwasser, 5; Wer in der Früh einige Tropfen Diana-Franzbranntwein in Wasser aufschnupft, beseitigt die häufig auftretende Verstopfung der Nasenkanäle. DIANA.FRANZ BRANNTWEIN wirkt also kräftigend, abhärtend und kühlend. Oberau trhttltllchl Aber man kennt sich nicht aus. Seit wann kommt der „Arbeiter-Zeitung" die Einmischung der Juden und Judenstämmlinge in die deutschösterreichischen Belange verdächtig vor? Seit wann identifiziert sie sich mit unserem zionistischen Standpunkt, wonach diese Juden und Judenstämmlinge kein Recht haben, den autochthonen Völkern ihre Kulturrichtung zu diktieren? Wenn sie die Hand aufs Herz legt, wird sie sich selbst schuldig finden. Sie wird, wenn ihr noch ein Rest von Schamgefühl geblieben ist, echt „rot" werden. Vorläufig haben Herr Dr. David Bach und seine Genossen vergessen, daß sie im Haus des Gehenkten vom Strick reden. Das Wort Juden und Judenstämmlinge nimmt sich auf ihren Lippen höchst sonderbar aus — wenn schön nicht in der Gerichtssaalrubrik, dann zumindest im Kunstteil. Blättern wir in den Annalen der Wiener Theatergeschichte, dann taucht ein bittersüßes Kapitel auf: die Aera Bach-Berisch mit dem „Lrnin" im Leopoldstädter Kunststellentheater, die nur den einen Vorzug hatte — kurz gewesen zu sein. Da waren Juden und Judenstämmlinge einträchtig beisammen, zwar nicht katholisierend, sondern bolschewistelnd, aber immerhin unter einem Hut. Jetzt steckt Herr Dr. Bach seinen Kopf unterm Hut hervor und spuckt seinen Juden und Judenstämmlingen ins Gesicht. Er soll achtgeben, daß seine Kollegen bei dieser Gelegenheit nicht eins von ihm abbekommen. Man kennt sich wirklich nicht aus! o. r. Rascher als mau dachte. Die Krise in der Leitung der erweiterten Jewish Agency. Die Schuld Weizmnnns. Die lieben Weggenossen in Oesterreich. Raseher als vorauszusehen war sind die Befürchtungen, welche die Gegner der Erweiterung der Jewish Agency durch Nichtzionisten hegten, Wirklichkeit geworden. Wie in. der letzten Nummer der „Neuen Welt" zu lesen war, hat die Agency in Amerika eine Entwicklung genommen, welche die Existenz der Zionistischen Organistion und den Aufbau der nationalen Heimstätte in Palästina, bedroht. Der Keren Hajessod in Amerika wurde einfach aufgelöst. Unter Ausschaltung fast aller leitender zionistischer Per-, sönlichkeiten, darunter Präsident Weizman ri und die Zionistische Exekutiv e, wurden die wichtigsten Ressorts e i g e h m ä c h t i g bösetzL Politik unter Ausschaltung der Londoner Exekutive wurde bereits betrieben. Durch Einsetzung einer neuen, dreigliedrigen Körperschaft, welcher a 11 e Gelder zur Verfügung gestellt werden, wurde die palästinensische Exekutive in direkt lächerliche Ohnmacht versetzt. ^Diesen Nachrichten, weiche die Zionisten mit ernster Besorgnis erfüllen,' weiß die zionistische Leitung und die offizielle zionistische Presse nichts anderes entgegenzusetzen als die Meldung, daß die „Unstimmigk e i t e n" zwischen den Präsidenten Weizmann und W a r b u r g nahezu „beigelegt" seien. Was beigelegt wurde, wie beigelegt wurde, darüber keine Silbe. Als ob der Zionismus, als ob Palästina, als ob die Zukunft des jüdischen Volkes eine rein persönliche Angelegenheit von Weizmann und Warburg wären. Welches auch die Verfehlungen und Uebergriffe der amerikanischen Nichtzionisten sein mögen, die Gerechtigkeit fordert, die Schuld an der Krisis genau abzugrenzen. Eine der Hauptursachen der Verwirrung, welche jetzt schon eingetreten ist, bildet der Umstand, daß es beim letzten, entscheidenden Kongresse in Zürich verabsäumt wurde, der erweiterten Agency eine klare, unzweideutige Verfassung zu geben, welche die Befugnisse und Rechte der Zionisten und Nichtzionisten und aller Körperschaften genau festlegt. Das wurde beileibe nicht vergessen, sondern wissentlich verhindert. Vor allem durch Präsidenten Weiz- ' mann! Als die radikalen Zionisten wiederholt, dringend, stürmisch die genaueste Prüfung des Entwurfes der Konstitution der erweiterten Jewish Agency forderten, griff Weizmann hindernd ein. Er bestieg die Tribüne und sagte: „Ich habe den Entwurf nicht einmal gelesen! Alles kommt auf das Vertrauen au!" Mit diesen frivolen Worten waren alle ehrlichen, patriotischen Versuche der radikalen Zionisten, Klarheit zu schaffen, abgetan. Die Resultate dieser Worte sind nun da. Verwirrung und Mißtrauen auf allen Linien. * Die ]?ile mit welcher die Jewish Agency zusammengeschweißt wurde, hat sonderbare Früchte gezeitigt,^ Die sonderbarsten vielleicht in Oesterreich. Hier wurde als Nichtzionistischer Partner die „Union Österreichischer Juden'' und ihre Herreu gewählt. Die Herren haben1 sich Vertreter genannt, Herr Direktor Dr. Paul Hammerschlag und Dr. Jakob Ornatein, Herr Dr. Faul