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Die neue Welt · 1930-02-07 · Heft 125 (7.2.1930) · page 1

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Journal
Die neue Welt
Volume
4 (1930)
Issue
Heft 125 (7.2.1930)
Date
1930-02-07
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Preis 35 droschen V« bt öi ÖEZUOSBEDINOUNGEN Oesterreich monatlich S 1.50, vierteljährig S 4.20, ganzjährig S 16.—; Polen monatlich Zloty 2.—, vierteljährig Zloty 6.—; Tschechoslowakei monatlich Kc. 6.—, vierteljährig Kc. 15.—; Jugoslawien monatlich Dinar 14.—, vierteljährig Dinar 40.—; Rumänien monatlich Lei 40.— vierteljährig Lei 120.— R EVU E HERAUSGEBER:: ROBERT STRICKER BEZUGSBEDINGUNGEN Deutschland monatlich Mark 1.—, vierteljährig Mark 3.—; Bulgarien monatlich Lewa 40.—, vierteljährig Lewa 1.20; Italien monatlich Lire 5.—, vierteljährig Lire 14.—; Schweiz und die übrigen Länder monatlich Schweizer Francs 1.50, vierteljährig Schweizer Francs 4.50. Redaktion und Verwaltung: Wien, IX., Universitätsstraße 6—8 Telephon: A25-2-82 — Erscheint jeden Freitag Jahrgang 4 Freitag, den 7, Februar 1930 Nr. 125 Vorbereitung zu Pogromen in Rumänien Die Mörderfamilie Codreanu. — Mit dem Kreuz in der Hand gegen die Juden. Der jüdische Kommunismus als Ursache. — Studenten überfallen den Verteidiger. Trübe Zukunft. Aus Rumänien sind beunruhigende Nachrichten eingetroffen. Die radikaUantisemitische Partei der C u z i s t e n predigten Raub und Mord. Organisatoren der Bewegung sind die Mitglieder der antisemitischen Familie Zelea*Codreanu, welche schon viele Morde auf dem Gewissen haben. Zahlreiche beim Innenministerium eingetroffene Berichte melden, daß die Cuzisten in Siebenbürgen und in Bessarabien heftige antu semitische Agitation betreiben und die christliche Bevölkerung zu Ueberfällen auf die Juden hetzen. Eine Meldung aus Bessarabien besagt, daß eine Gruppe von Cuzisten, bestehend aus etwa 10 Leuten, an deren Spitze sich der bekannte Antisemit Corneliu Zelea«Codreanu befand, vor einigen Tagen in die Stadt Cahul gekommen sei und unter der dortigen jüdischen Bevölkerung eine schreckliche Panik hervor* gerufen habe. Corneliu Codreanu ritt auf einem Pferd und hielt in der Hand ein großes Kreuz. Als dieser Zug ins, Stadtinnere kam,-erregte er die Aufmerksamkeit aller Leute. Codreanu und seine Leute begangen Schimpf rufe gegen die Juden auszustoßen. Der jüdU sehen Kaufleute und Händler bemächtigte sich eine fürchte/liehe Panik. Sie sperrten sofort ihre Geschäfte und verschlossen die Fenster mit den Holzläden. Die Cuzisten begannen auf den Straßen einen schreck: liehen Spektakel zu treiben. Als die Behörden davon erfuhren, begab sich so* fort der Bezirkspräfekt auf den Marktplatz und forderte Codreanu auf, unverzüglich die Stadt zu verlassen. Codreanu weigerte sich, diesem Auftrage nachzukommen, sondern erklärte, er mache, was er wolle. Bald da* rauf erschien am Marktplatze ein Gendarmerieaufgebot unter Führung des Garnisonskommandanten. Auch dem Auftrage des Garnisonskommandanten, die Stadt zu ver* lassen, widersetzte sich Zelea*Codreanu. Es kam zu einem heftigen Auftritt zwischen Codreanu und dem Kommans danten. Schließlich gab der Kommandant seinen Truppen den Auftrag, die Cuzisten mit Gewalt aus der Ortschaft zu entfernen. Die Soldaten umringten sofort die Cuzisten und führten sie bis vor die Stadt. Bevor sich Zelea* Codreanu entfernte, rief er noch dem Kommandanten zu: „Warte nur, ich werde mich schon rächenl Am „. Februar komme ich in Begleitung meines Vaters und 2000 Leuten wieder und dann werde ich die ganze "Stadt vernichten." In den letzten Tagen durchstreifte Corneliu Cod* reanu in Begleitung einiger Studenten die Städtchen und. Dörfer des Bezirkes, C q v u r 1 u i, dieam Pruthufer . gelegen sind, und hetzte die Bevölkerung gegen die Juden auf. Er verkündete den Bauern, daß sie in allerkürzester Zeit von allem Vermögen der Juden werden Besitz ergreifen können und daß alle ihre Schulden an die Juden gelöscht werden. Die Juden werde man in Eisenbahnwaggons verladen undüber die Grenze schieben. Die Behörden versichern zwar, daß sie entspre* cbende Maßregeln getroffen haben, um Ausschreitungen zu verhüten. Tatsache aber ist, daß Codreanu und'seine Spießgesellen frei und unbehelligt das Land durch« ziehen und den Judenmord predigen. Den Auftakt zur erneuten, heftigen Pogromagita* tipn hat der letzte in Czernowitz durchgeführte Prozeß gegen die Kommunisten gegeben. Die zahlreichen Angeklagten waren beschuldigt, im Dienste und im Solde Moskaus auf den Umsturz des rumäni» sehen Staates hingearbeitet zu haben und wurden zu längeren Freiheitsstrafen verurteilt. . Der Umstand, daß Über 90 Prozent der Angeklagten Juden und Jüdin» heir waren, gab zu einer erbitterten'Diskussion in den rumänischen Blättern aller Richtungen Anlaß. Auch die Organe der derzeitigen freisinnigen Regierung richteten heftige Angriffe gegen die jüdische Grc Seilschaft,- welche teilnahmslos das Treiben der jüdischen Verschwörer duldet. So warf die' „Tribuna" in Czernowitz die Frage auf, wie es denn komme, daß die Juden ein Geschrei erheben, wenn c u z i? s t i s c h e Studenten Exzesse machen, während sie, die Juden, es ruhig hinnehmen, daß die überwiegende Zahl der kommunistischen Verschwörer jüdisch ist. Das, was die cuzistischen Studenten tun, sei doch verschwindend und unbedeutend gegenüber dem, was die Kommunisten im Schilde führen. Die Cuzisten verprügeln etliche Juden, schlagen Fenster* Scheiben ein, molestieren jüdische Reisende u. dgl., die Kommunisten aber laufen Sturm gegen die Staats* Ordnung. Dort ein Unrecht, welches nur wenigen Per» sonen angetan wird, hier aber hochverräterische Anschläge gegen den Staat und gegen die bürgerliche Ge» sellschaftsordnung. Der erste Ausbruch1 richtete sich gegen den Ver» teidiger der Kommunisten^ ^en rumänischen A^dvökjtfen P a tr asc a n u." ._ypr^de^'^ÜT^e1-lsve^JcUndung.. versämttleU tön sich Stüdenten vor, dem Gerichtsgebäude,,. |n Vbri ahnung der kommenden Dinge bat 'Patrascanu um poli* zeilichen Schutz. Trotz der polizeilichen Eskorte wurde aber das Auto des Advokaten gestürmt und er selbst vor den'Augen der Polizei in furchtbarster Weise mißhandelt und schwer verletzt. Von da ab ver« breitete sich die Agitation über das ganze Land. Die Juden Rumäniens sehen der nächsteh Zeit sorgenvoll entgegen. Antisemitische Rede des Militärkommandanten von Bessarabien. Kischinew,. 30. Jänner. (J. T. A.) Der Militärkonis mandant von Bessarabien General Dragur hielt bei der Feier der Kischinewer Theologischen Fakultät vor einem großen Auditorium von Professoren, Geistlichen und Stu« denten eine Rede, in der er scharfe antisemitische Auss fälle machte und sie mit den Worten schloß: „Die Juden müssen nach Palästina, die Russen nach dem anderen Ufer dos Dnjestr gehen!" Die Rede rief in don Kreisen der Kischinewer. Bevölkerung starke Erregung hervor. Die jüdische Gemeinde befaßte sich in ihrer letzten Sitzung mit der Angelegenheit. Das Rayonskomitee der Regie* rungspartei (Nationalzarahisten) intervenierte in Bukarest. Dürfen - jüdische Gemeinden Zwangsbeiträge für den Keren: Ha/essod erheben? Sofia, 2. Februar. (J. T. A.) Hier fand eine Gerich t s v e rh a n d l u n g gegen die Mitglieder des Vorstandes der Jüdischen Gemeinde von Sofia statt, gegen die seit dem Jahre 1926 die Klage steht, daß sie die Bestimmungen des Gemeindestatuts verletzt haben, indem sie aus den Mitteln der Jüdischen Gemeinde Zuwendungen für den Keren Hajessod bewilligten. Dem Ausgang der Gerichtsverhandlung sah die jüdische Oeffentlickeit Sofias mit gespanntestem Interesse eutgegen. Der Gerichtssaal war überfüllt. Der Staatsanwalt gab in sedner Rede der großen Sympathie für die zionistische Bewegung und das jüdische ^Aufbauwerk in Palä-. stina Ausdruck und teilte mit, daß die Staatsanwaltschaft von der Anklage zurücktrete. .Die Verteidigung lag in den Händen des Präsidenten der bulgarischen zionistischen Föderation Albert Romano und zweier Rechtsanwälte. Unter den Zeugen waren drei Rabbiner und Herr Chaira Farchy, Mitglied des Council der Jewish Ageney und de's^ zionistischen A. C. Zur Vorgeschichte dieses Prozesses' ist zu bemerken, daß im Jahre 1925 eine Konferenz der jüdischen Gemeinden in Bulgarien mit großer Majorität den " J Alle im redaktionellen Teil befindlichen entgdtlig'Iien Notizen sind durch ein beigefügtes E bezeichnet. KOHLE KOKS ANTHRACIT MclMter aualllHI BÄSCH. IV. ArflentlnlerttraBe 22 Tolenha* 0-46-403 Telephon u.41.2.|7 Beschluß faßte, den Beitrag zum Keren Haj e s s o d zu einer für alle Gemeindemitglieder verbindlichen und von den jüdischen Gemeinden zugleich mit der Gemeindesteuer einzuziehenden Abgabe zu machen. Der Prozeß wurde durch die Beschwerde einiger w e n.i ger.bulgaris ch er. J u de n verursacht, die die Gesetzlichkeit des Beschlusses anfochten. Mit der; Zurückziehung, der Anklage durch;-den Staatsnnwalt hat die Angelegenheit ihre Erledigung gefunden.. . , , 1; KÄ^&T/BÄÖ^'--<;'-:-- bei Wien. Winterkurort, radioaktive Schwefelbäder gegen ßicht, Rheumatismus, Neuralgien^ Trinkkuren itiit: ausgezeichnetem Erfolg gegen3 Erkrankungen ,d.es MagetirParmtrakt'esjder Gallenwege, der Niere und Blase. ' Ein Parlament für Palästina? Der falsche Alarm von der „Selbstbestimmung"« Von Major Daniel H o p k i n, britisches Parlaments« mitglied. Die auf ein Parlament in Palästina hin» , zielenden Tendenzen, die, vom . B,ri th Schalom unter der Flagge der Friedense bereitschaft forciert wurden und auch in weitere Kreise mit Berufung auf das. demo« kratische Prinzip des „Selbstbestimmungs« rechtes" gedrungen sind, unterzieht das füll« rende Mitglied der Arbeiterpartei im; briti* sehen Parlament Major Daniel Hopkin, einer ebenso ironischen wie vernichtenden . Betrachtung. Seine Ausführungen mögen zur Richtschnur allen denjenigen dienen, die von uns schon so oft gekennzeichnete gefährliche Hintertreppen» und Totengräber» Politik betreiben oder dulden. Ich spreche in diesen Ausführungen meine eigene Ansicht aus, nicht die einer Gruppe oder einer Partei. Ich will nicht in die Kammerpolitik der Zionistischen Organisation oder der Jewish Agency eingreifen -— das ist nicht meine Sache. Aber ich habe ein Recht, über ein Projekt der Verfassung, das, bevor es ins Werk gesetzt ■wird, dem Parlament vorgelegt werden muß, mein Urteil zu fällen. Ich bin sicher, daß ich das, was ich In diesem Artikel sage, im Namen der Majorität aller Mitglie« der der Labour Party im britischen Parlament aus« sprechen darf. Anläßlich der Augustereignisse sind allerlei Eut» würfe zur Regelung der jüdischsarabischen Beziehungen gemacht worden. Viele von ihnen hätten ein vollständig unschuldiges Gewand, aber die meisten zeigen offen die wahre Absicht der Beseitigung der Politik.der B a 1 f o u r * D e k I a r a t i o n. Die . Zionisten müssen diese Bestrebungen mit Wachsamkeit erwidern. Ihr Ideal ist wert, daß sie dafür kämpfen, und nichts Wertvolles auf dieser Welt ist ohne Kampf erreicht worden. Der Plan geht dahin, in Palästina ein Parlament zu errichten auf Grund des gegenwärtigen Bevölkerungs*

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