Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 4 (1930)
- Issue
- Heft 124 (31.1.1930)
- Date
- 1930-01-31
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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r!ft. T2I DIE NBtf WELT Seite! «r räumen, wenn ihr* Beschäftigung alt eine solche festgestellt wird, die nicht tut Klasse der „oütslichen Arbeit" gerechnet wird. Ausnahmen gelten für ehe« maliga Rotarmisten und Wissenschaftler. Au« privaten Mitteln errichtete Häuser bleiben im Rahmen des gel* tenden Gesetze* Eigentum ihrer Erbauer, auch wenn diese zur deklassierten Bevölkerung gehören. * Im zaristischen Rußland wurde ein Gesetz geschaffen, welches den Juden den Aufenthalt in gewissen Städten verbietet. Die Sowjetregierung plagt sich nicht mit der Erfindung von Gesetzen, sondern nimmt den Juden einfach die Wohnungen weg. Und «war nicht nur in bestimmten Städten, sondern überall. 65.000 ehemalig« Jüdische Händler In der Ukraine In höchster Not. Moskau, 23. Jänner, (j. T. A.) Die Moskauer jiddische kommunistische Zeltung „Emess" veröffentlicht eine Statistik, aus der hervorgeht, daß es in der Ukraine 65.000 durch die neuen Verhältnisse brottos gewordene jüdische Händler gibt, die sofortige Unterstützung brauchen. In diese Zahl sind Handwerker und verschiedene andere BerufBkategorion, die der konstruktiven Hilfe bedürftig sind, nicht eingeschlossen. „Emess" betont den verschiedenen Charakter der den Hundwerkern usw. zu gewährenden produktiven Hilfe und der dringend erforderlichen reinen Unterstützung für die 65.000 deklassierten Händler, denen zunächst einmal die Fristung ihres Lebens ermöglicht werden müsse. „Emess" warnt aber davor, die Verschiedenheit des Charakters der ah diese und jene Kategorie zu gewährenden Hilfe zu verwischen. Unser Jugend- und Verbandsheim. Nach langen Bemühungen Iii es gelungen, ein Amerikanisches Komitee zur Untersuchung der Lage des Judentums In Rußland. New York, 13. Jänner. (J. T. A.) Bekanntlich hat sich der Ämerlkanisch*Jüdische Kongreß in seiner letzten Konferenz mit der Unterdrückung der jüdi* sehen Religion in Rußland beschäftigt. Der Präsident des Kongresses Bernard S. Deutsch teilt jetzt mit, daß er gemäß dem ihm vom Kongreß erteilten Auftrag ein Komitee ernannt habe, das die Bedingungen in Rußland studieren und Maßnahmen ergreifen soll, die unter den gegebenen Umständen als ratsam erscheinen. Der Kom* mission gehören als Mitglieder an: Carl Sherman als Vor« sitzender, Dr. I. L. Bluestone, Gedaliah Bublick, Rabbi Moses Hyamson und Nathan Dr. Perlman, Dr. Stephen S. Wise, Bernard S. Deutsch und Bernard G. Richards werden als ex officio*Mitglieder fungieren. Mit Bezug auf die große Demonstration gegen die Verfolgung der Religion in Rußland, die vor kurzem in der Londoner Albert Hall stattfand, gibt Bernard S. Deutsch in einer Erklärung seiner Hoffnung Ausdruck, daß wichtige christliche Körperschaften in Amerika, die, wie ihm bekannt ist, die Frage aufmerksam verfolgen, ihren Einfluß bald auch öffentlich fühlbar machen und dadurch bekunden werden, daß die anti« religiöse Kampagne der Sowjets alle Religionen in gleicher Weise trifft. Er zitiert die Erklärung des Chief Rabbi Dr. J. H. Hertz in der Albert HaÜYVersammlung, in der dieser der Hoffnung Ausdruck gab, daß die briti« sehe Regierung und alle zivilisierten Regierungen Vor« Stellungen erheben werden, in denen, der sittlichen Ent« rüstung aller Freunde der Humanität wegen der Religions« Verfolgung in Rußland Ausdruck gegeben werde; solche Vorstellungen könnten diejenigen Staatsmänner in Ruß« land stärken, die die verbrecherische Torhe 11 des aggresiven Atheismus erkennen, Das Bekenntnis zur jüdischen Nation« Die in Brünn erscheinende „Jüdische Volksstimme" bringt folgende interessante Zusammenstellung über das Bekenntnis der Juden in der Tschechoslowakei zu den einzelnen Nationen. Nach der Volkszählung des Jahres 1921, das heißt vor neun; Jähreh hat es in der Tschechoslowakei 3 54.342 Israeliten (Konfessionsjuden) gegeben, von denen sich ohne Berücksichtigung der Staatsbürgerschaft 190.865 zur jüdischen Nation bekannten. (Nach Abzug der Ausländer 180.855.) ES gab demnach unter 10Ö0 Israeliten 5 3 8,6 Nationaljuden. Diese Proportion ist jedoch nicht für alle Teile der Republik gleich gewesen, und gerade dieser Schwankung, aus der sieh manche Schlüsse ziehen lassen, sollten wir bei der kommenden Zählung unsere Aufmerksamkeit zuwenden. Von 1000 Israeliten warfen nämlich Nationaljuden in Böhmen« « ( « * ,157,7. Mähren . « ■ i i i 485,4 ,Schlesien .. t % i i . 639,7 Slowakei . . « « t . 541,7 Podkarp. Äus .... 8933 Das Idealergebnis, ein lOOprozentiges nationales Bekenntnis, wurde annähernd nur in Karpathoruflland erreicht, während daB jüdische Bewußtsein in Böhmen, Mähren und der Slowakei einer Erweckung bedarf, so verschieden auch die Gründe sein mögen, die in jedem der genannten Länder zu seiner Unterdrückung oder Auflösung geführt haben. Der Hauptgründe zwei sind Assimilation und wirtschaftliche Abhängigkeit gewesen. In den verflossenen neun Jahren haben die Ereignisse im jüdischen Leben und in der politischen Lage großes, eigenes Heim su siehern. Das Helm bietet große Vortragssäle, Lehr «immer, Äüroräume usw. In ausreichender Zahl, um einen wirklichen Sammelpunkt jüdischen Lebens gu schaffen. Vor allem aber werden wir in der Lage sein, die Wiener Jüdische Jagend *n erfassen, sie in eine Umgebung zu bringen, welche Schutz gegen die fort» schreitende Entjndung bietet. Unser Ideal ist es, aus unseren Jungen und Kindern treue Träger des Judentums au machen, Juden mit Würde und Be* sdheidehheit, Jüdische Vollmenschen. Unser Heim gibt uns die Möglichkeit, diesem Ideale *ü dienen. Die Erhaltung des Heimes ist durch unseren Verband gesichert. Aber die Einrichtung erfordert größere Mittel. Wir streben ja an, das Heim behaglich und allen Anforderungen entsprechend auszustatten, Wir bitten daher alle, die unser Bestreben gutheißen, alle, denen die Zukunft unserer Jugend am Herzen liegt und denen die Sdiaffung eines würdigen, der Pflege des jüdischen Gedankens geweihten Helmes als gute Sache gilt, einen einmaligen Beitrag zu leisten. Spenden nehmen der „Verband demokratischer Ziofiisten" und die Verwaltung „Die Neue Welt", Wien, IX., Universitätsstraße 6—8, entgegen. Wir haben auch Bausteine au 1 S und 3 S in Blocks su je 10 Stück herstellen lassen. Wer durch Verkauf dieser Bausteine unsere Sache fördern will, kann bei den oben bezeichneten Stellen Blocks erhalten. Für den Verband >demokratischer Zionisten: Robert Stricker, Obmann. V. Spendenausweist R. P. durch „Neue Welt" S 50, Sammlung Klumak 2. ftatd S 50, Sammlung dem.-zion. Gruppe 6. bis 8. Bez. 3. Rate S 120, C. Sehletter S 20, Dr. E. Kalmus S 10, H. Zimet 1. Rate S 10, Zton.-dem. Jugend 2. Rate S 50, Dr. K. durch Fritz Pollak S 10, F. G. durch Nebenzuhl S 100, Dr. A. R. durch Frau Geller S 30, R. E. durch S. Kor her S 20, Hugo Feith S 10, Alois Grünwald S 20, O. W. durch Frau Pia Klein S 50, Gruppe XX. durch Niwes S 20, duroh Frau Pia Klein Dr. D. T. S. 20, Dr. R. L. S 10, durch Frau Dr. Pia Klein und Frau .Nebenzahl: Dir. E. F. S 100, L. Th. S 50, zusammen S 750. Bisher insgesamt S 6198, des tschechoslowakischen Judentums selbst eine so einschneidende Aenderung mit sich gebracht, daß ohne jede Aktion von außen die Zahl der zum Judentum als Nation sich Bekennenden bei der Volkszählung dieses Jahres wachsen wird. Da in den letzten Tagen Stimmen aus den Kreisen von der Regierung nahestehenden Gruppen laut wurden, die zu bedenken geben, daß das Judentum des Ostens unseres Staates meist nicht wisse, zu welcher Nation es sich zu bekennen habe, wollen wir kurz untersuchen, wie die Nationalitätengruppierung der nicht jüdische Nationalität bekennenden Israeliten ist. Von den 130.843 Israeliten mit tschechoslowakischer Staatsbürgerschaft in der Slowakei (91.643 in karpathorußland) haben sich 71.018 (79.560) zur jüdischen Nationalität bekannt. Als zweitstärkste Nationalitätengruppe rangiert die tschechoslowakische mit 29.136 (717), ihr folgt die magyarische mit 21.584 (6863) und an den beiden letzten Stellen sieben Deutsche mit 8783 (262) und ft u ö s en mit 1?9 (3528) Bekennern. Dagegen haben von dett^ 114.178 Israeliten Böhmens, Mährens und Schlesiens 43.350 für die tschechische, nicht viel weniger, nämlich 39.629, für die deutsche Nationalität optiert und das ße« kenntriis des eigenen Volkes steht ,mit 2 9.613 erst an dritter Stelle. Epilog zu einem jüdischen Wahlsieg in Ungarn» Aus Budapest wird uns geschrieben: Anläßlich der jüngst durchgeführten Wahlen in die städtischen und Komitatsmunizipien hat sich der beispiellose Fall ergeben, daß im Komität Z e m p 1 i n die jU^isenett Virilisten sich zu einem eigenen jüdischen Wahlbio c k vereinigten und eine ausschließlich jüdische Liste aufstellten. Dieser in der ungarischen Geschichte einzig dastehende Vorgang sollte dio Antwort darauf sein, daß im Vorjahre, bei den Gemeinderatswahlen, die klerikalen und ras9cnschützleri8chen Parteien sich zu einer Einheitsliste verhandelt, um sämtliche juden, selbst solche, die sich ajs Stadträte Jahrzehnte hindurch Verdienste erworben hatten, aus den öffentlichen Verwaltungen zu vertreiben, Da das' Komitat Zemplin sehr viele jüdische Wähler aufweist und es in diesem Komitat auch eine beträchtlidie Anzahl einflußreicher jüdischer Gründbesitzer gibt, hat die jüdische Wahlliste bei den letzten Wahlen restlös gesiegt. Diese aüfredite Antwort an die Judenfeinde, die, selbst wenn sie in ihren politischen Versammlungen niit großtönenden Worten vom konfessionellen Frieden sprechen', immer ausdrücklich betonen, daß sie darunter nur die Wiederherstellung des in der letzten Zeit sehr brüchig gewordenen Friedens unter den christ- Iichen Konfessionen verstehen, war wenigstens für das Komitat Zemplin von ungeheurer Wirkung. Leider hat diese selbstbewußte Haltung Wochen-Kalender Jänner 1930 »37 rm Schebath Ö6ÖÖ n Freitag Sl-a Sabbatelngang 4.45 Feber 1 Samstag 1^3 Sabbatausgang Ö.36 w>3 tmök rb «cn ,nim * Sonntag l-n s Montag 3~n 4 Dienstag 4-i * Mittwoch 5-t 6 Donnerstag (Hv JMMam L."..h 1 ': WIEN '..«««••■««••« Richard Herzog WltH ..Äfe» TmU A-41*«*34 Sprechaonarate sowie Radio* und Rufldf iinkgerlte leder Art, ferner Jüdische und hebräische Schaifpiatten sowie alle modernsten Tanz- und Oesanesschlaaer in rejchater Auswahl auf Ligerl . Auch Teilzahlungen f Provinzversand f der Zempliner Juden nicht lange sich behaupten konncQ. Nach einer Meldung aus dem Komitat haben, sämtliche auf der jüdischen Liste gewühlten 17 Virilisten mit einer sogenannten „noblen G e s t e" auf ihr Alanda| verzichtet, um auf solche Weise IT christlichen Ersatzrhitgliedern den Einzug in die Munizipien des Komitats zu ermöglichen. Begründet wird dieser Vorgang damit, daß die Juden ihren Zweck, den Gegnern zu zeigen, daß sie, wenn es auf einen Kampf ankommt, imstande seien, ihr Recht wirkungsvoll zu verteidigen, durch den Sieg der jüdischen Liste erreicht hauen. Die Juden erwarten jedoch, dafl nunmehr auch die jüdische Konfession in den Bereich der Friedensverhandlungen einbezogen werde. Leider werden die Juden, die offenbar vor ih?er eigenen Macht und ihrem eigenen Sieg erschrocken sind, in der Richtung des Friedens schwere Enttäuschungenerleben. Die Industrie Palästinas« .Eine amtliche Statistik» Die palästinensische Regierung hat im Jahre. 1928 durch das Regierungsdepartement für Zölle,. Akzise und Handel eine amtliche Zählung der Industrie Palästinas durchführenlassen und jetzt die Ergebnisse in einer besonderen Publikation vorgelegt. Die Leitung der Zählung lag in den Händen von Mr. E1 j a s c h a r, dem Referenten der Handelssektion. >W In dem Vorwort zu dem Buche," dasdie er sie derartige Zählung in Palästina darstellt, wird hervorgehoben, dal) 'außer den Weinkellern in Rischon le Zion und Sichron-Jakob und den Seifenfabriken vor dem Kriege keine industriellen Betriebe im Lande vorhanden gewesen waren. Einige Werkstätten, die sowohl nach der Zahl der Arbeiter als nach dem investierten Kapital ohne besondere Bedeutung waren, bestanden in Haifa und Jaffa« Maschinen und Motoren waren nur in einigen Orangengärten, Mühlen Und Werkstätten vorhanden. Nach der Okkupation ■ begann mit der Einwanderung jüdischer Facharbeiter aus Mitteleuropa und anderen Ländern die Entwicklung der palästinensischen Industrie. Heute werden viele industrielle Produkte, die vordem importiert werden mußten, vollkommen im Lande hergestellt. * '. Die Regierung hat, um Uber die Lage der Industrie genauere Unterlagen zu erhalten, im Jahre 1928 beschlossen, eine Zählung der Betriebe durchzuführen] obwohl die Eigentümer ■ der. Betriebe nicht gezwungen waren, die in den Fragebogen angegebenen Informationen zu erteilen, wurden schließlich die meisten Fragebogen beantwortet. Der Begriff „Industrie** ist in der Zahlung insofern weit gefaßt, als darunter sämtlich e. Betriebe, verstanden wurden, in denen mit Maschinen oder Handarbeit Produkte .verkaufsfertig