Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 4 (1930)
- Issue
- Heft 124 (31.1.1930)
- Date
- 1930-01-31
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Seife 9 DIE N6UE WELT hergestellt werden. Die Hausindustrie im Bekleidungsgewerbe ist jedoch nicht inbegriffen. Besonders interessant ist ein Vergleich der Zahl der Betriebe, die vor dem Kriege bestanden haben, mit der Zahl der Nachkriegsbetriebe in den einzelnen Industriegruppen. So gab es vor dem Kriege nur 166 Bekleidungsmanufakturen gegen 64? im Jahre 1928. Die Zahl der Lebensmittelbetriebe erhöhte; sich von 178 vor dem Kriege auf 295 nach dem Kriege, die Zahl der Papier- und Druckereibetriebe von 2? auf 76, die . Zahl der Holzwerkstätten von 90 auf 307. 73 Prozent der Gesamtzahl der erfaßten Betriebe wurden durch Einzelbesitzer, 23 Prozent durch Teilhaberschaften und nur 1 Prozent durch Gesellschaften (mit beschränkten Verpflichtungen) geführt. Im ganzen Lande befanden sich 1928 nur 12 Betriebe (außer den öffentlichen Unternehmungen), die mehr als 100 Loh nar beiter beschäftigten* und nur 15, die zwischen 50 und 100 Lohnarbeiter beschäftigten.' In den meisten Betrieben. arbeiten die Besitzer allein, ohne Zuhilfenahme von Lohnarbeitern. * Die Zahl der beschäftigten Frauen betrug 1764, das heißt weniger als 10 Prozent der gesamt e n A r b e i t e r s c h a f t; die Zahl. der beschäftigten Mädchen und Knaben unter 16 Jahren betrug insgesamt 1086. 70 Prozent aller Betriebe arbeiten nur mit Handarbeit, 16 Prozent benützen M o t o r k r a f t und 14 Prozent (Oelpressen) benützen tierische Kraft. 135 Personen oder 1,3 Prozent der Gesamtzahl der Beschäftigten verdienen weniger als 50 mils per Tag, 2553 Personen verdienen nicht mehr als 100 mils per Tag und nur 6 Personen verdienen mehr als 751 mils per Tag (100 mils 3.5 österr. Schilling). Insgesamt bestanden im Mai v1928 3505 industriell e B e t r i e b e und Werkstätten, in denen 17.955 Personen beschäftigt waren. Die Höbe des investierten Kapitals in allen Unternehmungen wird mit Pfd. 3300.000 berechnet; der Wert der verwendeten Rohmaterialien betrug im Jahre 1927 Pfd. 2,359.000, der Wert der Nettopr od uktion Pfd. 3,886.000. Neun Unternehmungen haben ein Kapital von mehr als Pfd. 50.000. (Ziko.) , AUS PALÄSTINA. Dia Lage auf dem Orangenmarkt. Jerusalem. Dia Lage auf dem englischen Orangen» - markt war in den letzten Wochen infolge des kalten Wetters, das in England herrscht, gedrückt und die erzielten Preise daher nicht befriedigend. Die jüdischen Orangenpflanzer waren infolge der größeren Sorgfalt und der besseren Verpackungsmethoden ihrer Früchte weniger vqn den schlechten Preisen betroffen.. Man hofft jedoch, daß , die Preise in der zweiten Hälfte der Saison ähnlich wie ihm Vorjahre steigen werden. Eine iAusnahme von den niedrigen Preisen machen dieses Jahr die Grapefrüchte, die sehr hohe Erlöse erzielen konnten. Im Zusammenhang mit der Lage auf dem Orangen* markt besuchte eine Delegation arabischer Kaufleute den Gouverneur von Jaffa und beklagte sich bei ihm über die strengen Methoden der Fru chtinspek» tron, die die' Regierung vor'dem Versand der Früchte vornehmen läßt. Sie verlangt ferner, daß'den jüdischen Exporteuren untersagt werde, durch die Verschiff fungen via Hajfa ihre frühere Quote von einem Drittel der gesamten Verschiffungen zu überschreiten, damit nicht durch doppelte Versendung von Haifa und Jaffa zu gleiche? Zeit der Preis der Früchte in-London gedrückt werde., (Ziko.) Forderung nach einer neuen Volkszählung in y Palästina. •» Jerusalem, 23. Jänner. (J. T. A.) Eine Statistiker« konfereng, die, von der Zionistischen Palästina*Exekutive einberufen, gegenwärtig in Jerusalem tagt, hat den Be» schlug gefaßt, der• Regierung' die Vornahme einer neue.^.ichen, Volkszählung vorzuschlagen. Die« sen Beschluß <■, faßte die Konferenz, weil nach ihrer Meinung; die Volkszählung von 1922 in ihren Ergebnissen gegenwärtig unbrauchbar sei . . . Das Arbeits» departement der Zionistischen Exekutive nimmt: zunächst e|ne Zählung der in den jüdischen Kolonien beschäftigten jüdischen'Arbeiter vor und trifft Vorbereitungen für die Zählung der jüdischen Handwerker. Die Volkszählung* im Jahre 1922 ergab eine Gesamtbevölke« rung von 757,182 Einwohnern, wovon 590.890 Moslems, 83.794 Juden, 73.024 Ghristen, 7028 Drusen, 162 Sa« maritaner, 265 Bahais, 156 MetaWallis, 1454 Hindus und 408 Sikh.8 waren (bei den vier letztgenannten Gruppen handelt es aich uro Angehörige der britischen Militär« besetzung). Ende 1923 betrug die Zahl der; jüdischen Be« völkening 93.30 0 (gegenüber der Zahl von 83.794 bei der Volkszählung von 1922); Ende 1924 waren es schon 110.000 Juden, Ende 1925 147.000 und Ende 1926 158.000. luv Juli 1927 schätzte das Gesundheitsdepartement der palästinensischen Regierung die Zahl der jüdischen Be« vöjkerung auf 147.687. In dieser Zeit war durch die Aus» Wanderung eine Verringerung der jüdischen Bevölkerungs« zahl entstanden. Die letzte Schätzung der Bevölkerungs» zahl Palästines ist die vom 31. März 1929 mit folgenden Zahlen; 557.649 Moslems, 149.554 Juden, 78.463 Christen und 8850 Angehörige anderer Bekenntnisse. Nr. m YJs,\ TßlNS ■ Schneltaigitatlon Stebach am Brannar. WundartehBnas Sklgalf nda mit güntttgan S«hnaa«arMttn(tsanven Mltta Daxembar bl» End* Mir*. Sklkwaa, Rodalbahn, Eltlaufplatz. SahagHehar Auf tnthaft Im HOTEL UND PENSION TBINSEBHOF 1214 m 0. d. M., m aenntgar Lag», nau ar* baut, modtm und gadlagan amgarichtet, ftO Batten, (llaBandaa Kalt- und Wamv waasar, Zantralhalzung und Bldar. Eratklasstga Wlanar KUcht. Panatonsprala ab Mk. 7.20. Auf Varlangan Proapakta. Die arabische Arbeiterkonferenz in Haifa. — Antizionistisch und reaktionär. Die arabische Arbeitefkonfereriz, die in der ver« gangenen Woche in Haifa stattfand, beschäftigte sich außer mit den aktuellen politischen Fragen eingehend mit der Organisierung und Verbesserung der Arbeits» und Lohnverhältnisse der arabischen Arbeitet. Es wurde beschlossen, durch eine Kommission ein Arbeiter« Schutzgesetz; auszuarbeiten, in allen Städten eine Liste der Arbeitslosen anzufertigen und ihre Beschäftigung von der Regierung zu verlangen. Die von der Konferenz gefaßten politischen Resolutionen wenden sich gegen die Verleihung der T o t e * M e e r * K o n z e s s i o n an „ausländische Gesellschaften", gegen die Kollektivstrafen in arabischen Dörfern, gegen die Einwanderung, die die Arbeitsbedingungen für die arabischen Arbeiter ver» schlechtere und gegen die Unterdrückung derara» bischen Presse und fordern ein selbständiges Palä» stina.im'Rahmen des arabischen Einheit s» Staates. Von der Regierung wird insbesondere ver» langt, bei den Arbeiten der Regierung arabische Arbeiter im Verhältnis des arabischen Bevölkerungs« anteils zu beschäftigen, die' Steuer auf Betriebs* s t o f f e zu erhöhen und den Import von Auto» mobilen einzuschränken. Wir haben in der letzten Nummer der „Neuen Welt" über den Verlauf der Konferenz berichtet. Aus den nunmehr verlautbarten Berichten geht der ganze a n t i» z i o n i s t i sc h e und teilweise reaktionäre Cha» rakter der von manchen Zionisten so sehnlich erwar» teten Organisation des arabischen Proletariates hervor. Beschränkung der jüdischen Einwanderung und „ausländi» sehen"" Gesellschaften, 'Einschränkung des Automobilver» kehrs (!). Vielleicht werden es manche, die es bisher vor* gezogen haben, vom gemeinsamen Kampfe der ara» bischen und jüdischen Arbeiter gegen E f e n« d i 3 und jüdische Bourgeoisie das Heil zu erwarten, wieder für gut finden, mehr Won der gemeinsamen jüdisch« nationalen/ zionistischen Arbeit zu erhoffen. Die Juden noch nicht nach Hebron zurückgekehrt Jerusalem, 9.: Jänner. (J. T, A.) Die jüdische Ge» samtbevölkerung von Hebron, deren Zahl vor den Un» ruhen mehr als 500 betrug, besteht gegenwärtig aus 15 Arbeitern, die damit beschäftigt sind, Grab» steine auf den Gräbern de r jüdischen O.pf er, der August»Massajkers zu errichten, und leinem jüdischen Polizisten. Die ^jüdische Bevölkerung fürchtet noch immer, nach Hebron zurückzukehren. Die 16 jetzt in Hebron befindlichen Juden bewohnen eines der ver» lassenen jüdischen Häuser, und der Distriktsbeamte hat ihnen Sicherheit , garantiert. . Die endgültige Zusammensetzung der arabischen Delegation. —• Musa Käzim Pascha ihr Führer. Jerusalem, 24. Jänner. (J. T. A.) Die jetzt abgeschlossene Session der palästinensisch-arabischen Exekutive, die sich mit der^Beilegung des zwischen den beiden Flügeln der a r äl> i s c h en Führerschicht entstandenen Konfliktes und mit der Neuwahl der nach London zu entsendenden arabischen Delegation zu beschäftigen hätte, wählte zum Führer der' Delegation endgültig den Präsidenten der Exekutive Musa Kazim Pascha el Husseini an Stelle des zuerst zum Füter d,ejjpelegation bestimmt gewesenen Großmufti Hadsch Emjn el Husseini. Der G r oß muf t i bleibt aber Mitglied der Delegation, der außerdem noch der Jerusalemer Bürgermeister Ragh.e.b Bey.Na.shasfcibi, der bereits in London weilende Dschemal Husseini, Auni Bey Abdul Hadi und Alfred Poch angehören. Die Delegation besteht also aus sechs Mitgliedern, von denen drei der Partei des Großmufti und " drei der Opposition gegen den Großmufti angehören. Das Kompromiß wurde erzielt, nachdem die Partei des Großmufti die Forderung, daß der Mufti Führer .der Delegation sein müsse, fallen ließ. Alfred Roch, der wider Erwarten an Stelle von Moghanan Effendi zum Mitglied der Delegation wiedergewählt wurde, ist der einzige Christ innerhalb'der Delegation. Die Kollektivstrafen In Saied. Jerusalem, 12. Jänner. (J. T. A.) Unter dem Vor« sitz des Distriktskommissars für Nordpalästina, Col» ville, begann die Verhandlung über die Kollektiv« strafen für S a f e d. Durch ein Verhör soll die Schuld der Safeder Araber an den August»Massakers und die für die Zerstörung des jüdischen Viertels zu zahlende Summe festgestellt werden. Arabische Stellen melden, daß der Mufti von Safed die benachbarten Dörfer bereist, um zugunsten der durch die Unruhen geschädigten Araber Geld zu sammeln. In anderen Kreisen glaubt man aber, daß er seine Rundreise unternimmt, um Widerstand gegen die Bezahlung der Kollektivgeldstrafen zu organi» sieren. Der Salomo-Kult in Kaschmir« Auf der Riverside in New York wurde vor einiger Zeit ein ganz neuartiges Kulturinstitut eröffnet, das kaum irgendwo seinesgleichen haben dürfte. Es führt den Namen „R o e r i c h - M u s e u m" und ist mit einer Lehranstalt für alle Gebiete der Kunst verbunden. Die Anstalt hat Abteilungen für Musik, Kunstmalerei, Bildhauerei und Architektur. Auch Klassen zur Ausbildung für die Oper, das Ballett und das dramatische Fach sind vorhanden. Das Interessanteste aber an diesem eigenartigen Institut ist jedenfalls sein Gründer und Leiter, Professor Nikolaus R o e r i c h, der übrigens seine Abstammung vom Wikinger Rurik ableitet, der im zehnten Jahrhundert nach Rußland einbrach und es unterjochte. Dieser Nikolaus Roerich, selbst Archäologe und Landschaftsmaler, unternahm im Jahre 1923 an der Spitze eines wissenschaftlich und künstlerisch geschulten Stabes eine Expedition nach Zentralasien mit der Aufgabe, auf Grund seiner Forschungen ein Panorama von Zentralasien und der von ihm erforschten Gebiete zu konstruieren und einwandfreies Material für die Geschichte und die Weltanschauung der in diesen Gebieten lebenden Völkerschaften zu sammeln. Sechs Jahre lang war die Roerich-Expedition unterwegs, durchquerte Indien, Aegypten, Ceylon, Kaschmir, Iadak, Chinesisch-Turkestan, Altai, Mongolien und Tibet und ist in diesem Sommer mit reichem Forschungsmaterial nach New York zurückgekehrt, wo Roerich jetzt das nach ihm benannte Museum und die Anstalt zur Pflege aller Kunstzweige ins Leben rief. Von Zeit zu Zeit veröffentlicht Prof. Roerich in der Publikation des Museums „The Archer" einzelne Kapitel aus dem großen Werke, an welchem der Forscher gegenwärtig arbeitet, und so ist erst vor kurzem seine aufsehenerregende Mitteilung durch die europäische Presse gegangen, daß er auf seiner Forschungsreise einem Volksstamm auf die Spur gekommen ist, der sich als Ueberrest der zehn verlorengegangenen israelitischen Stämme bezeichnet. Diese Andeutungen hat jetzt Professor Roerich in einem Gespräch mit der jüdischen Schriftstellerin Sulamith Ish-Kish o r durch äußerst interessante Details ergänzt. Pro--* fessor Roerich erzählt: „Von den höchsten Bergen bis hinunter zu den tiefsten Ozeanen können Sie die wundersamen, poetisch ausgeschmückten Volksmärchen erzählen hören, wie ein heiliger Stamm von einem Tyrannen verfolgt wurde und wie das tapfere Volk, um den Grausamkeiten des unmenschlichen Selbstherrschers zu entgehen, durch Berghöhlen und unterirdische Geheimgänge aus dem Lande der Bedrückung geflohen ist Man zeigt Ihnen t sogar den Eingang zur Höhle, durch welche das „heilige 'Volk" geflüchtet ist ... Auf dem ganzen Weg unserer Expedition stieß ich auf ungezählte Spuren jüdischer Folklore, Als ich über den Indusstrom reiste, die himaläjische Bergkette durchquerte, überall wurden mir von den Eingeborenen Geschichten von den Wundertagen des Propheten Eli ah erzählt, der dort beim Volk in höchsten Ehrensteht. Ebenso wird der Gestalt des Lehrers und Propheten Moses rührende Verehrung gezollt. Ja, ich habe sogar in den Bergen Felssteine gesehen, in die die zehn Gebote Mosis eingraviert sind. Der bekannteste und beliebteste Name ist jedoch der des Königs Salomo. Die Legende vom fliegenden Teppich ist sehr populär. Auch heute noch werden einzelne Berge in Kaschmir „Thron des Königs Salomo" genannt und es würde als die unverzeihlichste Blasphemie empfunden werden, wollte ein Fremder etwa daran zweifeln, daß auf diesen Bergen, auf dem „Thron des Königs Salomo", noch heute die Spuren der Knie des weisesten aller Könige zu sehen sind aus jener Zeit, da er hier sein Gebet verrichtete; In Kaschmir gibt es eine Vogelart, die im Volksmund „Hoopoe" genannt wird. Sie zeichnet sich dadurch aus, daß ihr Kopf mit einem Fiederschopf geschmückt ist. Ueber diese Vögel erzählen die Moslemiten von Kaschmir die folgende hübsche.Legende: Der „Hoopoe" war vom lieben Gott so geschaffen worden, wie jeder andere Vogel seiner Art, und hatte ursprünglich keinen gefiederten'Schopf auf dem Haupt Als König Salomo 'den 'Tetnper baute, war einer der vielen bösen Teufel ams Werke, den heiligen Bau zu zerstören. Da waren es die „Hoopoe"-Vögel, die, so oft sich der böse Geist dem Bauwerk nähern und Unheil anrichten wollte, die Arbeiter warnten und so die Zerstörungsabsichten des bösen Geistes vereitelten, Als der Tempelbau fertiggestellt war, berief König Salomo, der die Sprache aller Vögel behrrschte, diese guten Freunde unter ihnen zu sich und fragte sie, welche Gunst sie für ihre hilfreichen Dienste von ihm wünschten? „O König", antworteten sie, „die Krone, die du trägst, ist so großartig, lasse auch jedem von uns eine solche Krone auf dem Haupte tragen."