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Die neue Welt · 1930-01-31 · Heft 124 (31.1.1930) · page 6

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Journal
Die neue Welt
Volume
4 (1930)
Issue
Heft 124 (31.1.1930)
Date
1930-01-31
Page
– (sequence 6)
Language
German
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r*sefo8 _ Straßen entlang. Man traf Bekannte« begrüßte sich, «achte Scherte. Niehta kündete Unheil an. lieber das Holzpflaster tändelte friedlieh ein Trupp Kosaken, auf ihren schönen, braunen Hengsten. Man sprach davon, daß die Arbeitet aus den Attßenbe5drkt»fi nicht in die Stadt hineingefallen würden, daß Überall Pöliwikordons aufgestellt, in den Hniistören um das Zarenschloß herum aber Soldaten versteckt seien. Die allgemeine Meinung war, daß die Arbeiter nicht bis zum Marienschloß vordringen konnten. Aber die Arbeiter drangen vor. Sie umgingen die Ketten der Schutztnannsehaft und kamen über das Kis der Newa auf den Newsky und die Mofsküja zu. Sie gingen in geordneten Reihen« wie zu emer großen, heldenmütigen 'Tat. Ks war mehr als das. Es war eine Selbstopferung. Ich erinnere mich, daß Ich gerade mit dem Schauspieler B., dem Mann der berühmten Kommiasarschew* skaja, sprach, als irgendwo vorne ein melodisches Hornsignal erscholl. Die Bedeutung dieser Kitinge hatte ich damals nicht begriffen. Unmittelbar danach fielen drei Salven. Ich h ö r t e 8 c h r e i e, Stöhnen, die Kosaken sprengten ton der Mitte der Straße auf den Bürgersteig hinauf. Eine Panik bemächtigte sich der Spaziergänger, alles rannte, die Pförtner fingen an, die Haustöre 2u verschließen. Irgend ein Mann, den Ich oberflächlich kannte, ergriff mich bei der Hand, zog mich mit sich fort und ich landete in einer zahnärztlichen Klinik. Dort blieb ich; bis zum Abend. Diese Episode, in der sich alles vermengte, ft eligion, Politik, Spitzel, Revolutionäre» Niedrigkeit und Heiligkeit, ist für da«'damalige-Rußland seht bezeichnend. Seine Staatsordnung '/.emet/te sich bei lebendigem Leibe. Die Revolution klopfte Qiü alle Türen, der, „Rjo.te Sonntag" war ihr erster .Aufschrei. Es ist bekannt, daß Jener Mann, der die Arbeiter* schaft zum Zaren führte,' der mysteriöse Priester Gapon, sich als ein Provokateur im Dienste de.r Gendarmerie entpuppte.' „Martin Iwano* witsch" war der; Ingenieur R ü t he?ri her g, ein bekannter Revolutionär. Als er von der Rolle erfuhr, die Gapou gespielt hatte, erwürgte er ihn mit Hilfe einiger Kameraden in eignem abgelegenen Hause an der Station „Oserki". Jetzt befindet sieh Ruthenbergfin Palästina, wo naen*seinen ausgezeichneten Plänen die Anlage zur elektrischen Beleuchtung des Landes gebaut wird- —.........'"■■'!) '7 : . Die Sicherheit der jüdischen Kolonien vor dein Unterhaus? London, 24. Järiner. (J. T, A.) In der Sitzung des Unterhauses am 22. Jänner fragte das Parlamentsmitglied Major Sir Archibald Sinclair 'den Unterstäatssekretär für die Kolonien Dr. Drumrtiond S h i e I s, ob er Informa« tionen habe über die 16 oder 17 Kolonien in Palästina, die während der Unruhen gemäß dem amtlichen Vertetdi» gungsplan mit Waffeh-verseheri Worden sind, ob diese Kolonien ihre Verteidigungsmittel >noöh besitzen und ob der Unterstaatssekretär in der Lage sei, bekannt zu geben, welche Mittel zur Verteidigung der Kolonien in der Zukunft und für die Sicherung Von Recht und« Ordnung in Palästina überhaupt: ergriffen werden würden, Jn seiner Antwort erklärte, Unterstaats«, sekretär Dr. Shiels, tdaß gegenwärtig detaillierte .Vorschläge für die Verteidigung; der jüdischen KölonieU in Palästina geprüft werden., Bis zu einer endgültigen1 Regelung wer» den vorübergehende Notm«ßna,hmen -getroffen. So soll jetzt der Bau Yo,n Straßen in Angriff genommen werden, um die Verbindung mit fernab liegenden Ko» lonien herzustellen, Nach Mitteilungen des. High Com« missionen, fügte Dr, Shiels hinzu, .haben die in Präge stehenden judischen Kolonien bis auf. fün.f ihre Waf f en(beha iten und verwahren sie in ver* siegelten Deppts. Was die fünf Kolonien betrifft, die .ihre, ursprüngliche Bewaffnung, nicht mehr. h,aben, so ist in einer (Ekroh) die Zahl der Waffen von 10 auf 6 herabgesetzt wordfen. Drei Kolonisten Hulda, Attuff und Kastiniah -fsind evakuiert worden. Aus einer dieser drei Kolonien sind die Waffen in eine benachbarte Kolonie (Katra) Uberführt worden, aus den beiden anderen Kolonicen sind die Waffen in das Polizeihauptquartier wieder eingeliefert worden. In der fünfter» Kolonie (Gezer) ist eine Bewaffnung überflüssig geworden,' weil sich dort gegenwärtig eine Truppenstation befindet. Am 27. Jänner trifft der Generalinspektor der Polizei in Ceylon, H. L. Dalbiggin, in Palästina ein, um.im Auftrage des Staats» sekretärs für die Kolonien bei der Organisation der Po» lizei mitzuwirken.' Kanadische Zlonlsten schlagen einen Außerordentlichen Kongreß vor, Montreal, 82.' Jänner, (f, t. Ä.) Die Zionistische Organisation von Kanada hält gegenwärtig in Montreal ihre Konferenz abv in einer Rede vor de*" Konferenz _ DIB N1UI WEIT_ machte der Vorsitzende der Organisation Freimann den Vorschlag, nach Veröffentlichung des Berichtes der Shaw-Kommission einen außerordentlichen Kongreß der Jewish Agency nach London einzuberufen. Die von 290 Delegierten aus allen Teilen des Landes besuchte Konferenz nahm eine Resolution an« in der die Erwartung der kanadischen 2ioniaten zum Ausdruck gebracht wird, dafl die britischen Behörden Ihre Bemühungen zur Erhaltung von Ordnung und Sicherheit in Palästina fortsetzen werden. Sech« Monate Gefängnis für den Antisemiten SfraOer. — Die Notzuchttheorie des HHter*Freundes. Berlin, 26. Jänner. (J. T. A.) Nach mehrstündiger Beratung wurde am "Freitag abends vom Versitzend«« der Strafkammer des Landgerichtes III das Urteil in der Berufungsverhindlung gegen den wegen mehrfacher Bc» leidigung und anderer Vergehen angeklagten national* sozialistischen Reichstagsabgeordneten Straßer verlesen. Auf die Berufung der Staatsanwaltschaft hin wurde das erste Urteil dahin abgeändert, daß der Ange# klagte wegen Beleidigung in fünf Fällen, davon in zwei Fällen gleichzeitig wegen über Nachrede, Und we* gen Beschimpfung der Republik in vier Fällen zu einer Gesamtstrafe von sechs. Moftaten Gefängnis und 600 Mark Geldstrafe verurteilt wurde. Der Staatsanwalt hatte ein Jahr und sechs Monate Gefängnis beantragt. Unter den Klägern befanden sich der preußische Ministerpräsident Braun, der preußische Wohlfahrtsminister Hirtsiefer, der Berliner PoHzeiVizepräsident Dr. Wei ß und aine Reih« Berliner und Essener Jüdischer Rechtsanwälte. Für Straßers Gesinnung ist die folgende Episode eus der Verhandlung kennzeichnend: Rechtsanwalt Dr. Löwehthal fragte als Nebenkläger den Angeklagten, ob er die Behauptung aufrecht erhalte, daß ein j ü d i» scher Not zü cht er von einem jüdischen Ver* t e i d i g e r mit den verwerflichsten Mitteln geschützt worden sei, wo sich doch herausstellte, daß es sich bei jenem Angeklagten um einen streng deutschnatio« nalen Mann gehandelt habe, der Gruppenführer des Stahlhelms sei. Det Vertreter Straßota, Dr. Freiser, er» widertei „Der Beweis kann nicht erbracht werden. Wenn aber Dr. Löwenthal erkläre, daß es sieh nicht um einen Juden händle, lö muß ihm das geglaubt werden." Juden als Mitglieder des Staatsgerichtshofes der Tschechoslowakei. Prag, 22. Jänner (J. T. A.). Im heutigen Amtsblatt werden die Namen der für den Staatsgerichtshof ernannten Mitglieder pro 1930 bekanntgegeben. Es befinden sich unter ihnen die folgenden jüdischen Rechts* gelehrten; Dr. Theoddr Nußbaum als Stellvertreter des Präsidenten des Stoatsgerichtshofes, Dr. M. Mandl« Pilsen,.De... £mil Meti.fln e r*Deut8ch.Brod (ein. Bruder des Jüstfzmirilsters Dr. Meißner), Dr, Karl Herrmann-Prag, Dfc Moritz Eck stein «Pilsen und Prof. Dr. Hbinricli S i n g er - Pra£, der Kirchenfechtler der deutschen Universität. Vorleaungskurse in Berlin in Jiddisch. Berlin, 23. Jänner (J/T. A.). Die Berliner Gesellschaft zur Förderung des Jiddischen.'Wissen-- sehaf111 cheh Inat itufs veranstaltet eihe Reihe Vorlesungen über jüdische Literatur, Geschichte und soziaiwirtschaftliche Probleme. Die Judische Gemeinde in Berlin hat zu diesem Zweck einen Raum in der Rosenstraße 2. bis 4 zur Verfügung gestellt. Die Vorlesungen finden jeden Donnerstag, 6V» Uhr abends, statt. — Die feierliche Eröffnung des Kursus und die erste Vorlesung des Herrn Dr. J. Brutzkus über daä Thema, „Die Wege der Verbreitung der Juden in der Diaspora'-; wird am, Donnerstag, den 30, Jänner, um 8.30 Uhr ajjehds, stattfinden. — Jüdische Gelehrte und Schriftsteller, wie Prof. Dr. B. Brutzkus, Dr. J. Brutzkus, Ä. Ben-Ädir; Dr. Ch. Bqrodiansky, Dr. N, Gergel, L Klihoff, 1. Koralnik, Jt Lestschinsky, A. Menos, Dr.. A. Singalowsky, Dr. Werner-Senator, D. Tschärny, I. Tscheriköwer u. tum,, werden an den folgenden Donnerstag-Abenden Vorträge halten. Es ist dies der erste Versuch, einen Vorlesungskursus für die Ostjüden in Berlin zu schaffen. (Schriftliche Anmeldungen und Anfragen sind zu richten an E. Tscherikower, Berlin - Wilmersdorf, Berlinerstra0o 8. Telephonisch: Kurfürst 8546 täglich von 12 bis 3 Uhr.) . Budgetkomralslson des iolnlsch^n Sejm lehnt alle jüdischen Anträge ab.; Warschau, 23. Jänner,- (J. T. A.) Die Budgetkommission des polnischen Sejm hat alle Anträge des jüdischen Parlamentsklubs betreffend Subventionier^ der jüdischen religiösen und erzieherischen Einrichtungen durch den Staat abgelehnt. Abg. Rosmarin führte, in der Debatte über das Hajidelsbudget aus, die Regierung glaubte, daß, wenn sie den Handel abwürgt, sie die Juden trifft. Aber sie hat das Kind mit dem Bad wmmmm^_Nr. 124 pSES^ SIEGM. KORNMEHL *MOlSHtll<HHAUfiftll j Zentrale IX., BtrggMse 19. Telephon 17-3-99 q. 16-9-34 Lieferant tur Heilanstalten sMttMM unter Aufsieht des Ehrwürdigen Kabbinats der Isr. Kultuigemeiade Wien Autastftteifttng kosten!«» IX» »«rfflait* IS / XVIII«, wahrlfi0«rstr. 97 i aics^aiaittaa^^ ausgeschüttet, denn durch die Vernichtung des Handels wurde die polnische Industrie geschädigt, der die nötige Absatzorganisation fehlt. Tausende Juden wurden an den Bettelstab gebracht durch Monopole, Stantssyndikate und nntijüdische Kreditpolitik. Dies hat die gesamte wirtschaftliche Entwicklung unterbunden. * Wir haben in der letzten Nummer der „Neuen Welt" über die traurige Luge der Juden in Polen berichtet. Der Umstand, daß die Parlamentsmehrheit alle Vorschläge der jüdischen Abgeordneten, welche auf Verbesserung der Lage hinzielten, abgelehnt hat, gestaltet dlo Verhältnisse noch verzweifelter. Für eine ständige Garnison in Palästina. London, 13. Jänner. „MOffling Post" veröffentlicht einen Aufsatz des Leiters der militärischen Operationen beim britischen Gencralstab in den Jahren 1913 bis 1918, Major-General Sir Frederick Maurice, unter dem Titel „Die britische Armee und ihre Weltaufgab e". Darin fahrt der General aus, daß die Regierung vor der Unklugheit gewarnt worden ist, Palästina von Truppen zu entblößen, über ans Sfparsamkeitsrücksichlen habe sie »loh doch entschlossen, das Risiko auf sich zu nehmen. Die Kosten der eiligen Entsendung von Truppen und Kriegsschiffen nach Palästina seien so hoch gewesen, daß der Betrag ausgereicht haben würde, viele Jahre hindurch eine Garnison zu erhalten, die den Unruhen vorgebeugt hätte. Wir sollten, wie Lord AMen'by neuUch riet, die Sicherheit schaffen, die uns jederzeit in den Stand setzt, mit unangenehmen und unerwarteten Geschehnissen fertig zu werden, statt an dlo Wirksamkeit äd hoc improvisierter Maßnahmen für den Fall^daß sie ein- . treffen, zti glau'ben. Nachträgliche äd lioc-Maßnafimen sind immer ko s t s p i e 11 g e r als vorbeugencle. Die Verringerung unserer kolonialen Garnisonen' wurde nur dadurch möglich, daß die Luftstreltkräfte die' Verteidigung vom Irak, Palästina üttd Aden übernörnrhen haben. Die Fähigkeit dör ' Luftstreitkräfte, sofort einzugreifen und ihre Unabhängigkeit von Transportproblemen machen sie geeignet, Eingebörenenaufstähde im Keime zu ersticken, und haben uns bestimmt in weitem Maße von den Kleinkriegen befreit, durch die die viktorianlsofte Aera charakterisiert war. Aber die Luftmaoht - kann nicht selbst ihre Flugstationen beschützen, noch Gebiete okkupieren;' und: «o-■ bajd ernsthafte Unruhen entstehen, ist sie, wieuns unsere .jüngsten Erfahrungen in Palästina wieder 'gezeigt haben, von der Hilfe, des L a ndmili tär-s abhängig,' Anhaltendes Wachstum der Nationalfondseinnahmen Im ersten Viertel des Jahres 5690. Jerusalem»' 22. Jänner. (J. T. A.) Das Wachstum der Eingänge beim Hauptbüro des Jüdischen Nationalfonds in Jerusalem im Laufe der ersten Monate des Jahres 5690 Setzt sich fort. Die Eingänge im ersten Vierteljahr 5690 'erreichten die Summe von 48.191 Pfund gegenüber 31.237 Pfund in der entsprechenden Periode des vergangenen Jahres, was eine Steigerung um 54 Prozent bedeutet.. Zu dieser Gesamtsumme leisteten die Vereinigten Staaten 7400 Pfund (gegenüber 6700 im vergangenen Jahre), Polen 4600 Pfund (Vorjahr 3200, Steigerung 43 Prozent), Deutschland 4800 Pfund (Vorjahr 2100, Steigerung 123 Prozent) und. Großbritannien'2600 Pfund (Vorjahr 1900, Steigerung 37 Prozent). Auch alle anderen Länder haben, mit Ausnahme von zweien; ihre Leistungen wesentlich erhöht. Palästina hat 160Ö Pfund (gegenüber 1400 Pfund in der gleichen Periode des Vorjahres) beigetragen upd damit. gezeigt, daß die Augustunruhen den Opfergeist des Jischuw nicht beeinträchtigt, vielmehr zu neuen Anstrengungen ermuntert haben. Juden Verlieren ihre Wohnungen. Moskau, 10. Jänner. Heute verkündigt das Kommissariat für innere Angelegenheiten eine Gesetzesvorlage, in der neue Einschränkungen gegen die ehemaIlgen jüdischen Händler enthalten sind, insofern sie nicht in die Kategorie der Wahlberechtigten gehören. Das neue Gesetz wird diese Kategorie deklassierter Judpn zwingen, ihre Wohnungen in den Gebäuden öffentlichen Besitzes zu räumen, auch Wenn sie in den Vorstädten und nicht in der Stadt selbst wohnen. Diese Geeetzesvorlage trifft Tausende von Juden, denen als ehemaligen Kaufleuteu das Recht entzogen wurde, in den größeren Städten zu wohnen, und die daher ihre Wohnungen in die nahe gelegenen VorstSdte Und Sommerfrischen verlegt heben. Die Vorlage bezieht sich nicht nur auf jene Personen, die selbst früher Kaufleute oder religiöse Funktionäre waren, sondern auch auf Personen, die von ihnen ausgehalten werden, Auch Wahlberechtigte haben ihre Wohnungen iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiniiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiii _ Ulilon der Ztonl»t«n-Ravlilonl»ten Oesterreltha-_ Montag, den 3, Februar 1930, 7,9 Uhr abend», Cafe Arkaden Prof« DtvO ikar Rat» In o w I c z (Präsident der Revisionisten der C. 3. R.) mr. vtJ• n*f Wir»chaii, Brünn" Anschließend Diskussion. Oaste willkommen illllllllUllllllllUllUIIIIIIIIIIIIIMIIIM r

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