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Die neue Welt · 1930-01-31 · Heft 124 (31.1.1930) · page 5

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Journal
Die neue Welt
Volume
4 (1930)
Issue
Heft 124 (31.1.1930)
Date
1930-01-31
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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Nr. 124 DIE NEUE WELT Seit» S Palästina-Orangen ■ iiiiiimiiiiimiiiiiiniiiiii iiiiiiiiiiiiiiiumiiiiiit: § In Aroma und Geschmack vorzüglich | s Bestellungen - auch nach Hause 5 3 in Originalpackung zustellbar. s s Preis« t s 5 f Ritte, «»«haltend 50, 80. 75, 00 StOok 23.—— | | Orl.jlnalp.ket, enthaltend jfoflf.^ 7.40 I f Firma S. HALPERN | Delikatessenhandlung s | Wien, II., Fdrstergasse 6 // Tel.-Nr. R-40-4-12 fiiiiiiiiiiiiiiiimiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiS Sitzung des Administrative Committee wahrscheinlich am 18. März in London. London, 25. Jänner. (J. T. A.) Wie die J. T. A. erfährt, wird die Sitzung des Administrative Committee der Jewish Ageney wahrscheinlich am 18. März in London stattfinden. Die Verhandlungen zwischen dem Vorsitzenden des Administrative Committee Herrn Felix M. Warburg und der Londoner Exekutive über diesen Punkt sind aber noch nicht endgültig abgeschlossen. Die Amerikareise des Präsidenten der Zionistischen Organisation Dr. Chaim Weizmann ist auf unbestimmte Zeit verschoben worden. Das Zionistische Aktionskomitee wird noch vor der Sitzung des Administrative Committee zusammentreten. Der genaue Zeitpunkt der Aktionskomiteesitzling wird aber erst festgesetzt werden, wenn der der Administrative-Committee-Sitzung endgültig feststehen wird. Der Kampf gegen das rituelle Schächten. Der Ausschuß des Bayrischen Landtages beschließt das Schächtverbot. — Hakenkreuzler und Sozialdemokraten als „Sachverständige"' in jüdisch-religiösen Fragen. Der Verfassungsausschuß des Bayrischen Landtages hat den von der Regierung eingebrachten Schlachtgesetzentwurf, der das betäubungslose* Schächten verbietet und unter Strafe stellt, angenommen. Die Annahme geschah mit 15 Stimmen aller Parteien gegen 11 Stimmen der Bayrischen Volkspartei. Für den Entwurf stimmten auch die Sozialdemokraten, obwohl deren Sprecher erklärt hatte, daß seine Fraktion noch keine Stellung genommen habe. Der angenommene Gesetzentwurf hat folgenden Wortlaut: Artikel 1. Rindvieh, Schweine, Schafe, Ziegen, Pferde, Esel, Maultiere, Maulesel und Hunde sind beim Schlachten vor Beginn der Blutentziehung zu betäuben. Auf Notschlachtungen, bei denen sich die Betäubung nach Lage der Verhältnisse nicht ausführen läßt, findet die Vorschrift keine Anwendung. Artikel 2. Die näheren Vorschriften über das Schlachten der in Artikel 1 bezeichneten Tiere werden vom Staatsministerium des Innern erlassen. Artikel 3. Zuwiderhandlungen gegen Artikel 1 und gegen die auf Grund des Artikels 2 erlassenen Vorschriften werden mit Gefängnis bis zu sechs Monaten oder mit Geldstrafe bestraft Artikel 4. Dieses Gesetz tritt am i. Oktober 1930 in Kraft In der „Begründung** wird ausgeführt: Die Betäubung der Schlachttiere vor der Blutentziehung ist eine alte Forderung des Tierschutzes, die immer wieder besonders gegenüber dem jüdisch-riutellen (betäubungslosen) Schächten von Tieren erhoben wurde . . . Der Entwurf sieht ein für Bayern allgemein verbindliches Gebot der Betäubung bestimmter Schlachttiere vor ... Geflügel usw. dem Betäubungszwange beim Schlachten zu unterstellen, ist im Landtagsbeschluß vom 8. Juli 1926 nicht gefordert und dürfte auch schon wegen der Schwierigkeit der Ueberwachung des Vollzuges nicht angebracht sein. Der Berichterstatter Dr. Scharnagl (Bayrische Volkspartei) wies darauf hin, daß die gläubigen Juden das Schächten der Schlachttiere als eine bindende religiöse Vorschrift betrachteten und die Sachverständigen nicht einig darüber seien, ob jetzt schon eine den Vorschriften genügende Betäubungsmethode ^lllllliuilllllllllllliuilllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllg I Verband demokratischer Zionismen | | Mittwoch, den 5. Februar 1030 um halb 9 Uhr §j 1 abends im Cale Produktenbörse, 11., Taborstr. 10 s i mit wichtiger s I Tagesordnung | | ERSCHSINEN P P L I C H Tl | 3lllllllllllllllllllllllllllllllillillilllllllillllllllllllilililllillliij7 gefunden sei. Es entsteht deshalb das Bedenken, daß hier ein Eingriff in die Gewissensfreiheit drohe, der nicht ohneweiters gewagt werden könne. Der Mitberichterstatter Dr. Buttmann (Nationalsozialist) behauptete dagegen, durch das elektrische Betäubungsverfahren würden „die religiösen Vorschriften des Judentums nicht verletzt werden". Der Sozialist Högner berief sich auf die Stellung der Tierärzte und Scblacbthofdirektoren, die für Betäubung sind, fügte aber bei, daß seine Fraktion noch keine Stellung genommen habe. Von einem Eingriff in die Gewissensfreiheit könne nicht die Rede sein, höchstens von einem Eingriff in die Kultfreiheit, die durch die Reichsverfassung an die Schranken der allgemeinen Gesetze gebunden sei. Es bestehe kein jüdisches Verbot der vorherigen Betäubung der Schlachttiere. Die sozialdemokratische Fraktion wünsche aber, daß bei Durchführung des Gesetzes auf die religiösen Empfindungen möglichst Rücksicht genommen würde. Die Vertreter des Bauernbundes, der Deutschen Volkspartei und der Deutsch nationalen Volkspartei sprachen sich gleichfalls für den Entwurf aus. Der Innenminister Stützel betonte gegenüber dem Rechtslehrer D y r o f f die rechtliche Zulässigkeit des Entwurfes, da nach seiner Meinung die Materie des Veterinärwesens durch Reichsgesetz nicht erschöpfend geregelt sei. Er wies auf das Urteil Münchener Sachverständiger hin, daß bei der elektrischen Betäubung ein rituelles Schächten nicht ausgeschlossen sei, da eine Verletzung der Tiere nicht eintrete. Der Regicrungsvertreter Geheimrat Dr. Gasteiger kam zu dem Er- UFA-TON-KINO Das Filmtheater der guten Gesellschalt xeigt: 6. Woche. Prolongiert! ür- und Allelnaulltthrung: Melodie des Herzens mit Dlta Parlo und Willy Frltsch Der erste Ufa-Ton- und Sprechfilm der Erich-Pommer-Produktion varfaflt ton Han- Szäkaly. Rsqla Hanns Sohwarc Beginn: Wochentag 5, 7, 9 Uhr, Sonn- und Feiertag 3, 5, 7, 9 Unr. Vorverkauf ab 11 Uhr vormlltafis. gebnis, daß die von Jellinek gemachten Einwände gegen das elektrische Betäubungsverfahren nicht als stichhaltig anzuerkennen seien. Der Ausschuß- ' Vorsitzende Dr. Wohlmuth (Bayrische Volkspartei), sprach die Befürchtung aus, daß das Gesetz vom Reichstag als mit der Reichverfassung in Widerspruch stehend aufgehoben werden würde. Bei der Spezialberatung des Gesetzentwurfes beantragte Abg. Dr. Scharnagl (Bayerische Voikspartei), einen Absatz einzufügen, wonach das Innenministerium Ausnahmen .von dem Betäubungszwang zulassen könne unter der Voraussetzung, daß durch das zur Anwendung kommende Verfahren jede unnötige Tierquälerei, besonders beim Niederlegen der Schlachttiere, vermieden werde* Der Antragsteller wollte damit die Möglichkeit LAUSANNE tSSS! ISRAELITISCHES MÄDCHEN-PENSIONAT Villa Sevigne . 1908 gegründet // Refferenzen Prosp kte durch die Vorsteherinnen: Kirnet M. et B. Blooh schaffen, das Schächten ohne Betäubungszwang zuzulassen. Der Antrag wurde mit allen gegen die Stimmen der Bayrischen Volkspartei abgelehnt. In der Gesamtabstimmung wurde der Entwurf mit allen gegen die Stimmen der Bayrischen Volkspartei angenommen. Erleichterung beim Schachten. London. Im Namen des Schechita-Komitees berichtete in der Sitzung des Board of Deputiei Eilsley Z e i 11 y n über die Prüfung des von Ingenieur Weinberg konstruierten Apparates (der sogenannten „Schächtzelle") zur gewaltlosen Umleg ung des Schlachtviehs bei der Prozedur des Schächtens. Das Schechita-Komitee hat am 14. Jänner eine Prüfung des Apparates vorgenommen und in einer Resolution bestätigt, daß der Apparat die Aufgabe, für die er gedacht ist, erfüllt und vom humanitären Standpunkt eine bedeutende Verbesserung der Methode der Schächtung herbeiführt, so daß seine Verwendung empfohlen wird. Diese Empfehlung wurde durch F. Paddison von der staatlichen Tierschutzgesellschaft unterstützt. Den Bericht über die Prüfungsprozedur erstattete Generalmajor Sir John More, der bestätigte, daß der Weinbergsche Apparat nicht nur seine Brauchbarkeit erwiesen habe, sondern eine wirksame und sichere Methode der Behandlung von Tieren zu Schlachtzwecken gewährleiste. Die Weinbergsche Schächtzelle erfüllt ein wichtiges Er* fordernis, gleichviel, ob man sie vom jüdischen oder vom allgemeinen Standpunkt betrachtet. Zeitlyn gab der Hoffnung Ausdruck, daß der Apparat nun unverzüglich in die Praxis eingeführt wird. ©eiftige Arbeitetfftaueti, fttroftff, 8*ätitt«vte, Q&ti eW«e effttt int rigfrtflt Sntmffe Mg« lidj Dal buntte 6 i m o n 0 b r o t« 8W<fi an tt&ljrfajen unt> Ottaninrn. 3n bünnm €4nltra mit Butat ritte &etttateff< ee c bequem: SimontbiataidOittt in ®dm<ff«i. 3» aflett fluten Seinfonoanblüitaen «nb wtferrten rtbftltud). . Qimondbrotfabritt ffötem&agratt 11 V — 5 S.jttdier $ofi»er|«nft — @jpett ,»V Erzpriester Gapon und Ingenieur Pinchas Ruthenberg. Ein interessanter Jahrestag. Vor fünfundzwanzig Jahren hat unter ganz eigentümlichen Umständen ein Gemetzel stattgefunden, bei welchem viele hunderte Arbeiter der Furcht des Zaren und der Bestialität seiner Schergen zum Opfer Helen. An dem berüchtigten „Roten Sonntag" zog eine geschlossene Gruppe von Arbeitern vor das kaiserliche Marienschloß, um vom Zaren freiheitliche Reformen und Erleichterung ihrer Existenz zu verlangen. An der Spitze der Demonstranten marschierte auch ein Mann, der heute im wirtschaftlichen und politischen Leben Palästinas eine bedeutsame Rolle spielt, Ingenieur Pinchas Ruthenberg. Ruthenberg hat den Plan für die Verwertung der Wasserkräfte Palästinas entworfen, mit großer Zähigkeit um die Konzession für die Errichtung eines zentralen Elektrizitätswerkes gekämpft, das nötige Kapital aufgebracht, den großen Bau geleitet. Sein Werk wird in Kürze vollendet sein. Aber auch im politischen Leben des jüdischen Palästina spielt Ruthenberg heute eine überragende Rolle. Nach den blutigen Unruhen im August-September 1929 wurde Ruthenberg unter Zustimmung aller Parteien zum Präsidenten des Waad leumi (Nationalrats), der gesetzlich anerkannten obersten jüdischen Körperschaft, erwählt. Die Wahl Ruthenbergs, dessen politische Anschauungen und Pläne vielfach im Gegensatze zu denen der Zionistischen Exekutive und ihres Präsidenten Weizmann stehen, war der Ausdruck des Willens nach Abkehr von der bisherigen Politik der zionistischen Leitung in Palästina. Alle Juden Palästinas erhofften von der Energie und Unerschrockenheit Ruthenbergs eine Besserung der vielfach unerträglichen Zustände, welche sich aus den ungesunden Verhältnissen in der Palästina-Regierung ergeben hatten. Ruthenberg ist für die offizielle zionistische Leitung kein gerne gesehener Mahn, er gilt aber auch für manche englische Gruppen als Stein des Anstoßes. Als es sich darum handelte, ihm die Konzession für den Ausbau der Wasserkräfte zu verleihen, gab es im englischen Parlamente großen Sturm. Man erinnerte an die Rolle, welche dieser russische Jude im revolutionären Rußland gespielt hatte. Von der antizionistischen Seite des Parlaments her wurde er als „roter Mörder" bezeichnet. Aber die damalige Regierung setzte sich über diese Anklage hinweg und er erhielt die Konzession. Jetzt schreibt der Schriftsteller Ossip Dymoow, ein Augenzeuge des „Roten Sonntags": „Vor einem Vierteljahrhundert, am 22. Jänner (dem 9. des alten Stils) hatten sich die Petersburger Arbeiter, barhäuptig, waffenlos, in ihrem besten Sonntagsstaati Ikonen vor sich tragend, zum Zaren Nikolaus II. begeben, um ihn zu bitten — sie wußten selbst nicht recht, worum sie ihn bitten wollten. Sie waren überzeugt, daß dort, bei der persönlichen Begegnung, sich alles klären und von selber ordnen werde. Etwas vom „Dostöjewskischen Fatalismus" lag in diesem Schritt Den politisch unerfahrenen, in die Hinterhöfe des Lebens verbannten, über Marxismus nur ungenügend unterrichteten Massen schien es, daß auf diese Weise Geschichte gemacht werde. An der Spitze der eigenartigen Prozession standen zwei Männer: der Priester Gapon und „Martin Iwanowitsch". Zwei damals noch unbekannte, fast mysteriöse Persönlichkeiten. Sie wurden allerdings ihres geheimnisvollen Nimbus bald entkleidet Die ganze Bevölkerung Petersburgs —- und nicht nur Petersburgs — war in Aufregung. Alles wartete gespannt: Wie wird das enden? Rußland befand sich an seiner historischen Grenzscheide. Ich entsinne mich jenes klaren, freundlichen, etwas frostigen Morgens. Mit einiger Mühe gelangte ich — ein junger Student des Forstinstituts -— zum N e w s k y Prospekt Das festlich gestimmte Publikum flanierte auf beiden Seiten das Trottoir dieser schönsten aller UIIIIIIUIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIILB | Verband demokratischer Zlonlsten | für den XVI. | und XVII« Bes. s Dienstag, den 4. Februar, 7*9 Uhr abends, im s § Frieden tcelö» XVI*» OttakringeratraAe 97 a S Referenten: § Dr. Israel Waldmann und s 5 Oberbaurat Robert Stricker § 1 fafflKfcri: Dia Lage der Juden in Oesterreich I § Die Lage in Palästina 3 5 Freier Zvtrlttl rreler Zutritt! 3 flllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllHIHIIIIIIS

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