Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 4 (1930)
- Issue
- Heft 124 (31.1.1930)
- Date
- 1930-01-31
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 124 DIE NEUE WELT Seite 3 ^^^c^^tesi — satt1- Eine Minute für Deine Gesundheit! Auf jedem Arbeitsweg liegt eine der 160 Miag-Filialen oder eines der Miag-Depots. In jeder Eile ist eine Minute Zeit für den Kauf einer Viertelliter - Flasche Miag - Kakao, gezuckert mit Strohhalm, kalt oder warm zu trinken. Das nahrhafte Frühstück, die billige Jause! ten Gebiet des Aufbauwerkes sein Interesse zuwenden soll; diese Komitees sollten von Zeit zu Zeit Informationen aus ihrem Interessengebiet aus Palästina erhalten, um auf die Weise in ihrer zu erwartenden Tätigkeit zugunsten des Palästinaaufbaues aktiviert zu werden. In diesem Sinne wurde dem Vorsitzenden des Administrative Committee ein Auftrag erteilt. Das oben erwähnte, an die 220 Mitglieder des Councils versandte Dokument stellt einerseits das Ergebnis dieser Verteilung der Councilmitglieder in die Subkomitees dar, ist aber andererseits eine graphische Darstellung der gesamten Agencymaschinerie, wie sie nach dem Wunsche der Autoren dieses Schriftstückes sein sollte. An der Spitze der Agency stehen neben dem Ehrenpräsidium der Präsident, zwei Vorsitzende des Councils und der Vorsitzende des Administrative Committee. Diesem leitenden Gremium sollen noch nach der Tabelle angegliedert werden ein zweiter Vor sit z e n d e r des Administrative Committeo, ein Schatzmeister, ein Kontrollor, ein Sekretär und ein Syndikus. Die entsprechenden Posten sind bereits eingesetzt, aber vorläufig unbesetzt gelassen. D amit sollen wir also noch beschert werden. Den zweiten' Abschnitt1 in der Tabelle bilden die 220 Mitglieder des Councils, dann die 40 des Administrative Committee, wobei überall die Trennung nach Zionisten und Nichtzionisten vorgenommen ist und sowohl bei den einen wie bei den anderen (innerhalb eines jeden Komplexes) nach Ländern. Ich kenne keine Parteien mehr, ich kenne nur noch Länder! Der Poale-Zionist Berl Locker z. B. iffifflmTfflBnfflfim iilllilllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllll Erzieherin zu zwei Kindern (4 und 5 Jahre) ganz ins Haus gegen gute Bezahlung und gute Behandlung gesucht. Vorzustellen täglich zwischen 2 bis 3 Uhr nachm., III., Dapontegasse 3/7, Tel. U-13-1-55 ilHiilliiiiiiiHiiniiHuiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiniiiniiiinmiiini 1 vertritt fortan neben Georg Halpern Deutschland und nicht die Arbeiterpartei Palästinas. In beiden Aufstellungen (ein kleines, aber interessantes Detail) wie auch in allen noch später zu behandelnden Körperschaften gehen die Nichtzionisten den Zionisten vor« a n. Das Administrative-Committee ist auch räumlich das zentrale Organ der J. A., aus ihm fließen (durch ein Liniennetz wie in einem Stammbaum gekennzeichnet) zehn Komitees, und zwar der Reihe nach: für Erziehung, Geld auf bring utig, Arbeit und Immigration, diplomatische Beziehungen, Gesundheitswesen, Gesetzgebung und Ordnung (law and order), soziale Fürsorge, Finanzen, Agrikultur und Kolonisation und für das B u dg e t. Außerdem ist ein Direktorium des Keren Hajessod vorgesehen, welches neben dem Administrative-Committee als eine selbständige Instanz fungiert, aber mit der Geldauf bringungskommission durch einen Pfeil verbunden ist. Ganz unabhängig von dem verzweigten System des Agency-Mechnismus steht die Business Corporation, in der Lee K. Fränkel präsidiert, und in der neben dem einzigen Zionisten, Lord Melchett, vier Nichtzionisten sitzen, und der als beratendes Mitglied James de Rothschild angegliedert ist. Diese Korporation ist also ein selbständiger Staat in dem sonst durch noch zu erläuternde Wechselbeziehungen straff zusammengefaßten Staate der Agency. Die Zionistische Exekutive ist unter diesem Namen in der Aufstellung überhaupt nicht vorhanden. Tief unten, unterhalb der Hauptkommissionen, sind „Executives" aufgezählt, also Exekutoren, und zwar figurieren in dieser Aufstellung zwei Namen, Nur diese 'g§ %4jdjäjßf^0 Schwedeiiklinge £0/ §rWw^*}&^~~ macht Rasieren zum Vergnügen Die führende schwedische Weltmarke von deren Zugehörigkeit zur Exekutive der Agency die Oeffentlichkeit bis heute nichts Positives erfahren hat. Das sind der obenerwähnte Dr. Maurice H e x t e r und Dr. W. Senator. Hingegen sind vier Mitglieder der gegenwärtigen Exekutive als aus dem Gremium der Exekutoren ausgeschieden verzeichnet, und zwar die Herren Barth, Brodetzky, Kaplanski und (selbstverständlich) Lipsky. Sie werden als „zusätzliche Exekutoren der Zionistischen Organisation" bezeichnet. Nun hat es mit diesen Exekutoren folgende Bewandtnis. Bei dem Namen eines jeden ist ein (bei den „reinen" Amerikahern je zwei) Buchstabe hinzugefügt, welcher zum Ausdruck bringen soll, daß der betreffende Exekutor einer bestimmten Kommission zugewiesen ist (bei den Amerikanern je zweien). So steht Co- Ionel Kisch dem Komitee für diplomatische Beziehungen zur Verfügung und Nahum Sokolow (o temporal) dem Komitee für Geldaufb r i n g u n g. Die zwei neuen Herren rätselhafter Herkunft sollen die Finanzen und das Budget (Hexter) und die soziale Wohlfahrtspflege (Senator) besorgen. Ein jedes Komitee hat einen Vorsitzenden und einen Viz&vorsitzenden. Von den 10 Vorsitzenden sind »WAßSeURG« anrufender bequemste , waschtagl TEL* £ 2^-5-20 saa£q sechs Nichtzionisten und vier Zionisten. In einer jeden Rubrik, die den Bestand der Kommission aufzählt, steht nach dem Vorsitzenden und Vizevorsitzenden der entsprechende Exekutor, wie schon oben angedeutet; gewöhnlich ist es einer, für Geldaufbringung sind es zwei, neben Sokolow-Rosenblüth. Auch für Finanzen sind zwei Exekutoren vorausgesehen, neben Hexter der sonst ausgeschiedene Kaplanski. Beim Budget steht Hexter allein, in splendid isolatiön. Wir wenden , uns nunmehr der Aufteilung der Komitees zu. Dieselben sind sehr sorgfältig rubriziert, und zwar nicht nur nach Zionisten und Nichtzionisten, sondern gewöhnlich auch nach Ländern, und wo die Verteilung nach Ländern fehlt, ist innerhalb des Komitees eine ins Minutiöseste gehende Verteilung nach Zweigen, ja nach feinsten Verästelungen des entsprechenden Gebietes durchgeführt. So haben wir zum Beispiel im Komitee für Gesundheitswesen Rubriken für P r o p h y 1 a x e, für I m p f u n g e n, für Tuberkulose, für Krankenhäuser, daneben auch für Kliniken, für Kinderfürsorge, daneben auch für K i n d e r h y g i e n e. Im Komitee für soziale Fürsorge werden Unterabteilungen vorgesehen für Pensionen, für Rekonvaleszenten, für Korrektionsanstalten, für Scouts, für Waisenkinder, daneben aber auch für Waisenanstalten; dann auch ein Ressort für Gefängnisreform (1?). Im Komitee für Erziehung gibt es neben den üblichen Abteilungen eine Spezialabteilung für Blinden unter rieht, für Radiowesen; neben einer Unterabteilung für religiöse Erziehung gibt es noch ein Ressort für ein Gebiet, das „Joint Religions Work" genannt wird, daneben aber auch noch ein Ressort für Synagogenwesen. Die Verfasser des Dokuments waren anscheinend von dem Wissen um die palästinensischen Dinge wenig belastet, und sie haben sich theoretisch nach dem Vorbild eines umfassenden charitatrven Instituts ein Schema erdacht und sind dann an die etwas schwierigere Aufgabe herangetreten, die entstandenen zahlreichen Vakanzen zu besetzen. Das, was sich daraus ergeben hat, übersteigt alle erdenkliche menschliche Phantasie. 0<b die Nichtzionisten bei dieser Verteilung mit den Funktionen betraut wurden, für die sie irgendwelche Eignung besitzen, können wir in den meisten Fällen nicht beurteilen; was dabei aber den Zionisten widerfahren ist, das können wir gut beurteilen, da viele von diesen Funktionären der Agency wohlbekannte Persönlichkeiten sind. Herr Dr. Bileski, um mit diesem bewährten Freund der Zur Geschichte des Ghettos. Die Chikagoer Universität hat vor kurzem ein interessantes Werk herausgegeben, das den Titel „Ghetto" führt und den jüdisch-amerikanischen Historiker Louis Wirt zum Verfasser hat Diese neue Werk über die Entwicklung der Geschichte des jüdischen Ghettos beleuchtet die Frage von neuen Gesichtspunkten aus und ist auf die Voraussetzung aufgebaut, daß es nicht immer Zwangsghetti waren, in denen die Juden im Verlaufe ihrer Geschichte wohnten, sondern daß es ebensoviele freiwillige Ghetti gegeben hat Wirt weist nach, daß auch aus Palästina, viel früher als die Zerstörung Jerusalems erfolgte, zahlreiche Juden in die benachbarten Länder, Rom, Aegypten und Syrien ausgewandert sind. Die jüdische Bevölkerung in Aegypten zu jener Zeit wird auf nahezu eine Million geschätzt Die judische Gemeinde in Alexandrien war die größte, bedeutendste und reichste Judengemeinde in Aegypten, die sogar ihr eigenes „Heiligtum" besaß. In Aegypten siedelten sich die Juden in eigenen Stadtzentren an, dasselbe geschah auch in Rom und in den anderen Einwanderungsländern. Sie lebten hier nicht nur in eigenen Stadtteilen, sondern auch ganz nach ihren eigenen Volkssitten und in den meisten Fällen auch nach ihren religiösen und nationalen GeseTzen. Die Juden besaßen in diesen Einwanderungsländern politisch und rechtlich das, was man heute „nationale Autonomie" oder zumindest gesicherte „Minoritätsrechte" nennen würde. Soweit für diese Form des Lebens und Wirkens der Volksgemeinschaft die Bezeichnung „Ghetto" anwendbar ist, weil die Juden geschlossen in einem bestimmten Stadtteil wohnten, gab es schon lange vor der Zerstörung Jerusalems in fremden Ländern jüdisches Ghetto, und zwar freiwilliges jüdisches Ghetto. Das freiwillige Ghetto entstammt zum Teil aus ökonomischen Gründen, aber immerhin instinktiv aus dem Verlangen der Juden, ihr Leben nach eigener Volksanschauung und Volkseigenart einzurichten. Das Ghetto als Volkszwinger, als Mittel zur Niederdrückung, Ausbeutung und schließlich Vernichtung des Judentums trat erst in Erscheinung, als das Christentum, ursprünglich selbst von den heidnischen Völkern verfolgt, allmählich in den europäischen Ländern an Macht gewann. Die christliche Kirche verfolgte die Juden nicht zuletzt deshalb, weil es damit die zu bekehrenden Völkerstämme belehren wollte, daß die jüdische Religion mit der christlichen nicht identisch sei, ein Glaube, der, als die christlichen Missionäre ihren Bekehrungsfeldzug antraten, bei vielen „ungläubigen Stämmen" tatsächlich vorgeherrscht hat. Die Geschichte des jüdisdien Ghettos in den letzten Jahrhunderten ist bekannt, wenn auch Wirt eine ganze Anzahl von weniger allgemein bekanntem Material aus dem rechtlichen und wirtschaftlichen jüdischen Ghettoleben zusammengetragen hat Zusammengefaßt kommt Wirt in seinem mit überaus großem Fleiß gearbeiteten Buch zu folgenden Schlüssen: , 1. Ursprünglich war das Ghetto ein freiwilliges. Die Juden als Fremde waren bestrebt, sich in besonderen Stadtteilen in Massen anzusiedeln, wo sie in der Lage v/aren, ihr eigenes Leben mit eigenen Sitten^ Gebräuchen und unter Fortentwicklung einer eigenen Kultur zu leben. 2. Später, als aus religiösen, wirtschaftlichen und machtpolitischen Gründen der Haß gegen die Juden entstund und mit allen Mitteln verschärft wurde, erwies sich das Ghetto für die Juden als eine Notwendigkeit. Es diente als eine Art Festung, wo die Juden sich erfolgreich gegen den verhetzten Föbel zu verteidigen vermochten. 3. Im 13. und 16. Jahrhundert entstand das Zwangsghetto für die Juden, das den Juden durch Landesgesetze aufgezwungen wurde. Die Juden wurden gegen ihren Willen in bestimmte Stadtviertel eingesperrt, in vielen Fällen mußten sie das ursprünglich freiwillig gewählte Ghetto verlassen und sich in viel ungünstiger beschaffene Judenviertel einpferchen lassen. Das Zwangsghetto für Juden besteht in den europäisdien und amerikanisdien Staaten nicht mehr, auch das Ghetto als jüdische Festung hat sich, wenigstens in den zivilisierten Ländern, wo die Juden zumindest dem Gesetze nach vollberechtigte Bürger sind, als überflüssig erwiesen. Hingegen besteht das freiwillige Ghetto in vielen Orten auch heute noch, eine Ersdieinung übrigens, die nidit nur bei Juden, sondern auch bei anderen Nationen in den modernen Einwanderungsländern anzutreffen ist. Als klassisches Beispiel hiefür mag New York dienen. Der größte Teil der New Yorker Bevölkerung besteht aus Eingewanderten und ihren Kindern. Jede der eingewanderten nationalen Gruppen hat für sich instinktiv ein eigenes freiwilliges Ghetto geschaffen. Es gibt auch heute noch riesige Stadtteile, deren Bevölkerungsmehrheit aus Juden besteht. Aber ebenso gibt es ein italienisdies Ghetto, ein deutsches, ein irländisches, französisches, chinesisches und