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Die neue Welt · 1930-01-24 · Heft 123 (24.1.1930) · page 6

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Journal
Die neue Welt
Volume
4 (1930)
Issue
Heft 123 (24.1.1930)
Date
1930-01-24
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Seile 5 DIE NEUE WELT ffr. m wmmmmwnnmmm .KORNMEHL «HOSIftttttfttAtlilttl; Zwitffa tX,. B«rg*a»se 19. Tatcphoiy 17.frggjpu 16*9-34 Lieferant für Heilanstalten Abteilungen inr *t*vH<Mt<h ontar Atftiaht d«* Ehrwürdigen KabbHtftb de* lt#. Kttl» tutgemetade Wi«n Autotustollung kMt«itfM IX., Mrniiii is / Kirnt., winrffistriir. #7 Sn^mwtit^wnwnwmm«^^ iMMBiiWiMmiiOimimiif Ii l Ii Uli *twi nWfriwiBmi ii in i in www» uiwuwiniHtnmwwmmtmmnw munrnwi ■tmmmt*tmw *nrt»mmWM«niim Gerberei geschlachtet werde. Diese Entscheidung, etwas voreilig als Sieg gefeiert, veranlaßte eine höchst sondernäre DemönstraHon. 1ÖS SchlÜchter schritten unter Ungeheurem Jubel der Bevölkerung mit festlich bekränzten Ochsen durch die Stadt. Tel-Awiw hatte wieder Fleisch. Aber — die Regierung machte keine Anstalten, eine endgültige Lösung herbeizuführen, erledigte auch nicht ein altes, nun wieder neu aufs Tapet gebrachtes Projekt der Errichtung eines eigenen Schlachthauses in Tel-Awiw, so daß es zu neuen Komplikationen kommen mußte. Die Vorschlage der Regierung, polizeiliche Bedeckung der Fleischhauer aus Tel-Awiw auf ihrem. 4Wege nach Jaffa zü stellen und ähnliches wurde natürlich abgelehnt, da schließlich auch die Stadtverwaltung von Tel-Awiw auf den guten Geschmack kam, den ein eigenes Schlachthaus hervorruft. Schließlich erklärte auch das Ober r a bbina t, daß ein Fleisch, welches von Fleischern bereitet wurde, die Furcht hatten, nicht gegessen werden dürfe, da nach jüdischem Gesetz der Schlächter während der Schlachtung vollkommen H e r r seiner Nerven sein müsse. Die Regierung aber gab trotzdem nicht nach, verschloß sich auch dem Antrag eines Bürgers von Tel' Awiw, der mit einem Kostenaufwand von 30.000 L'ay (das ist ebenso tiele englische Pfund) ein Schlachthaus errichten will, um Blut und Abfälle zu verwerten, und dekretierte, daß nun wieder in Jaffa zu schlachten sei. Die Gerberei aber wurde wieder geschlossen. Sofort brach der zweite Fleisch streik aus, der noch andauert. Mit ganz unglaublicher Zähigkeit und restloser Solidarität aller Schichten der Stadt wird er durchgeführt und nimmt einzig und allein Spitäler aus. Tel-Awiw macht' sich diesen Streik nicht leicht; diese Stadt, die sonst mehr Fleisch konsumiert, als irgendeine andere des. Landes, läßt nicht einmal den Konsum von Geflügel zu, und wer ein Huhn in seinem Topfe haben will, muß ein Zeugnis bringen, daß er (manche sagen: oder das Huhn) krank ist. Selbstverständlich stehen an den Zufahrtsstraßen aus Jaffa und aus den jüdischen Dörfern Posten. Fleisch ist Konterbande und wer es hereinbringt, setzt sich der Gefahr aus, es nach eiuer kurzen, aber eindringlichen Behandlung mit Petroleum zurückzubekommen, wodurch die Möglichkeit, es zu genießen, bekanntlich auf ein völlig unwesentliches Minimum reduziert wird. Tel-Awiw kämpft also mit dem Magen gegen die Regierung. Es unterstützt seine feiernden Fleischhauer und ihre Familien; in den Töpfen von Tel-Awiw ist nur Gemüse zu finden. Die Regierung steht vor einer Situation,; von1 der kein Gesetzbuch spricht, einfach weil sie in aller Geschichte einzigartig ist. Die Zeitungskorrespondenten der Weltpresse aber, die in Jerusalem, der 'Hauptstadt, sitzen, im Zentrum der Ereignisse, sind nach Tel-Awiw gegangen, weil diese jüdis^e: Stadt heute"' weit sensatioriellör ist als das jüdisch-arabische Jerusalem, in dem es höchstens alltägliche Messerstechereien und Attentate, nie aber einen Fleischstreik geben kann. Der Schlächterstreik in Tel-Awiw. Tel-Awiw, 14. Jänner. Der Sc;häohterstreIlk in Tel- 'Awiw, der hervorgerufen ist durch die Weigerung der besorgten jüdischen Schlächter, den Schlachthof der arabischen; Stadt Jaffa, wo sie sich persönlich bedroht fühlen, zu betreten, und auf der anderen Seite durch das V e rbot der Behörden, vor de* Fertigsteilling des in Tel-Awiw geplanten Schlachthofes provisorisch für den Zweck adaptierte Räume in Tel-Awiw für die Schlachtungen zu benutzen, führt zu täglich wachsenden Schwierigkeiten, Es ist zu Zwischenfällen zwischen Schlächtern und solchen Personen gekommen, die Fleisch'von auswärts in die Stadt brachten. Sieben Personen wurden im Verlauf der Zusammenstöße arretiert. Aus der österreichischen zionistischen Organisation. Der Verband demokratischer Zionisten und der Landes» verband. Der Verband demokratischer Zionisten erhielt nachstehendes Schreiben: „An den Verband der Demokratischen Zionisten, Wien. Sehr geehrte Herren Gesinnungsgenossen! Wir teilen Ihnen mit, daß bei der gestern stattgefundenen Sitzung des Zionistischen Parteirates nach* stehender Antrag des Zionistischen Landeskomitees zum Beschluß erhoben wurde: „Das Zionistische Landes* komitee für Oesterreich, welches mit der Vorbereitung des ordentlichen Delegiertentages beauftragt ist, bean* tragt, den Verband der demokratischen Zionisten im Falle seine« Eintrittes in den zionistischen Landesverband för OeaUnreieh als Sonderv«r«inigung dar österreichischen Landesorganisation an« zuerkennen. Mit Zionsgruß hochachtungsvoll f. d. Zionistische Landeskomitee Dr. .1. Ehrlich." Der Verband demokratischer Zionisten hat seiner« seits an das Landeskomitec folgendes Schreiben gerichtet: „Wien, am 23. Jänner 1930. Sehr geehrte Herren Gesinnungsgenossen! Wir nehmen den Inhalt Ihres gesch. Schreibens vom 20. d. M. zur Kenntnis und melden hie» mit den Beitritt des Verbandes demokratischer Zionisten Oesterreichs zum zionistischen Landesverbände für Oesterreich an. Hochachtend mit Zionisgruß. Für den Verb, demokr. Zionisten: Robert Stricker." Der Beschluß des Parteirates ist sehr zu begrüßen. Er schafft die Bedingungen für die Stärkung der öster* reichischen Organisation, welche lange Zeit durch innere Unstimmigkeiten in ihrer Entwicklung gehemmt war. Den Herren, welche sich um das Zustandekommen des Be« Schlusses bemüht haben, gebührt Anerkennung. Leo Weiß gestorben« Wieder ist einer unserer alten Garde vom Tode ereilt worden: der Klosternettburger Gesinnungsgenosse teo Weiß, der seit mehr als einem Vierteljahrhundert für die zionistische Sache gewirkt hat. Alle seine Freunde und Bekannten beklagen den Hingang ihres treuen Weggenosseri, dem der Kampf für den Herzl- Zionismus Lebenselement war. Ihm stand seine Gattin Fanny Weiß als Kämpferin zur Seite, der sich die allgemeine Teilnahme zuwendet. Uns allen, die wir die Hingabe des Verstorbenen an das zionistische Ideal geschätzt haben, wird Leo Weiß in steter Erinnerung bleiben. Die Flucht in die Propaganda. Von Dr. Julius Dohany (Novi Sad, Jugoslawien). Der Herausgeber der- „Neuen Welt" erhielt vom Verfasser einen die Lage in der Zionistischen Organisation kennzeichenden Brief, in welchem es. u. a. heißt:- „Ich war bis vor zwei' Monaten Vi z epräsident der j u g o s 1 a w i b c h e n Zionistischen Organisation, 1 jener „gutgesinnten" Organi-, sation, in welcher nie ein'Wort der Kritik an der Leitung der Weltorganisation laut wurde, weldie ,nie ein Zeidien /leisester Opposition kundgab; Ich habe vor zwei Monaten \meine Stelle als Vizepräsident, welche ich s i e>b e n J a h r e bekleidete, niedergelegt. Ich glaube, Jugoslawien" 'mit seinen vier Kongrefjdelegierten ik ahn nicht weiter, unter deft. 7 aj- Sag e r ii sitzen. Idi mödite 'ge'r'ne-;.1e^ieK^ktfön"'!üllter' den'"vielen-. Gleichgesinnten unternehmen. Wir haben kein anderes, .Blatt,? das den gewünschten Einfluß auf 'd^^ziönistisdie Publikum nehmen konnte, als das Ihre: Ich bitte Sie daher um Ihre publizistische, Hilfe."; ,„: ■ :; - i ■ ' ii.-' . \ :■'*', >. Und nun eine noch tragischer sich auswirkende Unaufrichtigkeit, Mutlosigkeit: Seit Jahren verkündete Jubotinsky, von den offiziellen Führern und ihrer Presse gehässig verhöhnt, daß nur Starke, Selbstsichere der Freundschaft gewürdigt werden. Ein jüdisches Gemeinwesen in Palästina ohne Selbstschutz, das beständig um das nackte Leben zittern und um Schutz flehen muß, .■ist kein begehrenswerter Freund in den Augen der Araber. Wir wissen alle wohl, und die offizielle Presse wußte es audi, daß sich die einst so verpönte „Legionsforderung" Jabotinskys in den letzten Jahren auf die Forderung eines bewaffneten Selbstschutzes reduzierte und seine Forderungen bezüglich der Grenzpolizei und Gendarmerie sich auf der Linie vernünftiger Zweckmäßigkeit bewegten. Aber im Pressewaldc hallte es weiter vom Spotte über die „Legionen" des Jabotinsy. Und jetzt, als die tragische, die fürchterlichste Stunde fürs Judentum gekommen war, nicht nur jüdisches Menschenleben Und jüdische Werke verniditet sondern, was wichtiger ist, stolze Hoffnungen, das Vertrauen des ganzen Volkes fürchterlidi erschüttert wurden, hat es dieselbe zionistische Leitung zustandegebracht, bei der Londoner Sitzung des Aktionskomitees verächtlich und' gehässig alle jene Männer beiseitezuschieben, welche vorausgesehen und gewarnt hatten. England hat nach der bedrohten syrischen Grenze 174 Soldaten geschickt, zu einer Zeit, als Frankreich dort 28.000 Mann hinstellte. Jetzt hat sich aus den Ausfüh* TUNS 5«hn«lt»>fl*Ut»on sutna«h wn üfiiuNr. WumtomMtnM SkigfUimte mit gUMtfgti) S«hi<««*«rMnMaMn v«n Mttt* 0«nmb*r MtfftfelMrx. SWkuwt, R»#t»«hi», »«uW«tfcB«h»9M«h«r Auftnt»»» k» HOTEL UND DENtlOW TRINSEDHOF 1S14 m 14 M* In Mflntgtr Ufl«, ntu <*• baut, «Mdtm und ttdtogM «IngtrioMirt, «0 e»tUn, flittondw K«* w* W«n»> wmiTi ZmtralhtlMng «ntf tiwtr» tr*t- IdMOlfft Wl#0#f K09ll4t l^pMfofWpfOitt VI Für die mir erwiesene Teilnahme anläßlich des Abtebens meines Mannes sowie für die täglich einlaufenden Kondolenzbriefe sage ich allen Preunden und Bekannten innigsten Dank. Fanny Kaufer 11., Novaragaas* 22 rungen des Vertreters der palästinensischen Verwaltung Vor der Untersudiungskommission, Herrn Preedy, ergeben, daß die palüstinensisdic Regierung die Juden nidtt fördern und sdiützen und die Araber nicht aufhalten wollte. Im Nationalrat in Palästina haben alle Parteien, sogar die Agudisten, einstimmig erklärt, daß das Werk ohne Selbstschutz nicht bestehen und sich nicht weiterentwickeln kann. Und in dieser Stunde hat bei der Sitzung in London die zionistische Leitung die Anträge zielbewußter Männer verächtlich abgelehnt, Herr Brodctzky hat, int Namen der Leitung« in den Tagen allerhöchster Sorge und Trauer ein Cominunique erlassen, worih er das allerhöchste Gebot der Stunde, den Selbstschutz, in den Hintergrund gestellt hat. Das Parteiinteresse steht höher. Natürlich hinderte ihn das nicht im mindesten, einige Wochen später in Berlin eine Rede zu halten, worin er nun mit großer Energie den Selbstschutz forderte. In der Erklärung Sachers vor der Untersuchungskommission ist bereits die Forderung nadi „einer Sonderpolizei" enthalten, worunter man natürlich wieder eine englische, teilweise auch arabische Polizei verstehen kann. Sic müssen jetzt den mühsamen Weg gehen, der vor Jahren ohne, fürchterliche Opfer an Blut und Ehre hätte beschritten werden können, wenn die offizielle Presse nicht seit Jahren eine überreizte Stimmunggegen die „gefährlichen militaristischen" Pläne Jabotinskys erzeugt hätte. Die zionistischen Intellektuellen sehen dies, senken die Augen, aber der mutige Ruf nach den Männern, die zur rechten Zeit am rediten Orte viel Unglück hätten verhüten können, erschallt nicht. Es ist bequemer, gouvernementäl zu sein und nicht zu widerspredien. Unter dem Schweigen der zionistischen Intellektuellen ist es sogar möglich geworden, daß die offizielle Presse Forderungen des Waad Leumi, weil Ed er tind die Revisionisten sie vorher aussprachen, „in i ß b i 11 i g t e'\ Die Vertreter der Exekutive Braude und Sacher durften sie vor der Untersuchungskomniission als „extreme Forderungen einer, extremen Opposition" bezeichnen, obwohl der gesamte Jischuw hinter diesen Forderungen steht. Vertreter, der Leitung . '„„durften,- vor , .einem . ^nserer.r nationalen Sache eher schlecht gesinnten, fremden Forum, nationale Besdiwerden, erbitterte Klagen und energische Rufe nach Abhilfe, weil sie auch von einem oppositionellen Flügel herrühren, als etwas F r e m d e s, Unernstes hinstellen. Unaufrichtigkeit und Mangel an bürgerlichem Mute drücken wie ein Alp auf unserer .Sache. Nach den Tagen der tragischen palästinensischen Ereignisse haben alle Juden, nicht nur Zionisten, alle, die in irgend einer verantwortlichen Verbindung mit der Bewegung stehen, instinktiv gefühlt, daß die bisherigen Methoden des „loyalen" Klagens und Bittens nicht weiter die alleinigen Mittel;$s S?bA Pine £ort? bürgerlichen -Mutes, die durcli Selbstvertrauen und Sicherheit auch gegen Mächte und Waffen zum Ziele gelangt. Gandhis ruhige, sichere Bewegung hat die britische Weltmacht zur Anerkennung seit Jahrzehnten vergebens geforderter Rechte gezwungen. Nie aber hat Gandhis seinen Hunderttausenden barfüßigen und barhäuptigen Demonstranten gesagt: „Wir haben keine Macht! Unsere barfüßigen Pilger werden nie eine Weltmacht bezwingen!" In den Tagen unseres Unglücks haben alle gefühlt, daß die Methoden unserer Politik geändert werden müssen. In einer Stunde, welche die Stunde der Einigung und Umkehr hätte sein müssen, hat unsere Leitung zwei Dinge getan: Den Ver* such einer Einigung unterdrückt und den Kampf gegen die Revisionisten als höchstes Gebot der Stunde erklärt. Dann hat sie die Flucht in die Propaganda ergriffen und'den Propagandalärm begonnen. Im Propagandalärm wurde die Forderung nach einem außerordentlichen Zionistenkongreß erstickt Und die englische Regierung hat Zeit gehabt, die ganze „Affäre" durch eine Kommission mittelmäßiger Beamten verflachen zu lassen. Und das Unglück, welches die Manner der Opposition befürchteten, ist da. Unsere Exekutive wird in einigen Tagen bereits in die Lage kommen, den Ereignissen wieder nachzulaufen. Weizmann hat bereits in seiner letzten englischen Rede erklärt, er müsse respektvoll warten, bis die Untersuchungskommission fertig sein wird. Der Propagandalärm geht inzwischen weiter, die Flucht in .die Propaganda ist gelungen. Unsere Leitung ist uns gesund erhalten geblieben. England, von dem man sagt, es „verliere alle Schlachten, habe aber nie einen Krieg verloren", hat auch diesmal wieder eine Schlacht verloren, aber den Krieg gewonnen. Wir aber haben eine Schlacht verloren und wenn die Zionistische Organisation nicht den Mut finden wird, sich gegen diese „staatsmännische Klugheit" endlich aufzulehnen, Wird sie auch einen Krief verlieren, 1

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