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Die neue Welt · 1930-01-24 · Heft 123 (24.1.1930) · page 5

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Journal
Die neue Welt
Volume
4 (1930)
Issue
Heft 123 (24.1.1930)
Date
1930-01-24
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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Nr. 125 WC NEUE WELt Scfte §>■ Plan der Gründung liberaler Synagogengemeinden in Polen. Warschau, 16. Jänner. Eine Abordnung der Vereinigung für das liberale Judentum in Polen begibt sich in diesen Tagen nach Berlin, um mit den Repräsentanten des Weltverbandes des liberalen Judentums, die sich am 28. Jänner in Berlin zu einer Sitzung vereinigen, über die Bildung liberaler Synagogengemeinden in verschiedenen Städten Polens Beratungen zu pflegen. Gegenwärtig existieren in Polen keine liberalen Synagogen oder Synagogengemeinden, es besteht nur ein liberaler Verband. * Die Ausführung dieses Planes würde den Beginn einer Spaltung im polnischen Judentum bedeuten. Heute sind alle Juden, auch die extremen Orthodoxen, in einer Gemeinde beisammen. Das argbedrängte polnische Judentum bedarf der einheitlichen Organisation mehr als irgend ein anderes. Der Siegeszug der Palästina- Orange. Die Aufzucht und Veredlung der Orange in Palästina ist das Werk der Juden. Bevor die jüdischen Kolonisten ins Land kamen, gab es dort überhaupt keine Orangenpflanzungen oder nur wenige, ganz minderwertige. Heute ist die Orange das H a u p t p r o d u k t Palästinas. Jüdischer Fähigkeit und jüdischem Fleiß ist es gelungen, aus Sumpf- und Sandboden eine Frucht hervorzubringen, die in ihrer Köstlichkeit fast unübertroffen dasteht * Die Jaffa-Orange durch ihre Qualität auf allen Märkien konkurrenzfähig. In einem Rundsdireiben des Regierungs- Departements für Landwirtschoit in den Vereinigten Staaten finden sich folgende bemerkenswerte Aeuflerungen von Mr. E. Smith, des Chefexperten für Marktfragen, über die Aussichten der Pa 1 ä s t i n a - O r a n g e n in der nächsten Zukunft: Die palästinensischen Orangen werden auf den europäischen Märkten während des Winters an Bedeutung z litt e h m e n. Palästina ist heute der zweitgrößte Versorger von Großbritannien. Die Bedeutung Palästinas für den europäischen Orangenmarkt liegt nicht nur in der ständigen Vergrößerung seiner Lieferungen, sondern auch in der Qualität seiner Früchte. Die Frucht Palästinas wird in ihrem Aeußeren und in ihrem Geschmack nur von ganz Wenigen Orangen anderer Herkunft übertroffen, obwohl die Methoden der Verpackung in Palästina denen der anderen Produktionsgebiete nachstehen. Der Bericht von Mr. H. Clark Powell, so heißt es in dem Rundschreiben weiter, der im Jahre 1928 für den Empire Marketing Board erstattet wurde, kommt zu dem Ergebnis, daß die palästinensischen Orangen in England zu einem Durchschnittspreise von 2.55 Dollars verkauft werden können, wobei die Kosten für die Kultur, Verpackung und Transport inbegriffen sind. Dieser Preis ist höher als der für spanische Orangen, da das (Sewickt einer Kiste Jaffa-Orangen um etwa 30 Prozent niedriger ist als dasjenige einer spanischen. Die Kosten schließen ungefähr 1.65 Dollars pro Kiste für Anbau und Verpackung, 0.65 Dollar pro Kiste für Lagerung und Transport und 0.50 Dollars pro Kiste für Verkaufsgebühren in England'ein. Aus dieser Darlegung kann geschlossen werden, daß die Möglichkeiten für den Ab-...;/ amerikanischer Orangen in Europa während der Wintermonate nicht groß sind, wenn auch die besseren Sorten aus Kalifornien oder die ausgesuchtesten aus Florida durch den Luxushandel bei jetler Konkurrenz abgesetzt werden können; aber diese Früchte spielen mengenmäßig keine Rolle auf dem Markte. Die Jaffa-Orange ist also nach dem Urteil dieses Sachverständigen trotz ihrer schlechteren Verpackung allen anderen Orangen auf dem Markte — mit Ausnahme der amerikanischen Luxusfrüchte — ebenbürtig und kann jeder Konkurrenz standhalten. Haifa als Hafen für Ornngenversehifhing. Obwohl der Hafenbau in Haifa noch im ersten Stadium steht, beginnt dieser Hafen bereits eine wichtige Rolle im Orangenexport von Palästina einzunehmen, da die bestehenden Einrichtungen dort die Verladung der Früchte gegenüber Jaffa sehr erleichtern. Auf Betreiben der P a r d c s s-G e s e 11 s c h a f t hat sich eine Reihe führender Orangen-Exportfirmen in Jaffa entschlossen, künftig Schiffsladungen von Orangen auch via Haifa zu verschiffen. Bis Ende Dezember sind 5 Schiffe mit größeren Ladungen von Haifa aus abgegangen. Die Aenderung des Verschiffungshafens wird nach der Fachpresse zu einer Revolution im O r a n g e n h a n d e 1 und einer neuen Aera in der Geschichte der Jaffa-Orangen führen. Die Neueinführung ist von besonderem Vorteil auch für die palästinensische Eisenbahnverwaltung, die die Früchte per Achse aus dem Orangengebiet nach Haifa transportiert. Sie hat sich daher an der Organisierung der Umleitung erheblich beteiligt. \W Das 0. IQ i ■ t » ■ ■ ■ ■ ■ ■ i t ■ ■ * * ■ * ■ a a a ■ ■ ■ ■ a ■ ■ ■»pipaa« ■■■■■■■■ iniiiiiiiiiiii*ais«ti des Ersten allgemeinen Beamienvereines Wien erteilt an öffentliche u. Bundeaannestellte aller Kategorien sowie an Pensionisten zu den günstigsten Bedingungen und pegen höchst annehmbare ' Ruokzahlunosntodalltaten langfristige Personalkredi ohne Labensverslcherungspolizze Die monatlichen Rückzahlungen werden bei derZinsenberechnung berücksichtigt Die monatliche Rate beträgt für ein Darlehen von $1000 - $25.« Die Erteilung von Auskünften über Spareinlagen und Enir Segennahme von Darlehrnsansuchen erfolgt voran sen» rel durch die Zentrale: Wien XVlil, Welmarerstr. 20 und durch die Stadtbüros: Wien I, Kärntnerstr. 26 (Eingang Schwangasse 1) I, Uraniastr. 2 M UFA-TON-KINO vviffl,ii, faborttf.« nnWi.m,,," Das Filmtheater dar flulaa Qaaaftufiaff aatfftj! i S. Woche. Prolongisrll ür- und AilQinauHuhriiftfjt Melodie des Heriens mit Dlta Parlo und Willy FrItsoft Der erste Ufa-Ton- und Sprechfilm dar trlcn*Pommer«Produktion vufaOt »oi Han- Sttkoiy. Bettle Haniit SaftwtR Beginn: Wochentag 5, 7, 9 Uhr, Sonn- und Feiertag 3, 5, 7, 9 Unr. Vorverkauf ab 11 Uhr vormittags. Orangenexport bis Ende 1929. Die direkten Verschiffungen von Orangen nach England betrugen von November bis Ende Dezember 1929 zirka 500.000 Kisten gegenüber 387.000 Kisten im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Nach dem europäischen Kontinent wurden direkt gegen 60.000 Kisten Exportiert, ebenso wurden, via Port-Said nach England zirka 60.000 Kisten befördert. (Ziko.) Tel-Awiw ißt kein Fleisch! Im „Neuen Wiener Journal" schreibt M. Y. Ben- Gewicl (Jerusalem): Palästina, dieses kleine Palästina, das in den letzten Monaten so viel von sich reden machte, hat nun wieder seine Sensation, die in aller Welt wohl einzigartig ist. Eine ganze Stadt, mit so und so vielen Tausenden von Einwohnern, ist in einen Streik getreten, der nicht nur die größten Anforderungen an Selbstdisziplin stellt, sondern auch ein in dieser Zeit geradezu beglückendes Zeichen einer alle Klassen umfassenden Solidarität darstellt. Tel-Awiw ißt seit Wochen kein Fleisch und unterbindet mit allen Mitteln die Einfuhr auch der kleinsten Fleischmenge in sein Gebiet. Die Vorgeschichte dieses merkwürdigen Streeks ist ebenso merkwürdig und beginnt natürlich wie beinahe jede politische Angelegenheit dieser Zeit Palästinas in den Tagen der großen Unruhen des August. Damfils, als jeder Schritt über die Peripherie Tel-Awiws nach. Jaffa hinüber ein Schritt in den Tod sein konnte,^beschlossen die F1 e i s c h h a u c r v o n T e 1 - A w.i w, nicht mehr in dem für die beiden Schwesterstädte gemeinsamen Schlachthaus in Jaffa drüben zu schlachten, einfach weil sie fürchteten, von einer arabischen Uebermacht angegriffen zu werden. Da man aber .schließlich. Fleisch essen muß und auch die Fleischhauer nicht yon der Luft leben können, begannen sie in einer alten, am Strande von Tel-Awiw liegenden. Gerberei zu schlachten.;' Natürlichwar dies der Stadt Jaffa nichts weniger^als angenehm, da ihr auf diese Weise die r u n.d e Summe von 5000 Pfund jährlich an Schlachtgebühren entzogen wurde. Wiewohl sie fast gleichzeitig den Beschluß faßte, das elektrische Licht zu boykottieren^nd wieder zur alten romantischen Luxbeleuchtung zurückzukehren, weil der Strom aus der jüdischen Kraftstatioh kommt, verlangte sie von der Regierung, daß sie gegen den Boykott des Schlachthauses einschreite. r . Die Regierung erklärte nun, daß das Schlachten in der Gerberei ufthy g i e n i s c h sei und verbot es. Die Antwort darauf war der erste Fleischstreik Tel-Awiws. Wochenlang aß die Stadt kein Fleisch, bis die Regierung nachgab und gestattete, daß; yjer Wochen lang, bis die Angelegenheit geregelt sein würde, in. der fragte, olb die Erzählungen vom Bai Schern auch wahr seien, das gilt von »Ken diesen Aussprüchen, Anekdoten und Legenden. Ob sie wahr und wirklich geschehen sind, weiß der Rabbi nicht. Aber versichern kann er/daß der Bai Schern die Kraft; hatte, Wunder zu tun. Diese Geschichten haben -die tiefere, transzendente Wahrheit des dem Volksgeist Entsprossenen. Sie sind in ihrer Art vöUkommeu-wie alles, was aus der schöpferischen Phantasie der Völksseele strömt. ,f r. d. Jüdische Musik für VioloncelL Von Joachim Stutschewsky (Wien). Das . YiolQqcejl, dessen Klanganlage sich der menschlichen SjMmjne am meisten nähert, trägt <jurch seinen tieftembrierten Klangcharakter und seine besondere Eignung fürs Cantabile die wunderbare Fähigheit |n sich, seelische Emotionen in reicher Nuancierung auszudrücken., Keines der heutigen Musikinstrumente ist daher (derart prädistiniert, die innere Kraft, die seelische Substanz des jüdischen Melos und die Unmittelbarkeit, des. Gesanglichen so zur Wirkung zu bringen, vriß das Vwloucell. Die jüdischen Komponisten haben vom, Anfang «jn sich mit großer Liebe dem Violon.- cell zugewandt uncl es in den Kreis ihrer musikalischen Einfälle ge'zpgen. ' Die Pr^duk^iqn an Originalwerken ist noch nicht all«u groß, jojjef Tschernjawsky, der rein iustrumentale.Wirkungen, sucht, hat. in i,Masel Tow", „Die jidjsche, Trär«u", und „A Freilachs" (Verlag G. Schirmer) einjge. b^kann^e Volksweisen, die bald melancholisch, bald ausgelassen lustig sind, in natürlicher und unaufdringlicher Weise zu geschlossenen, wirkungsvollen Stücken verarbeitet. Ganz anders L. Z e i 11 i n s „Eli Zion", eine Veröffentlichung (1914) der „Gesellschaft für jüdische Volksmusik" in Petersburg, jetzt „Juwal". Hier wird Yolksmelodie und Trop aus „Schir ha Schirim" aus tiefer Empfindung heraus in schöner melodischer Führung musikalisch gestultet und abgerundet. Eine „Improvisation" über die Kol-Nidrei-Melodie von Josef Sulzer (Selbstverlag), dem Sohn des berühmten Fühtprs, ist njicht als gelungen zu bezeichnen. Voll Begeisterung für diese ewig lebendige Melodie berauscht sich Sulzers Phantasie an häufigen Melismen und Fiorituren, die den Charakter und die Stimmung dieses Gebetes zerstören. Nur einzelne Momente sind im Ausdruck gut x(nd echt getroffen. Die Wirkung dieses ergreifenden uralten Gesanges bleibt in der synägogalen Ursprünglichkeit am eindringlichsten. Friedrich Gernsheim steht zwar abseits der jüdischen Musik, aber sein Cellostück „Elöhenu" (Rieter-Biedermann) darf hier nicht übergurigeu werden. Diese Komposition, von seinen übrigen Werken unterschiedlich, verrät Sinn für das jüdische Meios, und entbehrt nicht eines gewissen Fluidüins echt jüdischer Empfindung. Chronologisch gehören hierher meine eigenen Stücke, die ich, da mir eine Aeußerung darüber nitfit zusteht, nur nenne: ,?LTi, Eli, lama asaw. thaiTu",. „fyl'chol Kedem" (Hüg), „Dweikuth" (Juwal).;; /{: Früher als andere vermochte Joseph Ac.hron zun* eigenen Ausdruck, zu künstlerisch befriedigenden Resultaten zu gelangen. Seine starke kontrapuuktische Begabung, sein feines Gefühl für das jüdische Melos, ftyr die/Farbigkeit des Harmonischen und Mannigfaltigkeit die* ^tfeinischen hebe^. schon ^eine früheren Be^rbjeit^n^n ycm jüdischen Volksraelodien ganz be|ijpinders h&ryiir. Liegt auch der Schwerpunkt seines Schaffens in anderen größeren Werken, so bergen die Stücke für \faol]i>hcell genug Werte, um öfters aufgeführt zu werden. Vqr allem die „Hebräische Melodie" (Uni» vjaröoJvEdition), eines der beliebtest^» und'vj|rlj|ei^tsl^ä Violinstücke, gelangt auf dem VjQionc^ll ^i^phSiefß- , rer und ausdrucksvollerer Wirkung' als auf der Violine.' iin Tanzstück „Scher" op. 42 (Juwal), worin Achron eine melodisch und rythmisch gleich reizende alte Tunz\V<pise verwertet, zeigt er seine Unerschöpflichkeit ih; der^-Erfindung mannigfacher Ausschmückungen- und rhythmischer Verschiebungen. Im „Fragment mystique" op.V45 (U. E.) erfährt die einfache innige Volksmelodie zunächst eine Begleitung von harmonischen Folgen 'gleichmäßig bewegt und wird später akkordisch gesteigert. Michail G n e s s i n, außerhalb Rußlands viel zu wenig bekannt, zeigte eine besonders glückliche Hand im Auffinden uhd Verwerten des synägogalen und volkstümlichen Melos. Davon überzeugt uns auch sein „Schirat abbir nöded*' (Lied des wandernden Ritters). Ernest Bloch, dessen Großvater Isak Bloch eij*er der besten Schweizer „Bai Tefilos" war, gehört he#te zu den bekanntesten und meist aufgeführten jüdischen Komponisten. In Genf 1880 geboren, gelangte Erneut Bloch nach Jahren schwerer innerer und äußerer Kämpfe in Amerika zu überragender Stellung. Durch einige Werke hat er auch die ViolonceU»Musik wes&pit.- Ueh bereichert.' Sein ,;S ch e 1 q ra o", Rhapsodie\iÜr;VJoloucell und Orchester (U. E.) ist fast alleu großen Städjten ausgeführt. Hier spürt man bei aller Gebundenheit des Stofflichen völlige Freiheit des Schöpferischen; ' Blq/ch, wie so viele andere, wurde aus eigener Keimkraft heraus, die tief in seinem jüdischen Wesen verankert ist, äpm neuen Gehalt, zur neuen Faktur seiner} Werk^- hingeführt. Vier kleine Stücke, „Meditation Heb^aiq^:. .Prayer", „Supplication" und „Jewish Song' (Carf ,Fisc|$r, New York) zeichnen sich durch tiefe Innerlichkeit und straffe Forrazusammenfassung aus. Wenn auch .einzelnes weniger befriedigend wirkt, .so lerneu wir den r^i|i|u Musiker kennen und bewundern seine Begabung, mit^jjji oder zwei Motiven klar umrissene, knappe und \ovü^ lieh klingende Stücke zu schreiben. Die hier aufgezählten Werke sollen uureineju Querschnitt durch das Schaffen der heutigen jüdischen Komponisten auf einzelnen Gebieten gebep,, und Verständnis für die Intentionen der jüdischen Musik wecken.

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