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Die neue Welt · 1930-01-24 · Heft 123 (24.1.1930) · page 2

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Journal
Die neue Welt
Volume
4 (1930)
Issue
Heft 123 (24.1.1930)
Date
1930-01-24
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 2 DIE NEUE WELT Nf. W mus", welche in der »Neuen Welt" erschienen ist und ans der Feder eines höheren englischen Offiziers stemmt, gründlich charakterisiert worden. Da« Hang der Miss Newton ist der Sammelpunkt aller antisemitischen und anti2ionistischen Elemente in Palästina. In ihrem Salon werden die Plane gegen die Joden gesponnen. Hier treffen sich englische Beamte und arabische Agit** toren, die Anstifter von Brand und Mord. Vor der Untersuchungskommission hat Miss Newton die Juden verleumdet. Sie ist die unerbittliche Hasserin, sie will um jeden Preis das jüdische Aufbauwerkvernichten. Ihre Beziehungen zur Londoner Hof gesell» schaft hat sie in den Dienst aller judenfeindlichen Bestrebungen gestellt. Dieser Frau stellt nun da$ Rote Kreuz Mittel zur Verfügung. 'Eine sonderbare Verwendung für Gelder, welche im Namen der Menschenliebe gesammelt werden. . Anch Bürgermeister Seit« weiß nichts von einer antisemitischen Strömung in der österreichischen Sozialdemokratie. . Wien, 16. Jänner. (J. T. A.) Der Wiener J. T. A.« Vertreter hat vor kurzem an die drei hervorragendsten Führer der österreichischen Sozialdemokratie, den frühe* ren Bundeskanzler Dr. Karl Renner, den Bürgermeister von Wien, Karl S c i t z, und Dr. Otto Bauer, die Frage gerichtet, ob und wieweit die im Wiener „Sport-Montag" erschienenen Mitteilungen über eine starke anti- 6emitidche Strömung in der Österreichischen sozialdemokratischen Partei, insbesondere in dem Wiener Arbeitersport-Verband, aus dessen Leitung sämtliche Juden, sogar konfessionslos gewordene Juden, hinausgedrängt würden, auf Wahrheit beruhen. Die Antwort von Dr. Karl Renner, daß in der österreichischen Sozialdemokratie keine antisemitischen Tendenzen wirksam seien, wurde bereits mitgeteilt. Soeben langte das Antwortschreiben des Bürgermeisters Seitz, der gleichzeitig Vorsitzender der Sozialdemokratischen' Partei Oesterreichs ist, ein. Bürgermeister Seitz erklärte, daö alle Nachrichten über A n t is e m i t'is m u s iin Wiener Arbeitersport und in anderen sozialdemokratischen Vereinigungen sinnlose Gerüchte seien; er habe, obwohl er sich speziell um diesbezügliche Informationen bemüht hat, nichts in Erfahrung bringen können, was diese Gerüchte bestätigt hätte. Im allgemeinen, heifit es in dem. Schreiben weiter, ist es ja auch den Laien bekannt, daß Sozialismus und Antisemitsmus miteinander unvereinbar sind. ...Es.ist auffallend, daß Dr. Otto Bauer, der einzige Jude unter den Befragten,, es bis, jetzt unterlassen hat, sich über die Mitteilungen betreffend antisemitischer Strömungen in der österreichischen Sozialdemokratie zu äußern. , ,.* : , v ' ■■»•'•' <•' * .' So .berichtet .die jüdische Telegrapheuagentuir. Sie hätte .sich die Mühe ersparen können. Für österreichische. Sozialdemokraten gibt ,es überhaupt keine Judenfrage. Sie wurde über Verlangen der ganz und halb getauften jüdischen Führer ein für allemal abgeschafft. Man darf nichts sehen! Zur Blutabzapfuagsaffaire im Memelland. Wie wirgemeldet 'haben, sind mr Memelland jüdische Durchreisende, und zwar nur jüdische, angehalten und zwangsweise der B1 u t a b z a p f u n % unterworfen worden. Es hieß, daß man sich auf diese Weise vor , dej,< Einschleppung aastec/kender. Krankheiten sohützen wolle. Der antisemitische Charakter der „Amtshandlung" kam im Memeler Landtag zur Sprache und die Regierung hat aWerlei Ausflüchte gebraucht. Nun veröffentlicht die „Jiddische Stimme" in Kowno folgende Zuschrift einer Gruppe jüdischer Händler, in der es heißt: „Wir, eine" Gruppe Aepfelhändler, standen auf dem Markt in Panemun vor unseren Warenstämlen, als zwei Gendarmen und ein Zivilist heranfkamen und uns jüdischen Händlern die Pässe abnahmen. Während die Christ-* 1 icben Händler aus Litauen ungeschoren gelassen wurden mußten wir uns: in einen Fleischerladen begeben,- wo man uns mehrere Stunden gefangen hielt und uns dann Blut, abzapfte. Es ist nicht wahr, daß wir freiwillig gingen: man hat uns mit Schlägen und anderen Strafen gedroht. Die Blutabzapfung-verursachte uns große Schmerzen; der Händler P o 1 a k aus Jurhurg fielt in Ohnmacht, einige von uns klagen; noch heute über Schmerzep. Dadurch, daß man ups gezwungen hat, unsere Warenstände unbewacht zurückzulassen» erlitten wir großen Schaden; ein großer Teil unserer Waren wurde verschleppt, außerdem, kernen wir um die Losung eines ganzen Tages." . Der Vorsitzende der jüdischen Gemeinde von Memo! gestorben. Memel, 15. Jänner. (J. T. A.) In Memel verstarb der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Herr Sch. Abel» mann. Der Verstorben« stand viele Jahre an der Spitze der Juclenheit im Memelgebiet und genoß in allen Schich« I ten der jüdischen Bevölkerung großes Ansehen. Die letz» ten Jahre seines Lebens waren getrübt durch Aeußerun» gen des Antisemitismus seitens offizieller Memeler Kreise und die Unternehmungen der Memeler Polizei gegen die jüdische Bürgerschaft und jüdischen Ausländer. Die , Blutabzapfung an durchreisenden Ii tau» ischen Juden auf dem Memeler Gebiet und die letzte Ritualmordlegende waren ebenfalls mit großen Aufregungen für ihn verbunden. AU das hat an seiner Gesundheit gezehrt und seinen Tod beschleunigt. Antisemitische Hetäe der Nationalsozialisten an der Berliner Technischen Hochschule» Berlin, 19. Jährtet. (J. T. A.) Am Freitag früh wurde vor der technischen Hochschule in Charlottenburg von nationalsozialistischen Studenten ein Flugblatt ver* teilt, das in Übelster antisemitischer Weise gegen einen Dozenten der technischen Hochschule, Prof. Dr. Ing. R i e b er s a h n, hetzt. Professor Riebersahn ist vom Senat der technischen Hochschule das Referat für die Sonnabend Nachmittag stattgefundene offizielle Reichsgründungsfeier übertragen worden. Ein Pogrom-Antlseinit ist BHdungs- und Innenminister in Thüringen. Wie aus W e i m a r gemeldet wird, haben sien die Rechtsparteien in Thüringen über die Bildung einer rechtsradikalen Regierung mit den Nationalsozia» listen geeinigt. In der Regierung, die in einigen Tagen vom Landtag gewählt wird, verwaltet die beiden wich* tigsten Ressorts, das Ministerium des Innern und das der Volksbildung, der Nationalsozialist Dr. F r i c k aus Mün* chen, der einer der Führer des Hitler «Putsches in München im Jahre 1923 gewesen und wegen dieser Teilnahme zu einer Festungsstrafe verurteilt worden war. Die Nationalsozialisten haben außerdem einen Staatsrats» postön in der Regierung, der vom Handlungsgehilfen Willy Marschler besetzt ist. . Zum erstenmal wird in Deutschland ein Na» tionalsozialist ein Ministeramt bekleiden. Das „Berliner Tageblatt" bezeichnet es als beschämend, daß sich die bürgerlichen Parteien dem nationalsozialistischen Diktat gebeugt und einen Mann wie Frick als Polizei« und Kul« tusminister hingenommen haben. Der Regierungskoalition gehört außer Landbund, Deutschnationalen, Wirt* Schaftspartei und Nationalsozialisten auch die Partei Stresemanns, die Deutsche Volkspartei, an. Schändung eines jüdischen Friedhofes in Litauen. — Die Polizei untätig. Kowno, 15. Jänner. (J. T. A.) Der jüdische Fried* hof des Städtchens Traschkun, Kreis Poniewesch, ist von bekannten Huligans des Ortes geschändet worden. 19 Grabsteine wurden umgeworfen und zertrümmert, so* dann die Gräber beschmutzt. Die jüdische Bevölkerung ist durch die Untätigkeit der Polizei, die die Schuldigen kennt, aber nichts gegen sie unternimmt, sehr erbittert. Zwangssonntagsriihe in Litauen. Kowno, 16. Jänner. (J. T. A.) Eine Abordnung des litauischen Rabbiner verband es besuchte den neuen Innenminister,, A r a w i tvs c h i u s und, .überreichte ihm ein Memorandum, in welchiem _. katastrophalen Fplgen des iZ wan gsson n ta g s r uh iege sc t zes für die jüdische Bevölkerung dargelegt werden und die Regierung ersucht wird, das Gesetz zu mildern. Der Minister versprach, dem Kabinett die Sache vorzutragen und das Verlangen des Rabbinerverbandes zu unterstützen. 65 jüdische junge Leute m Kowno verhaftet. Kowno, 16. Jänner. (J. T. A.) 65 jüdische Jünglinge und Mädchen wurden in Kowno bei dem Versuch, eine Straflendemonstration für Abschaffung der Todesstrafe bei politischen Verbrechen zu verunstalten, voh der Polizei verhüttet. Im Gefängnis wurden die mähnlichen und weibliehen Häftlinge fürchterlich mißhandelt. Sic sehen einer harten Bestrafung entgegen, da Straßenkundgebungen in Litauen unter das Kriegsgesetz fallen. Ein jüdischer Diplomat aus der Zarenzeit gestorben. London, 16. Jänner. Im Alter von 66 Jahren starb in London Gregory W i 1 e n k i n, früherer Finanz* a 11 a c h e" der kaiserlich*russisehcn Botschaft. Wilenkin war der erste Jude, der in den zaristischen diplomati* sehen Dienst aufgenor^— in wurde. Er war Finanzattache in Tokio und Washington und während des Weltkrieges direkter Vertreter des Finanzministers bei der russischen wird man lefcht von Erkaltung befallen. Man muß daher rechtzeitig Sorge dafür tiagen, daß im Hause nie fehle der in seiner schmerzlindernden Wirkung einzige DIANA» Franzbranntwein mit Menthol weTcher für Maswge, Einreibung. Umschläge und als Ourgelwasser gleich unentbehrlich ist Nehmen Sie nur Diana! Wertlos* Nachahmung»!! wclitit Sla •nU«hl*0«n aurlUkl Ueberau erhältlich. An die Freunde und Leser des Blattes! Wenn Sie der Ansicht sind, daß die „Nene Welt'* ein empfehlenswertes Blatt ist, geben Sie uns freund» liehst die Adressen von Freunden und Bekannten an. Wir werden denselben die „Neue Welt" durch mehrere Wochen zur Probe gratis zukommen lassen. Wenn wir uns bei der Werbung auf Sie berufen dürfen, bitte dies ausdrücklich zu bemerken. Ans der Zusendung erwachsen weder Ihnen noch den Empfängern irgend welche Verpflichtungen. Die Verwaltung der „Neuen Welt". Botschaft. Er fungierte auch als Vorsitzender der Finanz« kommission. Während der in Portsmouth (U. S. A.) im Jahre 1905 abgehaltenen russisch«japanischen Friedens« konferenz war er Privatsekretär des Grafen Witte. Er war in seiner für einen Juden im zaristischen Rußland kaum zu erreichenden Ausnahmsstellung immer bestrebt gewesen, die Lage der Juden in Rußland zu ver« bessern. Delegationen aus vielen Teilen der Welt pfleg« ten in jüdischen Angelegenheiten zu ihm zu kommen. In dem einen oder dem anderen Falle gelang es ihm auch, Erleichterung in der schwierigen Lage zu schaffen. Er war ein orthodox gesinnter Jude. An seinem Begräbnis nah* inen neben jüdischen Freunden und Vertretern der eng* lisch«jüdischen Gesellschaft auch die Mitglieder der ehe« maligen zaristischen Diplomatie und Politik teil. Die rus« sische Kolonie in London und die Mitglieder der frühe« ren kaiserlichmissischen Botschaft sehickten Kränze mit Schleifen in den kaisorlich«russischen Farben. Ueber 2000 jüdische Kanadaeinwanderer im letzten Halbjahr. Montreal, 16. Jänner. (J. T. A.) Im Laufe dos letzten Halbjahres sind 208? jüdisdic Einwanderer nach Kanada eingewandert. Klage' gegen einen Hetzpfarrer. Berlin, 16. Jänner. Vor dem Amtsgericht Amberg (Oberpfalz) war am 13. Jänner Termin zur Verhandlung der Beleidigungsklage angesetzt, die die beiden Vorstände der Ortsgruppe Amberg des Zentralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens, Kaufmann Bloch und Studienassessor God- 1 e w s k i, gegen den früheren Pfarrer M iinchmeyer auf Borkum verh6beri hatten; Nachdem Müaehiiteyer drei Verhandlnngstcrminon ausgewichen wai, er seinen er zum vierten Termin selbst, befolgte aber auch diesmal, die Taktik der Verschleppung. Im Laufe der Verhandlung, die sich über drei Stunden hinzog und der eine; große Zuhörermengc beiwohnte, stellte Münchmeyer Widerklage gegen die beiden Privatkläger, weil diese in einer Publikation behauptet hätten, er; Münchmeyer, sei wegen würdelosen Verhaltens als Geis tlieber seines Amtes enthoben worden und es sei schlimm um eine politische Partei bestellt, die sich feinen solchen Mann als Führer gefallen lasse. Der Widerklage, die auch dem Willen der Kläger entspricht, wurde stattgegeben. Auf Antrag der Kläger wurde dann zum Zwecke der Beschaffung von weiterem Be- . weismaterial gegen Münchmeyer die Verhandlung ausgesetzt und auf unbestimmte Zeit vertagt. — Pfarrer Münchmeyer hat vor kurzem auch in Wien eine Reihe blutrünstiger antisemitischer Vorträge gehalten. Ein neues jüdisches Durchwandererheim in London. London, 16. Jänner. (J. T. A.) Im Beisein des Chief Rabbi Dr. J. H. Hertz, des Präsidenten der United Syrtagogue, Lionel de Rothschild, Otto Schiffs, Ernst Schiffs und anderer Vertreter des englischen Juden« tums wurde in London durch Albert Van Den Bergh der Grundstein zu einem neuen Obdachlosenheim für durchreisende Juden gelegt. Die Baukosten für das neue Gebäude werden 35.000 Pfund betragen. Es wird sechs Stockwerke hoch sein und eine Synagoge, eine eigene Küche, Speise« und Baderäume und vier Schlaf«» räume mit 108 Betten enthalten. Auch eine Isolierabtei« Iung für kranke Insassen und Desinfektionseinrichtungen werden sich in dem Gebäude befinden. Das neue Gebäude dient dem Jewish Temporary Shelter, der seit ungefähr 40 Jahren bestehenden Wohlfahrtsinstitution für Emigranten, die sich über London nach Uebersee begeben. Der Chief Rabbi hielt beim Festakt eine Rede, in der er darauf hinwies, daß Jewish Temporary Shelter im Laufe seines 40jährigen Bestehens ungefähr 10 0.000 Men» sehen Hilfe gewährt hat. Allein im letzten Jahre wur* den 17 84 Emigranten beherbergt, von denen 76 Nicht* Juden waren. Es handelt t#ch um Emigranten aus Polen und den Randstaaten, die sich hauptsächlich nach den britischen Kolonien begeben. So hatten von den beherbergten Emigranten im vergangenen Jahre 1426 Südafrika, 32 Australien und 13 Kanada als ReisezieL Es wurden im Laufe des Jahres 62.662 Mahlzeiten verab« folgt. Der Vorsitzende der Institution, Otto Schiff, wies darauf hin, daß diejenigen Unrecht behalten haben, die die Notwendigkeit einer solchen Institution im gegen« wärtigen Augenblick nicht für dringend ansehen. Diese Meinung sei durch die Zahl von 574 Durchreisen* den, denen in den letzten drei Monaten Unterkunft ge# währt werden mußte, widerlegt.

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