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Die neue Welt · 1930-01-24 · Heft 123 (24.1.1930) · page 1

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Journal
Die neue Welt
Volume
4 (1930)
Issue
Heft 123 (24.1.1930)
Date
1930-01-24
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Preis C *~ V. b. b. BEZUGSBEDINGUNGEN Oesterreich monatlich S 1.50, vierteljährig S 4.20, ganzjährig S 16.—; Polen monatlich Zfpty 2.—. vierteljährig Zloty 6.— . Tschechoslowakei mpnatlich Kc. 6.— , vierteljährig Kc. 15 — , Jugoslawien monatlich Dinar 14.—, viertetiährig Dinar 40.—; Rumänien monatlich Lei 40.- vierteljährig Lei 120.— REVUE BEZUGSBEDINGUNGEN Deutschland monatlich Mark 1.— vierteljährig Mark 3.— , Bulgarien monatlich Lewa 40.—, vierteljährig Lewa 1.20 Hallen monatlich Lire 5.—, vierteljährig Lire 14.— Schweis und die (Ihrigen Länder monatlich Schweizer Francs 1.50. vierteljahrig Schweizer Francs 4£0. . _ ........... _..........._______ HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER Redaktion und Verwaltung: Wien, IX., Universitätsstraße 6—8 Telephon: A25-2-82 — Erscheint reden Freitag ■ * ' ^^^g^^^ /ahrsfanQ 4 Freitag, den 24. Jänner 1930 Nr. 123 Bedeutsame Erklärung General Smuts über den Sinn der BalfourDeklaration« Auf einer Rundreise durch die Vereinigten Staaten' wurde der frühere südafrikanische Premierminister General Smuts in New York von der Zionistischen Organisation festlich empfangen. General Srnuts nahm Anlaß, eine authentische Erklärung über; den Sinn der Balfour-Deklaration, d. h. über die Absichten der Staatsmänner, welche sie verfaßt hatten und zu denen er gehörte, zu geben. In seinem Lande, sagte Smuts, sind alle Juden Zionisten und alle Christen Pro-Zionisten. Die Balfour-Deklaration wurde in der dunkelsten Stunde 40s Weltkrieges erlassen, und sie.wirdaufrechterhalten bleiben. Das Dokument war kurz, aber jedes Wort sorgfältigst erwogen. Es war keine Geste, es war eVa Verpflichtung zu einer positiven, definitiven und konstruktiven Politik. Der Sinn war nicht, alle Juden der We|t nach Palästina zu bringen, ihr Sinn war, Palästina zum jüdischen Nationalheim zu machen, fn welches jeder Jude kommen darf, frei, ungehemmt. \-\; Es. darf fkein Hindernis für Juden jgefben,; welche •^ißft1-in i^läStinä;' inf item Nätfon^lheim. anzusiedeln Wünschen*, Gesetz und Ordnung müssen gewahrt werden. Klares Wollen und klares Wort. „Niemand ist stark oder reich genug, um ein Volk von einem Wohnort nach einem anderen zu versetzen. Däs vermag nur e i n e I d e e. Die Staatsidee hat wohl eine solche Gewalt." Theodor Herzl: „Der Judenstaa t". I Theodor Herzl sprach aus, daß die Juden ein Volk.:sitid. „Wir sind ein Volk,.Ein Volk!" Und er wollte'.für dieses Volk einen Staat, den Juden- Staat. Weil er Großes unerschrocken, ehrlich, ganz ujizweideutig aussprach, kamen Juden zu ihm, vor allem die, jungen Juden. Sie kamen nur deshalb zu ihm, weil sein Wort und sein Wollen klar war, einfach,- groß; Um ihn und sein Wort entstand die Zionistische Organisation. Die Zionistische Organisation war eine Zusammenfassung von Menschen, und alle Wejt"wußte,, wozu sich diese Menschen bekennen un^.wqs sie erstreben. Und die Umwelt nahm Stellung;; freundlich oder feindlich, aber sie nahm Stellung./J& begann das große Lieben und das große tfäss&n, die Bewegung um den Zionismus. Aus der Bewegung um den Zionismus schöpfte die Organisation^ i,hre Kraft, eine ganz ungeheure Kraft. Unter Verhältnissen, welche dem objektiven Beobachter trostlös scheinen mußten, hielten die Zionisten stand. Die,-Türken, Herren von Palästina; Einwanderungsvepböt' für Juden; die große jüdisch© Mehrheit, unter ihnen die Reichsten und Einflußreichsten, gegen das Bekenntnis zur Nation, gegen das Bekenntnis zum kan'fe;- 'Dutzende diplomatischer Versuche Herzls ges&lreitert.'. . . Aber die Zionistische Organisation hiel^stand. In den Tagen der Entscheidung, nach dem Weltkriege, erwies sich das zionistische Wollen stärkör als die Kraft der Einflußreichen, der Reichen, d'er;Mißgüristigen. Die Völker erkannten das jüdische Volkirhd: sein Recht. Das . klare Wollen und das: ehr-- licKeV unzweideutige Wort hatten . gesiegt. Klares Wollen'und ehrliches Wort sind" die Tragpfeiler des ^ippi^lis.;- '^er sie - .untergräbt, untergräbt den Zionismus. V. . y-;jv_ * y;' ..'. Auf dem Parteitage der deutschen Zionisten in Jena',sprach'der Führer der Zionistischen WeltqrganisäMön, .Weizmann. Er berichtete von einer Weisung, y(ejqhe^er seinen Mitarbeitern;in. der Leitung auf den mitgegeben hatte, als sie vor die britische Utitersüchungskommission in Palästina gerufen wur- Es darf unter britischer Flagge keine Pogrome geben. Die Balfour-Deklaration war nicht gegen die Araber gerichtet. Wenn irgend eine Nation mit siegreich wehenden Fahnen aus diesem Kriege hervorgegangen ist, ist es das arabische Volk. Arabische Königreiche sind aufgerichtet worden. Wenn nun auch den Juden ein Platz als ihre nationale Heimstätte eingeräumt wurde, so kann darin kein Zeichen der Feindseligkeit gegenüber den Arabern erblickt werden. , General Smuts schloß mit einem eindringlichen, eindeutigen Hinweis auf das arabisch-jüdische Problem. Erst müsse, sagte General Smuts, die Zahl der Juden in Palästina eine, bedeutsame Höhe erreicht haben. Erst dann wird das Problem des Friedens mit den Arabern aktuell. Ich wünsche nicht, sagte General Smuts, daß sich, des jüdischen VoI%SvMißtrauen gegenüber Großbritannien bemächtiget Großbritannien Wird die dem jüdischen Volke' geleistete' Verpflichtung'' erfüllen. (J. T. A.) den. Diese Weisung lautete: „Wenn man euch fragen wird, ob wir Zionisten die Majorität in Palästina erstreben, so saget: Wir'wollen die Durchführung des Mandates. Ob dies zu einer jüdischen Majorität führen wird, ist schwer vorauszusagen!" Das heißt: „Wenn euch die Fremden fragen, dann weichet aus! Hütet euch vor dem klaren Worte! Gebet auf gerade Frage krumme Antwort! Unser Wollen bleibe unausgesprochen, verdunkelt. . . Die schärfste Waffe, welche Herzl dem Zionismus schuf, ist das klare, gerade Wort. Es dringt ins härteste Herz, in härteste Gewissen. Die Weisung, welche Weizmann den Zionisten in Palästina gab, ist ätzende Säure auf die blanke Waffe, sie macht sie schartig, stumpf. Zionismus auf Schleichwegen. Zionismus als Schmugglerware. Wer wird sie kaufen? Wer läßt sich täuschen? Der Grundpfeiler des Zionismus ist das einfache, ehrliche Wort. Wer an der Wirkung des klaren Wortes zweifelt, hat den Zionismus preisgegeben.. Zionismus als eine Sache für findige Advokaten, ist rettungslos verlorener Prozeß. Zionismus ist eine ehrliche Antwort auf eine ehrliche Frage, Das ist seine Kraft, das ist seine Schönheit. Nicht so sagen und nicht so sagen, da schweigen und dort sich drücken, sich krümmen, sich klein' machen. — Das sind Künste des Ghettos, die letzten Endes immer versagten. Zionismiiis igt klares Wollen und klares Wort. Robert Stricken Sechs Millionen Dollar werden gesammelt, davon zweieinhalb Millionen für Palästina.. New York, 19. Jänner. (J. T. A.) In einer geineinsamen Konferenz von Vertretern des Joint Distribution C o m Hi i i t e e und Vertretern der J e w i s h Agency wurde ein Abkommen getroffen, demzufolge im Jahre 1930 in einer gemeinschaftlichen 7 Kampagne 6 Millionen- Dollar aufgebracht werden sollen, Dieses Abkommen unterliegt, wie Herr Felix M. Warburg mit« geteilt hat, noch der formalen Bestätigung durch das Executive Committee des Joint, das in kürzester Zgit hierüber Entscheidung zu treffen haben wird. Von den aufzubringenden 6 Millionen Dollar sollen'dreieinhalb Millionen dem Joint für die durch ihn laufend zu leistende W i e d e r a u f ba u a r b e i t zur Verfügung stehen; zweieinhalb Millionen sollen der Jewish Agency ^mmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmnmmmmmm Alle im redaktionellen Teil befindlichen entgeltlichen Notizen sind durch ein beigefügtes E bezeichnet. KOHLE KOKS ANTHRACIT höchster Quant!» BÄSCH. IV. Argentlnierstraße 22 Tel Anbau "-46-403 Telephon y.41-2,8: zur Verwendung im Rahmen ihres im verganger Sommer in Zürich angenommenen Aktionsprogrami übergeben werden. Auf Grund dieser Vereinbarung werden sich zum ersten Male diejenigen Kre.ise, die bisher zu dem Hilfswerk des Joint beigetragen haben, und die Kreise, die innerhalb und außerhalb des Rahmens der Zionistische n Organisation für Palästina tätig gewesen sind, in der' Organisation-einer großen einheitlichen Sammelkampagne für beide Zwecke vereinigen. Die gesamte Ueberwachung und Leitung der 6-Millioneu-Dollär- Kampagne soll in die Hände eines Komitees, das sich aus den Herren Paul Baerwald, David B roßler, Richter William M. Lewis und Morris Rothenberg zusammensetzt, gelegt werden. Diesem engeren Komitee wird ein' breiteres Advisary Committee zur Seite stehen, dem prominente Führer des amerikanischen Judentums angehören werden. In kürzer Zeit werden von Herrn Felix M; War b u r 'g die Namen der Ehrenpräsidenten und die der anderen Ehrenbeamten der Kampagne bekanntgemacht werden. Die Abmachung ist nach voran., gegangenen Beratungen mit der Zi o n is tis chen Organisation von Amerika, Ha dassah ' und M i s r a c h i getroffen worden, die ihre volle Mitwirkung an der Kampagne zugesichert haben. * Dieses Abkommen, welches für die unterschiedlichen Palästinazwecke eine bedeutende Summe in Aussicht stellt, schafft eine neue Situation, welche noch gründlich zu erörtern wäre. Eine der Folgen wäre die Liquidation des Keren Hajessod in Amerika. Es ist die Meldung abzuwarten, was bezüglich des Keren Hajessod beschlossen wurde und welcher selbständige Wirkungskreis der- Zionistischen Organisation' in Amerika züge* dacht bleibt. Einstein für eine Friedenskopfsteuer. Auf einer Versammlung des „Jüdischen Eric* densbundes" in Berlin gelangte eine Botschaft von Professor Albert Ei n s t e i n zur Verlesung:;,Däß der Geist die beste Waffe ist, hat das Judentum in seiner Geschichte bewiesen. Mit Gewaltmitteln unterdrückt^ hat es, Kriege verschmähend, seiner Feinde gespottet und zu* gleich der Welt eine Friedenslektion erteilt. Heute, da die Besten der Welt die Friedensidee durchzusetzen sich bemühen, haben wir Juden der Welt unsere jährt tausendalte leiderprobte Erfahrung zur Verfügung zu stellen und, getreu auch der ethischen Tradition unserer Väter, das Judentum und uns als Juden zu Soldaten des Kampfes für den Frieden zu machen im Verein mit den Edelsten aus allen Kulturkreisen und Religionen. Prak« tisch notwendig ist entsprechend den die Völker ver* derbenden Kriegsbudgets — ein Friedens« b u d g e t." Einstein fordert daher am Schluß1 seiner Kundgebung eine jüdische Friedenskopf« Steuer, die mit je einer Reichsmark umzulegen wäre. Das Rote Kreuz und die Antisemitin Miß Newton« ^ach einer Mitteilung der in Haifa erscheinen-» den arabischen Zeitung „El Ka r me 1" hat das; b r i t ische Rote Kreuz die von ihre? Aussage vor der Untersuchungskommissiott her bekannte, in Palästina ansässige Engländerin Miss Newton beauftragt, an die durch dieSafeder Unruhen geschädigten Araber Unterstützungshilfen zu verteilen. . * Die Persönlichkeit der Miss Newton ist in der Artikelserie „Die Totengräber des Zianii«

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