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Die neue Welt · 1930-01-17 · Heft 122 (17.1.1930) · page 7

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Journal
Die neue Welt
Volume
4 (1930)
Issue
Heft 122 (17.1.1930)
Date
1930-01-17
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
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Kf. m dib tmm WELT SeitelS „Staatsmänner" sind ans erhalten geblieben. Gott sei Dank) Wenn das Gedächtnis der zionistischen Intelleb tuellen nicht so kurz und ihr Mut zum Handeln nicht so klein wäre, sie hätten schon vor Jahren auf all die nieder« schlagenden Bekenntnisse der Führer von der Schwäche und Ohnmacht der Organisation mit der Frage antwoften müssen: Weshalb werden denn die Zügel nicht dem Manne überlassen, der diesen Weg, als eigenen, vor Jahren gehen wollte, ohne all die erniedrigenden, müh« samen Versuche, leichter und rascher? (Ein weiterer Artikel folgt.) Wie der Ljubawiczer Wunderrabbi gerettet wurde. Stresemann und Gorkis Frau kämpften für sein Leben. In New York hält sich vorübergehend ein illustrer Gast auf: der Wunderrobbi von L j u b a w i c z. Er entstammt der Dynastie der Schneursons und gilt als das geistige Oberhaupt der russischen frommen Juden, die zu ihm mit der tiefsten Verehrung emporschauen und auf deren Tun und Lassen er hervorragenden Einfluß nimmt. Sein Einfluß und seine Macht übersteigen sogar um vieles die Wundertäter von Sndngora, Czortkow und Beiz. Berichterstattern gegenüber erzählte der greise Wunderrabbi, wie man ihn in Rußland zu Vor spa nndiensten für die Rc 1 i gionsreformen benützen wollte; als er sich jedoch weigerte, seine Getreuen laut den an ihn ergangenen Weisungen zu beeinflussen, wurde er des Staatsverbrechens bezichtigt und der Bürgerrechte für verlustig erklärt. Dann bemächtigte sich seiner die Tscheka, die ihn kurzerhand zum Tode verurteilte. Nur dank dem rechtzeitigen Eingreifen Stresemanns und der Gattin Gorkis, Madame Peszkowa, wurde die Exekution nicht vollzogen. Die Einzelheiten dieses verzweifelten Kampfes um das Leben des hochbetagten, aber vitalen und mutigen Wunderrabbis sind sehr interessant, da zumal neben Stresemann und der Gattin Gorkis noch andere Kräfte am Werke waren, hauptsächlich in Deutschland, um das unschuldige Opfer den Fängen der blutrünstigen Tscheka zu entreißen. Infolge seiner entschiedenen Weigerung, den Religionsreformen der Bolschewiken innerhalb der souveränen jüdischen KultuBgemeinden zuzustimmen, wurde der Wunderrabbi in Haft genommen. Als es trotz qualvoller Verhöre und anderer Schikanen dennoch nicht gelang, ihn mürbe zu machen, erhielt er in den Kerker sein Urteil zugestellt, einen kurzen, lapidaren Satz: „Na raschod!" („Erschießen!") Damit der fromme Mann nicht das Schicksal zahlreicher Geistlicher anderer Konfessionen teile, die infolge ähnlicher „Vergehen" hingerichtet wurden, setzten die Anhänger des Wunderrabbis alle Hebel in Bewegung, um die Vollstreckung des entsetzlichen Urteils zu verhindern. Es bildete sich in Moskau ein Rettungskomitee, das mit den Anhängern des Wunderrabbis, deren es zahlreiche auf dem ganzen Erdball gibt, in Verbindung trat. Insbesondere hat man sich in Deutschland bemüht, dem unglücklichen Gefangenen zu Hilfe zu eilen. Stresentann intervenierte wiederholt persönlich beim russischen Gesandten in Berlin Krestinski, der die Intervention nach Moskau an den Vorsitzenden der Tscheka, Menszinski, in dessen Händen das Schicksal des Wunderrabbis ruhte, •weiterleitete. Auch der deutsche Vizekanzler Weißmann trug das Seinige bei, um das bittere Los des alten, kranken Mannes zu erleichtern. In Moskau wiederum war es die erste Gattin Maxim Gorkis, Madame Peszkowa, die bis zu Kalihin, Rykow und Menszinski vordrang, um den Wunderrabbi zu retten. Sie setzte alles daran, bis das Todesurteil in eine fünfjährige Verbannungsstrafe nach den Solowezkinselri umgewandelt wurde.. Des Jubels war darob unter den Chassidim kein Ende, die Ernüchterung folgte jedoch auf dem Fuße, denn man wußte bald sehr genau, daß dies für den alten, kranken Manu den sicheren und qualvollen Tod bedeute, da diese am Eingang des Onegabusens im Weißen Meere gelegene Inselgruppe — die russischen „Teufelsinseln'- —* alles eher denn eine Lebensmöglich' keit für den empfindlichen Wunderrabbi boten. Wiederum wurde Madame Peszkowa die Fürbitterin des Gefangenen; sein Schicksal ging, ihr sehr nahe, sie scheute keine Mühe und wurde wiederum bei den russischen Machthaber n vorstellig; sie rief ihnen, nicht das Odium einer Verschickung des Wunderrabbis Schneurson, auf sieh zu laden, da dies in der ganzen Welt die größte Entrüstung her von rufen w.e r d e. Von Deutschland aus, insbesondere seitens der Rabbiner Dr. Hildesheimer und Dr. Beck von der orthodoxen und reformierten Berliner Judengemeinde, wurden neue Schritte in Rußland eingeleitet, und den gemeinsamen Bemühungen gelang es, auch dieses Urteil mildern zu lassen: der Wuuderrabbi wurde zu drei Jahren einfachen Kerkers verurteilt. Nun setzten Schikanen ein, um den kranken Mann mürbe zu machen. Um seine Zustimmung zu den Religionsreformen dennoch zu ermessen, verweigerte 4man die Zulassung von rituellen Speisen, zwang ihn, an Samstagen eine Reise anautreteu usw„ was für. den, frommen Mann die ärgste Tortur bedeutete. Dennoch blieb ei standhaft und sein mutiges Verhalten hat .sogar bei" den ,,Tscheka"-Schergcn tiefe Bewunderung ausgelöst. Unaufhörlichen Bemühungen gelang es endlich, den todkranken Mann ganz freizubekommen — er mußte jedoch . Rußland verlassen. In Amerika, wohin er nach jahrelanger Unterbrechung wiederum kam, um seinen Getreuen den Segen zu ppenden, wurde der Wunderrabbi von Ljubawicz mit den denkbar größten Ehren empfangen. Weil er gerecht ist — Liebe Töchter. Moskau, 10. Jänner. Die Minsker jüdischen Kommunisten fordern die Absetzung eines Richters, der im Rechtswege die fünf Töchter eines der ältesten Minsker Rabbiner, des Rriw Bloch, zur wirtschaftlichen Unterstützung ihres Vaters verurteilt hat. Die Töchter sind verheiratet und wirtschaftlich zur Unterstützung ihres Vaters imstande. Sie wandten vor dem Richter gegen die Ausübung ihrer in der Sowjetgesetzgebung festgesetzten Unterhaltspflicht ein, daß eine Unterstützung ihres Vaters eine Unterstützung der Religion bedeuten würde. Diesen Einwand Heß der Richter nicht gelten. Die1 jüdische Regierungsabteilung (Jewsektia) in Minsk sieht in dieser Entscheidung eine Ermutigung der religiösen K reise, also einen konterrevolutionären Akt, und fordert die A bsetzung des Richters. Die jüdischen Kolonien werden zwangsweise mit nichtjüdischen zusammengelegt. , Moskau, 10. Jänner. Der ganze Bezirk von KaIinindorf, der erste jüdische Bezirk der Sowjetunion, ist zum 1. Jänner zu 100 Prozent kollektivisiert worden. Seit Neujahr stellt er ein vollständig zusummene r I n Ii h b Richard Herzog I. , Adlergasse 9 T«l. R.aS.4-90 II. , Kl. Plarrg. 28 T«l. A-41-0-ä4 ls§ sowie Radio-und Rundfunkgeräte jeder Art, ferner _ jodische und hebräische SchiBipiorlen Ii sowie alle modernsten Tanz- und Gesangsschlager |ü „;.... in reichster Ap8Wähl auf Lägerl Auch Teilzahlungen 1 iPrövinzyersand! hängendes kollektives Wirtschaftsgebiet dar. Auch die jüdischen Kolonien von Cherson, Krivojrog und N i k o p o 1 werden, wie jetzt mitgeteilt wird, im Laufe des Jahres 1930 voll kollektivisiert werden. Genau so wie unter den nicht jüdischen Bauern, gibt es auch unter den jüdischen Kolonisten scharfe Gegner der Kollektivisierung. Agitatoren gegen die Kollektivisierung werden aber aus den organisierten Kollektiven ausgeschlossen und gezwungen werden, ihren Boden zu verlassen. * Bei der Durchführung der Kollektivisierung der landwirtschaftlichen Betriebe in Sowjetrußland sind auch in jüdischen Siedlungen Schwierigkeiten von Seiten der Siedler entstanden. So weigern sich 46 von den 50 ansäßigen Familien, in der jüdischen Siedlung NedWeschinebei Minsk zusammen mit umliegenden nichtjüdischen Siedlungen ein Kollektiv zu bilden. Nach einer Verfügung des weißrussischen OZET vom 5. Jänner haben sich die 46 Familien in einer Frist von 10 Tagen zu entscheiden, ob sie gemeinsam mit den, nichtjüdischen Bauern das Kollektiv bilden wollen, widrigenfalls sie ihren Boden verlassen müssen, * In Amerika wurden unter den Juden viele Dollarmillionen gesammelt und an Sowjetrußland gegeben, um „jüdische" Kolonien zu gründen. Jetzt ist klar, welchem Schicksale diese Kolonien entgegensehen. Sie werden mit jüdischem Gelde geschaffen, dann zwangsweise entjudet, kollektivisiert, wie die Moskauer sagen. Was Moskau vom Zionismus „berichtet*4. Moskau, 10. Jänner. (J. T; A.) Die offizielle russi» sehe Nachrichten*Agentur TASS berichtet aus Konstant!» nopel, daß der Vorsitzende der Zionistischen Palästina» Exekutive Harry Sacher und der bekannte Führer der jüdischen Pflanzer Mosche S m i 1 i a n s k y vor der Pa> lästina*Untersuchungskommission das Folgende ausgesagt haben sollen: Die Hoffnung auf den Aufbau Palästinas als jüdisches Nationalheim betrachten wir als ein dummes Ammenmärchen. Unser Ideal ist, daß Palästina in eine britische Kolonie mit national» kultureller Autonomie für die Juden verwandelt werden soll Auf Grund dieses Telegramms schreibt „P raw'da" |n ihrem Leitartikel vom 4. Jänner, die zionistischen I Hl f M Im ■Jt* TT » SITMAB SHBSBB^^ (i Nach ÄGYPTEN und PALÄSTINA mit den Luxusdampfern Ii it ff II VWVIIIU ff ■undfahrUn Im Mltt«lm««r Genua - Neapel - Sizilien - Aegypten - Palästina — Syrien — Zypern — Konstantinopel — Athen — Neapel — Marseille — Genua zu besonders ermäßigten Preisen Auskünfte: .SItmar', I. Kärntnerring 18 (Ecke Schwflfsenbergplate) Telephon U-45009 1-1 . 11 4. L'BSBgSsBBBB 'II W'lWi „ I'JlgSB^ggEBBtffl Führer gäben nun endlich selbst zu, daß die Errichtung des Nationalhcims ein Ammenmärchen ist, hinter dem sich das wahre Bestreben verbirgt, England bei der Behauptung Palästinas als Kolonie zu helfen. England braucht Palästina als Kolonie, um die britischen imperialistischen Interessen am Suez* kanal zu schützen. Die Zionisten haben sich frei« willig dazu hergegeben, der Stock in der Hand Groß« britanniens zu sein, mit dem die arabische nationale Be* wegung niedergehalten wird. Daher tun, schreibt „Prawda", die palästinensischen Araber richtig daran, d i e Zionisten in gleicher Weise zu hassen wie die Engländer. TASS verbreitet ferner die Nachricht, daß im „Dawar", der Zeitung der palästinensischen jüdischen Arbeiterschaft, an die britische Regierung die Forderung gestellt worden sei, den Fellachen den Boden wegzunehmen, und ihn den Zionisten zu übergeben. Die Juden von Cuba. Von Arnold Roller (Havana). . H. Die jüdischen Arbeiter im „Schwitzsystem". Nicht alle der in Cuba Neueingewanderten gelangten zu selbständiger Position. Viele von ihnen sind heute noch Lohnarbeiter, darunter ungefähr 1000 Industriearbeiter in Ha.va.na., In den kleineren Orten haben sich die Juden größtenteils dem Straüenhandel und Kleinhandel zugewendet. Die Hälfte der Industriearbeiter ist in der Schuhindustrie beschäftigt, deren Unternehmer entweder Jud«n odor Cubaner sind, während der Rest in der Nadelindustrie unter jüdischen Chefs tätig ist. Die Lage in der Nadelindustrie ist der vor einem Vierteljahrhundert in NeW York herrschenden ähnlich: überall das „Schwitzsystem" und Heimarbeit, so. daß die Begriffe Elend und Schundlohn mit dem Begriff Nadelarbeiter identisch sind. Vor kurzem wurde eine Schnei" dergewerkschaft gegründet, die eine; Selbstündigmachung zahlreicher Sehneidergruppen sur Folge hatte. Heute sind die jüdischen Schneider mehr oder weniger unabhängig, beschäftigen je zwei Gehilfen, die^ mit der Zeit die Konkurrenten ihrer Meister werden. Der fortwährende Austritt der Gesellen aus der »Union'Y um selbst Finnenchef zu werden, verhindert eine wirksame Organisation. In den großen Kleidergeschäften und Modehäusern verwenden die jüdischen Eigentümer hauptsächlich eubanische weibliche Angestellte, die 4 bis? Dollar pro Woche verdienen. Anfang des Jahres 1929 brach ein scharfer Kampf der jüdischen Schuhmacher gegen ihre Unternehmer aus. Schon bei der Ankunft auf der Insel waren sie der Gewerkschaft beigetreten und stellen heute ungefähr die Hälfte aller Schuhmacher dar. Ihre Löhne betragen zurzeit 8 Dollar für Lehrlinge und 25 Dollar für gelernte Arbeiter; das ist das Resultat der Streikbewegung, Die Unternehmer fanden ihre Revanche darin, daß sie die Regierung beeinflußten, die Streikführer zu deportieren, so Wochen-Kalender 1 jännei I 1930 TOB ann Tebeth 5690 17 Freitag 17-p Sabbatolngang 4,25 18 Samstag il-m Sabbatatisgang 5.15 ranp*i nhöün ,rw 19 Sonntag II-»». •■ ■ io Montag 20-3 n Dienstag I1-H3 n Mittwoch 22-33 St Donnerstag It^P

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