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Die neue Welt · 1930-01-17 · Heft 122 (17.1.1930) · page 6

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Journal
Die neue Welt
Volume
4 (1930)
Issue
Heft 122 (17.1.1930)
Date
1930-01-17
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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rgtffes DIE NEUE WELT N*. W2 Rai■ fewnen, und die Tateache, dafl sie auch ihr Trott in Zeiten des Höhepunktes und der Verbannung gewesen ist, nimmt sie nicht aus der Kategorie gefähr- Hefte» Ttttscfonfea aas. Die Jaden sind zu sehr geneigt, skh seÜwt durch Lügen au trösten. Die Wahrheit dieser Behauptung wird durch die Psalmen bewiesen." Henri Torfe«, der Verteidiger Schwartbarths, in Berlin. Henri Tor res, einer der angesehensten Pariser Anwälte, ist in Berlin eingetroffen und hat als Gast der Deutsch -Französischen Gesellschaft einen Vortrag „Ucber die Geschworenen" gehalten. In einem Gespräch mit Berliner Pressevertretern äußerte sich Henri Torres auch über den Prozef? Schwarzharth, Bekanntlich hat Torres den Juden Schwarzbartb, der den ukrainischen lletman Petljura ermordet hat, vor dem Pariser Geschworenengericht verteidigt. Petljura, sagte Torres, war der einzige Verantwortliche für die Schandtaten in der Ukraine. Man braucht nur daran zu denken, daß seine Soldaten mit dem Rufe: „Es lebe unser Vater Petljural" ihre Opfer gemordet und geschunden haben. Hätten die Geschworenen Schwarzbarth nicht freigesprochen, dann hätten sie den tiefsteh Sinn der Gerechtigkeit, den Willen Frankreichs gefälscht. Es waren Geschworene, die ihn freigesprochen haben, wirkliche Geschworene. Morgen werde ich Ihnen in dem Vortrag erzählen, warum Frankreich niemals ein gemischte« Gericht an Stelle der Geschworenen setzen wird: die Geschworenen sind die Republik, dafl weiß jedes Kind in Frankreich. EsgibtkeineRepublikohnoGeschworen e." — Torres zeigte in einer Rede, die die Zuhörerschaft in Bann zwang, ein Bild von der Entstehung und Entwicklung der Geschworenengerichte in Frankreich, die er als eine republikanische und demokratische Errungenschaft der großen Revolution pries, und die großen Strafprozesse der letzten Jahre in Frankreich Revue passieren ließ. Dabei hielt er sich länger bei dem Prozeß des Juden Schwarzbarth auf, der den ukrainischen Ataman Petljura, den er für die Pogrome verantwortlich machte, getötet hat. Er schloß unter einem Beifallssturm mit einem Bekenntnis zum Frieden, zur Zivilisation und zur Völkerverständigung. Torres ist Jude und Förderer des Palästina werk es. Die Kinderrepublik Ben schemen in Palästina. Selten ist es einem sozialen und pädagogischen Werk gelungen, die Sympathien weiter Kreise in dem Maße zu erlangen, wie dem Jugenddorf Bensen emen. In diesen Tagen hatte' nun der Schöpfer dieser Jugendrepublik, Dr. Siegfried L e h m a n n, der zu einem kurzem Besuch in Berlin angekommen ist, Gelegenheit gehabt, vor einem zahlreichen geladenen Kreise der Freunde dieses Werkes, über die Entwicklung Benschemens in den letzten zwei Jahren zu berichten und die in dieser Zeit angesammelten, vom pädagogischen Standpunkt aus sehr interessanten Erfahrungen mitzuteilen* Es galt zu beweisen, daß das immer wachsende Interesse für dieses Werk berechtigt ist und daß die sehr beachtliche Energie und Arbeit der Freunde Benschemens in : Deutschland nicht umsonst aufgewendet .wurde. In seiner sachlichen und ruhigen Art, ohne die Erfolge zu übertreiben und die* Fehler zu vertuschen, entwickelte Dr. Xehpaann ein #iid der Arbeit in der Wirtschaft und in der Schule in Benschemen. Beginnend mit dem K l e i n k i n d e r h e i m,. in dem die Kinder von 3 bis 8 Jahren erzogen werden, über das Schulkinderheim (von 8 bis 13 Jahren) bis zur autonomen Jugendgemeinschaft (14 bis 18 Jahren)' geht alles von der Idee au«, daß die wahre Erziehung nicht in dem autoritären Zwang, solidem in der freien Entwicklung der eigenen Kräfte der Jugend besteht. Wenn z. B. die autonome , Jugehdgruppe ein Vergehen einiger ihrer Mitglieder . im eigenen Jugendgericht dadurch ahndet, daß die ganze Gemeinschaft aus ihrem kargen Taschengeld den Schaden ersetzt, den einige Jungens angerichtet haben, so bedeutet das ein solches Maß von Selbst würde und Selbstverantwortung, das manchen Geineinwesen von Erwachsenen abgeht. Diese jungen Bürger der kleinen Republik glauben nämlich, daß die Schuldigen durch das Bewußtsein, daß die anderen Kameraden für sie zahlen müssen, weit stärker betroffen Werden als durch die allgemein üblichen Strafen, und daß andererseits die ganze Jugehdgeraeinschaft für die mangelnde Erziehung ihrer Mitglieder verant- ÜSSSS »»n;til.. ...... ->HMMl [ »ehiwlttu9»UU»n Sfcliwh m er«m#. j Wimtf^httnM.SMt«t«h(l«inli|ttntti«9n I! SchimwhSJtnlMiwi vph Min« Otzwnbtr I I Ms Kim« USW. tMkwM. RorftlWwi. II* | iMifpItt«. B«h»^h«f A«f«nU\«nton HOTEL LMD PENSION TRINSEDHOF 1«W m & 4 U, In twvda« In*, mm m kirnt, m««*ra und o>Mt«n •IrtitrkMrt, fQ BftUn, ftffOvMj«« Kurt- und W«m> tttfttt, Z#ntrelb*liunflj untf tStfw. Ii* M*M»«*W»«wK<W*Nn»k»*pr«to«b rn.iao.tot v«rMnf«n *mm+ SIEQM. KORNMEHL 4«OSS*UIS<MHAUI«ll Zutnle IX., Bergguie 19, Tolephon l"?-3>99 u. 16-9-34 Lieferant t ü r Heilanstalten Abtintiw|tm für nyy»Fl«i«yh unter Aufsicht des Entwürdigen Kabbinata dar Inr. Kol» tosgemeinde Wien Atftasuetelluna kdfttante« IX. Nrfliaiie IS ✓ XVIII., W&hrlnfltritr. «7 wortlich ist. Ks resultiert daraus eine Einstellung der Jugend zu ihrem Dorfe als zu ihrer eigenen Sache, für die sie verantwortlich sind. Sehr bezeichnend ist die Beziehung derjenigen Schüler, die Benschemen schon absolviert haben und die »ich auf Arbeitsstellen außerhalb des Jugenddorfes befinden, 2U ihrem Helm. Die Zahl dieser Absolventen ist für einen Zeitraum von drei Jahren nicht klein. Die 30 Jugendlichen, die sich schon als vollgültige Arbeiter in verschiedenen Siedlungen im Lande befinden, haben den Entschluß gefaßt, nach einiger Zeit nach Benschemen zurückzukehren, um dort ein Jahr lang unentgeltlich zu arbeiten und so den jüngeren Kameraden zu keifen, die Wirtschaft aufzubauen. . Dr. Lehmann illustrierte seine Ausführungen durch ungemein interessante Beispiele aus den Einzel- Bchicksälen der Kinder von Benschemen und durch Auszüge aus Protbkollen der Jugendversammlungen. Einen besonders nachhaltigen Eindruck machte auf die Anwesenden der neue, eben fertiggestellte Film, in dem das Leben und Treiben im Jugenddorf gezeigt wird. Alles in diesem Film ist so lebendig und unmittelbar, daß sogar gewisse technische Mängel ihn für den Betrachter wertvoller erscheinen lassen, indem man deutlich spürt: es ist hier kein „gestellter" Film, sondern er ist mitten in der Arbeit und durch die eigenen bescheidenen Kräfte aufgenommen. Man sieht die frischen Jungen und MUdels im Felde und in der Küche, bei der Arbeit und auf der Wanderung, beim PtU'imspiel und bei der ernsten Gemeindeversammlung und bekotomt so einen lobendigen Eindruck von der Ungeheuren erzieherischen Arbeit, die die kleine Sohar von mutigen Pädagogen dort leistet, und bekommt Respekt .vor der Leistung, die da vollbracht wurde: in dem kurzen Zeitraum von drei Jahren aus dem Nichts und ohne genügende Mittel nicht nur qualitativ eine Müsteranstält Vfür Erziehung, sondern auch rein quantitativ das größte jüdische landwirtschaftliche Erziehungsheim mit J70.Kindern geschaffen. '*•?*« . "•"!«•..» ,-:■» W*HX«ff"> -.,.\ ».'-.'',7 *u((iabeijff,„ s^/t^..^st..,.».,f. (Ito.) ' Die Flucht in die Von Dr. Julius Döhäny (Novi Säd, Jugoslawien). Der Herausfleber der „Neuen Welt" er* hielt vom Verfasser einen, die Laße in der Zionistischen Organisation kennzeichnenden; Brief, in welchem es u. a. heißt: „Ich war biB vor zwei Monaten Vizepräsident! der jugoslawischen Zionistischen Or# ganisation, jener „gutgesinnten" Organisation, ein welcher nie ein Wdrt der Kritik an der Leitung, der Weltorganisation laut wurde, welche nie ein Zeichen leisester Opposition kundgab. Ich habe vor zwei Monaten meine Stelle als Vizepräsident, welche Ich sieben Jahre bekleidete, niedergelegt. Ich glaube, Jugoslawien mit seinen vier Kongreßdele» gierten kann nicht weiter unter den Ja* Sägern sitzen. Ich möchte gerne eine Aktion unter den vielen Gleichgesinnten uh» ternebmeh. Wir haben kein anderes Blatt, das den gewünschten Einfluß auf das zio« nistische Publikum nehmen konnte, als das Ihre: Ich bitte Sie daher um Ihre publizisti* sehe Hilfe." in letzter Zeit spricht man viel von einem fran* zösischen Buche, dessen Autor, dem Namen nach Jude, Emanüel Berl, besonders das moralische Elend der Intellektuellen und ihrer Literatur beklagt., Daß sie keinen Mut haben, ihren Idealen nachzugehen, ihre Gesinnung offen zu bekennen, und ihre Literatur keinen Mut mehr hat, die Wahrheit zu sprechen, weil es bequemer ist, mit der Mehrheit, mit der Regierung zu sein, oder wenigstens so zu reden und handeln. Seit zwei — drei Jahren schon sehen wir, daß in Propagandareden und in der offiziellen zionistischen Presse das Lippenbekenntnis der nationalen Existenz des jüdischen Volkes herumgetragen und „der jüdische Staat unterwegs" in allen Tonarten verkündet wird, wobei Zuhörer und Redner wohl wissen,, daß durch das so oft gehörte Bekenntnis der Führer, „wir sind sehwach und verfügen über keine Macht, wir müssen uns erst Positionen im Lande schaffen", alles Gerede von der internationalen Anerkennung des jüdischen Volkes als ebenbürtigen Gliedes, der Völkergemeinschaft längst zur leeren Phrase geworden ist. Die intellektuelle Menge der Zionisten läßt sich diese Zwiespältigkeit zwischen Reden und Gesinnung seit Jahren gefallen und tut, mit wenigen Ausnahmen, trotz der großen Ver« antwortung diese Zwiespältigkeit mutlos mit. Alle Intellektuellen wissen es, daß Staatsmänner | allen Zeiten nur diejenigen waren, welche gestaltend, vor* wärtsdrängend auf das Schicksal ihres Volkes einwirk« ten, welche die Ereignisse voraussahen, nie aber die« jenigen, welche den Ereignissen nachgelaufen sind. Und doch sprechen die Redner und schreiben die Zeitungen von unseren führenden zionistischen Staats* männern, obwohl wir alle wissen, daß sich in den letzten drei bis vier Jahren die Tätigkeit unserer zionistischen Führung ausschließlich darauf beschränkte, in politischen Fragen nach erfolgten Entscheidungen Klagen zu er» heben, und das nicht einmal bei der Mandatarmacht, nur bei der palästinensischen Verwaltung. Was die Exekutive In bezug auf lebenswichtige Fragen unternahm, wie z. B. in Frage der Staatsländereien, Zollpolitik gegenüber Syrien, Teilnahme der Juden an der Gendarmerie, Po* lizei usw., war nur langsame Reaktion auf db stets ver» höhnten, für schädlich erklärten Aktionen einiger energi» scher Männer, wie Jabotinsky und einer Reihe anderer Oppositioneller. Schon der letzte Baseler, und in nicht geringerem Maße der Züricher Kongreß, zeigte das Bild, daß Initiative von der Seite der Opposition ausging, und die führenden „Staatsmänner" nur zögernd folgten. Schon seit Jahrendulden die zionistischen Intellekt tuellcn den augenfälligen Gegonsatz zwischen Handlungen und Reden unserer „Staatsmänner". Im Jahre 1920, bei der Londoner Konferenz hatte der zionistische Führer Amerikas, Louis B r a n d c i s, der gerade vor einigen Tagen mit Recht auf seinen großen Anteil an dem Zu* standekommen der Balfour«Deklaration hinwies, die Ein» berufung eines alljüdischen Weltkongresses vorgeschlagen. Er sagte, es sei der nie wiederkehrende historische und psychologische Augenblick da, daß durch einen Weltkongreß, dessen Gelingen er und seine ein» flußreichen Freunde in Amerika garantieren, das Tempo des Aufbaues bestimmt werden kann. Man müsse den Juden klarmachen, daß es sich um die Ehre des ganzen jüdischen Volkes handelt, daß wir als ebenbürtiges Volk und Faktor der internationalen Politik anerkannt, mit einer einmaligen Anstrengung das große Werk und damit die Rettung von Hunderttausenden vollbringen können. Damals gab es noch keine organisierte ara« bische nationale Bewegung noch keine Krimkoloni* sation, der Joint hat die vielen Millionen Dollars in Ost» europa noch nicht verausgabt. In klarer und. großer Kon*. zeption wollte Brandeis den Gedanken des grandiosen Hilfswerkes mit dem Aufbau des nationalen Heimes ver» binden, dafür die große Begeisterung und das bezaubernde Neue ausnützen. Die heutigen „Staatsmänner" des Zio* nismus haben damals zum Sturme gegen diesen Plan gerufen. Sie „retteten" mit großer Begeisterung die nationale Richtung unseres Aufbaues vor dem .Ein,*, fluß der Nichtzionisten, sie „retteten" die Zionistische Organisation vor der Auflösung durch Brandeis. Brandeis mußte verärgert, verdrossen nach Hause fahren und fortab zur Seite stehen, weil sein Vorschlag mit ver* ächtlichen Worten als Verrat an der nationalen Sache abgewiesen und nicht einmal als Basis einer Behandlung angenommen wurde. Am Kongreß 1921 waren wir dann Zeugen, wie Weizmann allen Zweifeln an der Richtigkeit dieses Vor* genens begegnete. Die Vorschläge der Amerikaner und ihres Führers Brandeis wurden den Delegierten erst im Verlaufe des Kongresses zugänglich gemacht. Weizmann aber hat von der Tribüne des Kongresses aus Brandeis beiläufig folgendermaßen charakterisiert: „Ich ging zu ihm, um von den Chaluzim zu reden, welche vor den Toren Palästinas stehen und nicht hinein können. Und er fragte mich, wie das Wetter auf der See gewesen sei. In diesem Momente war dieser M a n n f ü r mich erledigt." Und seither hat die Organisation widerspruchslos zugesehen, wie lange Jahre hindurch dieselben „Staats» männer" mühsam und langsam den«Weg gegangen sind, dert Brandeis im Jahre 1920 gewiesen hatte. Nach ver« lorenen schweren Jahren sind wir dahin gelangt, daß in Zürich die Miniaturausgabe jenes alljüdischen Weltkongresses zustandekaro, den Brandeis wollte. Der Schöpfer der Idee, der die Ereignisse voraussah, der im Jahre 1920 sagte, was unsere „Staatsmänner" heute sagen, daß „Palästina nicht warten kann", daß die Zionistische Organisation „allein zu schwach ist", er mußte all die Jahre abseits stehen. Inzwischen hatten die Araber Zeit, sich zu organisieren, die amerikanischen, Juden hatten, Zeit, ihre Gelder für die Krimkolonisation zu vergeuden. Unsere Leitung aber, ihre Beamten, ihre Presse, unsere Daläftlna-Oranaen iTHiiitiiiittiiiiiiiiiiiiiiiiiii^F iiiuiiiiiiiiiuuiiiuiii^ § InAromaund asichmack vorxUgllch | s Bestellungen — auch nach Hause g 5 in Originalpackung zustellbar. s B' Pr«lMjt S § f KIM«, enthaltend BQ, 00, 71, 90 StUok J _ g I Orfelnalpik«!, enthaltend ^Jf^aJ 7.40 | I Firma S. HALPERNi äDelikatessenhandlung 3 Wltn, Itt ■Orfttrgttt* // Tel.-Nr. R-40-4-12 | iilllllllllllllllllllllllllllllMIIIIIIIIIHIIIIIIIIIIUIIIIIIIIIIIIIIIIui

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