Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 4 (1930)
- Issue
- Heft 122 (17.1.1930)
- Date
- 1930-01-17
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seife 2 DIE NEUE WELT Nr, 122 Bit!! 20 MONATE KREDIT f! Radlo-Ausiandsempfängar modemaier Typen mit PhillptrOfWMi von S 60.40 pto Monat aufwarte Lautsprecher aller bekannten Marken von S 2.88 pro Monat aufwlrt» LichtnetrempffHriger „Elektrofix" otit e AnodA und Akkun ulator von S 1B.60 pro Monat aufwärts Spelsezimmerluster mit Seidensohirm. fünfflammlg voi s 0.80 pro Monat aufwart« tfarrenzlmmerluster In gediegenster Ausführung von S 0.60 pro Monat aufwlrt» ZENTRAL VI., Gumpendorferstraße Wohnzlmmerlutter •IITtT w A Sprechmaschlnen E R mit effektvoller Wirkung von S 0.60 pro Monat aufwärts oe^a er Au«föHromo von S 104)0 p o Monat aufwärt« Tisch- und Stehlampen f. in eOnt Bronze oder Holt vorr S S.50 P>o Moriftt aufwärts Gasapparate elektische Koohu. Heteappa-ate von S 2,— pro Monat aufwärts _ . „ Fü' den strengen wintert Petroleumoffen „Demon" von S 2.— pro Monat aufwärts E: Niederlage: VII., Neubaugasse 4 88b Notstandsgclder im Betrage von zwei Millionen Dollar getroffen worden. Laut Weisung Felix Warburgs werden 1,5 Millionen einem besonderen Komitee, bestehend aus den Herren H e x t e r (Vertreter des Joint), Ruthenberg (Pal. Nationalrat) und Kisch (Zion. Exekutive) überwiesen. Ursprünglich war angenommen, daß die Gelder der Zionistischen Exekutive als Exekutive der Jewish Agency und den von ihr bereits eingesetzten Kommissionen überwiesen würden. Ein Brief Wladimir Jabotinskys an die Untersuchungskommission« Judenstaat und Mandat. — Dr. Ruppin verhindert die Einvernahme Jabotinskys. Das in Palästina erscheinende Tagblatt „D o a r Hajom" veröffentlicht einen Brief Wladimir Jabo» tinskys an den Vorsitzenden der Untersuchungskom* mission Sir Walter Shato, in welchem er fordert, vor der Kommission als Zeuge einvernommen zu werden. Bekanntlich wurde dem Ansuchen Jabotinskys keine Folge gegeben. Jabotinsky wurde nicht verhört. Ebenso wurden Ussyschkin und Klausner trotz Gesuches nicht einver* nommen. .. ^. ,. Jabotinsky begründet seine:;Bitte,. damit, daß .vor der Kommission mehrmals seine Person unddie vön ihm geführte Richtung in einseitige^Erdki^riiiiijg'. ge^QgöäY^trur* den. Ebenso wurde im Laufe der Aussagen das Problem 4es Judenstaates im Gegensatz zu den Absichten des Mandats gebracht. Es wurde gegen ihn, als. den Vor* sitzenden des „B ri.t/h'. T.y.um ^e-l d;or":. Klage, geführt. Auch die Haltung; des..,,PXa,r..H;ta:j-o m",. jü'r den er auch für die Zeit seiner Abwesenheit die Verantwortung über« nimmt, wurde unrichtig dargestellt. , Sollte er einvernommen werden, würde er beweisen, daß das Ideal des Judenstaates, die not« wendige Konsequenz des Zionismus ist und dem Inhalt der Ba/lfour*De.klaration ent* spricht, Er würde die Rolle der „jüdischen Legion" besprechen.. Er würde auch klarlegen, daß keine Rieh* tung im Zionismus die Absicht verfolge, die arabische Bevölkerung ungerecht zu behandeln. Zurrt Schluß seines Briefes stellt Jabotinsky fest, daß er vor der Kom* mission beweisen würde, daß die Palästinaregie* rung die Hauptschuld an den Geschehnissen trägt. Ein ganz merkwürdiger Vorgang brachte es dahin, daß der Vertreter der Zionistischen Organisation vor der Untersuchungskommission, Sir Merriman, es unterließ, die Ladung Jabotinskys zu verlangen. Jabotinsky hatte die Zionistische Exekutive wissen lassen, daß er um seine Vorladung angesucht habe. Sir Merriman und der politische Referent der Exekutive, S a c h e r, traten dafür ein, die Vorladung Jabotinskys zu be* treiben. Das Mitglied der Exekutive Dr. Ruppin, und mit ihm Weizmanns Sekretär Leonhard Stein, prote* stierten gegen die Zulassung Jabotinskys. Dr. Ruppin ging so weit, mit seiner Demission zu drohen. Unter diesen Umständen verzichteten Merriman und Sacher darauf, die Ladung Jabotinskys,zu betreiben. Wenn man bedenkt, daß Dr. Ruppin führendes Mitglied der Vereinigung „Brith Schalom" ist, jenes „Brith Schalom"', dessen Vorgehen von der überwältigen« den Majorität der Zionisten verurteilt wird, so kann man über dieses Geschehnis nur das lebhafteste Bedauern aus» drücken l Wie kommt Dr. Ruppin dazu, die Aussagen eines Zionisten wie Jabotinsky unterdrücken zu dürfen, eines der besten Zionisten 1 Denn das ist Jabotinsky. Als solcher gilt er auch jenen, die nicht alle seine Meinungen teilen. Soll die Idee des „Brith Schalom", die Idee vom binationalen Staat und der jüdischen Minorität in Pa* lästina, oder die Idee von der jüdischen Majorität, vom Judenstaate, im Zionismus tonangebend sein? Die zionistischen Massen sind für den. Judenstaat! Sie werden es nicht begreifen, daß jene recht behalten, welche gegen den Judenstaat, und jene unrecht, welche f ür den Judenstaat sind. Nach einer Meldung aus London soll Jabotinsky doch vor der Untersuchungskommission einvernommen werden, und zwar in Lohdon. * London, 12< Jänner. Nach ihrer Rückkehr aus P a* lästina hat die Palästina.Untersuchungskommission ihre erste Sitzung in London am 9. Jänner abge* halten. Die Sitzung war geheim. Die Mitglieder der Kommission sind hinsichtlich der Beurteilung der Situa« tion vollständig einer Meinung, und es besteht Grund zu der Annahme,; daß, die^ Arbeit nun sehr schnell fort» schreiten wird. Verzögernd' wirkt noch der Umstand, daß in London vor Veröffentlichung des Berichts noch' einige Zeugen einzuvernchmen sind. Der Bericht wird nicht vor Ende Jänner der Regierung vor» gelegt werden können. Wieder ein Jude amerikanischer Gesandter in Prag. Prag, 14. Jänner. (J. t. A.) Präsident Hoover hat den Bostoner Bankier Abraham Ratsüesky 2um amerikanischen Gesandten für die tschechoslowakische Republik ernannt. Er ist Sekretär des republikanischen Staatskomitees in Massachusetts und beschäftigt sich im Privatleben sehr viel mit jüdischer Wohlfahrtsarbeit. Er ist Mitglied der Federated Jewish Charity und Schatzmeister der BarondeHirsch-Foundation. Der bisherige Gesandte der Vereinigten Staaten in Prag, Lewis Er.nstein, verläßt Ende Jänner Prag und verzichtete auf die weitere diplomatische Laufbahn. Die tschechische Presse rühmt die hohen diplomatischen Qualitäten Einsteins. Unter Hinweis darauf, daß auch der neue Gesandte der Vereinigten Staaten in Prag ein Jude sei, stellt die Presse fest, daß die Vereinigten Staaten sehr gute Erfahrungen mit den im diplomatischen Dienst stehenden jüdischen Persönlichkeiten gemacht haben. Selbstmord des jüdischen Regisseurs der finnischen Oper. Helsingfors, 12. Jänner. Der erste Regisseur der finnischen Staatsoper, Louis L a b e r, ein hervorragender Sänger und Theaterrnann, der an der Prager Deutschen Oper und an anderen namhaften Bühnen erfolgreich gewirkt hat, beging Selbstmord, indem er eine große Dosis Veronal zu sich nahm. Anläßlich seines Gesuches um Erneuerung seines Wohnrechtes stellte es sich heraus, daß er Jude und Bürger Sowjetrußlands ist. Sein Gesuch wurde abgelehnt und er war seither Gegenstand antisemitischer Verfolgung seitens der Mitglieder des von ihm geleiteten Opernensembles. Dies hat den Künstler in den Tod getrieben. Er wurde auf dem jüdischen Friedhof in Helsingfors unter Teilnahme der Mitglieder der jüdischen Gemeinde bestattet. Die Juden um Clemenceau. Dreyfus Das folgende ist dem jüngst Buch des langjährigen Privatsekretärs von George Clemenceau, Jean Mar t et: „M. Clemenceau p e i n t p a r 1 u i - - m e m e" (Clemenceau im Seibstporträt) entnommen. Der Sekretär des „Tigers" entwirft in »diesem Buch in Form von Dialogen; die täglich zwischen ihm und Clemenceau vorgekommen sind, ein bezeichnendes Bild des Menschen Clemenceau, der auch in der J ü d e Ii-f r a^g e' seine derbe*- widerhäarige Tigterart nicht verleugnet.:: \ :'.': - Dreyfus. Clemenceau: „Habe ich Ihnen schon die Geschichte des Besuchs Alfred Dreyfus nach seiner Rückkehr von der Teufelsinsel erzählt? Als er vom Bagno zurückkehrte, schrieb mir sein Bruder: „Ich bringe Alfred zu Ihnen." Es war eine unendlich interessante Szene. Stellen Sie sich einmal den Vaterlandsverräter vor, der nichts verraten hat. Der ältere Dreyfus erscheint bei mir mit einem Mann. Ich beträchte ihn genau. Vergleidic die beiden miteinander und ich dachte bei mir, das.kann sein Bruder nicht sein. Wer mochte er sein? Er sah aus, wie ein umherziehender Bleistifthändler. Und denuoch war er es: Alfred Dreyfus." Der Sekretär: „Hat Dreyfus die Bedeutung der Dreyfus-Affiire überhuupt verstunden und begriffen?" Clemenceau: „Nicht eine Silbe! Er war der einzige, der die Dreyftis-Affäre nicht verstanden hat. Er stand dieser Affäre so fern, wie wenn er auf einem anderen Himmelskörper leben würde. Das war aber auch in Ordnung so, man konnte uns wenigstens nicht beschuldigen, daß er uns in den Kampf hineingetrieben habe. Armer Dreyfus! Meiner Meinung nach, hatte er Wetterharte Menschen fürchten keinen Regen, keinen Sturm, keine Anstrengung, denn sie verwanden ständig zur Pflege und zur Stählung ihres Körpers den vielfach bewährten FRANZBRANNTWEIN mit Menthol Kraftigt durch tägliche Einreibungen (Massagen) Muskeln und Sehnen, erhöhtElastizität und Ausdauer, erfüllt mit verjüngender Frische. Ebenso wertvoll zur Mund* und Haarpflege UBERALL ERHÄLTLICH! WertloseNachahmungen sind energisch zurückzuweisen Edmond de Rothschild — Citroen — Mandel. erschienen nicht um zwei Sous Verstand und Intelligenz. Was mit ihm passiert ist, hatte er bloß dem Mangel seiner Intelligenz zu danken. Malen Sie sich einmal die Szene aus. Man läßt ihn etwas niederschreiben, die Hand Dreyfus' zittert. Man herrscht ihn an: „Sehr verdächtig, Herr Kapitän, warum zittert jetzt ihre Hand?" Dreyfus stottert irgend. etwas, n,nstntt daß. er, wie es am Platze gewesen wäre, klar und offen geantwortet hätte:;vMeine Hand^ zittert? Was ist dabei? Was folgt daraus? Etwa daß ich ein Vaterlandsverräterbin?' l^hvmiiclll Sie aufmerksam, daß ich, wenn Sic aus dem Zittern meiner Hand solche Schlüsse zu"' ziehen wagen, und mögen Sie hundertmal mein Vorgesetzter sein, meine zitternde Hand sofort auf ihr Gefrieß hinhaue!" Hätte Dreyfus so gesprochen, dann hätte es niemals eine Dreyfiis-Affäre gegeben." Der Sekretär: „Herr Präsident, haben Sie ihn nicht ursprünglich auch für schuldig gehalten?" Clem'eceau: „Ja, aber diese Zeit dauerte nicht lange, denn binnen weniger Wochen waren wir alle geläutert. Die Dreyfus-Epoehe hat übrigens Frankreich wohlgetan. Sie hat das öffentliche Leben ein wenig r e i n g e w a s c h e n. Interessant ist, daß, als die Affäre zu Ende war, jeder seine frühere Position im französischen öffentlichen Leben wieder bezogen hatte. Und alle behielten ihre alten Grundsätze. Dieser Judenhaß der Anti-Dreyfusards ist überhaupt eine ganz eigenartige Sache. Sie mögen die Juden nicht und glauben, daß ihnen, weil sie die Juden hassen und irgend einen sogenannten Patriotismus erfinden, sodann alles erlaubt ist: Sie dürfen Recht und Gerechtigkeit, die Menschlichkeit, die Gesetze mit Füßen treten. Nein, mein^lieber Freund, das sind unglaubliche Uebertreibungen." Der Sek r etär: „Aber darüber, daß Dreyfus unschuldig ist, müßte doch jeder, besonders nachdem der Verrat Esterhazys bekanntgeworden war, im klaren sein ." Clemenceau: „Aber ich bitte Sie, damals handelte es sidi ja nicht mehr darum, ob Dreyfus schuldig' ist. Es ging vielmehr darum, ob das gesamte Judentum schuldig ist oder nicht und darum, ob es wichtig sei, daß das Heer einen jüdischen Verräter habe oder nidit, u. dgl. m. Uebrigens habe ich hier einen Brief, den Dreyfus am letzten Tage des Weltkriegs, an mich gerichtet hat." Der Sekretär nimmt den Brief zur Hand, Er hat folgenden Wortlaut: „Sehr geehrter Herr Ministerpräsident! Ich wartete, bis die Flut der Gratulationen, welche Ihnen anläßlich des Abschlusses des Weltkrieges zuströmte/ vorüber ist. Ich melde mich erst heute, um Sie zu dem großen Sieg und auch zu Ihrem Geburtstag zu beglückwünschen. Ich habe die Vergangenheit nicht vergessen und mein Gedächtnis ist treu geblieben. Ich will Ihnen bloß sagen, daß die ganze Welt Sie den „Vater des Sieges" nennt. Empfangen Sie, Herr Ministerpräsident, den Ausdruck meines warmen Grufles. Alfred Dreyfus, Major« Kommandant der Artillerieabteilung in Orleans,'*