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Die neue Welt · 1930-01-10 · Heft 121 (10.1.1930) · page 7

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Journal
Die neue Welt
Volume
4 (1930)
Issue
Heft 121 (10.1.1930)
Date
1930-01-10
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
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Nr. I2f die mm WELT Seife? herausgegebene Verordnung, daß die gewesenen Händler und jetzigen Deklassierten alle aus ihrer HäntHer/cit noch schuldig gebliebenen Steuer gel der sofort zu bezahlen haben; denjenigen, die nicht die Steuerrückstünde sofort abführen, soll das Hab und Gut weggenommen werden. Eine spezielle Kommission zur Ueberprüfnng der Steuerschulden seit der Revolution wurde eingesetzt, die Abteilungen in ganz Rußland haben wird. Handwerker, die sich seit Jahren nicht mehr mit Handel beschäftigt haben, werden jetzt grolle Summen als Steuerrüdcstände zu leisten haben. In allen Teilen der Sowjetunion finden zu nächtlicher Stunde „Razzien" von Steuereinnehmern statt, die die Wohnungen der ehemaligen Händler aufsudien und die gesamte Inneneinrichtung für angeblich rückständige Steuern pfänden. Tausende produktiv arbeitende Hand werker werden auf diese Weise zu Bettlern gemadit. Bauern des jüdischen Dorfes Borowoje, Kreis Kaudanow, unweit Minsk, gaben in der Nadit auf den Vorsitzenden des Dorfsowjets B e s m a n und den Sekretär Romin mehrere Sdnisse ab; Romin wurde tödlich verletzt, Besmnn konnte sich in Sicherheit bringen. Es heißt, daß die Attentäter zu den Kreisen gehören, die sich gegen die Kollektivisierung und gegen den Zusammenschluß jüdischer und nichtjüdischer Wirtschaften wehren; die Uebcrfallenen gehören zti den Verfeditcrn der Kollektivisierung. Eine Richtigstellung. Die Londoner Zionistische Exekutive sdireibt der „Neuen Welt": „Gestatten Sie mir, Sie auf einige tatsächliche Unriditigkeiten aufmerksam zu. machen, die sich in den letzten Nummern Ihrer Zeitschrift finden: 1. Es ist. nicht richtig, daß Lord Melchett wegen Meinungsverschiedenheiten mit dem Präsidenten W e i zmann den Vorsitz der English Zionist Federation niedergelegt hat. Tatsache ist, daß er von diesem seinem Amt zurücktreten wollte, weil er mit anderen — auch jüdischen Arbeiten — zu sehr Überhäuft sei. Er hat aber sein Amt dennoch beibehalten, damit nicht Gerüchte über grundsätzliche Differenzen aufkämen. — 2. Die Nadiridit des Warschauer „H a i n t", nadi der eine neue Zionistische Exekutive unter Führung von Brandeis in Gründung begriffen ist, war völlig aus der Luft gegriffen. Mit vorzüglidier Hochachtung und Zionsgruß: Lazarus Barth." * Wir haben die oben erwähnten Nachrichten unter Quellenangabe gebracht und bemerkt, daß die Verantwortung für die Richtigkeit den betreffenden Zeitungen überlassen bleibt. Zur Krise in der österreichischen Zionistischen Organisation. Eine auf dem zionistischen Delegierten tage nicht gehaltene Rede. Von Dr. Jakob Weiner. Wir erhielten folgendes Schreiben: „An den Herausgeber der „Neuen Welt". — Obgleich ich, wie Sie wissen, nicht zur Fraktion der „Rudikaien Zionisten" gehöre, deren Richtung Ihr geschätztes Blatt vertritt, gestatte ich mir, Sie um Gastfreundschaft in den Spalten Ihres Blattes zu ersuchen, da dies für mich der einzig mögliche Weg ist, der zionistischen Oeffentlichkeit die Augen zu öffnen. Da ich für das Prinzip der Reinheit der Organisation kämpfe, bin ich Ihrer Unterstützung sicher. Ihr ergebener Dr. Jakob Weiner." — Wir bringen die Ausführungen und überlassen Herrn Dr. J. Weiner die Verantwortung für seine Behauptungen. Am 8. Dezember v. J. hat ein außerordentlicher Delegiertentag des Zionistischen Landesverbandes für Oesterreich stattgefunden, für den schon rein äußerlich charakteristisch ist, daß er für Sonntag, 4 Uhr nachmittags, anberaumt war; das heißt für diesen Delegiertentag war, wenn man die für die Eröffnungsformalitäten, Nachtmahlpause und ein Minimum an Kommissionsberatuugen nötige Zeit in Abzug bringt, eine Tagungs-, respektive Beratungsdauer von maximal fünf Stunden vorgesehen. Damit ist der Schlußstein einer seit Jahren in der österreichischen Organisation immer kräftiger werdenden Entwicklungstendenz in aller Form gesetzt worden. Diese Tendenz geht dahin, die Organisationsinstanzen insgesamt zu Abstimmungsmaschiuen zu machen, die gespeist und geölt werden durch das Phrasendreschen von nicht einmal einem halben Dutzend sogenannter Führer. War bisher diese Tendenz der Erdrosselung der freien Willensbildung und der Ausschaltung jeglicher ernsten Kritik innerhalb der Zionistischen Organisation in Oesterreich noch einigermaßen verbrämt und nicht für jeden erkennbar, so hat man nun den letzten Rest von Zurückhaltung über Bord geworfen und dem Delegiertentag fünf Stunden für seine Beratungen zugemessen. Der Delegiertentag hat gezeigt, daß die angedeutete Entwicklung tatsächlidi abgeschlossen ist, daß die Organisation tot am Boden liegt, da ihr Gewissen gemordet wurde, und hat kaum die ihm gnädig bewilligten fünf Stunden in Anspruch genommen. Wenn jemand der Meinung ist, daß unter Umständen für einen außerordentlichen Delegiertentag auch eine ganz kurze Tagungsdauer genügen kann, so sei ihm dies ohne weiteres zugegeben. Daß aber am 8. Dezember diese Umstände nicht vorhanden waren, ergibt sich ans der Aufzählung folgender Tatsachen: Am 20. und 21. April v. J. hat der letzte ordentliche Delegiertcntag dos Oester roicliischeti zionistischen Landesverbandes stattgefunden, der ein neues Lamleskomitee gewählt hat. Sieben Monate später, besser gesagt, vier Monate später, da die drei Sommermonate ja für irgend eine Tätigkeit nicht in Betrndit kommen, war von diesem Landeskomitcc so gtit wie nichts mehr vorhanden; der Obmann des Parteigerichtes (welch tragisches Symbol!) war mit der Leitung betraut, nachdem der bisherige Präsident, von drei Delegiertentagen an die Spitze der Organisation gestellt, plötzlich von seinem Posten verschwand und auch sein Mandat im Kulttisvorsrand niederlegte. Dabei ist es vielleicht nur ein Schönheitsfehler, daß all dies ohne Mitwirkung, ja ohne Kenntnis der zuständigen Parteiinstanz, des Parteirates, geschehen ist. Dieser Parteirat, der statutenmäßig sechs Wochen nach dem ordentlichen D e 1 e g i etentag zusammentreten soll, ist vom Landeskomitee überhaupt auch jetzt noch — adit Monate nadi dem ordentlichen Delegiertcntag — nicht einberufen worden. Man behilft sich mit ernannten Vertrauensmännern, die im Ebenbild derer geschaffen sind, denen sie ihre Vertrauensmännerexistenz verdanken. Da es nun, Gott sei Dank, nicht jedermanns Art in der Zionistischen Organisation ist, losgelöst von der Organisation und ihren Instanzen, nur um sich selbst und einigeu Freunderln (nicht Freunden) Stellen und Würden auf Lebensdauer zu sichern, ein anvertrautes Amt zu mißbrauchen und auf seinem Posten zu bleiben, ist es kein Wunder, daß, von zwei Ausnahmen abge- \W Das u. 7*\ des Ersten allgemeinen Beamtenvereines Wien erteilt nn fiffentllohe u. Bundesanoestellta aller Kategorien sowie an Pensionisten zu den günstigsten Bedingungen und gegen höchst annehmbare RUokzahlungsmodaeätaten langfristige Penonalkredlte ohne LebensverslcherungspoBiiie Die monatlichen Rückzahlungen werden bei derZinsenberechnung berücksichtigt Die monatliche Rate beträgt für ein Darlehen von SIOOO.- S25.« Die Erteilung von Auskünften über Spareinlagen und Entgegennahme von Darleht-nsansuchen erfolgt vorSDrsen» frei durch die Zentrale: Wien XVlII, Welmarerstr. 28 und durch die Stadtbüros: Wien I, ticärntnerstr. 26 (Eingang Schwangasse 1) I, Uranlastr. 2 H_ sehen, alle Mitglieder des Landeskomitees ihre Mandate niedergelegt haben. Man muß diesen braven Männern Anerkennung wissen, die zu schwach waren, den Druck der jetzt herrschenden Gruppe zu brechen, aber genug anständig, das Treiben nicht zu decken, und darum aus Verantwortungsgefühl zurückgetreten sind. Beides, die Entfernung'J eines langjährigen Präsidenten aus seinem Amt und die Flucht fast aller Mitglieder eines eben erst gewählten Landeskomitees aus diesem, findet keine Parallele in der Geschichte der Zionistischen Organisation. Die Finanz- und Fondskommission des ordentlichen Delegiertentages vom April 1929 wurde, als sie eben auf gutem Wege war, schwere Schäden sachgemäß und sehouungsvoll zu heilen« Tom „geistigen" Führer der Organisation, Herrn Dr. Josef Löwenlierz, mit Methoden Pilsudskis auseinandergesprengt. Von Dr. Löwenherz verfaßte, von der Kommission nie gebilligte Resolutionen wurden gegen allen bisherigen Brauch von Dr. Löwenherz, der gar nicht Wochen-Käfönder Jännei 1930 rem snn Tebeth 5690 10 Freitag 10-> Sabbateingang 4.15 mho ,na»a nrwy nw 11 Samstag 11-* Sabbatausganp 5.06 7i w *w mtfiön 12 Sonntag 12-a> 13 Montag 1S-* 14 Dienstag 14-n IS Mittwoch 15-'ö 16 Donnerstag 16-Tö Aöämm» m m Inhaber: Richard Herzog I.. Adlergass« 5 Tel. R-23.4-0O Kl. Plarrg.aft T«l. A-41-6-34 Sprechapparate Jeder Art, ferner Jüdische und hebräische Sehallplatten §§ sowie alle modernsten Tanz- und Gesangsschlager II § in reichster Auswahl auf Lager i gl I Auch Teilzahlungen! Provinzversand 1 m Mitglied dieser? Kommission war, dem Delegiertcntag als Resolutionen der Kommission vorgelegt und vom Delegiertentag angenommen. Daß Treu und Glauben dabei zu kurz kamen, sei nur nebenbei bemerkt; an dieser Stelle ist von Bedeutung, daß die schweren Schäden, die geheilt werden sollten, so naturgemäß nicht geheilt würden. Ohne das leiseste Bedenken, ohne jede Spur von Skrupel blieb Dr. Löwenherz an der Spitze des Keren Hdjessod, des wichtigsten Palästina-Aufbauinstruments, dessen völligen Niederbruch er nun zu verantworten hat. In der kritischen Periode, über die der außerordentliche Delegierten tag am 8. Dezember Rechenschaft zu fordern hatte, wurde weiter das bedeutendste Vermögensobjekt der Organisation, das Ghaluzheim im Kahlenbergcrdorf, unter der Hälfte seines Wertes abgegeben und der Erlös den Zwecken, für die er widmungsgemäß zu verwenden war, entfremdet. Gleichzeitig war die Verschuldung der Organisation peinlich gewachsen und unter dem Druck der Exekutionen eine unerträgliche Situation geschaffen. Auch darüber und über die Mittel, mit denen man versuchte, aus dieser Situation herauszukommen, ohne Opfer zu bringen, hätte der außerordentliche Delegiertentag zu sprechen und Recheiisdiaft zu fordern gehabt. Niemand wird nun glauben, daß diese eben angedeutete Tagesordnung binnen fünf Stunden zu erledigen war, sofern man ehrlich lind anständig Ordnung machen und den Grund zum Wiederaufbau dieser verwüsteten Organisation legen wollte I Verdammenswert ist die Kühnheit all derer, deren Werk dieses Fünfstundenarrangement ist. Was sie am Delegiertentag mich zu sagen Und die anderen Delegierten zu hören und zu beraten verhindert haben, soll noch an dieser Stolle ausgeführt werden. AUS PALÄSTINA. Einwanderung nach Palästina. — Im November 620 Einwanderer. Jerusalem, 2. Jänner. (J. T. A.) Im Laufe des Monates November sind in Palästina 620 Juden, 102 Christen und 8 Moslems eingewandert. In der gleichen Zeit verließen das Land 204 Juden, 109 Christen und 47 Moslems. Die Zahlen enthalten auch 104 Juden, 50 Christen und 5 Moslems, die als Touristen in das Land gekommen sind und die Erlaubnis zur Ausiedlung erhalten haben. 16 Immigranten erhielten nicht die Erlaubnis an Land zu gehen, weil sie den Einwanderungsbedingungen nicht entsprachen. Im Oktober kamen unter 1279 Immigranten 1086 Juden nach Palästina und 204 Juden verließen das Land. Im September war die Zahl der jüdischen Immigranten 603 (Gesamtzahl der Einwanderer 812). Unter den 254 Auswanderern waren 130 Juden. Rückgang der Arbeitslosigkeit in Palastina. Jerusalem, 5. Jänner. (J. T. A.) Nach Veröffentlichungen des Kolonialamtes, ist im Laufe des Monats Oktober die Arbeitslosigkeit in Palästina sowohl unter den Juden als auch unter den Arabern zurückgegangen, und das trotz der Tatsache, daß ungefähr 800 Arbeiter und Arbeiterinnen neu ins Land gekommen sind. Zu Ende des Monats wurde die Zahl der jüdischen Arbeitslosen auf 700 geschätzt. Die Hälfte von ihnen gab als Grund ihrer Arbeitslosigkeit, Verlust der Arbeit infolge der Unruhen an. Die Zahl der arabischen Arbeitslosen wird auf 1600 geschätzt, wovon mehr als ein Drittel auf das Baugewerbe entfällt. Im September waren die entsprechenden Zahlen: 800 bis 900 jüdische Arbeitslose gegenüber 2000 arabischen, im Oktober 1928 waren es 1400 Juden gegenüber 2500 Arabern. Das Schutzgesetz über Kinderarbeit wird durchgeführt. Jerusalem, 1. Jänner. (J. T. A.) Der Inhaber einer Werkstatt zur Erzeugung von Kisten in Haifa wurde wegen Uebertretung des Gesetzes Uber die Kinderarbeit zu einer Strafe von 9 Pfund Sterling verurteilt. Er beschäftigte in seiner Werkstatt Kinder Unter 12 Jahren. 4

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