Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 4 (1930)
- Issue
- Heft 121 (10.1.1930)
- Date
- 1930-01-10
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Seile 2 DIE NEUE WELT Nr. 121 teerten teum SDic beut|<$e £eIefunf«t*<Net!fä&aft %&t blt 8<aeitjiBe*fi$t för Moappötäie um f1/, $toje«t ferWbt #•! Radioapparate 8t|an| 4fl*fe&t**tt Qa*tfpft4t* ■ fiUgtt ÖlCItt ©ttfpt 3tit>ctitur$*©etftöiff Iii atetatcfttttttgsfcfe»«««, «crrctt*, ^«Ifeim» Sdjlafolmmerlttffmt, Älpp-, »M* «md eWndcrlampttt ^reMtats 3«20SHonateit flu lebctmattn Bei nur 10 Sßrogent ^abfons ünb 1 SProgent pro monat> Sufäfaß ^elcucfttmtosljfliis Waltet Zentrale : SBicn, 6. SBesirf, ©umpenborferftrage 88 b — ^teberlo^: Wien, 7. $3e$frf, ^eu&augaffe 4 Tel Chaj und die Vertreibung der Char luzim an. Die Regierung sandte eine Kommission nach Tel Chaj. Ihr Leiter war Mereschin, der Direktor der Kolonisationsabteilung (Kümzet). Der amerikanisch-jüdische Joint, welcher ja so viel Geld investiert hatte, entsandte Herrn Groyer, den Assistenten des Jointdirektors Dr. Rosen. Als Entschädigung für den Joint, welcher hunderttausende Dollar investiert hatte, wurde eine lächerlich geringe Summe angesetzt. Zugleich kamen Polizeiinspektp'ren an und unterzogen die Führer der Chaluzim einem strengen Kreuzverhör. Sie. wurden; der „Mißwirtschaft"' und konterrevolutionärer Agitation besch^^ Die meisten von ihnen wurden verhaftet und, eingekerkert. j.., . .;. Dann kam der Tag der Auflösung. Einer der beteiligten Chaluzim, den ich in Moskau heimlich traf, beschrieb mir die Szene. Ich'kann seinen Namen begreiflicherweise nicht nennen. Im Zimmer waren; Mereschin und seine Kommission, Grqyer vom Joint, einige Inspektoren der Polizei uncl die, Führer der Chaluzim. Die Atmosphäre war, gplacjeh.„ j)ie. Chaluzim,, IIämpfte.n, verzweifelt., Umsonst. Schließlich stellten die. Chaluzim die Fo'rJäei^fngT /man möge "doch, den Verjagten eine Eiiischkdigung für ihre dreijährige harte, aüföpferhngsv'öllfe. Arbeit1 gewähren. * Aber Meresöhiir erklärte namens cler 'Regierurig: „Niemand" erlSK^ irgendeine Eritschädigiirig." Herr Groyer, dei*": - jüdifech^amerikariische Vertreter, übrigens sowjetistischer Staatsbürger, war in Verlegenheit. Einerseits ^fürchtete er zu reden; andererseits fühlte er* claß völliges Schweigen beschämend sei. Er bemerkte also schüchtern, daß es doch nur billig wäre,, .den Chaluzim für dreijährige schwerste Arbeit, deren Ertrags .. ihnen jetzt: ...genpmzn^n wird, eine Entschädigung zu leisten. Darauf schrie' Mereschin (ich zitiere jetzt wörtlich) : ■; „Gebt jedem dieser Hunde fünf l?ubel und' werft sie hinaus!44 Herr Groyer war erst vor Schreck sprachlos. Dann-sagte er: „Herr Mereschin! Das ist doch nicljt Ihr Ernst?" Mereschin redete darauf hin und her,-berief: sich auf den unerschütterlichen Be-^ Schluß deT Moskauer Regierung. Schließlich sagj^e er;. „Also. gut. Ich will jedem fünfzig Rubel geben. Aber , dann hinaus mit ihnen!'' Und dabei blieb es. Jeder der heldenhaften Pioniere erhielt fünfzig Rubel und wurde hinaus«-, gewiesen. Das war das Ende der mit viel jüdischer: Arbeit und viel jüdischem Gelde erbauten Kolonie Tel Chaj! Aber nicht das Ende des Leidensweges der Chaluzim, jV'iele wurden eingekerkert, die Mehrzahl, nach Sibirien verschickt. Per Rest beschloß, nach Palästina auszuwandern,, Sie suphten ,um Pässe an. Die Taxe für Arbeiter beträgt fünfundfünfzig Rubel. Das Paßbüro aber forderte von ihnen zweihundertundzwanzig Rubel, die Taxe für Nepleute, für „Bourgeojs". Begründung: Durch ihre Tätigkeit in der „z i o n i s t ischen" Kolonie Tel Chaj hatten sie den Charakter als „Arbeiter' verloren. Aber damit nicht genug. Beim Einreichen eines Gesuches müssen zwanzig Rubel erlegt werden, welche verloren sind, wenn das Gesuch abgewiesen wird. Fünf- und sechsmal wurde jedes (5esuch abgewiesen. Schließlich gelang es nach unendlichen Mühen den jüdisch-amerikanischen' Vertretern, bei der Regierung durchzusetzen, daß die nach Sibirien verschickten Chaluzim zur Auswanderimg nach Palästina „begnadig t" wurden. Die Regierung stellte' die Bedingung, daß die Kosten für Pässe, Eisenbahn- und Schiffahrt vorher erlegt werden. Das Geld wurde erlegt und die-Rückwanderung «vu$ Sibirien begann. Ich war noch im Mai 1929 in Ruß« land und sah die Chaluzim nach und nach in e 1 e ndem Zustand in Odessa eintreffen. Nach all den großen Anstrengungen der jüdisch-amerikanischen Kreise erhielten endlich dreizehn Chaluzim Pässe. Ich 'werde nie daran Vergessen, wie einer zu mir kam und jubelte: „W i r gehen also doch nach Erez Israe 1!" Seine Stimme zitterte, er weinte. Er sprach wie'einer, der weiß, daß er der! fihsterett HöWe eritrbrtnett ist. - ' - - ' ■■ Und dafür wuräe jahrelang geschrieben, als einem Werke großzügiger^ jüdischer Fürsorge! Df.- f ü r wur d e n den J üd eh Millionen Dollar abgenommen! Damit jüdische Arbeiter betrogen und mißhandelt werden, nach drei Jahren f ün f un.d f ,ün.i>zi g Rub el uncl einen Fußtritt ili der Riehfung nach Sibirien bekommen. Vergebens haben einige wenige die Jahre hindurch vor dem h e u c h 1 e r i s c h e n S p i e 1 mit dem jüdischen Namen und dem.,jüdischen Gelde gewarnt. Die Warner —* die „Neue Welt" voran — wurden niedergeschrien, als herzlos verdammt. Nun sind, die Schleier gefallen und der zynische Betrug "zeigt den Wohltätern,,'den Enthusiasten und den „Vorsichtigen'' hÖimerid sein Antlitz. D a z u w ä r e n Milli piiefl D^l^rV* w'el cM e' " rxi a n ' P ä 1 ns t i'n a v e V w:'e i-g^e rH? h a i, d a z ü w 'a ¥• j ül,;d isches Geld gut! .r Zur Aräb^frage. .•• Von Justizrat Dr. B o den heim e r (Köln). Justizrat Bodenheimer, einer der ältesten Mitarbeiter Theodor Herzls, langjähriger Führer der zionistischen Bewegung, .... . Präsident des jüdischen, JJationalfonds, des ' ' ' ' zionistischen Aktionskomitees usw.. ist unter deitt-'--EitidrU^^dei;'!':'gegen "•"die •■■•'Herzischen' ...,......<r.Grund3&^f,v>.^.rj^t^l:en..Politik der. Leitung zur Opposition übergangen. Er hat sich der Union der Zionisteit-ilevisionisten angeschlossen. . . In der einfluflreichend. demokratisch eingestellten Tageszeitung „Kölnische Zeitung" vöin 15. Dezember;4929 wird das;Palästina-Problcm vom arabischen Standpunkt aus beleuchtet.' Es "wird hervorgehoben, daß das Volk Palästinas seit'-».', 1300 Jahreu nicht das jüdische, sondern das arabische sei. Daraus Werden ra^Jerhand-Schlüsse gezogen» Richtig ist, daß die Araber um diese Zeit das Land erobert und einige Jahrhunderte, lang beherrscht haben. Nach dem Zwischenspiele der Kreuzfahrerherrschaft folgten die Türken,, die das Land bis zum Weltkrieg besaßen. «Ob das Volk Palästinas rein arabischer Rasse ist, ist überhaupt sehr zweifelhaft; Die Bevölkerung Syriens, und Palästinas bildet eine ausgesprochene Mischrasse, Welche vermutlich auch stärke jüdische und samaritanische Oru.i^bestai^dtepe.... enthält,. .f Juden und Samaritaner,, tyelelie erst da^y Christentum angenommen hatten und später zum größten Teil zum Mohammedanis-, mus übergetreten sind. Schon hieraus ist zu ersehen, daß aus'der Tatsache der''arabischen Eroberung vor 1300. Jahren gewiß keine wichtigeren politischen Schlüsse gezogen werden können, als aus der Vernichtung des jüdischen \^atioriäjst^ .'durch'- die Kömer im Jahre. 70 n, Chr. :'...• In der Einleitung zum Mandate ist die historische Verbundenheit des jüdischen Volkes mit Palästina festgestellt. Für die Politik der Gegenwart ist aber allein die v ö l k e r r e c h 11 i c h e, Neugestaltung maßgebend, die .das Land infolge des,Krieges, durch die.Balfpur- Erklärung und den Beschluß des Völkerbundes, erfahren, hat, Unzweideutig wurde den Zionisteu die Errichr tung eines Nationalheims in Palästina versproduen. . Die „Kölnische Zeitung" weist auf die Mithilfe der ArabeV bei der Eroberung Palästinas hin. Aber auch die Juden haben sich'an der Eroberung beteiligt, mit der jüdischen Legion, die;aus vier kriegsstarken Bataillonen, insgesamt 10.000 Mann, bestand und sich nicht nur aus englischen, sondern, zumeist aus amerikanischen und russisch-polnischen Juden zusammensetzte. Die Araber haben gemäß den ihnen erteilten Zusagen Zentrnl-Arabien und den Irak als rein arabische Länder erhalten. Sie können sidk keineswegs darüber beklagen, wenn durch die neue Regelung nach dem Kriege Syrien und Palästina ausgenommen worden ist, auf welche sie in den letzten tausend Jahren kein unbestrittenes Recht hatten. Daß England in Ost- Jordanien ein arabisches Pseudofürstentum geschaffen hat, betrachten die Juden mit Redit als «ine Vertragsverletzung seitens Englands, da den Zionisten das historische Palästina als Nationalheim versprochen Wurde, wozu auch Ost-Jordanien gehört. Einen tief einschneidenden Bruch des .gegebenen Versprechens sehen die Zionisten m dem Weißbuch Ch ur chills, durch welches die Balfour-Erklärung im Wege einer einschränkenden Auslegung ihres wesentlichen Inhalts beraubt und eine Verwaltungspraxis eingeleitet wurde, die zu den Verpflichtungen aus dem Mandat in krassem Gegensatz steht. Ohne zu beachten, daß nach dem Mandatsvertrag England verpflichtet war, die gesetzlichen Voraussetzungen und die notwendigen Verwaltungseinrichtiingen zu schaffen, um die Erridvtung des Nationalheims zu ermöglichen, handelte die Regierung wie ein,Schiedsrichter, der zwischen zwei streitenden Parteien nach Redit und Billigkeit zu entsdieiden hat. Daß dies nicht der Sinn der Balfourerklärung sein kann, ist offensichtlich. Es mußte hiedurch bei den Arabern die Ansicht platz greifen, daß es England mit der Balfour- Erklärung und der Errichtung des National!»ims überhaupt nicht ernst nehme. Erst von (iesem Zeitpunkten begann eine systematische Agitation für völlige Beseitigung der Balfour-Erklärung, Unterdrückung der jüdischen Einwanderung uncl Einschränkung der jüdischen Bodenkäufe. Dies widerspricht aber der durdi dein Mandatsvertrag getroffenen völkerreditlichen Regehing der Zukunft Palästinas, an die das arabische Volli genau so gebunden ist wie andere Völker, die durch ,die Grenz- und Völkerverschiebungen der Friedensvertrage betroffen worden sind. Vor allem aber ist England hieran gebunden, umsomehr, als über hunderttausend Juden im Vertrauen auf die Umwandlung Palästinas in ein jüdisches Nationalheim sidi dort angesiedelt haben und allein aus M i 11 e 1 n d e r zionistischen Orga-' nisatjon mehr als 12 Millionen Pfund Sterling für den Aufbau dieses Landes verwendet worden sind. Es mag sein, daß in einem Teil des arabisdien Volkes Unzufriedenheit, herrscht. Demgegenüber steht aber diö Tatsache, daß durdi das Mandat und die Er-. riditung des jüdischen Nationalheims ein tausendjähriges Unrecht wieder gutgemacht' wird, das an dem jüdisdien Volk begangen wurde. Es ist sicher, daß weder, die Zionisten noch das jüdische Volk jemals auf das, ihnen verbriefte Redit auf Palästina verzichten werden.' Damit müssen sich auch die Araber Palästinas schließlich abfindend £iiiiiiiiiiiiitiiiiiisiiiiiiiiBiaiiiiieic iiiiiiiiuiiiiiiiaiiiiiiiiiiiiiiiv^ | Verband demokratischer Zionilfen E Mittwoch, den 15. Jänner 1930 um halb 9 Uhr abends im CalÖ Produktenbörse, II., Taborstr. 10 S j Ve rsam ml u ng | 5 Gegenstand: . E I Jüdisches Leben in Amerika ( 5 Referent: I Redakteur Daniel Persky 1 E New York £ ^llllllllItlllllllllllllUllllllllllllll1llllllllllllllllllllllllllllllll# Gegen die jüdischen Renegaten. Der Sozialdemokrat Eduard Bernstein zu seinem 80. Geburtstage, Eduard B e r n s t e i n, der älteste unter den gegenwärtigen Führern der deutschen Sozialdemokratie, Kritiker des marxistischen Sozialismus und. Vater des „Revisionismu s", vollendete am 6. Jänner 1930 sein 80. Lebensjahr. Er wurde in Berlin als Sohn' eines Lokomotivführers geboren und kam 1872 zur So* zialdemokratie. Auf Grund des Sozialistengesetzes' von 1878 aus Deutschland verbannt, redigierte er von 1881 bis 1890 in Zürich den „Sozialdemokrat" und übersiedelte dann, auch aus der Schweiz wegen seiner politischen Tätigkeit vertrieben, nach London. Während der nächsten neun Jahre gab er die „Neue Zeit", das wissenschaftliche Organ der Sozialdemokratie, von 1901 * als er nach, Deutschland zurückkehren durfte, bis 1914 die „Sozialistischen Monatshefte", die grundlegende Zeitschrift des „Revisionismus", heraus. In der letztgenannten Zeitschrift begründete Bernstein die revisionistische Theorie, die dem Marx'schen Gedanken des revolutionären Klassenkampfes den Reformstandpunkt und die Lehre von der Evolution entgegenstellt. Auf den sozialdemokratischen Parteitagen wurde um seine Richtung erbittert gekämpft. Von 1903 bis zur letzten Wahlperiode gehörte Bornstein dem Reichstag an.