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Die neue Welt · 1930-01-10 · Heft 121 (10.1.1930) · page 1

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Journal
Die neue Welt
Volume
4 (1930)
Issue
Heft 121 (10.1.1930)
Date
1930-01-10
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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tfEZUGSBEDifjOUNOEN Oesterreich monatlich S 1.50, vierteljahrig SJ4.20, ganzjährig S 16.— , Polen monatlich Zloty 2.—. vierteljährig Zloty 6.— . Tschechoslowakei monatlich -KcT 6.—, vierteljährig Kc. 15 — , Jugoslawien momflich Dinar 14.—, vierteliahrig Dinar 40.—; Rumänien 4natlich Lei 40.- vierteljährig Lei 120.—. REVU E BEZUGSBEDINGUNGEN Deutschland monatlich Mark 1.— vierteljahrig Mark 3.—, Bulgarien monat. lieh Lewa 40.—, vierteljährig Lewa 1.20 Mallen monatlich Lire 5.—, vierteljährig Lire 14.— Schweix und die übrigen Länder monatlich Schwebet Francs 1.50. vierteljahrig Schweizer Francs 4.50. HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER Rertaktikn and Verwaltung: Wien, IX., Universitätsstraße 6—& Telephon: A25-2-82 — Erseheint reden Freitag Freitag, den 10. Jänner 1930 Nr. 121 Für] und gegen den Jadenstaat Seite 5 BMB Ein beschämender Abschluß. Die Schlußrede des Vertreters der Palästina-Regierung vor der Untersuchungskommission. Jerusalem. Zum Schlüsse der Verhandlung ergriff der Vertretar der Palästina-Regierung P r e e d y das Wort. Er hifelt eine förmliche Anklagerede gegen den Zionismus, etfne Verteidigungsrede für die meuternden Araber. Er feagte im wesentlichen: Juden griffen Araber an und Araber griffen Juden an. >Die Araber bewaffneten sich, denn sie hatten vor den Juden Angst und das nicht grundlos.] Es ist später zu Ueberfällen gekommen, aber urspringlich haben sie sich zur Selbstverteidigung bewaffnet. Ihre Entwaffnung war nicht möglich, denn ein dahingehender Befehl hätte den ohnehin umgehenden Gerüchten Grund gegeben, daß die Palästina-Regierung einseitig die Juden bevorzuge. Die Palästinja-Regierung hat von Anfang an die gegen sie erhobenen Angriffe nicht anerkannt. Sie hat vertrauensvoll das ganze Polizeimaterial vor der Kommission ausgearbeitet, wie sie versprocheu hatte. Preedy unterzog dalm die von Sir Boyd Merriman in Vertretung der Siehe der Jewish Agency vorgebrachte Behauptung \on öet Nachgiebigkeit Lükes gegenüber Hartnäckigkeit und Drohungen der Araber einer ins einzelne gehenden An«l>se. Sir Boyd hat Luke zwei Tage lang im Kreit7.v«*rhör befragt und in seiner Schlußrede Luke Vergeßlichkeit vorgeworfen. Hat Sir Boyd Luke ein schlechtes Gedächtnis vorgeworfen oder will er sagen, daß Luke ein anpassungsfähiges Gedächtnis habe? Wenn er das letztere meint, dann hat er einen sehr ernsten Vorwurf erhoben. Preedy erinnerte die Kommission, daß die Entscheidung der palästinensischen Regierung, durch die der islamische Bau an der Klagemauer erlaubt wurde, aufj Anweisung der britischen Regi e r u n g getroffen worden ist. Er wolle nicht behaupten, sagte er, daß die Herren von der provisorischen Zionistischen' Palästina-Exekutive die Status-quo-Frage zum Anlaß genommen hätten, um Unruhe zu erzeuge n. Aljer über den Verlauf der Dinge beim Zionistenkongreß in Zürich ist in Palästina berichtet worden, und ^as dort vor sich gegangen ist, hat die öffentliche Meinung erregt. Wenn irgend ein Mann' jemalsj seine Aufgabe gewissenhaft und intelligent unter schwersten Umständen erfüllt hat, dann habe es Lu| e getan. Preedy] lobte die palästinensische Polizeimacht wegen ihrer ^Tätigkeit während der Unruhen. Ich bin mir nicht imjZweifel über das Urteil, das Sie über die Polizei fällen werden, sagte er. Jeder, der die Berichte liest,, muß fijr ihre Leistungen voller Bewunderung Win. Ipas bezieht sich auf die britische Polizei und auch auf die palästinensische Polizei, Moslems, Juden: und .Christen, mit wenigen Ausnahmen, besonders über auf die britische Polizei und die britischen Sonderp.o!izi3ten, die zehn Tage lang in der Erfüllung einer sehr schweren Pflicht ausharrten, manchmal ohne Nahrung und' Schlaf. An die große Erbitterung erinnernd, die in jenen Tagen herrschte, bezeichnete es Preedy im weiteren Verlauf seiner Rede als bemerkenswert, daß die Katastrophe nicht größer war. In lf35 jüdischen Ansiedlungen wurden n u r 15 Juden getötet/Gewiß, fügte er hinzu, in Hebron und Safed und teilweise auch in Jerusalem, hatte die Katastrophe größere^ Ausmaße. Aber der Bericht der Polizei ist ein Dokument, auf das man stolz sein muß, und die verantwortlichen Personen —- damit wandte er sich an die Zionistische Exekutive — hätten auf die aufopferungsvolle Tätigkeit der Polizei mit mehr antworten müssen als mit bloßer Kritik. Die Dispositionen der palästinensischen Polizeimacht waren klug und richtig, und wenn die Katastrophe nicht verhindert werden konnte, so liegt es an ihrer Schwäche. Wenn sie sagen, daß die Dispositionen falsch waren, sagte er, dann ist Major Saunders, der das Kommando hatte, im Irrtum, und er übernimmt die volle Verantwortung. Gestützt auf die vom britischen Polizeikommandeur Munroe gemachte Aussage, daß es Mord bedeutet haben würde, das Feuer auf die durch das Jaffa-Tor strömende Menge zu eröffnen, führte Preedy aus, daß bei Verwendung der Schußwaffen in gleicher Weise Schuldige und Unschuldige, einschließlich der Juden, getötet worden wären. In der Frage des ersten Toten wies Preedy auf die divergierenden Darstellungen der arabischen und jüdischen Zeugen hin. Er selbst sei geneigt, anzunehmen, daß die ersten Opfer der Ereignisse an jenem Freitag die Brüder Rothenberg gewesen seien. In der Beurteilung der Gesdiehnisse in der Jaffastraße zu Beginn der Ausschreitungen, wo der Jude Reitan getötet KOHLE» KOKS ANTHRACIT hgchitar OualiUI BÄSCH. IV. Arg«ntinl«ratraft« 22 Talaprion (j.40-403 U-41-2-87 und Dr. v. Weisl verwundet worden sind, stimmt Preedy mit der von arabischer Seite gegebenen Darstellung überein, derzufolge der Angriff der arabischen Menge erfolgt sein soll, nachdem sie von den Juden durch Zurufe gereizt und mit Gegenständen vom Dach des Slonimschen Hauses herab beworfen worden sei. Für jüdisches Geld! Die Austreibung der Chaluzim. Um dem Zionismus Wind aus den Segeln zu nehmen, haben die Bolschewiken^tieri Plan von der jüdischen Krimkoloii fsa t ion erstellt. Juden aufs Land, als Bauern, von dem elenden Ghetto in Gottes freie Natur, aber nicht ins steinige, arme Palästina, in die fruchtbare Krim, in die Ukraine, mit dem fetten, schwarzen Boden. Gegen den Zionismus eingestellte reiche amerikanische Juden erwiesen sich bereit, mit den Bolschewiken zusammenzuarbeiten. Ihr Wohlfahrtsinstitut, der „ J o i n t", setzte eine große Propaganda in Szene. Ueber zwanzig Millionen Dollar wurden gesammelt und den Agenten Moskaus übergeben. Die Zeitungen Würden mit Bildern und Berichten von den herrlichen, rasch emporgedeihenden Judenkolonien überschüttet, alles mit einem hämischen Seitenblick auf das schwer arbeitende und mit Schwierigkeiten kämpfende jüdische Palästina. Das Geld, das man dem jüdischen Palästina, der Zukunft des jüdischen Volkes, ' vorenthielt, gab man bereitwillig den Bolschewiken, jenen, deren Ziel es ist, das Judentum auszurotten, den herzlosen Peinigern der russischen Juden. Dem Zionismus gegenüber tausend und tausend Bedenken. Den schwindlerischen, heimtückischen Phrasen Moskaus gegenüber geneigtes Ohr und gebefreudige Hände. Daß die Krimkolonisation trauriger Schwindel ist, geben die Agenten Moskaus selbst zu. Ihr Delegierter, der Kommissär S. Weizmann, hat vor einigen Wochen in Berlin in öffentlicher Versammlung eingestanden, daß die Krimkolonisation versagt hat und nicht fortgesetzt wird. Einige jüdische' Dörfer wurden für die vielen amerikanischen Millionen geschaffen und. in ihnen herrschen Hunger und Krankheit. In wenigen Jahren werden sie verlassen, ausgestorben sein. Den Moskauer Herren liegt nichts mehr daran, die jüdischen Millionen sind ausgegeben, das Spiel ist ausgespielt. Wie die Bolschewiken innerlich zu dem jüdischen Kolonisationswerk eingestellt sind, zeigt die Geschichte der Kolonie Tel Chaj. Diese Kolonie, als einzige, entwickelte sich und gedieh, dank ihres eigenartigen Mensdienmaterials. Und gerade Tel Chaj wurde liquidiert. Auf dem jüdischen Kongreß in New York erzählte Leo M. G1 a ßraann, welcher mehrere Jahre in Sowjetrußland weilte, die Geschichte der Gründung und Auflösung von Tel Chaj: Der Fall von Tel Chaj ,ist charakteristisch für die Art, in welcher die Sowjetregierung durch ihre jüdischen Henker, die Leute von der Jewsekzia (jüdische Abteilung bei der Moskauer Regierung)» Alle im redakMnnel'en Teil befindlichen entgeltlichen Notizen sind durch ein beigefügt«* .£ bezeichnet. — Gebt den Hunden 5 Rubel! das jüdische Problem behandeln läßt. Als die j ungen, zionistisch gesinnten ^beitej (Chaluzim) nach Tel Cnaj kirnen, war*" '"les I^ättlieg^mdesaf' Weideland. Die Regierung stellte den Boden bei, der „Joint" gab den Kredit für die Einrichtung und die Kosten der ersten Monate. Für alles andere hatten die Chaluzim selbst zu sorgen. Ihr Ziel, das sie übrigens nie verhüllten, war, junge Männer und Mädchen landwirtschaftlich auszubilden und nach Palästina zu senden. Drei Jahre sollte die Ausbildung dauern. Die abwandernden sollten durch neue Zöglinge ersetzt werden. In dieser Weise wollten sie Sowjetrußland und Palästina dienen. Der Eifer, die Hingabe und Intelligenz dieser jungen Idealisten überwand alle Hindernisse. Während alle anderen Kolonien im Kampf gegen die großen Hindernisse unterlagen, siegte Tel Chaj. In drei Jahren war Tel Chaj hungerfrei* nicht mehr auf Unterstützung angewiesen und galt als die kommunistische Musterkolo n/ie. Den Chaluzim galt ihre Kolonie als heilige Sache» welcher sie Leib und Seele hingaben. Sie waren Träger der kommunistischen und zionistischen Idee. Ihre Wirtschaft gründete sich auf Kommunismus und jüdisdien Idealismus. Sie feierten alle bpIschewikischen und jüdischen Feste, sie hatten eine Fortbildungsschule, in welcher Kommunismus und Zionismus gelehrt und besprochen wurden. Aber der wachsende Erfolg dieser jüdischen Jugend, welche auf dem öden Boden der Krim ein schönes Werk errichtet hatte, weckte den Neid und Haß der Jewsekzia. Eine Wühlarbeit begann, von außen und von innen her. Eine kleine Zahl von reinen, das heißt antizionistischen Kommunisten hatten sich in Tel Chaj festgesetzt und begann, von den Leitern der Jewsekzia, L i t w akow und Tscheweriski, ermutigt, die Zerstörungsarbeit. Zuerst forderten sie die A bschaffung aller jüdischen Feste, weil diese Feste gegenrevolutionär sind. Dann verlangten sie, daß nur reine, das heißt antizionistische Zöglinge aufgenommen werden. Schließlich forderten sie die Einstellung der Transporte von Chaluzim nach Palästina. Der Streit begann. Die Chaluzim wären wohl mit den Angreifern fertig geworden. Aber hinter diesen Leuten standen die Jewsekzia und die allmächtige sowjetistische Geheimpolizei (G. P, U.). Der jüdisch-amerikanische Joint wollte sich ins Mittel legen. Er hatte ja das viele Geld hergegeben und glaubte, etwas m i tsprechen zu dürfen. Vergeblich. Die Moskauer Regierung ordnete die Auflösung von

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