Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 4 (1930)
- Issue
- Heft 120 (3.1.1930)
- Date
- 1930-01-03
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2711613-2711736-2711738--1585-2714810- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nr« MO BRNElflE WBLT SeHtt Die letzten Verhandlungstage der Untersuchungskommission. JSVitchenfkll bei der Schlußrede des zionistischen Anwalts. Aus Jerusalem, 24. Dezember, meldet die J, T, A.: Am 24 Dezember faßte Sir Frank Boyd M e r r im a n, der Hauptanwalt für die Jewish Agency, den jüdischen Standpunkt vor der Kommission in ausfuhr* lieber Rede zusammen. Nadidem er siebeneinhalb Stun* den gesprochen hatte, unterbrach er seine Rede um halb 7 Uhr abends. Während seiner Redö wurde er vom liberalen Mitglied der Kommission, H o p k i n s-M o r r i s, und vom Vorabenden, Sir Walter Shaw, mehrfach unterbrochen, als er in scharfen Worten die Vertretung des Regierungsatandpunktes durch den Anwalt der Re gierung, Kenelm P r e e d y, angriff, so daß Sir Boyd seine Rede schließlich vorzeitig abbrach. In dem kleinen Ver handlungsraura waren ungefähr 20 Zuhörer anwesend, die gekommen waren, um Sir Boyds Reatime zu hören, unter ihnen die Mitglieder der Zionistischen Exekutive Harry Sacher, Celano! Kjsch, Rabbi Meir Berlin, Doktor Arthur Ruppin und Joseph Sprinzak, ferner der Sekretär der amerikanischen Sektion der Jewish Agency, Doktor Maurice B. Hexter, der Oberstaatsanwalt Norman Bentwieb, der Regierungsschatzmeister Stuart S. Davis, der Leiter des Immigrationsdepartements, Albert M. Hyamson, der Bodenkommissilr A- Abromson und der stellvertretende Distriktakommissär für Jerusalem, L. G. A, Cust (Davis, Abramson und Cust sind keine Juden). Der Zwischenfall, der von Hopkins-Morris' Unterbrechung Sir Boyda seinen Ausgang nahm, hat auf die öffentliche Meinung einen außerordentlich peinlichen Eindruck gemadit. Man weist darauf hin, daß Sir Boyd sich mit der Haltung der Regierung vor den Unruhen, während ihrer Dauer und nachher beschäftigt habe und daß es daher dnrehans angebracht war, auch die Haltung der Regierungsonwiilte in Frage zu stellen» da offenbar sowohl der Hauptanwalt als auch der zweite Anwalt Drayton nadi Instruktionen der Regierung vorgegangen sind. Die Verhandlungen werden nun schnell zu Ende geführt. Sir Boyd Merriman und Visgount Erleigh begeben sich schon Freitag über Alexandrien nadi London, wo sie am Dienstag erwartet werden. Die Mitglieder der Kommission verlassen am Sonntagmorgen Palästina und begeben sich über Port Said nach London. Auch Harry S a c h e r verläßt am 5. Jänner Palästina, um mit dem Präsidenten der Jewish Agency zusammenzutreffen. Sir Boyd Merrimans Rede. Sir Boyd begann seine Rede, indem er die Befugnisse und Aufgaben in Erinnerung brachte, die der Untersuchungskommission zugemessen worden sind, nämlich: „die unmittelbaren Ursachen, die zu den letzten Unruhen in Palästina geführt haben, zu untersuchen und die ^Schritte vorzuschlagen« die notwendig sind, um ihre Wiederholung zu vorhindern". Er erinnerte ferner an den USinweis des Qberrabbiners Kook. daß die Kommission im Land« sei, um zu unter" suchen, warum wehrlose Juden getötet werde» sind, stobt außerhalb jeder Diskussion, daß ein a r a b i* scher Angriff auf die Juden stattgefunden hat. Das gilt für das ganae Land, aufler vielleicht für Haifa. Aber auch hier würde es falsche Einschätzung von Ursache und Wirkung bedeuten, wollte man den Ausbruch der Uu* ruhen auf den von einem Juden abgegebenen ersten Schuß aurttckführen. Hinsichtlich der Frage, wann das erste Opfer in Jerusalem getötet worden ist, vertrat Sir Boyd Merriman den Grundsatz, daß nicht der Zeitpunkt des ersten Mordes von Bedeutung ist, sondern die Aufeinanderfolge der Ereignisse. Waren die Ausschreitungen durch einen unmittelbaren Ausbruch der Volksleidenseheft verursacht oder da« Ergebnis systematischer Organisation und Verhetzung? Trifft das Letztere m, dann ist zunächst die Frage nach der Verantwortlich» keit zu stellen» Unter Berufung auf die Aussagen der A P 8 rt 8 Schlager „ # Rsrcroffig NaoW Prell l lao«.» tttpfgUft ALLE SCHLAQCR STETS AM LAOßRl MUSIKHAUS EXCELSIOR Inhaber Richard ÜWIOfl Uhibtr!« Adi«i»oa«s« Uli Ali *>• T«lt»fc»ni7biS4.tO Ifim TfliBho» i A-41 . 11 444 Polizeibeamten, daß alle Unruhen In diesem Lande auf religiöser Grundlage beruhen, konzentrierte sich Sir I Boyd im Fortgang seiner Rede auf die Holle, die der Großmufti im Zusammenhang der Ereignisse spielte« Er behauptete, das Motiv des Großmufti sei die Abseht gewesen, die Moslems, einschließlich derer, die seine scharfen Gegner sind, organisatorisch zu konsolidieren, zu dem Zwecke, um sein Amt zu befestigen. Er stellte die organisierte Kampagne dar, die vom Großmufti seit dem Jom Kippur 1928 geführt worden ist und durch die die KUgemauer als mohammedanisches Heiligtum reklamiert und populär gemacht werden sollte. Sir Boyd legte die Unhaltbarkcit des Argumentes dar, dessen sich die Moslems in ihrer Eingabe an die Permanente Mandatskommission des Völkerbundes bedienten, daß die Juden an der Klagemauer nur die Rechte von Besuchern genießen könnten, die gleichen, die auch andere Besucher haben. Die Einführung eines Muezzin, der die Moslems von der Mauer herab zum Gebet aufruft, die Einrichtung einer Musikkapelle in der Nähe der . Mauer und andere Neuerungen wurden einzig und allein zu dem Zweck unternommen, um die mohammedanischen Besitzrechte an der Mauer immer stärker fcnm Ausdruck zu bringen. Die Behauptungen deB Großmufti und anderer arabischer Zeugen, daß die Misrach«-Ornamente und Simchath-Thora-.Föhnchen mit Phantasieabbildungen des Salomonischen Tempels Beweis für jüdische Aspirationen auf das Tempelgebiet seien, auf weldiem die Omarmoschee steht, sind absurd. Sir Boyd erinnerte die Kommission an die Aussage der Oberrnbhi Kook, derzufolge die Wiedererrichtung des Tempels den Juden eine mesBianisdie Hoffnung ist und sie den materiellen Besitz des Tempelgebietes nicht erstreben. Er wies alle von mohammedanischer Seite gemachten Behauptungen, daß die Juden sich in den Besitz des Tempelgebietes setzen wollten, als völlig haltlos zurück und erweckte allgemeine Heiterkeit durch die Bemerkung, daß die Türken nie daran Anstoß genommen haben, daß in englischen Kirchen die Hymne „Jerusalem, mein glücklich Heim" gesungen wurde. Zu der Legende von den »Protokollen der Weisen von Zion" and ihrer Publikation in mohammedanischen Zeitungen übergehend, legte Sir Boyd dar, daß die ganze Kampagne eine der Hauptursachen war, durch die der Ausbruch der Unruhen verschuldet worden ist. Er ging das gesamte durch die Zeugenaussagen gewonnene Beweismaterial durch und wies eine starke Bewegung der arabischen Agitatoren im ganzen Lande ypr Ausbruch der Unruhen nach. Zur Frage der Immigration erinnerte Sir Boyd die Mitglieder der Kommission, daß die Vernehmungen «ich nicht auf die Frage der höheren Politik belogen heben. Wenn man aber gelbst annimmt, was durchaus bestritten worden ist, daß die Besdiäftigung yon Juden eine höhere Besteuerung einschließt, so ergäbe sich die Yerpflidjturig dazu seiner Meinung nach trotzdem aus dem Mandat. Die Existenr der englischen Administrator hier ist mit dein jüdischen Nationalhem verbunden. Weil wir uns zur Balfour-DekUrattan bekannt haben, haben wir das Palästina-Mandat mit der Hilfe «oleher Männer, wie Herr Sacher einer ist, erhalten, Die britische Administration in Palästina hat die öffentlichen Leistungen erhöht und den Wohlstand der Einwohner verbessert. Wenn man annimmt, was der Wahrheit widerspricht, daß die öffentlichen, Lasten erhöht wurden, dann müßten die Araber die Vorteile der britischen Herrschaft gegen die behaupteten Nachteile abwägen. Das Memorandum der arabischen Exevutive, mit dem gegen die vom High Commiswoner nach seiner Ankunft in Palästina erlassene Proklamation protestiert wurde, ist ein von Anfang bis zum Ende verlogenes Dokument. A)le in ihm enthaltenen Behauptungen über die Haltung der Juden sind von den informierten Beamten kategorisch widerlegt worden, Die arabische Zu. mutung, daß die zionistischen Führer vorbedacht die Zwischenfälle verursacht haben, um Geld und Sympathien zu werben, ist eine Behauptung, so teuflisch, daß man sie nirgends anderswo als in der Hölle erwarten würde, Hier erhob »ich der zweite Anwalt der arabischen Executive, Silley, und beitritt, daß er zu der Vermutung Anlaß gegeben habe, die zionistischen Führer hätten Massacree gewünscht. Wie immer die diesbezügliche Behauptung interpretiert werde, replizierte Sir Boyd, ist es unerhört, verantwortlichen Menschen zuzumuten, daß sie mit dem Feuer spielen, Die Schuld der Regierung, Im weiteren Verlauf seiner Rede kam Sir Boyd auf die Verantwortlichkeit der Regierung zu sprechen» SITMAR BHH Naoh ÄGYPTEN und PALÄSTINA mit den Luxusdampfeni JD1I1"«JBPfflT Genua ftuftdrahrtfit Im Mlft«im«*r Neapel — Sizilien — Aegypten — Palästina — Syrien — Zypern — Konstantinopel — Athen — Neapel — Mftfsaille - Genua au besonder» ermäßigten Preisen .üskünfte: .Sltm (Ecks Schwatzenbwgplatx) Auskünfte: ,8ltmsr\ 1. Kflmtnerrlng 16 Telephon U-4S0QÖ Ol Nachdem er seine Beschuldigungen gegen Luke persönlich wiederholt hatte, spradi Sir Boyd im einzelnen Uber die Regierungskommuniquees und die Kabelberichte an das Kolonialamt während der Unruhen und über die wichtigen Interviews, die Luke erteilt hat und von denen er nun behauptet, daß er sich ihrer pidht mehr erinnere. Die Entwaffnung britischer Juden war ein schwerer Fehler,. Die/B es obuldigung en gegen die Regierung faßt Sir. Boyd in den folgenden fünf Punkten zusammen* 1. Man hat es unterlassen» sich mit der Auf« hetzung durdi die Presse zu beschäftigen, die im Jänner begann, als die Leitungen einen Heiligen Krieg wegen der Klagemauer propagierten. 9. Man hat es unterlassen, in einer Regierungserklärung die Behauptung zurückzuweisen, daß die Juden Angriffe auf islamisd»© Heiligtümer beabsichtigen. 3. Durch die Bewilligung der Tisoha b'Aw*De* monstration an der Klagemauer hat die Regierung die Verantwortung für diese Demonstration auf sich genommen, Auf die Darlegung dieses Punktes verwandte Sir Boyd mehr als eine Stunde. Durah die Be^ willigung der Demonstration, so führte er aus, war diese der Kompetenz der Zionistischen Exekutive entzogen und wurde im Gegensatz zu der von den arabi" sehen Anwälten vertretenen, Darstellung eine An* gelegenheit zwischen der Regierung und den jungen Menschen, die die Demonstration bildeten, 4. Dett übereinstimmenden Warnungen der jüdl« sehen Repräsentanten an allen Orten des Landes wurde zu wenig Beachtung geschenkt, als alle.Berichte einschließlich der hebräischen Presse in der Befürchtung einig waren, daß am Freitag grauenvolle Dinge gesdiehen würden. (Bei der Erwähnung der Leitung „Davar" in diesem Zusammenhang fragte Sir Walter Shaw, oh das eine jüdische Zeitung sei») . 3. Unter Mißachtung der Warnungen hat die Regierung keine Verstärkungen herangeholt, keinen angemessenen Gehrauch von den verfügbaren Schutz* kräften gemacht und ließ das Feuer auf die Angreife» in Jerusalem nicht eröffnen. In Jaffa und Nablus, wa die Truppen feuerten, breiteten sich die Unruhen nicht aus. Auf die Bemerkung des Begierungsanwalte* Preedy zurtickjeommendt daß die Erweiterung de* Jewish Ageney die Araber alarmiert habet wies Sir Boyd die Mitglieder de? Kommission darauf hin. daß das Palästina-Mandat die Erweiterung der Jewish Ageney, über den Rahmen der zionistischen Organisation hinaus vorsieht und daß die Erweiterung in Zürich erst nach Ueberwiu* dung eine? starken zionistischen Opposition *«* standegekommen ist, wobei jede ßtttfe der Entwicklung, im Einvernehmen mit der britischen Regierung und der PalästinarRegierung erzielt wurde. Es ist absurd, wenn jetzt der Regierung*, anwalt gegen die verantwörtlichen zionistischen Stellen Wocheti-Kalender Jihwe? 1930 na» > mn . T©bßth 539Q 1 Freiing JHa Sabbateinsana 4.QS •(hsw-rw?» ti ™"4"; Samstag 4~T 8anbstausg*ng 4.59 r»w yp*i rroon 5 Sonntag |-n e Montag fl~1 7 Disnstag 7-r * Mittwoch S—n 9 Donnerstag