Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 4 (1930)
- Issue
- Heft 120 (3.1.1930)
- Date
- 1930-01-03
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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r feffei Dffi NBÜE WELT .vorwurfsvoll so spricht, als ob die Erweiterung der Jewish Agency ein gegen die Araber gerichtetes Unternehmen wäre. Wenn dem so ist, sagte Sir Boyd, dann1 muß die Regierung hier nnd in London die Verantwortungaof siel nehmen, denn sie sind »n Urem Znstandekommen mitbeteiligt. : Die Sicherheit der palästinensischen Währung. Aus Amman, 23. Dezember, meldet die J. T. A^ Der Finanzsekretär der transjordanischen Regierung erklärte im Parlament, Transjordanien täte am besten, die palästinensische Währung einzuführen, wo» durch eine festere wirtschaftliche Verbindung zwischen beiden Ländern geschaffen würde. Die palästinensische Währung, sagte er, ist stabil und gilt auf den Weltmärkten so gut wie das englische Pfund. Der Haifaer Hafen. Jerusalem, 22. Dezember. (J. T. AJ Ein offizielles Comnruniqu6 teilt mit, daß die Arbeit am Haifaer Hafen mit Riesenschritten vorwärts gehe. Seit dem 15. September sind in Haifa rund 800 Tonnen Maschinen und anderes Betriebsmaterial eingetroffen, mehr als 5 Meilen provisorische Schienenwege wurden fertiggestellt, Lokomotivendepots, Schmiede- und Tischlerwerkstätten, Kohlen-Lagerräume, Wassertanks, Sprengstoff-Magazine usw. sind im Entstehen; ein endgültiger Plan permanenter Arbeit ist bereits ausgearbeitet. Der Dampfkran zur Hebung schwerer. Steinblöcke, der auf dem Platze des Hauptwellenbrechers aufgestellt wurde, ist.bereits in Tätigkeit,,mit seiner'Hilfe wurden bereits: 12 Meter des Wellenbrechers in das Meer hinein vorgebaut. In dem Communique' wird der Haifaer Hafenbau ein epochales Werk genannt. ßfa Gedächfnisliam für die jüdischen Kriegstoten Ungarns. Der Pro-Palästina-Verband ungarischer Juden hat im Einvernehmen mit der Hauptkanzlei des Jerusalemer ,;Keren Kajemeth Lejsreal" beschlossen, zum Gedächtnis der im Weltkriege gefallenen ungarischen Juden im heiligen Lande einen Gedächtnishain zu pflanzen. Das englische Schächtgesetz. Die von Colonel Moore im Unterhaus eingebrachte und vom Commander Kenworthy und Sir Archibald Sinclair unterstützte - Schlachthausbill, die Vorschriften für humanes Töten der Schlachttiere enthält, setzte mit Bezug auf diese Vorschriften eine Ausnahme für Juden und Mohammedaner fest, denen in keiner Weise verwehrt sein darf, Tiere gemäß den Vorschriften ihrer Religion zu schlachten, sofern den Tieren lädht unnötiges Leiden zugefügt Werde. Von der litauischen Kultur. ' Im Meinelland wird Judenblut abgezapft. Die jüdische und christliche Bevölkerung Litauens ist in, großer Erregung infolge unglaublicher barbarischer Taten, die sich memelländische Polizei gegenüber litauischen Juden hat zuschulden kommen lassen. Am 29. November wurden in dem memelländischen Dorfe Panemun, unweit Pogegens, hart an der deutschen Grenze bei Tilsit alle vorüberfahrenden Juden und Jüdinnen aus Groß-Litauen, etwa 50 an der Zahl, von litauischen Gendarmen festgenommen und in. eine Baracke abgeführt. Nacli einigen Stunden erschienen zwei Aerzte in -Begleitung von Gendarmen, befahlen den festgehaltenen jüdischen Mähnern, Frauen und Mädchen die Arme zu entblößen, worauf ihnen zwei Liter Blut abgezapft wurden. Das Blut wurde dann auf Anordnung aus Memel nach Tilsit zur Untersuchung im dortigen Laboratorium transportiert. Hierauf ließ man die Verhafteten frei. Dieser Prozedur der Blutabzapfung wurden ausschließlich, jüdische Reisende, aber kein einziger Nichtjude unterworfen. Der Umstand, daß man so spat über diese barbarische Tai erfahren hat, liegt darin, daß die Betroffenen —• Juden aus litauischen Kleinstädten — eigentlich froh waren, daß es mit dem Blutabzapfen sein Bewenden hatte und sie nicht gezwungen wurden, zurückzukehren. Einer dieser jüdischen Reisenden aber, Mordechai L u r j e, der inzwischen nach Schaulen zurückgekehrt ist, erstattete dem Staatsanwalt in Schaulen genauen Bericht. Der Staateanwalt wandte sich an das Grenzkommissariat und erhielt von dort die Bestätigung der Blutabzapfungsprozedur. Es wird mitgeteilt, daß die Blutabzapfung seitens der Aerzte und der Gendarmen auf Anordnung des Memeler Direktoriums durchgeführt wurde, angeblich um festzustellen, ob sich unter den reisenden Juden Kranke befinden. Im Memeler Landtag hat die litauische Fraktion eine Anfrage an das Direktorium über die Handlung d$r Polizei und der Aerzte gerichtet. Eine Antwort ist noch nicht erteilt worden, aber es verlautet, daß die Polizei auf Grund einer Verordnung des Di rektoriums gehandelt hat, diese Instruktionen aber weit, überschritten habe, es hätte nicht allen Juden Blut abgezapft weiden sollen. In unterrichteten Memeler Kreisen glaubt man, daß die lokale Behörde durch diese Handlung die aus Groß-Litauen kommenden Kaufleute abschrecken sollte, daß sie nicht nach dem Memelland kommen und der einheimischen Kaufmannschaft Konkurrenz machen. SIEGM. KORNHEHL <IROSSFI.US<HHAUIRll Zentrale IX.. Beryganae 19, Telephon 17-3-99 u. 16«9-34 Lieferant für Heilanstalten «MM oftter Aufriebt des Ehrwürdigen Rabbinats der Isr. Kultasgemeiikde Wien . . AutoMsMIIang kostenlos IX., BftrftMt« IS s XVIII., Wlfcrlnscrstr. 97 kssbbbe^^ ''''IM Aus der Wiener Judengemeinde. Zur Aufklärung. In dem Organ des Zionistischen Landeskomitees ist ein über sechs Spalten langer, gegen mich gerichteter Angriff erschienen. Ueber einige der erhobenen Beschul* digungen habe ich mich in der letzten Nummer der „Neuen Welt" geäußert. Diesmal will ich mich mit den Vorwürfen beschäftigen, welche dahin lauten, daß ich im Jahre 1924 für eine Wahlgemeinschaft mit der „Union österreichischer Juden" eingetreten bin und im-Jahre 1928 die weitere Arbeitsgemeinschaft mit der „Union" als Preisgäbe der zionistischen Grundsätze ver* urteilte und auch jetzt verurteile. Vorausgeschickt sei, daß es weder gegen zionistische, noch auch gegen meine persönlichen Grundsätze verstößt, für eine gewisse Zeit und einen gewissen Zweck eine Wahl* oder Arbeits* gemeinschaft mit einer anderen politischen Gruppe ein* zugehen. Wesentlich sind nur die Bedingungen, vor allem die Bedingung, daß hiebei kein wesentlicher Grundsatz des eigenen Programms preisgegeben wird. Ich habe auch bei den seinerzeitigen Verhandlungen mit der „Union" die Gegenseite von vornherein dahin informiert, daß kein wesentlicher zionistischer Programm* punkt, so vor allem die Forderung nach dem ailge* meinen Wahlrechte für Männer und Frauen, der Wahlgemeinschaft zuliebe preisgegeben werden kann und wird. Im zionistischen Wahlaufruf war damals dieser Punkt auch nachdrücklich hervorgehoben. Der parlamcn* tarische Kampf ums allgemeine Wahlrecht war den Wäh* lern versprochen und schien auch nicht aussichtslos, da es in den früheren Jahren gelungen war, wesentliche Ver* besserungen des Wahlrechtes auf diesem Wege durchzu* setzen. .. /-! Nach einiger Zeit der Zusammenarbeit mit den Vertretern der „Uniort" erwies sich abCr, daß diese ent* schlössen waren, nicht nur gegen jede Erweiterung des Wahlrechtes zu stimmen, sondern auch jede B eh an d* l'ung der Wahlrechtsfrage einfach nicht zuzu* lassen. Ein Dringlichkeitsantrag, den ich als Klubobmann eingebracht und den alle zionistischen Vertreter unter* schrieben hatten, wurde fast ein Jahr lang sabotiert, von den Verhandlungen ausgeschlossen. Schließlich erklärten die Herren von der „Union" ganz offen, daß sie auf Preisgabe des' zionistischen Antrags bestehen. Im Falle die Zionisten sich nicht fügen' wollen, würden sie zur Auflösung des Vorstandes und Neuwahlen schreiten. In dieser, für die Zionisten unerträglich und unwürdig gewordenen Situation beantragten Doktor Plaschkes und ich Kündigung der Geineinschaft, deren parlamentarischer Ausdruck eben das Stimmen g e* gen das Budget war. In der Sitzung des zionisti* sehen Klubs traten die Herren Dr. Friedmann, Dr. Löwen* herz und Dr. Ehrlich und andere nicht nur gegen unseren Antrag und für die Duldung der. unwürdigen Bedingungen der „Union" ein. Dr. Löwenherz durfte sich, von-seinen' Kollegen nicht behindert, die Behauptung erlaub.eil,-d äß es'.übet ha upt nicht feststehe, ob.die F o r* derung nach dem allgemeinen Wahlrecht ein wesentlicher Punkt des zionistischen Cemeindeprogrammes sei. ..... Dr. Plaschkes und ich blieben allein. Wir legten unter Protest unsere Mandate zurück. Wie recht wir daran getan hatten, zeigte die nächste Zukunft. Nach den Wahlen im Jahre 1928 hat die „Union" wieder unter An* drohung von Neuwahlen die Rückstellung der Forderung nach Wahlrechtsreform Seitens der Zionisten kategorisch gefordert! Uebers Wahlrecht darf überhaupt nicht gesprochen werden! Und die zionistischen Mandatare haben sich wieder gefügt! Unter solchen Umständen ist es ein starkes Stück, die programmtreue' Bündnispolitik, die ich geführt habe, dem gleichzustellen, was heute getan und was heute von zionistischen Man* dataren ruhig hingenommen wird. Meine Freunde und ich, die demokratischen Zionisten, verstehen es, daß man unter gegebenen Bedingungen ein Bündnis schließt. Aber wir sind gegen jedes Bündnis, wenn Preisgabe der Würde und der Grundsätze der Organisation die Bedingung ist. Die Annahme solcher Bedingungen bedeutet vielleicht Sicherung von Mandaten und Subventionen für eine kurze Gegenwart, sicher aber den Verlust des Vertrauens der Juden in der Zukunft. Wir verwahren uns gegen ein« solche Politik. Wir werden es auch weiterhin verweigern, für eine solche Politik die Verantwortung mitzutragen, Pen Vorwurf, daß diese Weigerung Disziplinlosigkeit und Zerstörungsarbeit ist, weisen wir als lächerlich zurück, Robert Stfjgkjr« Hevesi revidiert den Friedensvertrag. Aus Budapest wird uns geschrieben: Nach langwierigen diplomatischen Verhandlungen ist es gelungen, auch den Juden Ungarns eine Vertretung in der Direktion der ungarischen Liga für die Revision des Friedens-, Vertrages zu sichern, indem der leitende Oberrabbiner der Budapester Kultusgemeinde Dr. Simon Hevesi in den Direktionsrat berufen wurde. Daß es heute zum ungarischen Patriotismus gehört, sich den Revisionsbestimmungen anzuschließen und den Kampf um die Aenderung des Friedensvertrages zu fördern, ist begreiflich. Es ist eine innerpolitische Frage. Unter den Revisionisten befinden sich ebenso Zionisten wie Assimilanten und auch die chauvinistischesten Magyaren unter den Führern der Revisionsliga denken nicht daran, diese Fragen miteinander zu verquicken. Um so widerlicher wirkte die erste Rede des Oberrabbiners Dr. Simon Hevesi in der vor kurzem stattgefundenen Direktionssitzung der Liga, in welcher dieser Führer der Juden ohne jeden Anlaß in scharfer Weise gegen den Zionismus Stellung nahm, um auf solche Weise selbst seine Kollegen im Direktionsrat an Patriotismus zu übertrumpfen. Ganz unvermittelt erklärte Dr. Hevesi: „So oft das ausländische Judentum an uns die Frage stellt, warum wir uns nicht dem Zionismus anschließen, antworten wir jedesmal, daß unsere gemeinsame Mutter, die ungarische Nation, unter dem Joch der größten Un-; gerechtigkeit stöhnt, weshalb wir mit Leib und . Seele uns. für sie in die Bresche schlagen müssen., Im Direktionsrat sitzen unter anderen auch der berüchtigte Tibor Eckhardt, der große Judenhasser, ferner der Vater des Numerus clausus Stephan H a 11 e r und andere Größen des magyarischen Antisemitismus und Führer, der blutigen Epoche des christlichnationalen Kurses, der: so vielen hunderten Juden das Leben gekostet hat. Keinem von ihnen hei es ein, bei diesem Anlaß die Judeufrage in die Debatte zu zerren. Bloß dem Oberrabbiner Dr, Hevesi war es vorbehalten, sich so tief zu erniedrigen, daß er den größten Judenfeinden Ungarns den Dank dafür, daß sie nach langem Widerstreben geruhten, sich mit einem Vertreter des Judentums an den Direktionsratstisch zu setzen, dadurch abzustatten, daß er die Zionisten denunziert. Das Tote-Meer-Projekt. Von Ing.-Chcm. Rudolf Seiden, Wien. Dieser Tage hat die Tote-Meer-Gesellschaft ihrei administrativen Bureaus in Jerusalem eröffnet. Zum Leiter wurde Dr. Vriesland bestellt. Die Gesell-' schuft ist mit einem Kapital von Pfd. St. 400.000 ausgestattet, das in 230.000 Stück 7,5prozentige Vorzugsaktien ä Pfd. St. 1, 150.000 Aktien, die sowohl als Vorzugswie-' als Stammaktien ä Pfd. St. 1 ausgegeben werden :können und 400.000 Stück Aktien ä 1 Shilling eingeteilt ist. Die Konzession. ' Uas Tote Meer birgt enorme Schätze — und doch wurden diese bis jetzt noch nie ausgewertet; denn das gelegentliche Einsammeln von Asphalt und die zeitweilige, recht primitive Gewinnung von Salz durch Beduinen kann ja nicht als Exploitierung des Toten Meeres bezeichnet werden. England hat -am;23. Mai 1939; im Bureau des Kronagenten der Britischen Regierung. — nach langwierigen, in Jerusalem und London geführten Verhandlungen — die Konzession dem ehemals russischen Bergingenieur M. N o v o.m e y s k i und dem aus' Schottland stammenden Maschineningenieur M, J. Tul-- loch, der als Major im Dienste der englischen Armee1 steht, zuerkannt. Die Konzession wurde auf die Dauer von 75 Jahren erteilt; die Konzessionäre haben die Verpflichtung übernommen, eine Aktiengesell sc h a f t mit einem bar eingezahlten Stammkapital von 100.000 Pfund innerhalb eines Jahres zu gründen und am Toten Meer Anlagen zu errichten, die es ermöglichen, daß spätestens in acht Jahren die jährliche Produktion an Salzen zumindest 50.000 Tonnen beträgt; die Konzession erstreckt sich auf die „Gewinnung von Kaliumlcarbonat und Chloriden". In den letzten Wochen hat sich in London die neue Gesellschaft bereits konstituiert; ihre Statuten besagen, daß die Majorität des Direktoriums aus englischen oder englischen und. palästinensischen Staatsbürgern gebildet werden müsse und daß zum Vorsitzenden des Direktoriums nur ein Engländer gewählt werden könne. Gegenwärtig bekleidet the Earl of Litton dieses Amt; Mitglieder des Direktoriums sind u. a. Sir Ernest T e n n a h t, Bernard Flexner, Felix M. Warbur g, Leslie Ur q uha r t, Israel H. Brodie, Edward Friedmann und ein Vertreter der Jewish Agency. Demnach sind in der Leitimg der neuen Gesellschaft Engländer und Juden, aber keine Achtung Buczaczerl Die Proponenten des in Gründling befindlichen ♦„Vereine« der Buczaczer" in Wien bitten alle < hier lebenden Buozaozer (Stadt und Umgebung) Ihre Adresse Herrn Ch. Ederer, II., Odeong. 11, Tel. R-49-2-67, raschesten» bekannt zu geben•