Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 4 (1930)
- Issue
- Heft 120 (3.1.1930)
- Date
- 1930-01-03
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Sotff I Öef den aufständischen Drusen Gekl sandte, sind die Fran- 2<mm nicht. Als der Mufti von den Ereignissen ein Visum für Syrien verlangte, wurde es ihm vom #f*n«Wedien Konsul verweigert." Diese Ansichten kommen auch in einer Reihe von Aölsäteen im ».Petit Parteien" zum Ausdruck, d*e Senator Godard den Berichten des Korrespondenten def Zeitung Albert Londre anfügt Zwischen London und New York* Unstimmigkeiten in der erweiterten Jewlsh Agency« — Differenzen zwischen Weltmann und Warburg. Der gut unterrichtete Londoner Korrespondent des Warschauer Tagblattes „Hajnt" meldet: Die ruhige Zusammenarbeit, welche Weizmann von der Agency erhoffte, ist nicht eingetreten. Warburg, der Präsident des Administrationsrates der Agency, verursacht Weizmann mehr Sorgen al« die ganze zionistische Opposition. Warburg schickte einen eigenen Vertreter, Rechtsanwalt Jonas G o 1 d s t e i n, zur Untersuchungskommission nach Palästina, ohne Weizmann und die Londoner zionistische Exekutive hievon zu verständigen, welche ihrerseits den Londoner Anwalt Merriman eingesetzt hatten. Goldstein wurde in London und Jerusalem kühl behandelt und reiste erzürnt nach New York zurück. Goldstein brach auch die Verhandlungen wegen der Verteilung der amerikanischen Hilfsgelder ab. Daraufhin hat Warburg die Hilfsgelder einfach gesperrt. Von Amerika erhält Weizmann fortdauernd förmliche Aufträge in den verschiedensten Angelegenheiten. Als ob nicht er Präsident der Agenoy wäre und als ob die Zionistische Exekutive überhaupt nicht exististieren würde, Die Angelegenheit wird dadurch verschärft, daß die amerikanische Gruppe Warburg-Brandeis eine andere Orientierung bezüglich Palästinas hat, als die Londoner zionistische Exekutive. In Amerika herrscht die Tendenz, über die Londoner Exekutive hinweg mit dem palästinensischen Nationalrat (Waad leumi) direkt zu verkehren und diesem die Gelder zur Verfügung zu stellen. In dieser Hinsicht soll der Präsident des Waad leumi, Ingenieur Ruthenberg, eine entscheidende Rolle spielen. Die Stimmung hat dadurch keine Besserung erfahren, daß Warburg wiederholt von Oberrichter Brandeis, dem Gegner Weizmann«, als dem kommenden Manne gesprochen hat und den Präsidenten der ararikanisqhen Zionisten, Lipsky, der als Vertreter Weizmanns gilt, wonig beachtet, In Anbetracht all dieser Umstände hat die Londoner zionistische Exekutive sieh dahin entschieden, daß die geplante Reise Weizmanns nach Amerika vorläufig unterbleiben soll. Die Judennot in der Türkei. Wirtschaftliche Verelendung und Antisemitismus. (Von unserem Berichterstatter.) Sofia, Dezember 1989. Die größten und bedeutendsten spaniolisch-jüdischen Geineinden werden in den letzteren Jahren schwer vom Schicksal heimgesucht. Konstantinopei, Adrdanopel und Smyrna unter, der:Herracheft der Türken, S a i o n i k i unter Griechenland, verfallen rasch und unaufhaltsam. Salonikis Schicksal als eigenartiges, lebensprühendes jüdisches Zentrum war mit der Besitz« nähme durch die Griechen besiegelt; man wußte im voraus, daß der «eidvolie Wettbewerb der neuen Herren alles tun würde, um die überlegene jüdische Konkurrenz zu verdrängen und de» blühenden Handel dieses für den Balkan wichtigsten Hafens an sich zu reißen. Zur mannigfaltigen Drangsalierung der Juden gesellten sich noch wirtschaftlicher Rückgang und Dekadenz, Seitdem Saloniki vor dreizehn Jahren den größten Teil seines Hinterlandes einbüßte, sinkt die Stadt allmählich zur Bedeutungslosigkeit eines Landungsplatzes dritter oder vierter Or.d«ung herab. Die so emsige, aufstrebende Judenschaft verarmt, viele angesehene FamiUen wandern aus und das berühmte jüdische Gemeinwesen, einst die ,,Mutter Israels" und sein Stolz, ist in voller Auflösung. Noch trostloser gestalten sieh die Verhältnisse bei den Juden in der türkischen Republik. Adrianopel mit seinen 20,000 Juden, die Zierde der spaniolischen Judenheit, der Hort, wo sich die echte, duldsame Religiosität der Spaniolen am längsten erhielt, ist heute ein ödes, verarmtes und verfallenes Nest, das für die Türkei als Schutzwall und Einbruchstor für Konstantinopei nur noch eine gewisse strategisdie Bedeutung besitzt. Smyrna, der bunte, lebenssprühende Stapelplatz Vorderasiens und der Levante, bildet seit dem griechisch-türkischen Nachkrieg und der Vertreibung der Griechen einen ausgebrannten Trümmerhaufen, Handel und Gewerbe liegen total darnieder und die wirtschaftliche Notlage zwingt auch die Juden dieser Stadt zur Flucht, zur Auswanderung, Ganz besonders tragisch ist es aber in Konstantinopei und mit den Juden dieser Stadt bestellt. Unter der Herrschaft der Sultane wurde die Türkei für die Jude» der Hort von Tolerant und vornehmer Gastlichkeit; in der neuen türkischen Republik dagegen herrscht engherziger Nationalismus und brutale Unduldsamkeit; systematische wirtschaftliche Drang Halterung drosselt die Lebensbedingungen für die ->_-b_^ MS NEUE WEIT ENTZOCKT SS INGELENSSS^ „CAPTAIN" „FIGARO" „RAMONA" nationalen Minderheiten immer mehr ab, eine sinn- und herzlose Türkisierungspolitik untergräbt auch deren kulturelle Lebensöuflerungen. Am allermeisten haben die schutzlosen Armenier und die Juden darunter zu leiden. Die türkische Republik hat sich ein Gesetz gegeben, wonach die Hälfte aller im Handel und im Bankfadi beschäftigten Angestellten „türkische Staatsang eh ö r i g e" zu sein haben. Das Gesetz ist aber so textiert, daß man nicht recht weiß, ob nur piohammedanisch-tUrkische Staatsangehörige gemeint sind, und es wird in der Praxis zum Naditeil der nationalen Minderheiten angewendet. Tausende von Juden sind durch dieses barbarische Gesetz brotlos geworden, unzählige Familien haben ihre Existenzmöglichkeit eingebüßt. Nicht genug damit, holt die „moderne" Türkei zu einem neuen, noch wuchtigeren Schlage gegen Armenier und Juden aus. Die Vorlage zu einem neuen Brotkorbgesetz Hegt seit Juli 1929 dem türkischen Parlament zur Annahme vor. Danach bleibt eine lange Reihe von Berufen und Erwerbsmüglichkeiten einzig und ausschließlich für das türkis ch-mpha mm edani sc he Element vorbehalten; Aerzte, Advokaten, Dentisten, Veterinäre, Chauffeure, ambulante Händler, Haraals (Lastträger), bis hinab zu den berühmten Konstantinopler Stiefel- ^Brltolüi-Bin das Bett der Gegenwart und Zukunft m l<hl(|lf*u!euil8t mit einem Griff als Bett verwendbar p"ä josei Röblitz & Sonn "«s.12 putzem dürfen hinfort nur Türken sein, Kommt dieses Gesetz zustande, dann bleiben für die pichttürkischen „Staatsangehörigen" nur Hendel und Handwerk — und der Bettelsack noch übrig. Aber angesichts der unerhört prekären wirtschaftlichen,';, und kommerziellen Situation des Landes haben Handel und Handwerk jetzt schon ihre schwere Not sidi dur*chzusdilagen, und es wäre ganz widersinnig, anzunehmen, daß neue entreditete und verelendete Vqlksmassen ihren Broterwerb darin finden könnten, / Auch sonst kommt bei den jetzigen Machthabern der türkischen Republik der moderne Antisemitismus nach westeuropäischen Konzeptionen mit brutaler Offenkundigkeit immer mächtiger zum Durchbruch und nimmt bedrohliche Formen an. Man erinnere sich der Ermordung eines schönen jüdischen Mädchens, Elsa N i e g o, durch einen türkischen Wüstling, Sohn . eines Paschahs, und an die skandalösen Weiterungen, die sich aus der Mordtat ergeben haben. Während der Mörder als „pathologisch belastet" erklärt wurde und straflos ausging, wurden viele Juden wegen „antitürkischer Demonstrationen" bei der Bestattung des Opfers ins Gefängnis geworfen, malträtiert und unter Anklage gestellt. Der Präsident der jüdischen Gemeinde in Gelata-Konstantinöpei, David Bouton, und zehn andere Juden wurden auf Parlamentsbeschluß wegen „Schmähung des Türkentums" eingesperrt und unter Anklage gestellt. Als plötzlich das falsche Gerücht aufkam, daß vierhundert türkische Juden bei irgend einer Veranlassung ein Begrüßungstelegramm nach Madrid gerichtet hätten, erhob die gesamte, durchwegs nationalistisch eingestellte Presse ein furchtbares Gezeter gegen die .jüdischen Verräter an der türkischen R.e-. publik", das ungeschwächt anhielt, auch nachdem da8 Gerücht als unwahr erwiesen würde, Die türkise Presse, die unter den herrschenden Verhältnissen nur dasjenige schreiben darf, was den Machthabern paßt, ist ausgesprechen antijüdisch. An der bösartigen Verhetzung und Brunnenvergiftung können sich die Blätter „Son-Saat" („Letzte Stunde"), „Djimhuriet" („Republik") und „Akscham" („Abend") gar nicht Gentige tun. Als kürzlieh von einer jüdischen Firma, Fresco Freres, verlautete, daß sie bei staatlichen Lieferungen türkische Beamte bestochen hätte, war das mörderische Geschrei der türkischen Presse in keiner Weise gegen die ungetreuen Funktionäre, sondern nur gegen die „j U di s o h e Korruption" gerichtet, Was sich die Blätter und weitere tttrkischnationalistische Kreise an geheimen Erpressungen an Juden leisten, entzieht sich naturgemäß der Erörterung in der Oeffentlichkeit. Die türkischen Reformatoren heben es schon so herrlich weit gebracht, daß «ich ein Abgeordneter der Regierungspartei den Luxus erlauben durfte, das berüchtigte Machwerk „Die Weisen von Zion" in seinem Blatte zu veröffentlichen. So oft die türkische Valuta am internationalen finanziellen Markt eine Einbuße verzeichnet, werden die Juden und nur diese dafür verantwortlich gemacht. Wehe dem Juden, der es wagen würde, sich als Nationaljuden zu bekeuneu. Während am XIII. Zionistenkoitgresse die Nr. m Konstantinopler Judenschaft durch vier Delegierte vertreten war, kann jetzt in der ganzen Türkei nicht ein Sohekel verkauft werden. Was wollen die Türken eigentlich? Ist ihr wirtschaftlicher und nationalistisch-politischer Antisemitismus nichts anderes als Nachäfferei einer höchst problematischen „kulturellen Errungenschaft" des Westens, oder sollte ihnen, wie mancher behauptet, wirklich der Gedanke vorschweben, die auf zusammen 90.000 Menschen zusammengeschrumpfte Judenheit des Landes aufzusaugen, sie sich zu assimilieren, durch Affinität und Mischehen in sich aufgehen au machen I Der bis nun deutlich festzustellende Erfolg des türkischen Antisemitismus läßt sich in den Worten widergeben: Verelendung und Verarmung, Ratlosigkeit und eine ungeregelte, panikartige Flucht, eine Massenemigration nach allen Wind« riohtungen, ohne Führung, ohne eine Spur von Planmäßigkeit und Organisation. Daß die neuen Machthaber der Türke! mit einem sehr gefährlichen zweischneidgien Messer spielen, hat ein Vorkommnis in diesem Sommer sehr deutlich bewiesen. Als die Regierung Mustapha Kemels infolge der elenden wirtschaftlichen Lage des Landes eine Anleihe im Auslande abschließen wollte, wurden mit einer Gruppe Unterhandlungen angeknüpft, der unter Führung des Londoner Hauses Rothschild Max Warburg und die Niederländische Handelsbank angehörten. Wie dann „Financial Times" und die Pariser „Information" meldeten, lautete die ablehnende Autwort des Konsortiums dahin, daß, so lange die türkische Regierung ihre reaktionäre Politik gegen die „Fremde n" fortsetzt, an eine Anleihe nicht zu denken wäre. Die Anleihefrage muß und wird wieder aktuell werden, denn ohne ausländisches Geld kann die Türkei nicht mehr lange wirtschaften, Wenn sich die jüdische Finanz ihrer hohen Pflicht gegen die leidenden und bedrückten Stammesbrüder bewußt bleibt, kann sie der wirtschaftlichen und politischen Bedrängnis der türkischen Juden Einhalt gebieten. Wird sie diese Pflicht auch in der Folge energisch und konstanteerfüllen? M. I. Cohen. Saloniki subventioniert die jüdischen Institutionen. Aus Saloniki meldet die J. T. A.: Seit dem Amtsantritt des Bürgermeisters von Saloniki Herrn Nikolaus Man es wird im Munizipalrat den jüdischen Interessen in gerechter Welse Rechnung getragen. Etwa 5Q Juden wurden in verschiedene Aemter des Munizipaldienstes eingesetzt. Bei der Budgeterledigung hat der Munizipalrat die den jüdischen Institutionen bewilligte Summe verdoppelt. An Stelle von 530.000 Drachmen im Jahre 1989 werden sie 1,080.000 Drachmen im Jahre 1930 erhalten, Die Summe soll zur Unterstützung des Bikour Cholim, des Hirsch-Hospitals, des jüdischen Knaben- und Mädchen-Waisenhauses, der Vereinigung jüdischer Lehrer uRd anderer Institutionen verwendet werden, _ Zweite Palästinareise 5690. 25, Februar bis 25, Mär* 1930, Veranstalter: Verband demokratischer Zionisten»-* Palestlne Tourlng Club, Wien. Aufenthalt in Eres Israeli zwei Wochen. Gesamtarrangement von Wien bis Wie« von S 1535 aufwärts« Prospekte und Auskünfte durch Frau Paula Stricker, II., HoUandstraßa 6, Telephon R*45*6>89, und Frau Berta Taubes, IL, Böcklinstraßf Nr. 92, Telephon R«45«905. Die Juden in der Tchechoslowakei. Erklärungen des Abg, Reises in der Kammer. Aus Prag, 33. Dezember, meldet die J, T, A.» Im tschechoslowakischen Abgeordnetenhaus hielt der Abg« der „Jüdischen Partei" Dr, Julius R e i 8 z eine Ansprache, in der er die Stellung seine? Partei m* Regierungs« erklärung umriß. Er führte aus: Als Vertreter des jtidi* sehen Volkes dieses Staates komme ich ins Parlament« um die Mitverantwortung zu tragen und an der Entwicklung des Staates aktiv mitzuarbeiten- Die Regierung»« erklärung verspricht den Ausbau des Schulwesens unter Berücksichtigung sämtlicher Nationalitüten und Konfessionen. Die Garantie für die Durchführung dieser Er« klarung sehen wir in dem Umstandet daß in diesem Ko* binett die Persönlichkeiten unseres politischen Lehens vertreten sind, und daß hinter der Regierung Fraktionen stehen, die die große Mehrheit der Bevölkerung repräsentieren, Wir hoffen, daß die Regierung auch Verstandnis für die allgemeinen und die speziellen Wunsche der jüdischen Bevölkerung auf* bringen wird, Wir fordern von der Regierung insbesondere, daß sie die brennende Frage der Staate« bürgerachaft liberaler bandhabt, all es unter der bisherigen Regierung der Fall war. Heute, im Zeitpunkte vollkommenster Konsolidierung, darf mit Recht erwartet werden, daß das natürliche Recht der loyalen, arbeiten« den und seit vielen Jahrzehuten hier ansässigen Bevölkerung respektiert wird, Wir verlangen gleichzeitig, daß gegenüber jenen Unglücklichen, die überhaupt kein Staatsbürgerrecht haben, liberaler vorgegangen wird und daß in den östlichsten Teilen der Tschechoslowakei dieselben Prinzipien in der Frage der Zuerkennnung der Staatsbürgerschaft gelten wie im Westen. Ali Vertreter der Jüdischen Partei erklüren wir, daß wir uns an den Arbeiten, der Nationalversammlung gewissenhaft beteiligen werden.