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Die neue Welt · 1930-01-03 · Heft 120 (3.1.1930) · page 3

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Journal
Die neue Welt
Volume
4 (1930)
Issue
Heft 120 (3.1.1930)
Date
1930-01-03
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Nr. 120 DIE NEUE WELT Seite 3 ^iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiuiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiuiii|L 5 Verband demokratischer Zionittcn | S Mittwoch, den 8. Jänner 1930 um halb 9 Uhr | s abends im Cala Produkten bdm, II., Taborstr. 10 I Versammlung | | Frau Cylla Waldmann: | I „Zwei Frauengcstalten im | I Talmud" I 5 MW riiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiitiiiiiiiiTi uterbunden. „Haben Sie je erlebt — also fragte Weizmann seine Zuhörer in London — daß ein praktisch denkendes Volk 45 Millionen Pfund (das ist nach Aussage Sachers der Wert der jüdischen Arbeit in Palästina) in zehn oder elf Jahren einfach hinauswirft?" Nun, das jüdische Volk ist so opfermutig wie nur irgend eines. Aber wir haben von Weizmann noch eine andere Frage in der Erinnerung, die er auf einigen Kongressen während dieser zehn oder elf Jahre hinausgeschleudert hat: Jüdisches Volk, was hast du getan?" Weizmann hat dieses Volk und seinen Enthusiasmus unterschätzt. Er hat die einigen wenigen, die in Palästina ihre Pflicht zu tun hatten, überschätzt. Das Tragische aber ist, daß er noch jetzt die Gefahr nicht erkennt, die aus seinem Schweigen entstanden ist und noch weiter anwächst. Balfooir, Lloyd George und General Smits wissen, um was es geht und was sie aussprechen, hätte Weizmann längst sagen müssen. Man halte diese Kundgebungen gegeneinander! Auf den Brief dieser drei mußte Macdonald sofort erwidern, die Reden des Präsidenten konnte er übergehen. Macdonald über das Balfour-LIoyd Georges-Smuts- Schreiben. Aus London, 24. Dezember, meldet die J. T. A.: Im Unterhaus fragte Major Sir Archibald Sinclair den Ministerpräsidenten, ob er die Absicht habe, eine Kommission zur Untersuchung der Fragen höherer Politik betreffend die künftige Verwalt-.nig des Palästina-Mandates einzusetzen, insofern, als diese Fragen außerhalb der Kompetenz der Shaw-Kommission liegen. Der Premierminister antwortete: Es ist mir bekannt, daß dieser Vorschlag in einem Schreiben gemacht worden ist, unter dem die Unterschriften einflußreicher Persönlichkeiten stehen, die mir natürlich gebieten, den Vorschlag mit größter Sorgfalt zu erwägen. Es gibt allerdings wichtige Ueberlegungen, die sorgfältig abgewogen werden müssen, bevor ich eine Entscheidung treffe. Der Fragenkomplex, das muß ich sagen, liegt klar außerhalb des Kompetenzbereiches der Shaw-Komraission und kann nicht zu einem Teil ihres Berichtes gemacht werden. Palästina und Aegypten. Eine Debatte im englischen Unterhaus. London, 24. Dezember. (J. T. A.) In der am 23. Dezember durch eine Rede des früheren Außenministers Sir Austen Chambcrlain eröffneten Debatte über die Politik der Labour-Regierung in Aegypten wurden von oppositionellen Rednern in mehreren Füllen die palästinensischen Unruhen als Argument gegen die Kolonialpolitik der Labour-Regierung ins Treffen geführt. So wiederholte der frühere Kolonialminister Winston Churchill, zu dessen Amtszeit bekanntlich das Weißbuch über die palästinensische Politik zustandegekommen ist, seine schon früher geäußerte Ansicht, „die Erklärungen, daß die britischen Truppen Aegypten verlassen werden, seien von den unzufriedenen palästinensischen Arabern als ein Signal aufgefaßt worden, daß die Stunde gekomfluriny Die führende schwedische Weltmarke Nur diese Schwedenklinge macht Rasieren zum Vergnügen men sei, loszuschlagen." Er warf der Regierung vor, daß sie durch die Abberufung von Lord Lloyd im August dieses Jahres „allen umstürzlerischen Elementen in Aegypten und Palästina unseren bevorstehenden Rückzug angekündigt hat; denn ich glaube, daß die Entlassung von Lord Lloyd und die Art und Weise, wie sie sich vollzog, ein direkter Vorläufer der palästinensischen Massakers war. Daß die starke Hand, welche Aegypten beherrschte und ihm vier Jahre ruhiger Regierung gab, plötzlich weggezogen wurde, mußte als ein Zeichen der Schwäche der britischen Regierung gedeutet werden und erzeugte die Meinung, daß die Zeit reif sei. Das ist meine aufrichtige Ueberzeugung." In ähnlicher Weise versuchten auch noch andere Redner der konservativen Opposition einen Zusammenhang zwischen der Orientpolitik der Labour-Regierung und den palästinensischen Massakers herzustellen. Thurtle, der Sekretär des Ar- Daläf tina-Oran gen ■ llllllllllllllllllllllllllllllll^^ llllllllllllllllilllllllllLl £ Die tührenden Maiken von Palästina- (Jaffa) Orangen s s sind Sungold und Hascharon-Gold £ | In Aroma und Geschmack vorzüglich | £ Bestellungen - auch nach Hause in Originalpackung £ £ zustellbar — nimmt entgegen 5 I Firma S. HALPERN I s Delikatessenhandlung £ | Wian, II., Förtfargato« // Tel.-Nr. R-40-4-12 | fiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiir; »WAßSBUßG« anrufender bequemste quemsre - ^bschtagl TEL' ""o beitsministers George Lansbury, trat Churchills Behauptung entgegen, daß die bedauerlichen Massakers in Palästina irgend etwas mit der Abberufung vou Lord Lloyd zu tun hätten und bezeichnete sie als eine leichtfertige Umdeutung der Tatsachen. Major Hopkin, der Palästina bald nach den Augustunruhen besucht hat, hob die Wichtigkeit Palästinas für die Verteidigung des Suezkanals hervor. Sir Henry Page Croft stellte der Politik Lord Lloyds, der durdi eine Regierung der starken Hand die Ruhe sicherstellte, die Politik der gegenwärtigen Regierung gegenüber, die mit großen Kosten Kriegsschiffe, Truppen und Flugzeuge nach Palästina schicken mußte, nachdem schon Blut geflossen war. Er und der folgende Redner Captain Eden wandten sich scharf und in ironischen Wendungen gegen das Bestreben der Labour-Regierung, die unter britischer Verwaltung stehenden Orientländer des mittleren Orient mit demokratischen Methoden zu verwalten. Gegen Brith Schaloni. Der Verband der österreichischen zionistischakademischen Verbindungen und Vereine hat über Antrag von Dr. Max K i w e an den im Beisein des Präsidenten tagenden Delegiertentag Deutscher Zionisten in Jena eine Begrüßung und die Aufforderung gerichtet, die schädliche Politik des Brith Schalom abzulehnen. Auszeichnung. Der Bundespräsident Miklas hat dem Herrn Richard Bettel heim, Vorstandsmitglied der Wiener Kultusgemeinde und Prokuristen des Wiener Bankhauses Rothschild das goldene Ehrenzeichen fUr Verdienste um die österreichische Republik verliehen. Herr Bettelheim ist Vorstand der Wohltätigkeitsabteilung des Rothschildschen Hauses. Das Denkmal für Oscar S. Straus in Washington. Vor kurzem hat der amerikanische Kongreß das Projekt für die Errichtung eines würdigen Denkmals des verstorbenen jüdischen Staatsmannes und Politikers Oscar Straus genehmigt. Präsident H o o v e r hat die ihm angebotene Stelle des Ehrenpräsidenten des Denkmalkomitees angenommen. Das Denkmal wird im Diplomatenviertel von Washington an vornehmer Stelle zur Aufstellung gelangen. Die Vorarbeiten sind bereits sehr weit gediehen. Der jüdische Broadway. Er beginnt bei der vierzehnten Straße, dort wo sie die „Second Avenue" schneidet. Haltestelle der Subway (Untergrund-), des Elevator (Hochbahn), der Street car (Straßenbahn) an der 14. Straße und der 3. Avenue, man geht hundert Schritte nach Ost durch die breite bewegte 14. Straße, an einem Bankgeschäft vorüber, das in seinen Auslagsfenstern österreichische und deutsche Aktien zeigt, vorüber an dem „Labour Temple", worin auch die jüdischen Sozialisten ihre Versammlungen abhalten, vorüber an der russischen „Kretschma", einem Restaurant und Nachtlokal — bis zur Second Avenue. Um die Ecke nur und schon ist man im Hexenkessel des jüdischen Lebens. Hier brodelt Jüdisches, ungehindert und schrankenlos, unbeschränkt von Rassenvorurteilen und Weltanschauungen; denn dieser Teil ist jüdisch bis an die Wurzel, und man ist hier stolz darauf, Jude zu sein. Und doch ist es zum großen Teil nicht der „Jid", dem man begegnet, sondern der „waschechte" Amerikaner mit allen Aeußerlichkeiten und Interessen des Menschen der U. S. A. Männer und Frauen, modisch bekleidet, besuchen „The russian bear", singen und tanzen bei Balaleikamusik die neuesten amerikanischen Schlager; anderswo gibt es jüdische Kabarettisten und Eintänzer, jüdische Mädchen, die als Eintänzerinnen fungieren, man trifft die jüdische Intelligenz, Schriftsteller, Journalisten, Schauspieler, man spricht über Palästina, über den Zionismus, über die Reformierung der jüdischen Religion mit demselben Eifer wie über die amerikanischen Wahlen, über die Prohibition, über Vomnoffs Versuche, über Einsteins physikalische Entdeckungen. Hier liegt alles beisammen, was an Restaurants, Theatern, Synagogen, Nachtlokalen für die jiddisch Sprechenden in Betracht kommt Zunächst fällt ein kleines rumänisches Restaurant auf — klein, bescheiden, nicht gerade sauber, rumänische Nationalgerichte bietend, gleich daneben „Der russische Bär" mit Balaleika'fonzert, mit russisch kostümierten Kellnern, die von Rußland soviel wissen wie Rußland von ihnen, man serviert Kaviar wie Brot und als russischer Jude fühlt man sich hier von Heimatluft umgeben. Vorbei an kleinen Sodawasserständen (Drug-stores) zur 12. Straße. Hier war noch vor kurzer Zeit ein Zentrum jüdischen Kunstlebens: das Kunsttheater des Morris Schwarz. Morris Schwarz, ein faszinierender Name! Er bedeutet mehr als den Namen eines großen Schauspielers und Regisseurs und Theaterdirektors, er bedeutet ein Symbol für die jiddische Kunst. Man muß diesen rastlosen Idealisten kennen, um sich ein Bild von seiner Bedeutung zu machen: den Mann, der die Literatur aller Länder beherrscht, der gegen die Verflachung des jüdischen Theaters kämpft und nur reine Kunst zu schaffen bestrebt ist. Man hat ihm Unsummen geboten, um ihn zur Aufführung des amerikanischen Kitsches, des sogenannten Melodrams zu bewegen. Umsonst! Morris Schwarz ist sich treu geblieben. Sein Theater hat sich als nationaler Faktor erhalten. Und gleich gegenüber seinem Theater ein Lokal, das man überall kennt, das „Cafe Royal", das einzige Kaffeehaus Amerikas — Kaffeehaus im Wiener Sinne mit Mokka, Melange und Zeitungen, mit Zuträger und Pikkolo, mit Mohnbuchteln und Frankfurtern mit Saft, mit Stammgästen, die dort angerufen werden, sich dorthin ihre Briefe kommen lassen, mit dem Ober, der alle Intimitäten seiner Stammgäste kennt und deren unbezahlte Rechenzettel in seinem fetten Portefeuille aufbewahrt Alles ist da: Schach- und Tarockspieler, Schauspieler, die mit den Managern verhandeln oder mit den Offiziellen von der Actors-Union (Bühuenverein), Schriftsteller, Journalisten, die hier Anregung und Themen suchen, und all die Second-Avenue-Juden, denen die ständige Fühlungnahme mit der jüdischen Geisteswelt am Herzen liegt. Alle sind Freunde, verbunden durch die Verwandtschaft des Blutes, der Rasse, der geistigen Interessen. In der Nachbarschaft spielt Mali Picon ihre Operetten und verdient viel Geld, Leon Blank produziert sich im Public Theatre, unweit gastiert Ben Zwi im „Gott der Rache" und im National Theatre kann man Lebedoff im Lustspiel, in der Operette, im Melodram sehen. Es brodelt im Kessel. Wahlredner, Straßenverkäufer, Zeitungshändler tummeln sich, die Straßen sind überzogen von Licht aus tausend Lampen, Schaufenstern und Reklametafeln. Menschen wogen durcheinander, jüdische Amerikaner und Juden mit Kaftan, langem Bart und Löckcheu — Väter und Söhne. Die einen sprechen jiddisch, die anderen nur mehr englisch. Auf eine jiddische Frage fällt eine englische Antwort Nach und nach ist hier „auf der jüdischen Gaß", am jüdischen Broadway eine neue Art von Juden entstanden: reiche Juden, gute Juden, deren Söhne allerdings schon in der Synagoge auf der 5. Avenue sitzen, nicht mehr bedeckten Hauptes, sich nicht mehr schockelnd, nicht mehr laut betend, und der Prediger spricht englisch, die neue Generation versteht ihn, aber er führt sie nicht mehr. Der jüdische Broadway — die Hauptstraße einer jüdischen Großstadt mit allen ihren Attributen. Oben beim „Platzl" löst sich die Avenue in vier kleine Gäßchen auf, die ein großes Ghetto umfassen, ein Ghetto in sozialem Sinne, wenn auch mit elektrischem Licht, mit Automobilen, mit Radio, mit Tanzdielen, mit einem großen Stück Amerika. * Die New Yorker Juden. Das Organ des amerikanischen Zeitungs- und Verlagsgewerbes „Editor and Publisher" veröffentlicht soeben den jährlichen Führer durch den Wirtschaftsmarkt, dem unter anderem zu entnehmen ist: In New York leben 1,750.000 Juden, davon etwa 600.000 in Manhattan, 420.000 in Bronx, 500.000 in Brooklyn, 60.000 in Queens, 20.000 in Richmond und 150.000 in den Vorstädten innerhalb 20 Meilen von der inneren Stadt New York. Dem jüdischen Konsum dienen mehr als 6500 Kolonial-, Geflügel- und Delikatessenläden, 1200 Apotheken, 3000 Zigarren- und Schreibwarenläden, 6000 Koscherfleisch-Schlächtereien, 700 Schuhgeschäfte,

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