Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 4 (1930)
- Issue
- Heft 120 (3.1.1930)
- Date
- 1930-01-03
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2711613-2711736-2711738--1580-2714805- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 2 DIE NEUE WELT Nr. 120 PELZWAREN OIBRUDER BRAININ L, Bcnimunorkt Zu, KL 0-2Z-3-59 IL, GlOCkBflgaue 8, TU R4H-S3 traiasca Cuza!" (Nieder Sokolow,. es lebe Cum!), trota des Verbote« jedweder Straflendemonitratlon dreimal tHglich demonstrieren, Mittwoch besuchte der PrUfekt von Kigchinew Herrn Sokolow und richtete an ihn i m N t m o n des Ministerpräsidenten Maniu und des Innenministers die Bitte, die Reise nach Jassy fcu unterlassen. Herr Sokolmv ist daraufhin sofort direkt nach Bukarest abgereist. Der Jatayer UnivewitKtsseiiat. Jassy, 22. Dezember. Der Universitätssenat hat in seiner gestrigen Sitzung beschlossen, dio Studenten Patrascu und Oseanu au» der Universität auszuschließen. Zwei Studenten wurden strafweise für zwei Sessionen von der Zulassung eu den Prüfungen ausgeschlossen. Diese Studenten »ollen die Rödelsführer der Unruhen gewesea sein. Die Studenten sind Über den Bö* schlufl des Senats sehr erbittert, dies utnsotflehr, als de* Senat in der gleichen Sitzung auch über das Mefflorartdum der Studenten beraten hat und den Numerus clausus als unkultureil aurtiökgewiesen hat Die Studenten haben beschlossen, in den Streik «u treten. Die Universität ist geschlossen worden» Ebenso wurden samtliehe Studentenheime und Mensen gesperrt, Eine Interpellation In der Kammer. Bukarest, 22. Dezember. In der gestrigen Sitzung des Parlaments hat der Jassycr Uulversitatsprofessor ünd Abgeordnete der Regierungspartei, Professor R a s» cann, die folgende Anfrage an die Regierung gerichtet: Ich bringe der Regierung zur Kenntnis, daß an der Jatsyer Universität wieder antisemitische Unruhen ausgebrochen sind, welche die Tendenz zeigen, sich auf das ganze Land auszudehnen. Gestern abends konnten wir mitten im Zentrum der Hauptstadt beobachten, Wie Studenten im Vereine mit verschiedenem lichtscheuen Gesindel, dns sich ihnen angeschlossen hat, die Aufführung in einem Theater störten und die Polizei und Gendarmerie mit Stöcken und Feuerwaffen bedrohtem Diese auarchi* sehen Zustände, die Von deft früheren Regierungen als Ableitungen für die Uflzufdedenheit gegen. eich seihst* von Provokateuren und Polizefagenten geschaffen wurden» haben mit stillschWeigSader Duldung der damaligen An» Stifter den Vandalismus von Grdßwardein verschuldet, der die perverse Politik der Liberalen gegenübet der jüdischen Bevölkerung endgültig erwiesen hat. Die Antwort, welche die Minister Madgearu und Unterrichtsminister Costachescu auf eine Anfrage des jüdischen Parlamentsklttbö gegeben haben, bezieht sich wohl nur auf die Klagen desselben gegen einen Jassyer Professor, der als Anstifter solcher Unruhen und alter antisemitischer Agitator bekannt ist. Die Provokateure und Hetzer sind aber sehr Mhlr«ica und «s scheint mir, dafi eine antisemitische . Psychose auch die Geister jener ergriffen hat, Welche verantwortliche Posten bekleiden. Angesichts der Unzufriedenheit, die wegen der ökonomischen Krise im ganzen Lande herrscht, ist diese Propaganda sehr gefährlich und ihre Duldung kann furchtbare Auswirkungen haben. Man hat schon oft und viele Maßnahmen, gegen diese Bewegung versprochen, aber bis jetzt ist nichts geschehen. Ich mache die Regierung darauf aufmerksam, daß diese Bewegung von bestimmter politischer Seite für ihre Zwecke ausgenützt werden Wird, die der Regierung viele Unannehmlichkeiten machen werden. Es muß endlich einmal mit diesen Skandalen aufhören. Die Schuldigen müssen endlich einmal bestraft werden. Ich wünsche sehr, daß meine pessimistischen Voraus sagen durch die Ereignisse widerlegt werden, ich flifehte aber noch mehr, daß dies nicht der Fall Sein wird. Die Unruhen in Klausenburg. Klausenburg, 30. Dezember. Die Kaufleute, deren Gesehäftsläden am 10, Dezember von cuzistischen Studenten devastiert wurden, haben in Gegenwart eines öffentlichen Notars den angerichteten Schaden schätzen lassen. Dieser beläuft sich: Beim Kaffeehaus „Metropol" auf 700.0ÖÖ Lei, bei der Glaswarenhandlung Fischer auf 180.000 Lei, bei der Firma Erdely auf 100,000 Lei, bei der Firma DaSCäl auf 150,000 Lei) bei def Firma Ausländer auf 10,000 Leu Von der rumänischen Eisenbahn. Bukarest, 22, Dezember. Die Behörden Wurden ver* ständigt, daß in der Eisenbahn zwischen Marasesti Und Adjud gestern mehrere jüdische Reisende von expedierenden Studenten mißhandelt wurden, wobei vier Rei« sende z i e m lieh schwere Verletzungen davontrugen. Es wurde eine Untersuchung eingeleitet. Unser Jugend- und Verbandsheim. Nach langen Bemühungen ist es gelungen, ein großes, im jüdischen Zentürm gelegenes eigenes Heim zu sichern. Das Heim bietet große Vortragssäle, Lehrzimmer, Büroräume usw. in ausreichender Zahl, um einen wirk« liehen Sammelpunkt jüdischen Lebens zu schaffen. Vor allem aber werden wir in dar Lage sein, die Wiener Jüdisch« Jugend zu erfassen, sie in eine Umge* bung su bringen, welche Schutz gegen die fortschreitende Entjudung bietet. Unser Ideal ist es, aus unseren Jungen und Kindern treue Träger des Judentums zu machen, Juden mit Würde und Bescheidenheit, Jüdische Voll» menschen. Unser Heim gibt uns die Möglichkeit, diesem Ideale zu dienen. Die Erhaltung des Heimes ist durch unseren Ver» band gesichert. Aber die Einrichtung erfordert größere Mittel. Wir streben Ja an, das Heim behaglich und allen Anforderungen entsprechend auszustatten. Wir bitten daher alle, welche unser Bestreben gutheißen, alle, denen die Zukunft unserer Jugend am Herzen liegt und denen die Schaffung eines würdigen, der Pflege des jüdi« sehen Gedankens geweihten Heimes als gute Sache gilt, einen einmaligen Beitrag zu leisten. Spenden nehmen ' der „Verband demokratischer Zionisten" und die Verwaltung „Die Neue Welt", Wien, IX., Universitätsstraße 6—8, entgegen. Wir haben auch B a u s t e i n e zu 1 S und 2 S in Blocks 2u je 10 Stück herstellen lassen. Wer durch Ver* kauf dieser Bausteine unsere Sache fördern will, kann, bei den oben bezeichneten Stollen Blocks erhalten. Für den Verband demokratischer Zionisten: Robert Stricker, Obmann, III. Spendenausweis: Sammlung der Frauen Berta Taubes, Paula Stricker, Dr. Perle Wechsler: J. Kreme* netaky S 100, B. St. S 100, Dr. Schutzmann S 50, H. Sch. S 50, zusammen S 300. Zion.idemokr. Gruppe VI—VIII: 100 Bausteine * 1 S « 100 S. — Sammlung David Neben« zahl: 30 Bausteine A S 2 S 60, Dr. Samonsky 5 Bau« steine *= S 5, Dr. Wieselburg 10 Bausteine *» S 10, H. Kandl 35 Bausteine & S 1 =» S 35, Hochberg 5 Bausteine «. S 5, S. Sch. 20 Bausteine » S 20, GrUnfeld 2 Bausteine « S 2, Klappholz 6 Bausteine S 6, W. Wallach S 50, H. Graulich S 5, S. Siegel S 2, S. Walter S 5, H. Katz S 2, H. Heller S 1, Jacques Schwarz S 40, Oberkantor Mar* gulies S 40, Reinertrag Kinder.Chanukafest S 302, Rein« eftrag Makksbäer»Feier S 360, G. Hellwlng S 50, zusam« men S 1405. Bisher insgesamt S 4155. An die Freunde und Leser des Blattes! Wenn Sie der Ansicht sind, daß die „Neue Welt" ein empfehlenswertes Blatt ist, geben Sie uns freundlichst die Adressen von Freunden und Bekannten an. Wir werden denselben die „Neue Welt" durch mehrere Wochen zur Probe gratis zukommen lassen. Wenn wir uns bei der Werbung auf Sie berufen dürfen, bitte dies ausdrücklich zu bemerken. Aus der Zusendung erwachsen weder Ihnen noch den Empfängern irgend weiche Verpflichtungen. Die Verwaltung der „Neuen Welt". Zwei Kundgebungen. —y. „Das Werk, zu welchem Großbritannien am Ende des Krieges die Hand geboten hat; schreitet nicht befriedigend vorwärts", heißt es in dem bereits in dur Vorwoche liier mitgeteilten Brief, den Lord Balfour, Lloyd George und Genemi Smlts am 20. Dezember in „Times" veröffentlicht haben. Sie verlangen die Einsetzung einer Kommission, dt« da* Funktionieren des Palästina-Mandates unter* suchen soll, 4a die jetzt in Jerusalem amtierende Kommission nur beschränkte Richtlinien erhalten habe, Die in dem Brief vorgeschlagene' Komfflision sott 416 Hauptfragenv-d%r P &J kti H rttt$< Ve f wä'it ü ifl | Jfiberpfüfen.' Stielt SÄMdefmtf "def MäfmfcrV'm* Mitglde^eFlen^s- K^inöttS Wäret^ dasf im Jähre 1917 die bekannte Efkläfting B a 1 f o u r i att Lord Rothschild gettühtet hat. Sie fühlen ihre Verantwortung m elheffl Augenblick, in welchem die,, gesamte jüdische Oeffentlichkeit in ihrem Vertrauen aur Vertragstreue Englands wankend geworden ist und dies sowohl deshalb, weil die von England in Ausführung des Mandates bestellten Orgahe ihre Pflicht gröblich vernachlässigt haben und Weil die nach Jerusalem entsendete Kömmission mit Überschreitung ihrer Befugnisse eine politische Untersuchung über das Mandat eingeleitet hat. Es ist ans vielem zu schließen, daß die Regierung MacdonaM diesen Vorgang gerne gesehen hat und sie hat auch tatsächlich trotz der ihr zur Verfügung stehenden Zeit nichts dagegen eingewendet. Die Mißstimmung ist nicht auf die Juden beschränkt. Auch die „Times" haben in einem redaktionellen Kommentar zu dem Brie! Balfours die Regierung auf die Unnahbarkeit der Situation - aufmerksam gemacht und auf die, Ehrenpflicht hingewiesen, die eine Zurückziehung der Balfour-Erklärung oder eine Abkehr vom Mandat ausschließe. Die Forderung der Drei hat jedenfalls den Vorteil, daß die frage jetzt aufgerollt werden muß. Es ist zwar zu bedenken, daß die neueinZuseteende Kommission parteimäßig geibildet wird, also parteimäßig Stellung nehmen muß, während doch das Mandat einer solchen Behandlung entzogen bleiben muß* Trotzdem ist es für den Augenblick gtit, wenn die Frage aus der gereizten und elektrisch überladenen Atmosphäre Palästinas herauskömmt, Das englische Publikum erhielte freilich den Eindruck, als handle es sich um e h g* liscihen Besitz, und es Würde, wenn nicht auch die jüdische Oeffentlichkeit sich anmeldet, wieder ein Stück Vöikerbundffarantie in Vergessenheit geroten. Ob aber der jüdische Standpunkt so Uneingeschränkt und unanzweifelbar geltend gemacht wird, ist noch sehr die Frage. Gewiß hat sich Harry Sachet, Mitglied der ZtoMttischen Uituflg, ö«* m der Hauptsache das jadische Ifitere§sft vor der Unterstichungs-kömmissidri zu vertreten hatte, gut geschlagen.. Denn vofl eifern Kampf gegen die offenkundig mißgünstig gestimmten englischen Partner kann sehr wohl §e» sprechen Wörden, Sie teilen vollkommen die Ansichten der Araber, nehmen gegen die Juden Stellung und es ist ein wahres Glüek, d a ß d i e s e s U n t e ra u c hü n g * £ p i e 1 z ü E n de g eh t, da sonst noch die Überfallenen Juden mit der ganzen Schuld, mit der polltischen wie mit der kriminellen, belastet würden. Der offizielle Vertreter Englands, der das im Mandat verkörperte Gesetz zu verfechten hätte, legt sich keinerlei Zwang auf. Ihm geht es darum," die englische Verwaltung reinzuwaschen, und seine Aufgabe erblickt er darin, nachzuweisen, daß letzten Endes die Existenz der Juden den Ueberfall verschuldet hat. Er hat mit klarer Ironie gefragt, ob nicht das Blutvergießen ein Ergebnis der zionistischen Politik ist. Ihm wurde von Sacher erwidert, daß man sich eine solche Bemerkung von dem Vertreter der Palästina- Regierung gut merken würde. Aber es wäre sehr schlimm, wenn es bei diesem dedächthisprotokdfll blieb«' und wenn nicht jetzt' bei Abschluß des Prozesses von zionistischer Seite ein* gegriffen würde. Es ist ohnedies schwere Versäumnis, daß dies bis jetzt noch nicht geschehen ist Präsident Welz mann, der der legitimierte Sprecher wäre, und wie selten noch die zionistische und auch nichtzlonistisehe Oeffentlichkeit hinter sich hätte, hat bisher geschwiegen und das Schweigen nur gebrochen, um das Schweigen zu erklären. Am 23. Dezember hat er in London eine große Rede gehalten. Es wäre — sagte er — unfair und indiskret gewesen, wenn er jetzt während des schwebenden Verfahrens gesprochen hatte! Wir haben alles Verständnis für die Schwierigkeiten seiner Stellung. A'ber weshalb hätte er nicht sprec h e n k ö n n e n? Er ist doch in dieser Frage Partei, diese ganze Jerusalemer Inquisition geht doch auch gegen ihn und er hätte unbedingt augenblicklich die Regierung darauf aufmerksam machen müssen* daß die Kommission einen direkten Angriff auf das Mandat inszeniert. Vielleicht würde sich Herr Preedy oder Herr Stoker Über liKÜskretiort beschweren, aber die zionistischen Interessen gehen höher. Die Regierung hätte handeln müssen. Aber Präsident Weizmann zieht es von auf der Linie zu bleiben, auf der er seit zehn Jahren angeschmiedet ist. Er wollte nie, wie er reinen Gewissens betont, die Mandatsmacht in Verlegenheit bringen und so ist diese Hemmung der Aufbauarbeit eingetreten, die Weizmann »ehr richtig auf Mangel an Verständnis und richtiger Einschätzung der Lage seitens „einiger jener zurückführt, dentn die Aufgabe der laufenden Verwaltung anvertraut ist". Hat Herr Weizmann diese einige nicht gekannt? Seit langen Jahfert ist immer Wieder auf diesen wunden Punkt hingedeutet worden. Innerhalb Und außerhalb Palästinas hat man die Namen der Saboteure genannt und -- ist als Defuitlst — verfemt worden. Herr Weizmann hat seine ganxe, sicherlich sehr beträchtliche Kraft auf die Verhandlungenmit den amerikanischen N i c h t z i onisten geSetat und alle Warnungen aus dem zionistischen Lagfer in 4m Wind geschlagen. Das war seine Innenpolitik ürtd dil neuen Jewish- Agertcy-Mitglleder sind nicht einmal zu der Londoner Sitzung nach , den blutigen Ereignissen gekommeni Außenpolitisch tet Präsident Weizmann immer mit dem flammenden Schwert vor d©m en«li8chen Prestige gestanden und hat die Entwicklung eines politischen Lebens der Organisation, die doch in allen Zentren Stützpunkte schaffen mußte* i