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Die neue Welt · 1929-12-25 · Heft 119 (25.12.1929) · page 2

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Journal
Die neue Welt
Volume
3 (1929)
Issue
Heft 119 (25.12.1929)
Date
1929-12-25
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seile 2 DIE NEUE WELT Nr. 119 ftadlc-Ausiandfentpflfiftr SSJ^ttS?'- Jvo**Jm.•Phii iMrthrtrt . von t 60,4« p,a Mamf äufrtlrti : Lautsprecher illifJiekljjflW 1*W P!! 20 MONATE KREDIT!! ••■fit WWöhnilmmferttittar «1» «fBMffiMir Wlrkuhö t . a Avon AN pro Monat Aufwärts spr«chmaichln«n Lvsn S' ipfpo Moitil luMrli Tlich- und Stehlampen ■P in tefct Bföftis «di> rtöli . ■ von S 2(50 0to Moftät aufwärts JL Gasapparate B5 5ldMrl«SoHe Koch- U. 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Der dynamische Teil des Mandates ist das Jüdische N&tionalheim; dieser Teil muß erfüllt werden und zwar so, daß die politischen, religiösen und zivilen Rechte der Araber nicht angetastet werde«. Die Durchführung einer Politik erfordert Mut m<d Enhildaingskraf t, aber gar so schwer, ist sie nicht. Es entspann sich eine Aussprache. über die einzelne« Punkte der. Balfdur-Deklaratipn darüber, welcher, Punkt der wichtigere Sei, und ob nicht eine Ausdehnung dieser Politik die Bildung einer Seibstregierang .verhindern würde. An der Aussprache nähmen a!ie Mitglieder der Kommission teil. Sacher erklärte» die Juden haben, sich nicht einer Selbstregierung Widersetzt, . Als Sir Herbert 1923 Wahlen zu einem Legislative Council .(Gesetzgebende, Körperschaft) ausgeschrieben hati waren es a 11 eitt 'die Araber, die diese gesetzgebende Körperschaft boykottierten. Allerdings hätten Wir» fuhr Saoher fort, einem solchen Legislative Council vor $eg:nn der . Skala von Morden mit größerer. Zuversicht entgegengesehen, als jetzt, wo ,man —;rw^rde . man;nufi eine Gesetzgebende;.. Körperschaft, einf(Ihren, ~? .säjgen. würde; der Weg, die .Dinge.- :in ..Palästinaweiter-*zu bringen,' führe über. Mord .und Gewalttat /.VteCMlit.'Bfleigh erinnerte. die Kommission, an die Tatsache« , daß auch der Oberkomih^ hacH seiner Rückkehr nach Palästina erklärt hatte, daß et ritin,, nach dem Ausbruch, alle Gespräche übet köhfetltutlötiölle A'enderungen einstellen müsse. Frankreich unterhält sägte' Sache? weiter — in Syrien eine' große Garnison. ~ ßis jetzt hat sich die Mandatarmaclit wenig generös gegenüber Palästina erwiesen. / Palästina mußte einen beträchtli©hen Teil der otto» manischen Staatsschuld, sogar mehr als die Türkei. selbst,' zahle«. Ferner, wurde Pa/lä&tiüa füf die im Kriege; erbauten Eisenbahnen übermäßig beiasteti Das palästinensische Schatzamt muß für die militärische Kriegsschuld 200.000 Pfund , zahlen, Sacher forderte, daß den jüdischen Kolonien dl« Mittel in die Hand gegeben werden, sich gegen plötzliehe UeberläHfc *u . verteidigen urid däß Ihnen erlaubt werde« Sonder- - Polizisten . Als Reserve für eine ■ ölötiltöfj eintretende : . Notlage anzuwernan. , . Sacher entwickelte eingehend . die unmittelbaren Ursachen der Augu*t*Uttfliihen und' .erklärte, daß erat der bei den Arabern entstandene Glaube, England sytrupatw* siere nicht mit dem Judlsohfln Nationalheltn, die Agitatoren veranlaßt hat, eine Vörsehwörunig in-Stehe zu netzen und eine Lage m schaffen, angesichts derer &le hoffen könnten, daß eine Umstofluiig des Mandates herbeigeführt werden würde, Vom Araber*Anwalt S t o k e r einem,1 wenig scharfen, Kreuzverhör unterzogen) führte Saoher aus, zahlreiche britische Beamte seien nur; deshalb bei den Arabern beliebt» We^l sie mit dem Zionismus -nicht *ympathisieren; in Wirklichkeit aber richtet »ich die arabische Bewegung ebenso sehr gegen die Engländer wie gegen die Juden. Die Zlonieten Bind eigentlich der Blitzableiter für den gegen die britische Herrschaft rebeliierenden Gebt. Saoher erzählte, Araber hätten ihm gesagt, der beste Weg, die Engländer los zu wenden, sei der, daß sich Juden .wie Araber gemeinsam gegen sie erheben, Stoken Nennen Sie einotl Araber» der, «ich au Ihnen so geäußert hat, Sacher: Einer von ihnen war Auni Bey Abdul Hadl. Die Antwort erregte. Sensation. Auni Bey, der all arabischer Anwalt fungiert, sprang auf, fuchtelte mit den Armen und Mhrie; Ich stelle di«s entschieden in Abrede. Stoker fragte Sacher: Auf welcher Basis, wurde Ihnen eine solche Allianz vorgeschlagen? Sacher: dewlß nicht, auf der ßasis des Jüdischen N a tionalhel m s. Aber die Araber .wissen sehr wohl, daß es Ihnen zur Verwirklichung des Traumes vom arabischen Reiche an Geld und . Männern fehlt; sie wollen sich der Hilfe der Juden versichern, , Macftonalcb Doppelspiel. —«y, Die Kommi&rioh, die von der Regier Uli g Macdonald zur Untersuchung der August-Unruhen tiÄch PalHötlria enteeiidet Wörden' war, hatte eine eng iinischriebenc Aufgabe. Sie sollte feststellen, Wie die Unruhen entstanden und wie bich d i e R e gierung v er Kai t e n h a 11 e. Eine GerfehtskommissiDn also, die am Tatort die äufierllchcn Umstände fctt eriieben hat. Eine politische Aufgabe konnte nicht gesteht werden, weil in. der den Unruhen folgenden Stimmung klare Eestötellungen unmöglich sind, die aüch deshalb nicht anfgetragen wurden, da möglicherweise die. Anstiftör deß Ungiüöks sich auflerhälb des Landeis, in Syrien oder in Aegypten befanden. Die Kommission aber hat die Grenzen ihrer Kompetenz überschritten. Sie hat eine g f o ß e politische Debatte entfesselt, in der scheinbar Araber,, Juden und Amtsorgane . ihren Standpunkt in geregeltet1 Auseinandersetzüng vertreten, in der aber' tatsächlich die heftigste P r o p a g a n d a. gegen den Plan des jtidischen Nat.iöna 1 h,eims ge-, trieben wird. . Sehr geschickt ^ve^deii; clen ,, jüdi«clien Vertretern Fragen „gestellt,^ deren' Beäntwörtung" ent- PELZW&MM a GlBRU&Eft IRAININ mjnn 1., BauernmorKt 2a( fei U-22-3 59 II lEII II., Gtongcsse 8, Tel R-45-4-33 Weder die V e r 1 e u gri u n g des zionistischen Gedankens öder die Lieferung Von Agitationsmatertal für die Araber sein muß. Daß die, Kommission offenen, Terror; der arabischen Führer duldet und ihn^höchstens mit mij^elrir'^oäkelö,• 4 abtut, ist bei diesem Stand, deij. DingV s^'öh eine nebensächliche Erscheinung. Wiphtiger xit'Att Schlag, den eine englische Parlamentsabprdniing mit richterlichen Befugnissen gegen das Mandat führt. Ob dieses Vorgehen. deii Absichten der englischen Regierung entspricht oder nicht, hißt sich jetzt nicht siehe?, erkennen. ( Aber das Frage- und Antw:ortspiel in Jerusalem g^ht schon seit Wochen vor ,sich; aus der Dauer Jäßt;sich• darauf schlielleri', daf^ die Londoner. Regierung ein. Eingreifen u ü t e r- 1U fi t und es, gerne .sieht,, wie diese Kommission in ihrer selbstgewählten Hilflosigkeit. ein noch weit größeres politisches Unglück, anrichtet. Schön jetzt s|nd die jüdischen. Siedle>. i n , d i e V e r t e i d ig u n"g gedrängt und aus Anklägern zu A n g e* klagten geworden und nicht nur dieses: das Verfahren wendet, sich « immer; offener und rückhaltälöger gegen, di e Bat f p u r-D e k 1 a r ätfon, Die arabische Offensive wird moralisch gestärkt, so sehr, daß nicht nur ihre Blutschuld ins Vergessen kommt, sondern daß «ie auch schon gegen die politische Zentralfrage anrennen kann, gegen das M a n d a t, die völkerrechtliche Fixierung der Balfour-^rklärung und der Anerkennung dos jüdischen Rechtsstandpunktes. Das wird mit allen Kniffen der Verhörs* methodik angestrebt und es entsteht eine höchst gefährliche Ideologie, nu deren Verbreitung sich alles beteiligt, was im Herzeh gut antijüdisch und äntizionistisch fühlt.. Man kann «ehr genau sehen, was geplant und was jetist schön erreicht ist» wenn man liest, Wae anfangt Dezember der Jerusaiemer Korrespondent. der ö 1 n \ a 'o h e n % e i \ u n g" seinem Blatt schreibt! und wa«: atn 15. Dezember veiöffeuilicht wird, , Da. sind die Juden auf der ganzen Linie mit a 11 er, $chü, 1 d belastet, Sie bpnuspriichen Palästina mit, dem Recht, _ das etwa dfe Wenden auf Berlin... öde* ..die Kelten , auf Schlesien haben; |^ii^«;'f^ea4erMii|. des. status quo an der' Klagenialtef „konnte später einen Grund zur Aenderung der Besitzverhältnisse bieten". „Die Araber geben dabei gana tMg au, daß sie «elber einen-groHen Teil der Schuld an' den Fortechritten des Zionismus tragen dadurch» daß uo viel arabischer Grund und Boden an die Jüdischen Einwanderer; verkauft worden i*t$ die Jetzt itark vorhandene Boykottbeweguug gegen JÜdi- «che Läden ist die natürliche Reaktion auf diese Erkenntnis.. Die Araber räumen sogar ein, daß die Ausschreitungen, die während der Unruhen vorgekommen sind, nicht gerechtfertigt werden können. Sie wehren lieh nur dagegen, daß Taten absichtlicher Grausamkeit (mutilations* Verstümmelungen), wie sie ihnen in Hebron vorgeworfen worden sind, begangen wurden; in der Tat gehören diese Verstümmelungen, wie ärztlich nachgewiesen ist, ins Reich der Legende. Und sie legen Werf darauf, festzustellen, daß auch die Juden da, wo eie die Mehrheit hatten, sich genauso schlimm benommen und unbeteiligte Araber genau so mit Knüppeln und Steinen totgeschlagen haben, wie da« die Fellachen und Beduinen entsprechend taten. Was wir heute in Palästina gesehen haben und noch sehen, ist nicht ein Ausfluß eines Antisemitismus, sondern eine der Form nach in vielen Punkten abzulehnende, der Sache nach aber verständliche Aeußerting dös nationalen Willens eines Volkes, das ein Recht auf nationales Eigenleben schließlich genau so besitzt wie andere Völker auch." - Für die Behauptung, daß Juden Mordtaten ähnlich denen der Fellachen und Beduinen begangen hätten, haben nicht einmal die verbohrtesten Araber einzugestehen gewagt. Der Journalist schreibt das aber unbekümmert hin und so kommen die Araber, in die Lage, «ich demnächst auf die „Kölnische Zeitung" berufen*zu dürfen. Die moralische und politische Verantwortung, für diese Entwicklung füllt auf die Regierung Englands. Das Kabinett Macdonald hat in der Frage des Orients eine erstaunliche Menge von Fehlern begangen., In der Behandlung des Palast tna-P'robleras hat sie sich so benommen, als wenn in diesem Laude bloß eine lokale Rauferei vorgefallen wäre und als wäre Palästina eine britische Kol o u i e z e h n t e n R an g es: Auch Macdonald weiß nichts davon, daß sein Staat in einem Auftrag in Palästina steht und daß dort ein jüdisches Natiönäiheim zu errichten, aber kein demokratisches Exeinpet zü betreiben ist. Dali Vorgehen der. Regierung, die den zröriisiischen Führer W es i 4 ni a n n gleich zu Beginn der Unruhen brüsk i e r t hat; die mit der militärischen Aktion nur Zögernd und Unzulänglich eingesetzt hat Und nun die UnterWühlung des politisclien Mandates . duldet,., hat in allen jüdischen Kreisen ausnahmslos e r b i 11 e r t e s B e f r e m d e n erzengt. - Die Frage ist heute allgemein: Fühlt eich England noch als Mandatsträger des Völkerbundes? Legt es noch Wert auf das Vertrauen des jüdischen, Volkes? Die Arbeiterregierung hat zweifellos in dieser Angelegenheit alle ihre . Zusagen gegen einen bequemen Opportunismus eingetauscht. Sie läßt gewiß bei jeder; Interpellation erklären, daß sie an der Balfour-Erklärung. festhält; aber der Widerspruch zu den Vorgängen in Jerusalem ist zu Stark, als daß man in die Festigkeit dieser Erklärungen allzustarkes Vertrauen setzen konnte. Dies ist nicht nur jüdische Anschauung, sondern auch in den englischen politischen Kreisen zeigt sich die Sorge um eine Frage, in der die Ehre Englands engagiert ist. Die „Times" veröffentlichen am 20. Dezember einen von Balfour, Lloyd George und General Smutö unterschriebenen Brief, in dem es heißt: „Als Mitglieder des Kabinetts, das für die Baifour-Deklarationen vor zwölf Jahren verantwortlich war, sowie für die Politik des Nationalheimes für das judische Volk, sehen wir mit tiefer Besorgnis die gegenwärtige Lage in Palästina an. Es scheint klar, daß die Arbeit, an die Großbritannien zu Ende des Krieges seine Hand gelegt ha*, nicht befriedigend Vor sich geht. Die Balfour-Deklaration verpflichtete uns zu einer Politik, das Palästinamandat betraute uns mit lebenswichtigen Verwaltungsaufgaben. Aber Ursachen, die noch dunkel sind, haben diese Aufgaben und daher auch die volle Durchführung der Politik behindert. Unter diesen Umständen verlangen wir-von der Regierung, eine Kommission zu ernennen, um die gesamte Lage des Mandats zu ü n t ersuchen. Unsere Verpflichtung ist u n z w e i d e u t i g;, aber um sie im Buchstaben und im Geiste zu erfüllen, Ist vielleicht eine beträchtliche Neuregelung des Verwaltungsapparates, wünschenswert. Die Schaffung einer solchen Kommission würde der Welt den Beweis liefern, daß Großbritannien nicht nachgelassen hat, seine Ehrenpflichten zu erfüllen, und zugleich eine sichere Zusicherung an Juden wie Araber, daß alle Mängel

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