Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 3 (1929)
- Issue
- Heft 119 (25.12.1929)
- Date
- 1929-12-25
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Preis ^"•oschen Vnn v*rsi '^%/0l ME HE WELT xlEUE HELI BEZUGSBEDINGUNGEN Oesterreich monatlich S 1.50, vierteljährig S 4.20, ganzjährig S 16.—, Polen monatlich Zloty 2.— vierteljährig Zloty 6.r- Tschechoslowakei monatlich Kc. 6.—, vierteljährig Kc. 15—, Jugoslawien monatlich Dinar 14.—. vierteljährig Dinar 40.—; Rumänien monatlich Lei 40.- vierteljährig Lei 120.—. R E V U E BEZUGSBEDINGUNGEN Deutschland monatlich Mark 1.— vierteljährig Mark 3.— , Bulgarien monatlich Lewa 40.—, vierteljährig L«wa 1.20. Italien monatlich Lire 5.-, vierteljährig Lire 14.—. Schweix und die übrigen Länder monatlich Schweizer Francs 1.50. vierteljährig Schweizer Francs 4.50. HERAU S GEB Eft: R OB ERT STRI CK ER Redaktion and Verwaltung: Wien, IX., Universitätsstraße 6-~8 Telephon: A25-2»82 — Erscheint reden Freitag Jahrsfanß 3 Mittwoch, den®5. Dezember 7929 Nr i 179 Verband demokratischer Zionisten Samstag den 28. Dezember I. J„ halb 9 Uhr abends, im Festsaale des Hotel Continental, II, Taborstraße 4 Grolle Makkabäcr-Feier Reichhaltiges künstlerisches Programm, unter anderem: Festrede, Chefredakteur J. Löwy, Llchterzünd' n und Ges*ng»voriiag Oberkantor G. Margnlies, Celovoi träge Pi o». Joachim Siaifdiewtky, Vlollnvorirfige M.Jfikel, Sprechchor, M. Sakaichaniky, jüdische Volkslieder etc. Preise von 7 bis 3 Schilling Stehplätze nur für Jugendliche > SO Groschen Karten sind jeden Mittwoch und Sams-ag abends im Cafe Produktenbörse, II,Taborsträße 10, öder gegen Ii schriftliche oder telephonische Bestellung bei Frau Elsa Nebenzahl, III, Rasumofskygasse 1, Telephon U-12-2-16, ii und bei Frau Paula Stricker, II, Hollahdstraße 10, Telephon R-45-6-89, im Warenhaus Brüderf* Schiff mann, (1, :j Taborstraße 48, und an der Abendkassa im Hotel Continental zu haben >' Alte und neue Makkabäer. Von Oskar Rosenfeld. Wir haben den Helden unserer Freiheit kein eigenes Denkmal gesetzt. Was ist von ihnen geblieben? Die Harfe, die die geschichtliche Erinnerung begleitet? Pie stolzen Namen Juda und Simon und Jonathan? Ist die Vergangenheit tot? Einfach und bescheiden ist das Fest für die Helden der. jüdischeri Heimat. Kaum,, daß ein Lichtlein in den Häusern1 brennt, ein alte^ .Xied in den Tempeln &e-> stwgett^^ erfafit^ daypn^, wöfttr die Makjcabäer käroptteu und fielen, damals als' si^ die Welt lehrten: auch w|r. Juden sind würdig, frei im freien-Land zu leben, frei im eigenen Land! Damals, als die Griechen des Äntiochus ihre Altäre auf Judas Leichnam errichten wollten, tönte durch alle Berge Erei Israels der Ruf der Kämpfer für die nationale Erhebung und er war es, der der Gier der ,,Barbaren" Einhalt bot. Es ist, als könnten wir heute die Helden unseres Volkes nicht mehr feiern; als wären wir keines Aufschwungs, keiner seelischen Erhebung mehr fähig, wenn sieh auch in den stillen Stunden der Einkehr, und Besinnung' der Gedanke rührt, daß auch wir einst ein eigenes, fruchtbares Land hatten, auf dessen Feldern und Gärten und Bergen Licht war und arbeitende Menschen! . Juda Makkabi schlug mit Waffen. Er schlug den Eindringling, er schlug die Verräter, um nach dem Sieg' den Tempel zu reinigen. Auch wir haben diese Schlacht zu schlagen, mit den Waffen des Rechts und mit', den Waffen der reinen Gesinnung. Die Helden, die einst bei Beth Choron, bei Einaus, bei Beth Zurah fielen, wollten ein freies jüdisches Volk, das Herr ist in seinem Lande/ Herr seiner Ueber-. z e u g u n g, seiner Vergangenheit und Zukunft. Sie kämpften für die Erneuerung des jüdischen Geistes in Palästina und der Befreiungsruf ging vom Gipfel des Skopus aus, " Ist die Geschichte vergessen, verraucht, verblichen? Auch in unseren Tagen fielen Helden. Sie fielen bei Hebron, bei Safed, bei Afuleh, sie fielen in Jerusalem am Fuße des Skopus. Und vom Gipfel des Skopus, von dort, wo einst der Freiheitsruf erscholl, vernehmen wir ein Winseln und Krächzen, das Wprt und die Stimme von Schwächlingen und Speichelleckern, die das Beste und Edelste schänden, was wir besitzen: den Heldenmut unserer neuen kämpferischen Jugend in Erez Israel, dort unten in den Tälern, im Emek, wo einst ihre Brüder untev1 Juda Majckabis Fahne gegen die fremden-Feinde und gegen die 'Verräter im eigenen' Hause kämpften. Das Niederzischen des Kanzlers der hebräischen Universität, die Verachtung fast des ganzen jüdischen' Volkes gegenüber der Wühlarbeit des Brith Schalom zeugen für den neuen Geist der neuen Jugend. Sie künden ein neues Chanukkti an. Sie Wollen wie die Mfelf kontier die Freiheit und die Heimat für uns alle! S i e sind die Vertreter des jüdischen Volkes, sie sind die Verj^ter der Erneuerung, sie sind die wahren Zionisten. J Der währe Zidnismus ist nidhts anderes als das Fest von Chanukkn. Die alten und die neuen Makkabäer haben den Zionismus geschaffen, mit Waffen und- Blut, mit Kampf unduiif Entbehrung, mit der Reinigiing, des Heiligtums vom Unijat des, Verräters, damit de'r jüdische Geist auferstehe. > , t Eingedenk des biblischen Ideals und. der großen Geschichte, im Namen der Menschenrechte/1:aber auch; im Namen des eigenen Willens h.abeja. die ^k^caftäcr-. . ihre Feinde besiegt. Das Ist eine histdrische/'Wahriieif, die ganz vergessen sthöiiitf;'da-i man uns' itgp$f''$ui-lyffi} Unserem nationalen Unglück, nicht ~ von unsferer^natiö": Alk im redaktionellen Teil befindlichen entgeltlichen. Notizen sind durch ein beigefügtes E bezeichnet. . Infolge der gesetzlichen Feiertage erscheint die »Neue Welt" schon heute. nalen Größe erzählt. Heute wieder will man das W,erk v unseres Willens verdunkeln und faselt von „Bruderhand" lind „Friedensbereitschaft!*4 Gewiß, Frieden mit allen, die unser Aufbauwerk nicht stören, aber Schande vdtenen, die vom warmen Ofen der Versorgung her den , Verzicht predigen! ''.: ' . .; . Haben wir-ein Recht darauf, Chanukka zu. feiern? Ein Recht darauf, die großen Namen der Makkabäer i*in den Mund zu nehmen und beim Zünden der Lichter ivon der Freiheit zu singen? Wir haben es. Aber nur 'dann; wenn wir im Geist der Makkabäer'handeln, damit" ihr Banner von neuem für die dritte Erhebung ^unseres ' Volkes flattere. Die Geschichte . darf unser jfleßendi^ wirkendes Gefühl nicht ersticken. 'Nicht von, : längst vergangener Qr5ße soHen -wir sprechen, sondern; Zur täglichen, stündlichen Erneuerung aufrufen. t(Shanuk:kaf - ist - das . Fest: : der '.nationalen Erhebung, , Chahukka fet das Symbol des unverfälschten, käi^pfesrischelhH^ionjismus: Denn: nur- ^er)jirä m pfen de- Jude' ist efn wahrer Zlionist!' ^^^^^^^^^^^rv-\ Um das jüdische Natipnalheim. ( Harry Sachter vor der Untersnchungskommission. Jerusalem, 21, Dezember. Imn ersten Mal seit ihrer zweimonatigen Tätigkeit in Palästina befaßte sich die britische Untcisuchuugskoinimissioii mit Wesen und Begriff des Jüdischen Nationalheims, wie sie in der -Balfour-Deklaration und; -in dem von England verwalteteai P'alästina-Märida't"' des; Völkerbundes niede.rgele'gt,sind. Anlaß" hierzu >bot'r-di*''ye^ nehmung von Harry S a c h c r, dem hervorragenden Rechtsanwalt und Leiter der Palästina-Exekutive der;Zio- . nistischen Organisation mid 'der Jewish Agency. ■<■ ,: Sacher erläuterte Geschichte und Ziele der zionistischen Bewegung und schilderte das jüdische Aufbauwerk in seinen Grundsätzen, Methoden und Auswirkungen. Als Sacher auf die - Idee des Jüdischen Nationalheims, zu sprechen kam, ersuchte ihn das liberale Mitglied der Korn-; mission, Herr H o.p k i n s - M o r r i s, eine Definition des Begriffs „jüdisches-- Natipnaiheim'' 2u-geben. ''■;:; ' :' Sacher erwiderte: Unter „Jüdisches NationalheJinu*, verstehe ich . eine Politik,.•. die den' Juden di e-. g e sc t zliche Grundlage gibt, in P al äs t i n a s i ii zuf wandern, das Land wieder' 'aufzu'baüen und hier eine', jüdische Zivilisation zu schaffen, die den wahren jüdischen .Genius ausdrückt. Palästiiia/.h^t':oh'ne eine VerbinduMgimlt'. :dem jüdischen Volke, dem.; jüdischen Genius, keine B^deu^ tuiig für die Menschheit. Es wird gesagt, daß die Araber; .seit-.1300 Jahren in . diesem' Lande wohnen; währerfeall* dieser Zeit aber hat Palästina zur Weltzivilisa.rion ntehtj&jbeigetragen. Die hohen Leistungen Palästinas für die. Menschheit ergaben •sich';aus. der; innigen Verbindtuig:;:dea^ Volkes mit dem Laude, aus der Vermählung. Israels mit Erez Israel. Das Judentum und dieses Land schenkten der Welt Propheten und Lehrer,' -und eben •durch diese Schenkung hat Palästina noch' heute Bedeutung für die Welt. Es kam. die Zeit, in "der-, die, Jude« ,a^svR»J|sJ*ria. •vertrieben ■, wurden. Mit' dem Auszug .der Juden . zog Idier :Seele aus diesem Lande aauv Das Judentum" behielt .seine jüdische Seele. W i r'-b i 1 d e t e n zw a r ' u i c h t.>* nj[*-h r' ein e n St aa t, a b e r wi r h ö'rte.n;n i c h'.t a^if/ e!i;he Nation zu sein. Im Verlauf der 2000 Jahre, ,in;denen 'die Juden inldfcr Diaspora, lebten, hat e«r^pi<^^!;e|nea': Äugenblick gegeben,;,in dem die> Juden; i'üip^MWmffo*. nach Palästina 'als Nation, n i c h t ersehnt 'hätte/1. Wenn wir Juden nun'.' in; dieses L>nd zurücikjsu.ketire'n .-;b^{i|nen» kommen wir nicht -hierher^: üm Gehi^zu v^QMetienHson«.: dem U'm unsere Seele'zu läutern und unseren Beitrag zu der Kultur der Menschheit zu leisten. Die zweite Arabergeneration in Palästina, fuhr Sacher fort, die Kinder jener, die in den August- ■ t agö n J u d e n ahg es c hl achtet' h aib e'n, .;werden; sich darüber klar sein, daß die Zukunft Palästinas uii- ' zextrennlich mit" uns Juden verbunden ist. Wir5'.; wollen Luiis nicht in die ^Angelegenheiten der arabischen Zivilisa- ^n.-vclnrnischen,'--* 'yüt'', Wdlleh"' unsere eigene Zivilisation vschäffen. ' : x ~:;^'::Gnd:'nteniaiid -'soll'- steti einbilden, daß Mord und Ge- ,,walt uns davon abhalten könnten. |ln;i Beahtworrurtg" einer zweiten Frage von Hopkins Mor-' ,n,j ffä erklärte Sacher, die Juden wünschen eine '•■-frei'«" |E ■itiw ä nde r ü.'ng; ohne jede k ü tis t^i ch e' (Sc h'r a n k e; er. hege die Hoffnung, daß die Juden ein- : \nal die Mehrheit im Lande bilden werden. Aber wir. I^uden haben nicht im geringsten die Absicht," - iiber 'andere zu herrschen, eibenso wie wir nicht wünschen, von ^anderen beherrscht zu werden. Der Sekretär "der Untersuchuiigskpnumiisisioni:. He^rrl };Llpyd vom Koloniälamt in London, überreichte Hopkins-' {'Morris ein Weifibuch der britischen Regierung, .-aus'; welchem Morris d;en Abschnitt verlas, der lautet, es ^e- - iStünde nicht, die Absieht, die Araber zu unterwerfen oder sie aus dem Lande zu verdräng;en. Nach der Verlesunig' - eriklaxle, Sacher; Ich akzeptiere voll und gainz1 diese' These; Mit dem ersten Teil der Balfour-Deklarätlon,; der uns das Nationaltielm zusichert, akzeptleren wir den zweiten, Teil, in welchem davon die Rede Ist, daß nichts getan werden soll, was die .bürgerlichen; und religiösen Rechto bestehender iiichtjüdlscher Gemeinschaften In Palästina beeinträchtigen könnte. Auf die Frage des Anwalts der Jewish Agency»' Viscount Erleigh, auf welche" Weise man sich gegen Unruhen in Zukunft am besten sichern könnte, erklärt« Harry Sacher: Zwei Maßnahmen sind am besten geeignet, den Ausbruch von Unruheu in Zukunft zu verhindern;: erstens müsse man die Araber davon Uberzeugen, da^l Ihre Meinung, sie könnten durch Gewaltanwendung eine Aenderung der jetzigen Lage herbeiführen, falsch sei, zweitens muß die Regierung dartun, daß sie ent« £chlds«eti Ist, das Mandat dem Buchstaben •' und ^-döni''" -: it»eiste: nach durchzuführen. , Die britischen Peamten Palästinas sollten, bevor sie ihr; Amt antreten, du rclj ei neb e s o nde re Bei e hr u n g über den "'Charakter des Palästinawandatejv aufgeklärt und in der Handhabung der Bestimmungen; des Mandates ausgebildet werden. '! Der Vorsitzende der Kommission, Sir'Walter Shaw,7 stellte hier in einem etwas sarkastischen Ton die Fraget