Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 3 (1929)
- Issue
- Heft 118 (20.12.1929)
- Date
- 1929-12-20
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. IIS DIE NEUE WELT Seite l TEPPICHHAUS S.SCHEIN *• M"Mm"M,B,llß-™ i :; \.p BAUERNMARKT 10 12, 14 YVlJ&IN VII., MARIAH1LFERSTRASSE 90 (Ecke Zieglergasse) CL PERSER-, SMYRNA-UND INLANDTEPPICHB, VORHÄNGE, BBTT- UND TISCHDECKEN, ÜBERWÜRFE, FLANELLDECKEN, STEPPDECKEN. INLAJ-DLINOLEUM mi>^^»'*,AAAAAA j WWWV W WWWWVwV M* Hulda — wo ein Häuflein junger Juden mit sieben Gewehren einen Ueberfall von. über 2000 'Arabern zurückgeschlagen hat — telegraphiert. Am nächsten Tage erhielt ich ein Telegramm aus London: Nach Beratung mit Mitgliedern der Zionistischen Exekutive, Felix Rose tibi üt und Prof. Brodetzky, bittet man Sie, über solche Dinge keine Mitteilungen zu machen. Ich habe mit hunderten Menschen in Palästina gesprochen und die tiefe Ueberzeuguug gewonnen, daß die jüdische Bevölkerung die Schuld an den Geschehnissen nicht nur der Palästinaregierunig, sondern auch der Zionistischen Exekutive anlastet. loh habe davon telegraphiert und erhielt wiederum die Weisung, solche Dinge nicht zu melden. Unter solchen Bedingungen — sagt van Paassen — kann ein unabhängiger Journalist nicht arbeiten. Jetzt ist man in zionistischen Kreisen schlecht auf mich zu sprechen. Dr. Weizmann wallte mich während seines letzten Aufenthaltes in Paris nicht emiipfanigen. „Ich halbe Herrn van Paassen nichts zu sagen!" erklärte Dr. Weiizmanm. Als Anhänger einer entschiedenen Politik ist van Paassen Bewunderer Pinchas R u t h e n b e r g s. Er hält die Wahl Ruthenbergs zum Präsidenten des Nationalrates von Palästina (Waad Haleumi) für eine gute Sache. Rutheniberg ist ein Mensch, welcher den Engländern mit seiner Ruhe, seiner innerlichen Freiheit, seiner Gelassenheit und seiner stillen Energie imponiert. * Ist es Aufgabe der zionistischen Leitung, einen objektiven nichtjüdischen Journalisten, der Übrigens von ihr selbst immer gelabt wurde, in seiner Arbeit zu behindern? Ist es ihre Aufgabe und ihr Recht, einen ehrlichen Freund der jüdischen Sache zu brüskieren und seine Auftraggeber gegen ihm zu beeinflussen, weil er über die Stimmung in Palästina, welche für die Exekutive nicht immer günstig ist, wahrheitsgemäß berichtet? Ist es Aufgabe der „J üdischen Te 1 egraphenagentur", solchen „Winken von oben" Folge zu leisten? Der Nachrichtendienst der J. T. A. ist eine sehr verdienstliche Sache. Solange die Gewißheit da ist, daß dieser Dienst ein unabhängiger, freier ist. Van Paassen« Ausführungen sind geeignet, diese Gewißheit zu gefährden! Die britische Regierung und die Balfour-Deklaration. Antwort auf James de Rothschilds Anfrage im Unterhaus. London, 10. Dezember (J. T. A.). Im Unterhaus richtete James de Rothschild an die Regierung die Frage, ob der arabisch sprechenden Bevölkerung von Palästina oder der Palästina benachbarten Länder irgend welche Versprechungen bezüglich Ungültigmachung der Ballour-Deklaration vom 2. November 1917 oder der Klauseln des Mandats für Palästina, die vom Völkerbund bestätigt wurden, gemacht worden sind. Der Unterstaätssekretär für die Kolonien Drummond Shiels erwiderte: Der Standpunkt der Regierung über diese Frage wurde in einem kürzlich herausgegebenen Weißbuch ausführlich dargelegt. In diesem Dokument teilte die Regierung mit, daß nichts in ihrer Politik den Bestimmungen der Balfour-Deklaration entgegengesetzt ist. James de Rothschild fragte, ob Dr. Shiels die arabischen Führer informieren wolle, daßdieBalfour- Deklaratiön die Politik der,, Regierung ist. Colone! Howard Bury machte einen Zwischenruf, der sich auf ein Versprechen Sir Henry Mac- Mahons vom 24. Oktober 1915 bezog. Es entstand Unruhe, auch die Minister protestierten laut gegen die Fragestellung Howard Burys. Große Heiterkeit erregte der Zuruf Kenworthys an Howard Büry: ..Setzen Sie sich, Sie Scheich!" Die zweite Frage James de Rothschild beantwortete Dr. Shiels dahin, daß ja die Position der Regierung bezüglich der Balfour-Deklaration genugsam bekannt sei. Den Zuruf Howard Burys beantwortete der Unterstaatssekretär dahin, daß das Versprechen „MacMahons sich nicht auf die palästinensischen Araber bezog, die britische Regierung habe stets den Standpunkt vertreten, daß Palästina in dieses Versprechen nicht eingeschlossen sei. Auf eine Frage von Colonel Howard Bury teilte Dr. Shiels mit, daß bis jetzt in Palästina im Zusammenhang mit den Unruhen ein Jude und acht A r ab e r .z um. Tod e. v'e r u rt ei 11 wurden. Auf eiiie weitere Frage Howard Burys teilte. Dr. Shiels mit, daß vom 1. September 1920 bis 30. September 1929 rund 95.700 jüdische Einwanderer nach Palästina gekommen sind. Wegen Platzmaugels entfällt diesmal die Fortsetzung des Romaus „Die Komödianten", Die Untersuchungskommissioii arbeitet weiter. Die unterlassenen Sicherheitsmaßnahmen der Palästina-Regierung. Jerusalem, 12. Dezember. Mehr als vier Stunden lang unterzog der Regierungsanwalt Kenelm Preedy den früheren stellvertretenden Leiter der Zionistischen Executive, Doktor Isaiah Brau de, einem scharfen Kreuzverhör. Indem der Regierungsanwalt sein Bestreben darauf richtete, den Vorwurf Sir Boyd Merrimans, daß die Regierung, obwohl sie mit dem Ausbruch der Unruhen gerechnet hat, keine genügenden Sicherheitsvorkehrungen getroffen hatte, zu entkräften, versuchte er auch, einen Gegenschlag zu führen und darzutun, daß die Juden die Verantwortung für die Unruhen tragen. Braude war an der Klagemauer und hat selbst gesehen, wie britische Polizisten in der Nähe des Postamtes auf Juden, die dem Sarge des erstochenen Misrachi folgten, mit Stöcken losgeschlagen haben. Niemand habe versucht, das Begräbnis in eine Demonstration umzuwandeln. Sir Henry Betterton fragte Dr. Braude, was er meine, daß die Regierung hätte tun sollen. Braude erwiderte, die Resultate zeigten zur Geniige, daß die Regierung nicht ausreichende Vor¬ Wien, iL, l'abürstr.' Tel. R-42-3-41 Das Filmtheater der guten Gesellschaft zeigt: Ur- und AOBeinaulftthrung: Das grolle Ton* filmprogramm!••••< Nach Alexander Dumas. Ferner: Evelyn* ein Tonfilm- Sketch mit Fritz Schulz und der Kapelle Dol. Dauber Beginn: Wochentag 5, 7, 9 Uhr, Sonn- und Feiertag 3, 5, 7, 9 Unr. sichtsmaßregeln traf. Man hätte die Polizei in den Straßen mehr sehen sollen. Man' hätte mehr Nachforschungen nach den Aufwieglern, anstellen sollen, man hätte die aus den Dörfern einströmende arabische Menge entwaffnen sollen. Der Regierungsanwalt Kenelm Preedy richtete an Dr. Braude die Aufforderung, entweder die in seinen nach London gesandten Telegrammen gegen die Palästina-Regierung erhobenen Klagen zu erhärten oder hier vor der Kommission zu erklären, daß er die Klagen zurückziehe. Darauf erwiderte Brande: Ich kam hierher um auszusagen, nidit um zu klagen; aber wenn Sie darauf bestehen, so klage ich. Ich ziehe nichts zurück. Dr. Brande verharrte bei seiner Meinung, daß 1. die Regierung die an sie gerichteten Warhungen unbeachtet gelassen, die Panzerautos erst am späten Nachmittag des verhängnisvollen Freitag kommen ließ, daß das Feuer gegen die Angreifer erst am Samstag vormittag eröffnet wurde; 2. daß die Polizei keine Gewehre mit sich führte; 3. daß nicht für genügend Truppen gesorgt wurde; 4. daß es nicht einmal genug Polizisten gab. Dr. Braude erklärte, diesmal lagen die Dinge so, daß die Unruhen ausgeblieben wären, wenn die Ordnung in Jerusalem angemessen kontrolliert wor^ den wäre. Preedy ging alle von Braude nach London gesandten Telegramme durch und verlangte Beweise für die Behauptungen über die Schwädie der .Regierungsmaßnahmen, die zaudernden Methoden der Regierung und den offiziellen Betrug bei Verlautbarung der Verlustziffern. Waren Sie sich, fragte Preedy emphatisch, ämnotäi&ile&m Die gute Platte Der | Schlager | der §j Saison 1 m beliehen durch <m»/j&f* Alle modernen Schlager jüdischer und hebräischer Aufnahmen gy m höchster Vollendung Ü Verlangen Sie Kataloge gratis und franko dieser Tatsachen vollkommen sicher, bevor Sie sie der zivilisierten Welt bekanntgaben? Dr. Braude erwiderte, die Regierung selbst habe zugegehen, daß die Streitkräfte unzureichend waren, daß sie nicht in der Lage war, eine Polizeieskorte für das Säuglingsheim im Montefiore-Viertel zu stellen, wodurch die Pflegerinnen gezwungen wurden, die Säuglinge unter einem Kugelregen fortzubringen. Ist es nidit eine zaudernde Taktik, wenn die Polizei die Plünderer von Talpioth gewähren ließ, ohne sie in ihrem Tun zu hindern? Auch in Gedttd Awodah zog sich die Patrouille zurück und Überließ den Ort den Plünderern. Die Araber waren dort mehrere Stunden versammelt, sie griffen aber erst an, als sie fest davon überzeugt waren, daß die Polizei sich nicht einmischen würde. Geradezu ein klassisches Beispiel einer Zaudertaktik war aber das Verhalten von Luke gegenüber dem Vorsdilag, jüdische Polizisten anzuwerben. Lange, lange erwog er während der furditbarsten Stunden, bis er sdiließlidi den Vorschlag zurückwies. Das gleiche gilt für seine Panzerautoaktion: er hielt die Autos lange nur zum Sdieine. Welchen anderen Grund, sagte Braude, hatte die Regierung für das Zusammenwerfen der Verluste in Hebron und Jerusalem als den, den Umfang der Tragödie in Hebron zuverhüllen? Die Ereignisse, sdiloß Braude, waren weit ernster, als ich sie in meinen Telegrammen geschildert habe. Der arabische Anwalt Auni Bey Abdul Hadi fragte Dr. Braude, was die Hissung der zionistischen Fahne an der Klagemauer während der jüdischen Demonstration am 15. August zu bedeuten hatte. Dr. Braude erwiderte, die zionistisdie Fahne symbolisiere nicht das Streben der Juden nach dem Besitz Palästinas. Sir Boyd Merriman fragte Braude, was er über die von arabischer Seite gemachte Andeutung halte, daß die Juden den Versudi machten, Unruhe zu stiften, um Sympathie und Geld für das zionistisdie Werk zu - erhalten, und daß die Zionisten nach Zürich gingen, damit Jerusalem den Unruhen preisgegeben werde. Diese Andeutung, erwiderte Braude, ist zu lächerlich, als daß man auf sie antworten könnte. Auni Bey Abdul Hadi kam wieder auf die an der Klagemauer gehißte zionistische Fahne zu sprechen und fragte: Glauben die Juden nicht im Grunde ihres Herzens, daß diese Flagge einst die Flagge des jüdisdien Staates sein wird? „Ich kann nicht in die Gedanken anderer eindringen, erwiderte Braude. Auni Bey: Ist die zionistische Fahne ebenso jüdische Nationalfahne wie die französisdie französisch ist? Braude: Sie wollen, daß ich anworte, diese Fahne sei eine Fahne, die man einer Armee voranträgt; das ist aber nidit der Fall. Einige Knaben uiid Mäddien wollten demonstrieren, und sie bildeten sich ein, mit einer Fahne wäre es dekorativer." Auni Bey Abdul Hadi erklärte, es habe eine jüdische Verschwörung zur Herbeiführung von Unruhen bestanden. Es sind, sagte er, vom Zibnistenkbngreß in Zürich Instruktionen eingetroffen, Demonstrationen im Lande zu veranstalten, um Zwischenfälle heraufzubeschwören. Diese Behauptung ist absolut lächerlich, erklärte Dr. Braude; kein Mensch mit etwas Intelligenz würde eine solche Geschichte glauben. Auni Bey deutete an, daß Dr. Braude als der damalige stellvertretende Leiter der Zionistischen Exeku- Wochen-Kalender Dezember 1929 <bü3 srin Kislew 5690 20 Freitag l8-n> Sabbateingang 3.50 21 Samstag 19— Sabbataiisgang 4.50 naiy ptn mtsfin ,rfon. 22 Sonntag 20-3 23 Montag 21-H3 24 Dienstag 22~33. 25 Mittwoch 28-» 26 Donnerstag 24^13