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Die neue Welt · 1929-12-20 · Heft 118 (20.12.1929) · page 6

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Journal
Die neue Welt
Volume
3 (1929)
Issue
Heft 118 (20.12.1929)
Date
1929-12-20
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Seite 6 DIE NEUE WELT Nr. 118 ENTZÜCKT OMR INGELENlmm^tm „CAPTAIN" „FIGARO" „RAMOHA" Ferner bestimmt das Gesetz, döß jüdischen staatlichen und städtischen Beamten sowie Soldaten an jüdischen Feiertagen Urlaub za gewähren ist. Der Staat wird im Einvernehmen mit dem Verband der jüdischen .Kultusgeltieinden Jährlich einen Beitrag zu den Kosten des Kultes gewähren. Das Gesetz bringt die Gleichberechtigung der israelitischen Kirche mit der orthodoxen und der katholischen Kirche. Sokolow in Rumänien. Besprechungen mit den Regierungsmitgliedern. Das Pressebüro der Wiener rumänischen Gesandtschaft, beriditet: Herr Nahum Sokolow, der Präsident der zionistischen Exekutive, ist vor kurzer Zeit in Bukarest eingetroffen. Der Zweck seiner Reise war die Fühlungnahme mit den Vertretern der jüdischen Bevölkerung, um über die jetzige Situation in Palästina nach den arabischen Unruhen zu berichten. Bei dieser Gelegenheit dankte Herr Sokolow der rumänischen Regierung für ihre Haltung und für das Verständnis, das durch die Repräsentanten Rumäniens beim Völkerbund anläßlich der Erörterung des palästinensischem . Problems bekundet wurde. Er wurde im ganzen Lande auf das herzlichste empfangen. Der Außenminister Herr Mironescu sowie der Ministerpräsident Herr Maniu hatten mit Herrn Sokolow mehrere längere Besprechungen, in welchen die Sympathien des Landes und der Regierung für das palästinensische Werk dargebracht wurden. Sokolow wurde auch von der Königin-Witwe M ä r i a empfangen. Außenminister Mironescu gab zu Ehren, des Herrn Sokolow ein Diner, bei welchem Präsident Sokolow einen Toast auf das Land ausbrachte und unter anderem sagte, daß er überzeugt sei, daß sich das jüdische Volk jetzt in einer weit besseren Lage befindet als zuvor. Der Außenminister brachte einen Toast auf das Gelingen des zionistischen Werkes aus. Im Lyrischen Theater fand eine große öffentliche Versammlung statt, bei welcher Herr'Sokolow über die Lage der zionistischen Bewegung sprach. Es waren Herr Außenminister, Mironescu,1 Generalsekretär Filality, Gesandter Djüyara und Bürgermeister: Dobrescu anwesend. D e r A ii ß e n inj n i s t.e r h a t i ni Namen der rumänischen R e g je r um g e i n e S.y mpathie erklär ung für de Jr Zionismus und Palästina abgegeben. Das/ Erscheinen dieser Gäste hat bei der jüdischen Bevölkerung des ganzen Landes einen tiefen Eindruck gemacht, da sie sah, welch großes Verständnis und menschliche Sympathien die rumänische Regierung für die'Jii den hat. Während dieser Tage wurde Herr Sokolow vom Regentschaftsrate empfangen, ebenso von der Prinzessin Helena »und dem König Michael, welchen er ein schönes Album mit den Ansichten Palästinas überreichte. Die Eindrücke, welche Herr: Präsident Sokolow von der Hauptstadt empfing, waren die allerbesten. In der Kammer erklärte der Unterrichtsminister, daß sich auf dem Kongreß der antisemitischen Studentenschaft »Hirn und Herz der rumänischen Jugend" verkörpert und daß die Regierung den Studenten Freifahrscheine aus den Leistungen ihrer Väter bewilligt habe... Vom österreichischen Keren Hajessod. Ausschluß, der demokratischen Zipnislen! Die vom letzten, außerordentlichen zionistischen Delegiertentage gewählte zehngliedrige Kommission hat sich am 16. d. M, konstituiert. Ein Vertreter der Pp a 1 e Zion wurde kooptiert. Zum Vorsitzenden wurde Herr Dr. Fritz Ecks t e i n bestellt. Ueber Vorschlag des Herrn Dr. I. H. Körner werden der M i s r a c h i - Organisation zwei Sitze zugebilligt. Die Herren Adolf Böhm und Dr. Fritz Ecksteinbeantragten die Zuziehung von Vertretern des Verbandes demokratischer Zionisten, der stärksten zionistischen Gruppe in Oesterreich. Gegen diesen Antrag nahmen die Herren Dr. 1. H. Körner, Nimmhäuser, Dr. Abraham Schmerler und Max Markus energisch Stellung. Sie vertraten den Standpunkt, daß die demokratischen Zionisten in der Leitung und Kontrolle des Palästina- Aufbaufonds nichts zu suchen haben. Mit den Stimmen dieser genannten Herreu wurde auch entschieden, daß die demokratischen Zionisten nicht zugelassen werden. Der außerordentliche Delegiertentag, welcher im Sinne des Referates seines Vorsitzenden Dr. D. Friedman» die Nichtzulassung der demokratischen Zionisten — das heißt der Majorität der österreichischen Zionisten — zur Organisation beschlossen hatte, hat in der Keren- Hajessod-Sitzung seine ideelle Fortsetzung gefunden. Bei den Wahlen zum letzten Zionistenkongresse im Juli 1929 hat die Liste des Landeskomitees, welches jetzt in der elfgliedrigen Keren-Hajessod-Kommission neun Sitze innehat, 939 Stimmen erhalten, die demokratischen Zionisten, welche zufolge der Entscheidung der Vertreter des Landeskomitees nicht einen einzigen Sitz bekommen haben, erhielten damals 1661 Stimmen, die Misrachisten nur die 200 Stimmen usw. Für heute möge diese Feststellung genügen. an » S ITH AR II Nach ÄGYPTEN und PALÄSTINA mit den Luxusdampfern 4t rnnrnmu „II VW VII in fyi Rundfahrten Im Mitt«lm««r Genua — Neapel — Sizilien — Aegypten — Palästina — Syrien — Zypern — Konstantinopel — Athen —. Neapel — Marseille — Genua zu besonders ermäßigten Preisen Ausktlntte: »Sitmaf", I. Kärntnerring 18 (Ecke Schwaizenbergplatz) Telephon U-45009 Ur? lsu Zweite Palästinareise 5690. 25. Februar bis 25. Mär« 1930. — Veranstalter: Verbanc Demokratischer Zionisten und PaksHne Touring Club in Wien. Die Ankündigung der zweiten Palästinareise veran« laßte eine Anzahl Freunde aus Erez Israel, ihre Freude darüber auszudrücken, daß im kommenden Frühjahre abermals eine größere Gesellschaftsreise mit Teilnehmern aus Oesterreich und den Nachbarstaaten Palästina zu be* suchen gedenke, die ebenso wie die Teilnehmer der ersten Reise herzlicher Aufnahme sicher sein können. Das Pro* gramm der Reise hat, gestützt auf die Erfahrungen der ersten Reise, eine starke Erweiterung erfahren und ist bereits bis ins kleinste Detail festgelegt. Für den Aufenthalt im Lande sind vierzehn Tage vorgesehen; das Programm enthält den Besuch der Städte und der wichtigsten Kolonien im Lande und bietet den Teilnehmern Gelegenheit, das Leben und Treiben unserer Brüder in Erez Israel kennenzulernen. Der Purim wird ebenso wie im Vorjahre in der jüdischen Stadt Tel» Awiw verbracht. Als Abschluß der Reise ist ein Aufent* halt in Kairo vorgesehen, welcher für die Besichtigung der großen Denkmäler der alten ägyptischen Kultur verwendet wird. Die Seereise wird sowohl auf der Hin* als auch auf der Rückfahrt mit der „Ausonia", dem modernsten und schönsten Schiffe im Dienste nach der Levante, zurückgelegt. Ein Aufenthalt in Neapel und ein Ausflug nach Pompeji bietet eine angenehme Unterbrechung der Seereise. Es empfiehlt sich, die Teilnahme an der Reise so rasch als möglich anzumelden, damit die Reiseleitung die Möglichkeit hat, die besten Kabinen auf dem Schiffe zu belegen. Ausführliche Prospekte, welche das ganze Reiseprogramm, sowie alles Wissenswerte über die Reise und eine Palästinalandkarte enthatten, sind bereits fertig« gestellt und gelangen über Verlangen gratis zur Ver« sendung. Auskünfte bei Frau Paula Stricker, Wien, II., Hollandstraße 10, Tel. R*45*6*89, und Frau Berta Taubes, Wien, II., Böcklinstraße 92, Tel. R*45*905. Was Pierre van Paassen erzählt. Es gibt keine panarabische Bewegung gegen Palästina. — Hinter den Kulissen der offiziellen zionistischen Politik. Van Paassen ist Pariser Vertreter der „New York Eyening Worl d", ein Ohrist holländischer Abstammung und kanadischer Staatsbürger. Nach den Vorfällen in Palästina wurde er von der ..Jüdischen Telegraphenagentur" (J. T. A.) als Soezialberichterstatter dorthin entsendet. Er hat sich als gerechter, objektiver Beurteiler bewährt und der Jüdischen Sache große Dienste erwiesen. Es ist nicht zuletzt sein Verdienst, daß die an den Umtrieben Hauptschuldigen, der Großmufti und der stellvertretende Gouverneur L u k e, als solche entlarvt wurden. Sein Interview mit Luke, in welchem sich dieser zum Bekenntnis zu. seiner, iudenfeindlichen Politik hinreißen ließ, ist noch In frischer Erinnerung. Ueber die gefährliche Legende von einer B er wegun galler Mohammedaner gegen den Zionismus schreibt van Paassen aus Kairo: „Der Jerusalemer Mufti ist keinesfalls irgend einem anderen iiibergeord.net, unbeschadet der Heiligkeit der Stadt seines Wirkens und seiner direkten Abstammung vom KäJifen All, dem Nachfahren Mohammeds", erklärte mir A b du! M a g i d S e 1 i m, der Grandmufti von Kairo, ein in der ganzen moslcmitischeri Welt angesehener Korangelehrter an der weibbekannten Alazar-Universität in Kairo. „Wenn er irgend welche Erklärungen politischer Natur abgibt oder sich sonstwie engagiert, so ist das eine rein private Angelegenheit und kann nicht als für irgend einen Moslem bindend angeshen werden, nicht einmal für. jene,' deren Wohnsitz in seine Jurisdiktion fällt; kurz, der Jerusalemer Mufti ist eine religiöse Persönlichkeit und hat als solche religiöse Autorität und sonst nichts." . Der Großmufti von Kairo "lehnte es ab, eine Ansicht über die Situation in Tu'"s;'na zu äußern, und zwar mdt der Motivierung, daß sein Interesse ein ausschließlich r e 1 i g i ö s e s sei. Die anwesenden sieben hervorragenden Ulainahs (rhohammedenische Geistliche) stimmten ihm bei." Dieselben Kreise, die vor drei Jahren den D r u s e naufstand in Syrien gegen Frankreich organisierten, sind die Häupter der antijüdisohen Agitation in Kairo. Sie geben Zeitungen heraus, die unter der Kontrolle christlicher S y r i e r, Mitglieder des syrischpalästinensischen Komitees, stehen, üben aber keinen wesentlichen. Einfluß -auf die öffentliche, Meinung Aegyptens aus, das sich bisher kühl verhält und nicht einmal fünf Dollar für die von der syrisch-arabischen Zeitung „Mokatani" eröffnete Sammlung für -die arabische Sache in Palästina aufgebracht hat. Der heimliche Führer der antijüdischen Bewegung in Aegypten ist Dr. Sch anband er, der zusammen mit dem Fürsten Cotfallah und dem Derwisch Sultan Latrasch in die Dntsenrevolte verwickelt war und vor der französischen Justiz nach Aegypten flüchtete, . Die vom Jerusalemer moslemltischen Rat in die Welt gesetzte Legende von der Solidarität der mohammedanischen Welt erledigt sich durch die Tatsache, daß die Moslems außerhalb Palästinas ein Minimum von Interesse für die palästinensischen Angelegenheiten bekunden. Das findet vor allem auf Aegypten Anwend-un«, wo das syrisch-palästinensische ^Komitee nicht einmal .durch die Verbreitung der Meldungen wirken konnte, daß die Juden die Omar-Moschee zerstören wollen, Moslems während des Gebetes abgeschlachtet haben, ferner durch Verbreitung einer Photographie, die das zerstörte Haus eines 'hervorragenden Arabers und zerrissene Gebetbücher zeigt (in Wirklichkeit die Photographie der Jeschiwah in Hebron) und durch alarmierende Nachrichten, wie die Ermordung des ägyptischen Konsul« in Jerusalem u. ä. Das Desinteressement der neuen Türkei kommt darin zum Ausdruck, daß Sakkin Sellm Beg; Oberst in der Kemal-Pascha-Armee, der auf der Durchrelse Palästina streifte, erklärte: „Ich fuhr von Beirut nach Halia und Jaiia, wo ich ausgezeichnete Straßen dort vorfand, wo' vor zwölf Jahren sogar noch Kamele Schwierigkeiten hatten. Die Türken von Kleinasien sind an der lokalen Palästinapolitik nicht interessiert. Die Türkei ist ein modernes Land und als solches immer auf selten der Zivilisation.' In allen maßgebenden politischen Kreisen Aegyptens herrscht die Ansicht, daß Aegypten eine selbständige nationale Politik, unbeschwert von religiösen Sentiments des Islams, w führen habe. Man kann ruhig behaupten» daß die islamitische Welt in ihrer politischen Entwicklung dem Christentum ähnelt, das nach einer rein religiösen Epoche alle nationalen Spaltungen mitmacht. Es gibt keine einheitliche islamitische Weltpolitik. * Van Paassen ist nach Paris zurückgekehrt. In einem Gespräch mit dem Pariser Korrespondenten der Tageszeitung „Moment", Herrn J. Sehechtinann, wußte er Interessantes zu berichten: Sie wissen gewiß von den Verfoligrogen — stagte van Paassen —, welche ich seitens der Araber und seitens der P a 1 ä s t i n a r e g i e r u n g auszustehen hatte. Sie wissen aber gewiß nicht, daß auch von offizieller zionistischer Seite her gegen mich gearbeitet wird. Ich bin Christ und unabhängig. Ich pflege das ztl telegraphieren, was ich sehe und was ich für wichtig halte. Dies paßt alber der offiziellen zionistischen Leitung nicht. Ich hatte ausführlich über die heldenhafte Verteidigung von ALLGEMEINE RENTENANSTALT Hervorgegangen aus der im Jahre 1824 gegründeten Allgemeinen Versorgungsanstalt WIEN, I-, GRABEN 20 RENTEN - SPAREINLAGEN (Naglergasse 1, Tel. U-21-510 Serie (Altersrente, Witwenpwsipn. KlnderUlfsorg« ww.) Prospekte u. Auskünfte bereitwilligst u kostenlos ZWEIG ANSTALT* Qrsi, iokominiplats 29 WäStM

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