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Die neue Welt · 1929-12-13 · Heft 117 (13.12.1929) · page 4

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Journal
Die neue Welt
Volume
3 (1929)
Issue
Heft 117 (13.12.1929)
Date
1929-12-13
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Seile l DIE NEUE WELT Nr. lif Pitt! HlttKC In Porzellan- und Glatservlcart Kaffeeservice Ia «...••» S 0.30 Tafelservice ia. . ......S St.SO ChinasHberaufsarz 9.50 Likörservice.........S t.50 GOTTFRIED, uM taborstrassi §1 hard Schmidt in dem Disziplinarverfahren gegen die Vorstandsmitglieder der „Allgemeinen Deutschen Studentenschaft", die für die Absendung eines Ultimatums an den Rektor und für die daraufgefolgten antisemitischen Krawalle verantwortlich sind. Das Urteil fiel sehr milde aus. Die Studentin von Ploetz wurde mit Androhung der Entfernung von der Universität bestraft Das Verfahren gegen das Vorstandsmitglied Busse ist eingestellt worden, da man ihm nicht nachweisen konnte, daß er von dem an den Rektor gerichteten Ultimatum Kenntnis hatte. Der stud. jur. Hoppe, der erste Vorsitzende der Allgemeinen Deutschen Studentenschaft, konnte nicht zur Verantwortung gezogen werden, da er nicht mehr Mitglied der Universität ist. •. Die Liga gegen Antisemitismus. Die Pariser Liga zur Bekämpfung des Antisemitismus hielt dieser Tage ihre Jahreskonferenz ab, in der auch über die Lage in Palästina berichtet wurde. Zu einem Beschluß betreffend die palästinensischen Geschehnisse kam es nicht, weil die Liga in politischer Beziehung nach allen Richtungen Neutralität bewahren will. Es wurde ein Programm der zukünftigen Tätigkeit angenommen und ein Komitee zur Durchführung dieses Programmes eingesetzt. Eine Schießerei in Warschau. Aus Warschau, 6. d. wird gemeldet: In einigen Bezirken der Stadt Warschau demonstrierte die im „Bund" organisierte jüdische Arbeiterjugend gegen Faschismus u.nd Diktatur und für Demokratie, Als einer der Arbeiterzüge die Nivollpie-Gasse überqueren wollte, kamen ihm von beiden Seiten Polizeiabteilungen entgegen. Der Zug begann sich daraufhin freiwillig aufzulösen. Iii diesem Augenblick fielen von verschiedenen Seiten Revolverschüsse, einer der jüdischen Demonstranten, der 17jährige Shtbemnäler Josohua Grin- <wald, fiel tot hin, mehrere andere wurden verletzt. Der •20jährige Jaworsky Hegt mit einem Brustschuß schwer darnieder. Schwer verletzt sind auch die 18jährige Radoschinsky, die 17jährige Esther Katz und die 19jährige Helena Sawodstea. Die Schüsse sind offenbar von Provokateuren aus dem Hinterhalt abgegeben worden. das Bett der Gegenwart und Zukunft!!! Schlaff auteuils, mit einem Griff als Bett verwendbar Direkt beim J^f & V,,.».b.^ % Erzeuger Der Größmufti im Verhör. Die Untersuchungskommission. — Die „Protokolle der Weisen von Zion". Jerusalem, 3. Dezember. (J. T. A.) . In den Räumen des im Hause des Großmufti untergebrachten Moslemitisdhen Religiösen Gerichts erschienen die Mitglieder der Untersuchungskommission und die Anwälte der Regierung, der zionistischen Exekutive und der arabischen Exekutive, um den Großmufti über die unmittelbaren Ursachen der palästinensischen Unruhen und über seine Rolle bei diesen Unruhen zu vernehmen. Der M u f t i erklärte, auf Befragen des Anwaltes der Araber, St Oker, er glaube an die Echtheit der „Protokolle der Weisen von Zion". Der Anwalt der zionistischen Exekutive, Sir Boyd Merriman, trat .der Erklärung des Großmufti durch die Richtigstellung entgegen^ daß die sogenannten ^Protokolle" bereits als Fälschung entlarvt worden sind; Stoker beantragte, die arabische Uebersetzung des französischen Textes der „Protokolle" zu den Akten zu nehmen. Die Kommission entschied sich für die Zulassung des Buches, und zwar nicht als Beweis für etwaige Bestrebungen der Juden, sondern als Symptom für die Mentalität jener Möslems, die an die Echtheit der Protokolle glauben. Es wurde deshalb von der Verlesung von Auszügen aus dem Pamphlet Abstand genommen. Es kam auch zur Sprache, daß die Palästina-Regierung die Zirkulation dieses Buches verboten hat. Der Mufti kam dann auf die Frage der Klagemaüer zu sprechen und erklärte, die Juden haben lediglich das Recht, zur Mauer heranzukommen, und zwar auf Grund einer nicht über neunzig Jahre zurückgehenden Gewohnheit. Ein Recht, an der Klagemauer zu beten und dort die Stimme zu erheben, haben die Juden nicht. Der Mufti verwies auf die Heiligkeit der von den Moslems „Bura k" genannten Klagemauer, die sich auf eine Stelle im Koran gründet, in der die Grenzen der Moschee angegeben sind. Diese Grenzen, sagte der Mufti, schließen nicht allein die Kiagemauer, sondern auch das Pflaster vor derselben ein. Der Mufti erklärte, daß seine Wahl zum Präsidenten des Möslemitischen Obersten Rates für lebenslänglich gilt, ungeachtet -gewisser von moslemitischen Kreisen dagegen; erhobenen;Einwendungen Als Beweisfürdie jüdischen Aspirationen: auf das Tempelgebiet führte dä^r Großmufti die-v MisVuchi-Bilder, einen angeblichen Ausspruch; Lord Melchetts, daß er sein Leben dem Wiederaufbau des Tempels widmen wolle — der Mufti'sagte, er glaube nicht.: daß Melchetts Worte nur symbolisch gemeint waren —, ferner Albert Einsteins angebliche Erklärung, daß das Judentum ohne Tempel wie ein Körper-ohnei Kopf sei, an. (Bekanntlich hat Prof. Einstein diese vom Mufti schön einmal in einem Interview mit Pierre van Paassen aufgestellte Behauptung als; eine bewußte Lüge erklärt.) Der Mufti wies auch auf die von Harry Sacher und Dr. Stephen S. Wise auf dem Züridier Zionistenkongreß gehaltenen Ansprachen hin, wonach die Beibehaltung des Status quo den Juden nicht genüge', ■ und fübrte weiter aus* die Moslemiten seien überzeugt, daß die Juden just den letzten 1 Verband demokratischer Zäonitten | | Jüdische Männer und Frauen das IX. Beiirka»! | § Kommet am Donnerstag, 19. Dezember 1929 um § 1 halb 9 Uhr abends zur I Versammlung | § ins Promenaden-Catä, IX, Koßauerlände 2t g | lagesordnung: 1 | „Offener und verstockter Antisemitismus" | § Referent: Hans KandS '§ Tischa b'Aw zur Herbeiführung von Unruhen wählten, weil sie im Hinblick auf die Tagung der Jcwish Agency in Zürich hofften, die Agency werde die Arbeiterregierung in England dahin beeinflussen, den Status an der Mauer zugunsten der Jüden zu ändern. Daß er, der Mufti selbst, die Moslims zu den letzten Unruhen aufhetzte» stellte er in Abrede und sagte, es sei schon so die Gewohnheit der Juden, die Schuld auf andere abzuschieben. Die Regierung habe ihm für seinen beruhigenden Einfluß wiederholt gedankt. Die moslemitische Gegendemonstration war nach der vorangegangenen jüdischen Demonstration unvermeidlich geworden. Im Verlauf seiner Vernehmung kam der Großmufti auf die Umstände vor und während der Unruhen in Palästina zu spredien und führte aus: Vor dem 23. August war die Stimmung in Jerusalem eine solche, daß die Moslems vom Lande sich wegen der drohenden Haltungder Jerusalemer Juden, die sogar aus den Dörfern eintreffende Frauen tätlich beleidigten, sich fürchteten, die Stadt zu betreten. Der Vormittag des Freitags, 23. August, war vollkommen ruhig verlaufen. Es war nicht nur seine Ueberzeugung, sondern auch die des stellvertretenden Distriktskommissärs Cust und des Majors Saunders, der ihn an jenem Vormittag besuchte, daß die Verhältnisse vollkommen normal seien. Saunders hatte deshalb beschlossen, den Fellachen die ihnen vorher abgenommenen Stöcke wieder zurückzugeben. Gegen Mittag erst hörte er, der Mufti, Sdnisse aus der Gegend des Moscheegebietes, er wußte aber nicht, von welcher Seite sie abgegeben wurden. Er tat sein Bestes, um die aufgeregte Menge zu beschwichtigen und ordnete an, daß in der Aksamosdiee der Koran gelesen werde, um die Leute, die durch die Lektüre von unter sie verteilten kommunistischen Flugblättern in arabischer und hebräischer Sprache in Erregung geraten waren, auf ändere Gedanken zu bringen: Die Unruhe stieg,' als zwei aus Wunden' blutende Araber ari- NEUERÖFFNETE REICHHALTIGE MODERNE DER BÜCHERSTUBE M. RATH WIIN, II., T AB ORSTRASSI Nr. 20a TEL.: R-43-1-68. ALLE NEUERSCHEINUNGEN! REICHE AUSWAHL IN HEBRAIKA UND JUDAIKA! MONATSGEBUHR NUR S 3>- KEINE BANDGEBÜHR! TÄGLICHER UMTAUSCH f der dampfenden Solrüssel. Nach dem Mahle wurde der Bräutigam wieder in seine Wohnung gebfacht. Unter besonderen Gesängen kleidete der Rabbiner ihn in ein weißes Gewand, seine Mutter bemalte seine Augenbrauen mit Kohle, worauf die ganze Gesellschaft sich in das Haus der Braut begab, wo die Hochzeit stattfand. Die Braut, deren Mutter und weibliclien Verwandten saßen in einem dunklen Raum, dessen Tür ein wenig offen blieb, der Rabbiner machte Kiddusch mit dem Bräutigam, dann streckte die Braut durch die 'halbgeöffnete Tür ihre Hand aus und der Bräutigam legte eine Silberm'ünze hinein, die Hochzeitsformeln wiederholend. Die Tür würde dann versperrt, ein Gebet gesprochen, und wieder geöffnet. Der Bräutigam reichte der Braut das Urkundenpergament mit den Worten: „Nimm es! Darin sind alle deine Rechte aufgezählt." Und die Gäste zogen sich zurück. Am Freitagabend wurde im Hause der Braut der Gottesdienst gehalten und das junge Paar nach Hause geleitet. Es ist gewöhnlich das Haus des Bräutigams, in welches die Männer ihre Bräute bringen, um sie der Obhut der Schwiegermutter zu überlassen. Vor dem Eintreten der Braut gießt die Schwiegermutter Wasser über die 'Türsehwette, weil Wasser ein Symbol für Glück ist. Der Rabbi begleitet das Junge Paar ins Zimmer, schüttet Wasser über die Hände des Mannes, läßt das Paar allein und schließt die Tür ab. ■Jahrhundertelang versuchten die Juden von Yemen, sich von ihren Peinigern durch eine Reihe von falschen Messiassen zu befreien. Nur einige sind wert, genannt zu werden. Im 12. Jahrhundert versuchte ein Rabbi, den Mohanwnedanlsmus seiner Gemeinde aufzuzwängen, indem er beweisen wollte, daß das Erscheinen des Propheten von der Bibel prophezeit worden sei. Im 17. Jahrhundert gab sich Josef Äbdaia als Messias aus und führte den Schrei des Esels als Schlachtruf ein. Im 19. Jahrfoundert ging der Schmied Schukri K oh all, efai Kenner d«r Kftbtata, von Ort zw Ort und proklamierte sich zum Messias. Er wurde von Juden und Arabern mit großem Enthusiasmus empfangen und man erzählt, daß er viele Wunder vollbracht habe. Aber der seine wächsende Popularität fürchtende Iman töte te ihn. Später gab sich einer seiner Schüler als Messias aus: er sei vom Tode auferstanden, die Frau des Kohail möge vor i'hn gebracht werden. Die Frau erklärte, er sei in der Tat ihr toter Gatte. Obwohl viele Menschen an ihn glaubten, exkommunizierten ihn die Rabbiner, um einen Bürgerkrieg zu vermeiden, und er floh in die Wüste. . Während des Weltkrieges versuchte ein englischer Abenteurer ein Vereinigtes arabisches Königreich zu gründen, aber das Land litt schwer durch Kämpfe und Hungersnot. Die Türken, von denen die Juden , eine gute Behandlung erwarten konnten, wurden vertrieben, und die arabischen Stämme, die einander befehdeten, brachten das Land in Verwirrung. Sanaa wurde teilweise zerstört und im Jüdischen Viertel erheben sich zwischen den Ruinen der jüdischen Häuser arabische Lehmhütten. . (Ein Schlußartilkel folgt.) Aus dem Testament des Vaters Rosenthal. Von Vojtcch Rakous. ... und meine Seele empfehle ich selbstverständlich dem Herrn droben, an den ich stets für alle Fälle geglaubt und dessen ich mich bei Jeder Gelegenheit aufopfernd angenommen habe. Was meine irdische Hülle anbelangt, wünsche ich nicht, daß sie verbrannt werde. Nicht etwa deswegen* weil mir Wärme unangenehm wäre, ein alter Mensch kann es nie warm genug haben, und du, mein Sohn, weißt, daß es im Winter meine liebste Beschäftigung war, im Ofen zuzulegen, wiewohl deine gute Mutter r-, Gott erhalte sie bei Gesundheit — immer sehr lebhaft dagegen protestiert hat. Aber ich wünsche deswegen nicht verbrannt zu werden, damit meiner Asche wegen keine Sch'Wieriigfkeiten entstehen. Ich weiß zwar, daß ihr die Urne mit meiner Asche auf den ehrenvollsten Platz in der Hauswirtschaft stellen würdet, vielleicht sogar auf die Kredenz neben den blaugetiltirnten Teetassen, aber — du kennst ja die Mutter. Du weißt, wie eifrig sie jeden Freitag alles in der Wohnung abstaubt und insbesondere die Gegenstände auf der Kredenz. Und wie sehr sie dabei auf den überflüssigen Krempel schimpft, der sich ihr im Laufe der dreißig Jahre auf der Kredenz angehäuft hat und den sie jeden Freitag abstauben muß, obzwar sie am liebsten alles hinausschimeißen würde . . . Und jetzt würde man ihr zu alledem noch eine neue Scherbe auf die Kredenz bringen . . . Nein, ich will nicht verbrannt werden. Bestatte, mich lieber nach der alten Mode auf unserem alten, ländlichen Familienfriedhof im ßöhmisch-anährischen Hügelland, den im Winter der unberührte Schnee mit einer einzigen strahlenden Decke hüllt, und wo es im Sommer so märchenhaft schön ist. Die blühenden Linden duften dort betäubend, das nie gemä'hte Gras wächst unglaublich hoch und die alten Bäume des grauen Waldes, der eng an den Friedhof grenzt, schauen neugierig auf die gesenkten Gräber über die eingestürzte Friedhofsmauer. Hier ist sogar für den Lebenden gut sein. Und wo du liinblickst, lauter Verwandte: Großvater, Großmutter, Onkel, Tante, Kusin . . . ja, selbst Verwandte, von denen du im Leiben nie gehört hast und die hier in Frieden einhundert, zweihundert Jahre ruhen. Daß deine Mutter Jeden Freitag mein Grab abstauben käme, ist nicht gut denkbar; mit dem Schnellzug dauert die Fahrt hierher sechs Stunden und dann sind es noch zwei Stunden zu Fuß. Damit wäre ich zu Ende, was meine Seele und meine irdisch» Hülle anbelangt. Und nun einige Worte

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