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Die neue Welt · 1929-12-13 · Heft 117 (13.12.1929) · page 3

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Journal
Die neue Welt
Volume
3 (1929)
Issue
Heft 117 (13.12.1929)
Date
1929-12-13
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Nr. 11? DIE NEUE WELT Seife 3 KOHLE KOKS ANTHRACIT htohitar Qualität BÄSCH. IV. Argenttnierstraße 22 T0|A»itiiN ü-46-403 Telephon y.4|.2.87 Das gleiche gilt für die Subvention des jüdischen Kultus; wir verlangen die gleiche Behandlung mit den anderen Kulten. Wir Juden betrachten uns nämlich als Angehörige einer ethnischen und konfessionellen Minderheit. Es gibt eine Million Juden in Rumänien. Wir vermissen die Ankündigung eines Gesetzesprojektes betreffend die Staatsbürgerfrage. Man hat uns jüdische Staatslyzeen versprochen, aber bisher wurde kein einziges ins Leben gerufen. Man hat uns eine jüdische Staatsnormalsc'hule versprochen. Wir brauchen sie dringend, weil unser jüdisches Schulwerk sonst ohne geprüfte Lehrer bleibt. Die Regierung hat aber Zeit und Muße gefunden, tun das Kultusgesetz zu modifizieren, obwohl wir vom jüdischen Parlamentsiklub und mit uns die überwältigende Mehrheit der jüdischen Bevölkerung des ganzen Reiches flammenden Protest aufgelegt haben gegen ein Gesetz, welches die Einheit unserer Gemeinden und unsere der jüdischen Kultur und der sozialen Fürsorge gewidmeten Anstalten zerstört. In der Frage der Sabbatruhc tut man dem religiösen Gewissen unserer frommen Schüler Zwang an. Es besteht der sonderbare Zustand, daß die jüdischen Kinder an dem Unterricht in der christlichen Religion teilzunehmen haben, sofern sie nicht ausdrücklich verlangen, dieser Pflicht enthoben zu werden. Unbewußt wird ein staatlicher Missionarismus getrieben. Die hebräische Sprache wird als eine fremde Sprache behandelt, in der nur drei Stunden wöchentlich gelehrt werden darf. Dr. Ebtici führte Beschwerde dagegen, daß die Regierung den. Kongreß eines Teiles der rumänischen Studentenschaft begrüßt hat, obwohl ihr bekannt sein mußte, daß dieser Kongreß zum Rassenhaß auffordert. Die Regierung hat die auf sie gesetzten Erwartungen der Juden enttäuscht. Wir Mitglieder des jüdisch-parlamentarischen Klubs können für die Antwort auf die Thronrede nicht stimmen, es sei denn, der Senat würde beschließen, die Antwort in der Weise zu ergänzen, daß unseren gerechten Forderungen Rechnung getragen wird. Reg ierungsantisemitische Propaganda in Ungarn. Aus Budapest wird uns geschrieben: Vor längerer Zeit erschien in amtlicher Ausgabe eine „Geschichte des ungarischen Genossenschaftswesens" voll dem Direktor des Verbandes der ungarischen Genossenschaften .Dr. Johann Csepreghy-Horvath, die sich als dks niederträchtigste antisemitische Hetzpamphlet qualifiziert. Der Autor schreibt zum Beispiel unter anderem: „Die Lage wurde noch erschwert, als im Jahre 1867 die jüdischen Bewohner des Landes durch einen Gesetzartikel mit den christlichen Bewohnern zur Ausübung der bürgerlichen und politischen Rechte völlig gleichgestellt wurden, und die Juden sich auf Grund dieses Gesetzes in alle Zweige der Wirtschaft, sogar der Landwirtschaft und später auch in das genossenschaftliche Gebiet hineingedrängt haben und den Wucher, den sie von jeher trieben, nunmehr auch auf diesem Gebiete als ihre Hauptbeschäftigung aufnahmen." Auch die folgende liebliche Gedankenrichtung hat in dieser a m 11i eh en Ausgabe Platz gefunden: „Die gegen das Judentum dann in Aktion gesetzte genossenschaftliche Bewegung wurde, abgesehen von der im Jahre 1875 von Viktor Istoczy gegründeten antisemitischen Bewegung, auch in Jahre 1883 durch die Ermordung der Esther Solymossy, die drei Jahre hindurch das gesamte ungarische gesellschaftliche Leben und die Politik beherrschte und auch im Ausland großes Aufsehen hervorrief, gestärkt. Wohl hat das Gericht unter politischem Druck und über Intervention des Pariser „Internationalen Judenbundes" die Angeklagten vom „Ritttalmord" freigesprochen, aber der hervorgerufene antisemitische Geist und die antisemitische politische Partei hat zwar am Ende jener Periode an Temperament etwas eingebüßt, ist aber seither nießwitifr0 Nur diese Schwedenklinge macht Rasieren zum Vergnügen Die führende schwedische Weltmarke mals ganz verschwunden und im Jahre 1919 wegen des jüdisch cn Charakter sderProletarierdiktatur wieder mächtig angewachsen. Da nun die christlichen Genossenschaften auf humanitärer Grundlage gegründet wurden, während bei den Juden nach den mosaischen Gesetzen bloß ihre Rassenliebe herrscht und sie Fremde nur als Dienstboten halten, entstand der Kampf zwischen den christlichen Konsumgenossenschaften und den verjudeten Gesellschaften." Daß der Autor schließlich zu dem Ergebnis gelangt, daß die christlichen Genossenschaften nicht an ihrer negativen Idee, an der Unfähigkeit und Korruption ihrer Leiter zugrunde gehen mußten, sondern weil die verjudeten Genossenschaften von einer jüdischen Zentrale aus mit Geld gespeist wurden, um sogar christliche Genossenschaftsleiter zu bestechen, ist unter, solchen Umständen nur begreiflich.. Unbegreiflich aber bleibt es, daß ein solches Buch, das mit einer offenen Hetze gegen das gesamte Judentum abschließt, unter, der Patronanz und mit den..Mi11ein des Staates unter der Landbevölkerung verbreitet wird. Der neue Präsident der Pester isr. Religions- , gemeinde.; \,' ' 1;: ''* \ Die Repräsentanz <\eiPester ^Israelitischen Religionsgemeiride wählte; anr 3. d. My Hofrat .Samuel; Stern zum Präsidenten der Gemeinde als Nachfolger des vor einigen Monaten verstorbenen Hofrates Alädar IEDER ZUGEHÖR Hochwertige französische Strickgummiteile QUMMIWARENHAUS „ALPHA" I. AOLERO. 8 »UAfiSfiUftG« anrufender bequemste quemsre . ^bschtagi TEL* «Q Kassab. Hof rat Stern dankte für die hohe Würde. Er entwickelte das Arbeitsprogramm der Gemeinde und wünschte, mit der Landeskanzlei und deren Präsidenten Baron Adolf Kohncr Hand in Hand zu gehen. Das Programm teilte der neue Präsident in zwei Hauptgruppen ein; „eine dieser bezieht sich darauf, daß wir unser Glaubensleben mit der Wärme unserer alten Traditionen erfüllen, daß wir das religiöse Gefühl verbreiten und vertiefen sollen; die andere Gruppe bezieht sich auf die innere Ordnung, die richtige Admiriistrar tion, die lautere und gewissenhafte Finanzgebarung". Der A b t r ü n n i g k c i t, die ihre tiefer liegenden Gründe auch in den wirtschaftlichen Verhältnissen findet, müsse durch eine innere Stärkungsarbeit entgegengewirkt werden. Betrüblich sei, daß in der rund 200.000 Seelen zählenden Glaubeusgemeinde noch immer eine namhafte Schicht vorhanden ist, die den Gottesdienst nicht besucht. Die jüdische Schule und der Religionsunterricht sollen gestärkt werden, große Sorgfalt wird auch den Talmud-Thora-Sehulen zugewendet werden. Auf die sozialen Aufgaben wird stärkerer Nachdruck gelegt werden müssen. Die Spitalsinstitutionen der, Gemeinde sind ein Stolz der Judenschaft, in dem neuen Pavillon wurden 1,800.000 Pengö investiert. Der Wohltätigkeitsaktion ist durch das wachsende Elend eine schwere Arbeit auferlegt. Das Hakenkreuz. Der Berliner „Vorwärts" teilt unter der Ueberschrit't „P og r om in A11 cnb u r g" mit: „Ihr Anschluß an eine Werbeveranstaltung der Nationalsozialistischen Arbeiterpartei kam es in Altcnburg ver-' schiedentlich zu Schlägöfeieii. In der Wallstraße überfiel ein Trupp- Nationalsozialisten v eine Anzahl' jüdischer: Bewohner und mißhandelte sie. Die Angegriffenen haben teilweise nicht unerhebliche Verletzungen davongetragen. Die Täter haben sich bisher nicht ermitteln lassen. Die durch die Vorkommnisse erregten Bewohner und.... Straßenpassanten konnten nur durch energisches Eingreifen der Polizei davon abgehalten werden, auf die Nationalsozialisten einzudringen." Die Polizei von Altenburg hat also die Rowdies geschützt und die Täter laufen lassen.; ' Die Berliner Universitätskrawalle. Der Senat der. Berliner Universität verhandelte am 4. Dezember abends unter dem Vorsitz des Rektors Er- Die Juden von Yemen und Aden Reisebilder von Ariel Benzion (Jerusalem). IL* Ariel Benzion entstammt, wie bereits 'berichtet, einer bekannten sphardischen Familie, die aus Bagdad nach Jerusalem . gekommen ist. Er hat in Jerusalem, Deutschland und in der Schweiz studiert und sich als : 'publizistischer Mitarbeiter hebräischer, deutscher und arabischer Zeitschriften einen .yuten Namen gemacht. In den letzten Jahren hat Benzion eine rege zionistische Tätigkeit unter den Sphardim entfaltet und im Zusammenhang damit die jüdischen Zentren des weiten Orients besucht. Die literarischen Früchte seiner Studienreisen liegen nun in einer Reihe von Schilderungen vor. Es wurden keine neuen Schulen eingerichtet, aber jeder Lehrer nahm eme Anzahl von Schülern in sein Haus, um sie zu unterrichten. 30 bis 60 Knaben, vom dritten Lebensjahr aufwärts, drängen sich in einem kaum zehn Fuß im Quadrat großen Räume zusammen, der ein schmales Fenster besitzt, sonst dunkel und feucht ist. Die Kinder sitzen im Kreis auf dem schmutzigen Fußboden, ein Dutzend an einem Buch, von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang, mit einer Mittagspause von knapip zwei Stunden. Während des Unterrichts beschäftigt sich der Lehrer mit irgend einer manuellen Arbeit, um sein kärgliches Dasein zu fristen; er ist vielleicht ein Weber oder ein Schneider, und bringt es zuwege, gleichzeitig zu arbeiten und zu unterrichten. Aber was immer auch der Yemenite tut, er tut es energisch und freudig. Das Schrieben >jst eine schöne Zeit für die Knaben. Im Alter von dreizehn Jahren verlassen sie die Schule, die Heilige Schrift und die hebräische Sprache völlig beherrschend. * SleH Nr. 115 vom 29, November. Das Mädchen hingegen genießt seine Erziehung im Elternhaus. Im achten oder neunten Lebensjahr kann es die kompliziertesten Speisen zubereiten. Frühmorgens, um 2 Uhr, steht es mit den Knaben auf, um in die Synagoge zu gehen, ihierauf betätigt es sich im Haushalt, um schließlich die verschiedenen Heimarbeiten — Schneiderei, Stickerei, Weberei — den Kunden abzuliefern. Das Mädchen m u ß bis zum zehnten Lebensjahr alles Nyissen, was zu einem jüdischen Haushalt gehört, da in diesem Alter 'bereits eine passende Partie gesucht wird. Wenn die jungo Frau ein Kind zur Welt bringt, weiß sie, wie man das Amulett umzubinden hat, um die bösen.Geister fernzuhalten, die schmalen Hände und Füße mit Silberringen zu behängen, um die feindlichen üämone abzuwehren. Der Arzt wird hei ihnen der Tod bringer genannt, was wohl verständlich ist, da er erst in den äußersten Fällen gerufen wird. Dem Tod wird mit Fatalismus in die Augen gesehen. Jüngst gab -die Familie eines Verstorbenen ein Festessen, bei welchem die Beteiligten mehr Branntwein (Arak'h) zu sich nahmen als sie vertrugen, worauf der Ra'bbiner derlei Festlichkeiten verbot und anbefahl, daß das Geld hiefür den Annen zukommen solle. Wir wurden zur Hochzeit der Habiba, der zwölfjährigen Tochter eines Schuhmachers, mit dem vierzehnjährigen Sohn eines Grabschmiedes eingeladen. Habiba hatte sich von Stickereiarbeiten 50 Dollar zurückgelegt und mit den 50 Dollar, die der Vater des Bräutigams gab, war sie eine reiphe Braut. Die 'beiden Familien überboten einander an Festlichkeiten. Diese begannen am Freitagabend. Nach dem Gottesdienst wurde'ein Abendessen, bestehend aus Früchten, Gemüsen, geröstetem Getreide, Nüssen und Kuchen, auf einem reinen weißen Taschentuch den mit gekreuzten Beinen dasitzenden Gästen serviert. Inmitten des Zimmers saß der Bräutigam in einem schwarzen, mit Goldstickereien bedeckten Seidenrook, um den Hals eine Bernsteinkette gehängt, die. er schon seit seinen Kindertagen als Amulett getragen hatte. Dieser vierzehnjährige Bräutigam war der Vorbetcr. Am Samstag kamen die Gäste, brachten sich selbst das Essen mit, sangen den ganzen Tag Psalmenverse, die von dem großen yemenitischen Dichter und Kabbalisten Schebassi stammen. Am Dienstagabend wurde ein großes Festesseu im Hauso der Braut gegeben. Während mau auf Kupferiplatten mit Stöcken schlug, wurde die Braut mit, Hennah und schwarzer Schminke an Gesicht und Händen 'bemalt. Mittwoch war der Tag der Geschenke. Die Braut erhielt ein Paar weite Hosen mit schwerer Stickerei, ein farbiges Kopftuch, das jede verheiratete Frau habe n m u ß, ein Paar Halbschuhe für die Straße und ein kupfernes Kästchen, worin ein Stück Seife, ein Holzkamm, ein Ei und Watte sich befand. Eine alte Frau zerbrach das Ei, schmierte den Dotter über das Gesicht der Braut und legte die Watte darauf, dann zündete sie drei Wachskerzen an und btieß sie an das Gesicht der Braut. Ein Freudengeschrei ertönte aus dem Munde der anwesenden Frauen: die Watte fiel leicht von den Wangen, ein gutes O m e n für die Braut. Ihr Gesicht wurde gewaschen, kabbalistische Zeichen auf Wangen und Stirne gemalt und besonders auf die Augenlider. Ihr Vater trat ein, um seine Tochter zu begrüßen, gab. ihr seinen väterlichen Segen und verlieh ihr den Namen „Frau". Die weiblichen Gäste verblieben den ganzen Tag. Am Abend kamen die Männer. Unter Singen und Tanzen bemalte der Rabbi die Arme des Bräutigams mit Hennah und die Mutter bemalte seine Beine und Füße. Am Donnerstag kamen die Gäste in das Heim des Bräutigams, um ihn in die Wohnung der Braut zu geleiten. Er war in einen weitgeschweifteu, mit Blumen bestickten Rock ge-: kleidet, darüber trug er den Tallith. Alle marschierten in feierlichem Zuge mit brennenden Wachskerzen ins Heim der Braut, um am Abendessen teilzunehmen. Früchte und: Arakh wurden gereicht, Braut und Bräutigam erhoben sich und 'wiederholten die Segenssprüche. Die Gäste neigten sich zu Boden und holten sich warme Stücke Fleisch aus

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