Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 3 (1929)
- Issue
- Heft 116 (6.12.1929)
- Date
- 1929-12-06
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. m DIE NEUE WELT Seit« $ LERNET FREMDE SPRACHEN in der Berlitz School, Wien I, Graben 13 Prospekt 7 auf Wunsch zionistischen Bewegung ihnen verliehenen Stellungen wer* den von ihnen in gefährlicher Weise mißbraucht. Dazu kommt, daß auch Zeitungen der Zionistischen Organisation, welche von Freunden des Bundes geleitet werden, die antizionistische Agitation des Bundes direkt betreiben oder zumindest wohlwollend fördern. Eine be« deutsame Rolle spielt in dieser Hinsicht das Organ der reichsdeutschen Zionisten, die Berliner „Jüdische Rund« schau". Sie dient dem Bunde als Sprachrohr. In ihrer letzten Nummer druckt sie einen Bericht ihrer palnstinen* sischen Korrespondentin Gerda Arlosoroff*Goldberg ab, in welcher die gerechte Entrüstung der gegen die Preis« gäbe des zionistischen Programmes protestierenden Zio« nisten, die Haltung Ussischkins und der jüdischen Studen* ten, als „lächerlich , „traurig", „kindische Demonstration", „politischer Terror" bezeichnet werden. Die „Rundschau" selbst unterstreicht diese Ausführungen durch redaktio* nelle Zusätze. Wie lange wird dieser, für Außenstehende wohl unbegreifliche Zustand noch andauern, daß der Zionismus durch eigene Mittel und eigene Organe seines wesentlichsten Inhaltes beraubt wird, daß vom Zionismus geschaffene Stellen zu Stützpunkten der antizionistischen Propaganda, auch der Tätigkeit arabisch . Mordhetzer und; pflichtvergessener englischer Beamten ausgestaltet werden? Auch in Wien fand vor kurzem eine Aussprache über diesen Gegenstand statt, zu welcher uns nach« stehender Bericht übermittelt wurde: Im Verein zionistis scher Hochschüler „C h a j e s" fand eine Aussprache über „Die Ideologie des Brith Schalom" statt. Der Direktor des jüdischen ChajcseGymnasiums, Herr Dr. V. Kellner entwickelte das Programm des Brith Schalom. Auf die jüngsten Vorgänge in Palästina hinweisend, vers urteilte er zunächst das Programm der Revisionisten. Dann sagte er: Der B. S. dient der Verständigung mit den arabischen Brüdern. Er lehnt das Streben nach Bildung einer jüdischen Majorität in Palästina ab. Er hält eine jüdische Majorität weder für erreichbar, noch für wünschenswert. Er fordert den binationalen (arabisch« jüdischen) Staat und die sofortige Einrichtung eines pas Iästinensischen Parlamentes mit arabischer Majorität. Er ist aus moralischen Gründen gegen das Prinzip der jüdis sehen Arbeit, auch gegen die allgemeine und vom Natio* nalfonds betriebene Propaganda der „Bodcncrlösung". Die Balfour*Dcklaration muß zugunsten der Araber abgeändert werden. England kann und darf nicht gegen den arabischen Willens de« Aufbau des jüdi? sehen Nationalheimes fördern. Der Referent verlas auch ein Zirkularschreiben des B. S., welches den Titel: „Die jüdische Mitschuld" trägt und den Nachweis zu erbringen strebt, daß die palästinensische j ü d i; sehe Jugend an den letzten blutigen Ereignissen Mitverantwortung trägt. Die Wirkung dieser Ausführungen auf die jugend? liehen Zuhörer war deprimierend. Der Eindruck war, daß der Referent die gefährliche Arbeit des B. S. billigt, da er in den grundlegenden Fragen, wie Majorität, binationaler I Staat, Parlament, jüdische Mitschuld usw. sich direkt für den B. S. aussprach. In der Diskussion traten alle Redner dem Referenz ten scharf entgegen. Sie lehnten die Propaganda der natio* nalen Preisgabe ab und hoben die Schädlichkeit und Welt« fremdheit dieser Gedankengänge hervor. Erregt wurde die Stimmung, als einer der Redner, vom Referenten häufig unterbrochen, da9 Programm des B. S. als natio« nalen und kulturellen Verrat am Judentume darstellte. Er wies darauf hin, daß der B. S., seinen Prinzipien, An» <&> Der Tonfilm Alexander Dumas' Pracht werk llllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllil Eine dramatische Begebenheit aus dem Leben der Königin Maria Antoinette Im Vorprogramm: 1) Egmont-Ouver.Qre von Ludwig van Beethoven, gespielt von W. Schmidt-Gentner und den Ufa- Symphonikern 2) Evelyn«, ein Tonfilm-Sketch mit Fritz Schuh und der Kapelle Dolfi Dauber Ur- und AlleinauffDhrung im Ufa-Ton-Kino m M KORBULY"» BAUKASTEN Matador Ein lmm«rwc1hrond«r Baukasten. Dem Kinde stets Neues bietend. Ö.S 2*20,4"—,6;50, II*—, 16*-, 24'-, 38'- u. höher In alten einschlägig«-) Geschäften und in den Matador-Filialen:!. Graben 28 VII. Mariahilferetr. 62 IV. Margaretenitr. 52 IX. Nußdorferstr, 11 II. Taborsfr. 8 Tel. R-42-3-41 hängern und Gedanken nach, logische Folge des von Martin B u b e r gepredigten jesu^entrischen, zum „Ufr Christentum" tendierenden Judentumcs sei. Unte r dem Eindrucke der scharfen Zurückweisung erklärte Doktor Kellner in seinem Schlußworte, daß er mit dem Prinzip des B. S. einverstanden sei, aber dessen Taktik in gewiss sen Punkten ablehne. Aus London und Jerusalem wird gemeldet, daß Rektor Magnes ohne Wissen der Jcwish Agency und aller zionistischen Stellen Verhandlungen mit den Arabern aufgenommen und der englischen Regierung Be> richte. und. Vorschläge .erstattet hat, welche die anti? zionistischen Ppstulate' des,!,#' r i t ti . S c h a. 1 o m" zur Grundlage haben. Aus New York wird gemeldet: Das Präsidium des „Jüdischsamer ikanischen Kongresses" und der „Jüdische Rat für GroßsNew York" haben scharfe Resolutionen gegen Rektor Magnes gefaßt und fordern seine Demission. Der zion.sakademische Verein „Bar Koehba" in Wien übermittelt uns eine im Generalkonvent beschlos? sene Resolution, in welcher es u. a." heißt: „Mit der Leitung der Universität in Jerusalem wurden Männer betraut, welche unsere Arbeit in Palästina unter« grabea Anläßlich der letzten Unruhen in Palästina haben der Rektor Magnes und der Bibliotheksdircktor Dr. Hugo Bergmann eine Tätigkeit entfaltet, welche nackten Verrat am Zionismus ist. Der Verein „Bar Koehba" protestiert aufs schärfste und fordert die Männer auf, ihre Stellen niederzulegen." Montag, am 9. Dezember veranstaltet der Verein „Bar*Kochba" im Saale Cafe Produktenbörse um 149 Uhr abends eine große Studentenversammlung. Gegenstand: „Die Tätigkeit des Brith S c h a 1 o m", Referenten : Robert Stricker, Dr. t, W a 1 d m a n n, Dr. N. S a m o n a k y. Die jüdische Studentenschaft wird zu zahlreicher Beteiligung auf« gefordert. Union der Zionisten-Revisionisten. Am 9. d., halb 9 Uhr abends, im Arkaden-Caf6, I., Universitütsstrafie (Souterrain), Referat Dr. Norbert Hoffmanri über die Vorgänge vor der Untersuchungskomraission in Palästina mit besonderer Berücksichtigung der Aussagen der Regierungsbeamten und der arabischen, Entlastungszeugen. Die Mitgliederversammlungen finden regelmäßig jeden Montag, halb 9 Uhr abends, im Arkaden- Cafe statt WIEN VII.. KAISERSTRASSE 123 IX.. ALS ERSTRAS S.E 6 FERNSPRECHER B.3S-0-43 habe, schreien sie um die Wette: „Mir gib, Großpapa", „Großpapa, nur!" Sie wollen mich fast in Stücke reißen. So begabte Kinder habe ich, unberufen! Doch idi weiß, ich sehe es euch an der Nase an, was ihr mich fragen wollt! . . .; Na, und die Geschäfte? . . . Ah, die Geschäfte. Dem Allmächtigen im Himmel sei es gedankt, wir drehen und winden uns in unserem gottverlassenen Schnorrerdorf, so gut es geht. Manchmal geht es so, manchmal wieder anders, und eh* man sich's versieht, ist ein Jahr um. Wir brauchen uns also ein Jahr weniger in dieser Welt herurazuquülen. Geschäftlich nämlich geht es meinen Söhnen nicht gut. Zum Beispiel der älteste, der hatte sich's ganz gut eingerichtet. Als er heiratete, ließ er sich in Schelraendorf nieder, vertrug sich vorzüglich mit den Bauern, freundete sich ihnen sogar an ... da kam das berühmte Gesetz vom 3. Mai und der Knecht' Gottes wurde aus dem Dorf gewiesen. Er wehrte sich, reichte Gesuche ein. verfertigte Ansuchen, Klageschriften, ging zum Senat ... es half nichts. Er hat alles verloren und sitzt mir jetzt mit Frau und Kindern am Genick. Das ist der älteste. Der zweite ist ein Pechvogel. Was immer er beginnen mag, es geht verkehrt. Kauft er etwas, fallen die Preise; verkauft er, steigen sie. Versudit er mit Vieh zu handeln, fällt Vieh. Will er Waldgesdiäfte machen, hört der Frost auf. Ein richtiger Pechvogel! Sieht er das Wasser an, krepieren die Fisdie. Wollte er mit Sargen; handeln, würden sicher die Leute aufhören zu sterben. Meinem dritten Sohn ist das Unglück sozusagen direkt auf den Kopf gefallen. Er ist, wie man zu sagen pflegt, total abgebrannt, mit Haut und Haar, und jetzt lebt er "mit seinen ganzen Kostbarkeiten bei mir auf meine Kosten.SWas soll idi tun? Der; Jüngste Sohn, der hat's getroffen. Das heiflt, wie soll man's verstehen? . . . Reichtümer hat er keine, Geschäft ftudi' nicht ... Aber sein Schwiegervater ist ein reicher. Mann. Nicht so reich an Geld wie an Geschäften. An Geschäften hat er eine Menge. Neulich habe ich mit ihm, über unsere Kinder gesprochen . . . warum er ihnen nicht irgend ein Geschäft einrichte. „Es ist Zeit, Bruder, sidi um unsere Kinder zu küm« mein", habe ich zu ihm gesagt. „Sie sind doch ebenso gut meine Kinder wie eure", hat er gemeint. „Das ist richtig, Bruder, aber es ist immerhin Zeit, sie irgendwie selbständig zu inadien." Darauf hat er mir erwidert: „Ihr sollt nicht darüber spredieu, Bruder,*' „Warum denn nidit?" habe ich gefragt. „Na, weil ihr, Bruder . . . weil ihr ..." „Was denn? Waruni denn n\cht?" habe idi gefragt. Aber es war mir peinlich, jedes Wort aus ihm herauszuziehen. So steht's um meine Söhne. Mit den Schwiegersöhnen hat mir Gott kein Glüdc gesdienkt, das. heißt, gegen sie selbst hab' idi, Gott behüte, nichts einzuwenden. So treffliche Schwiegersöhne', wie ich sie besitze, findet ihr nidit bei dem reichsten Manu der; Welt. Nehmt zum Beispiel meinen ältesten Schwiegersohn, Der ist ja Gold, in Juwel, ein Schatz! Man kann.sagen» der erste Gelehrte im Land! Er sitzt ohne Unterlaß über dem" Talmud! Es ist wirklich schade, solch ein^n Menschen vom Budi wegzureißen/ Idi halte ihn bei mir von dem Tag an, da er nieijic Tochter geheiratet hat, Audi mein zweiter Sdiwiegersohn ist kein gewöhnlicher Mensch, doch ist er so furditbar/zart, so mager, so durchsichtig, fast ohne Flcisdi, wie ein Geist! Man kann nicht sagen, daß er irgendwie leiden ist, Gott bewahre! Schlimm nur, daß er fortwährend schwitzt — oh, wie er schwitzt — und in der Nacht hustet. Der Husten gefüllt mir nicht. Idi habe es nicht gern, wenn ein Mensch hustet und dazu pfeift. Es tut einem weh und es hört sich auch unangenehm an! Wir waren bei mehreren Aerzten mit ihm: er soll viel Milch trinken und viel Fleisdi essen, hat der Arzt gemeint Nun warten wir auf den Sommer. Wenn Gott uns ihn erleben läßt, ziehen wir mit ihm auf Sommer fr isdie. Oder vielleicht fahren wir mit >ihm zu einem Professor. Entweder zum Professor oder auf Sommerfrisdie, ich bin nodi nicht entschlossen. Vorläufig muß idi ihn und seine Familie versorgen . . . Was soll man mit einem kranken Menschen anfangen? Mein vierter Sdiwiegersohn ist ein ganz einfacher Mensch, nicht die Spur von einem Gelehrte»; Er ist Fisd|händler, Seine ganze Familie treibt Fischhandel. Sie verstehen nur eines: mit Fischen handeln, sonst nichts. Ihr wundert euch, Wieso es kommt, daß unter-all die gelehrten Sdiwiegersöhne ein so einfacher geraten ist? . . . Alle staunen darüber .. . und ich audv Aber wahrscheinlich war's so meiner Tochter beschieden. Nicht alleft Menschen können glücklich sein auf Erden. Aber glaubt nidit etwa, daß meine Tochter mit dem Fischmensc|ien nicht glücklich lebt. Gott" hehute!; Im Gegenteil, sie leben sehr gut miteinander, $r schätzt und liebt sie sehr, weil er weiß, daß sie nicht eine erste beste ist, sondern meine Tochteiv Ja, meine Tochter! Deswegen arbeitet er auch für sie vojri Morgen bis zum Abend. Und nicht nur für sie allein arbeitet er; er muß audi meinen anderen Sdiwiegfirsöhnen oft genug helfen. Warum sollte er es nicht tun? Er muß doch fühlen, wer sie sind und wer er ist, Ein kleiner Unterschied , , , was raeint ihr? Besonders fühlbar wird der Untersdiied, wenn wir ims über gelehrte Dinge unterhalten, über den Talmud . , , Wenn die anderen zusammenkommen, dann reden sie und streiten sie und debattieren sie und er sitzt stumm.dabei: Sdiuster. bleib* bei deinem Leisten! ]Si; muß dodi stolz darauf sein, daß Gott ihn hat in solch ein Haus hingeraten lassen, meint ihr nidit audi?j, , . , , Jetzt, nachdem ihr meine Familie ein wattig kennengelernt habt, werdet ihr mein Glüdc begreifen, wenn Gott einen Feiertag gibt, zum Beispiel den Festtag Esther, wie idi euch sagte, und; alle sich, bei mir versammeln, Töchter und Sdiwiegertöchter, §öhue und Sdiwiegersöhne mit allen Enkeln unberufen, und wir uns alle an den Tisch setzen. Zuerst: wird Fisdi aufgetragen, editer, gefüllter, gut gepfefferter Fjsdi, nach dem Fisdi alle anderen Feiertagsgerichte, zu denen wir echten, teuren Wein trinken; dann stimmen wir in feierlichem Klang die bekannte Gebetsmelodie an, in die die Jungen einstimmig einzufallen pflegen. Wir fassen unsere Hände und machen einen Kreis. Was kümmern uns da alle irdisdien Allfegsdinge, Rechnungen, das ver.äditlidie Münzengold? Kinder , «• das ist Glück! Heiliger Feiertag ... das bringt Glückseligkeit! Ja, mein Lieber, ich bin kein Rothschild, bei weitem nidit. Aber ich lebe, Gott sei gedankt, vkl glücklicher und viel besser als irgend ©in RothstfeiUk .