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Die neue Welt · 1929-12-06 · Heft 116 (6.12.1929) · page 2

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Journal
Die neue Welt
Volume
3 (1929)
Issue
Heft 116 (6.12.1929)
Date
1929-12-06
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 2 Dffi NEUE WELT Htf M PELZWARIN> GEBRÜDER BftAININ immmmii itiw&ii II, Glockcngasse 8, TA R-45-4-33 Das Hausherrenrecht —y- Einige tausend deutsche Bauern haben sixh vor etwa zwei Monaten, von der Ukraine her in Bewegung gesetzt; um dte Ausland zu erreifchen. Sie wollen Sowjetrußland verlassen und lieber auf das Land ihrer Geburt verzi<hteiv als weiter ift dieser Hölle leben. Ihr Entschluß vielleicht noch mehr als ihre Erzählung zeigt die Zustande in diesem angeblieh revolutionären Staat, der in Wirklichkeit in das tiefste Mittelalter suriickgeglftten ist, als der Mensch noch Eigentum der Obrigkeit war, die ihm Glauben, Beschäftigung und Geltiuig vorschrieb. Diesen deutschen Bauern ist ihr Besitz und der Ertrag ihrer Arbeit abgepreßt worden von der erbarmungslosen Masdune, die sich revolutionärer Sozialismus nennt Daß Menschen geduldig sind und «ich an die Sklaverei der Autorität gewöhnen, ist eine Erfahrung, die uns die Geschichte lehrt. Aber sie lehrte es für die'Vergangenheit. Daß in der Zeit] einer so hoch gestiegenen technische» Kultur aber" ebenfalls diese Erfahrung gelten soll, ist eine Besjfcärnung für diese Kultur und eine fast unerträgliche B elaSt'u'n'g'des Gewissens. Es werden Massen geplagt, die eben erst durch eine der mächtigsten Umwälzungen hindurchgegangen sind, diei sich gegen den Zarismus erhoben hatten, und ihre; Ermattung' ist so tief, daß sie nicht mehr Widerstand leisten und sidi sogar durch die gleichen Mittel niederhalten lassen, mit denen sich die monarchische Autokratie sicherte: durch Militär, Spitzel und Polizeifolter. Diese deutschen Bauern erzählen nun von dem sozialistischen 'Paradies, Sie wurden gequält, weil; sie Mennoniten sind, einer Sekte angehören, diel die Waffe und die Gewaltanwendung als unsittlich; und gottlos verwirft. £)as duldete der Zar nicht, und seine kommunistischen N a c h f o 1 g,e r*; die -ihre Idee; mit der allgemeinen Wehrpflichti durchsetzen wollen, weil sie ohne Kaserne nicht« regieren können, haben diese tapferen Mensche^? kurzerhand enteignet. Als diese nun nach dem Aus-- land aufbrachen und nach Moskau wanderten, um sich*dört ihre Pässe'zu holen, wurden sie zunächst auf dem Chodynka-Feld interniert. Das ist jeher I^Jatz, auf dem bei der Krönung Nikolaus II. einigt tausend. Menschen zu Tode getrampelt' worden waren. .Dort hielt man die Bauern fest. Dann, wurde einigen hundert von ihnen die Erlaubnis erteilt, nach Deutschland zu gehe». Die anderen wurden zwangsweise auf sogenannte Kollektivwirtschaften in Südrußland aufgeteilt, wo sie von nun ab in der Fron leben müssen. Die Zeit der toten Seelen ist wieder gekommen und es ist der revolutionäre Sozialismüs, der sie herauf geführthat. Er kann dies wagen, weil es das Prinr zip der.inneren Angelegenheiten" gibt, Sp werden unter den Augen der Welt, in Gegenwart des Gewissens der Zivilisation . Menschen verschleppt, ihres Willens beraubt und in die Fessel der Leibeigenschaff gesdilagen. Denn — das besagte Gewissen sanktioniert das — Rußland besitzt das Hausherren recht und übt es« Von diesem Recht hören auch wir in Mitteleuropa von Zeit zu Zeit, Im österreichischen National ra t. hat vor wenigen Tagen ein gewählter Abgeordneter, Mitglied der sich christlich nennenden Mehrheitspartei, erklärt, daß die jüdischen Studenten aus dem Osten, die er mit dem Wort „Gesindel" belegte, gemäß dem Hausherren«? recht geprügelt worden sind. Der Mann sagte das und niemand hat ihm widersprochen. Kein Vorsitzender hat ihn gerügt, kein anderer der gewählten Gesetzgeber, auch keiner der revolutionären Sozialisten, hat sich auf diese Schändlichkeit besonnen. Es hat. auch keiner daran gedacht, daß mit diesem Haushcrrenredit auch alle Rechtsbrüche gegen deutsche Minoritäten begründet werden und so auch in dem so deutschnationalen österreichischen Nationalrat sanktioniert werden. So weit reicht der politische Verstand nicht Des Nihilismus dieses Hausherrenrechtes ist eben international. Es umgibt die Verfolgung der Mennoniten durch die Sowjets, die Verjagung der jüdischen Studenten von den Hochschule» in Polen, in Oesterreich und in Ungarn mit Legalität. Sind nicht auch die Morde in Palästina mit diesem Hausherren recht entsdiuldigt worden? Es ist ja, um zu diesem Milderungsgrund zu gelangen, eine eigene Theorie errichtet werden, Die Juden wollen den Arabern das Land nehmen. Soaielisten, Kommunisten, Nationalisten verbreiten die Lehre dieser Lüge und m gibt Juden, deren Gtwchtig- ( Unser Jugend- und Verbandsheini. Nach langen Bemühungen ist es gelungen, ein Stoßes, im jüdisdie» Zentrum gelegene! eigenes eim zu sichern. Das Heim bietet große Vortrags* Säle, Lehrzimmer, Bureaurttume usw. in ausreichen* der ZahL nm einen wirklichen Sammelnunkt Jüdl« SChen Lebens «u schaffen. Vor allem aber werden wir in der Lage sein, die Wiener Jüdische Jugend «u erfassen» sie in eine Umgebung in bringen, welche Schute gegen die fortschreitende Entjudung bietet. Unser Ideal ist es» AU« unseren Jungen und Kindern treue Träger des Judentums su machen, Juden mit Würde und Bescheidenheft, jüdisehe Vollra e n $ c h e n, Unser Heim gibt uns die Möglichkeit, diesem Ideale zu dienen. . Die Erhaltung des Helmes Ist durch unseren Verband gesichert Aber die Einrichtung erfor* dert größere Mittel. .Wir streben ja an, das . Heim behaglich und allen'Anforderungen' entsprechend auszustatten. Wir bitten daher alle, welche unser Bestreben gutheißen, alle, denen die Zukunft unserer Jugend am Kernen liegt und denen die Soaaffnhg eines würdigen, der Pflege des jüdischen Gedankenf geweihten Heimes als gute Sache eilt, einen einmaligen Beitrag zu leisten. Spenden nehmen der „Verband demokratische^ Zlnnisten" und die Verwaltung „Die Neue Welt", Wien, IX, Uaiveriitütaatraße o~*8, entgegen. Wir haben auoh Bausteine au * § «nd 9 S In Blocks «u je 10 Stück herstellen lassen. Wer durch Verkauf dieser Bausteine unsere Sache fördern will, kann bei den oben bezeichneten Stellen Blocks erhalten. Für den Verband demokratischer ^ioniaten? Robert Stricker, Obmann. * I« Spendenauswein „Die Neue Welt" 500 Bausteine zu S 1 S 500. — K. F. Bondy 500 Bausteine zu S 2 S 1000. — Dr. J. Rosenfeld 100 Bausteine au S 2 m S 200. N. Seheraer 100 Bausteine zu S 1 S 100. Zusammen S 1800. keitsgefühl immer die Sache der anderen gefällt; sie beeile» sich, wie man das so schön nennt, die Konsequenzen zu ziehen. Sie predigen von einem Verzicht auf das politische Grundrecht des Mandates als einer VoraussetÄung der, wie man das ebenso schön nennt, Verständigung mit den Äras'e, werden schlank ohne Medikamente, ohne Anstrengung nur durch Paraffin! At»/İmÄ Neuralgien, Erfolg «arantlert. Paraffininstitut (unter ärztlicher Lettin? IX., ri»*lh«ltsplats t, fmU A»93.3*47 her». Durch Deutschland geht eine tiefe Bewegung, die aus Rußland Entkommenen brüderlich aufzunehmen. Den Juden soll — und das ist ja die wirkliche Konsequenz der Verständigungstheorie ~ das Refugium verschlossen werden. Das wäre das erste und letzte Postulat der Araber und daB würde mit mathematischer Sicherheit eintreten. Das Judentum, dem kein so starker Nationalstaat wie den Mennoniten zur Seite steht, ist auf sich selbst ge» stellt Es hat nuf von sich Rettung und Hilfe zu erwarten; Soll es auch da betrogen und enttäuscht werden? :u 11i >..:. :; •. J.U1J...1L11JI...I.:.Ü1,I ilfiül«.Ll......[.HIUL1...LJ1.....LI. kann kein Mensch liefern, hingegen kaufen 8ie bei uns: Orl9-böhni. ßemed^m $ehon von,iS"l.äo peic Kilo* Provinave^and* - Möbel aller Art, Bettwaren und Kinderwagen besonder billig Mitglied efer Ka*Oa-W« — v Jratßniraßß Und wieder Jakob Wassermann, Die Jüdische TelegräphenaAgentur (J. f. A.) ver* sendet unter der Spitzmarke „Jakob Wassermann u n d d 1 e Ö s t j u d 6 n" folgende Nachricht; Der Dichter Jakob. Wassermann hat bekannt* lieh in einem offenen Brief an den Herausgeber der „Mo« natsschrift für kulturelle lErtieuerung" u. a. ausgeführt: „Kriegs* und Nachkricgsjahro haben vielerlei Unrat und Unflat an die Oberfläche der Gewässer getrieben; nioht bloß jüdisches Händler«, Schieber* und Spekulanten* tum, nicht bloß die Scharen h n 1b b ar b a r i * c h o r, lebensgieriger, aber von einem ganzbarbarischen Autokra* tismus generationenlang in Ghettowildnis gefangener und infolge des Krieges , unglücklicherweise auf Deutschland eis das Land der Mitte lo s g e l a s s e n e r polnischer und; russischer Jude n . . Was hätte ich mit ihnen, den, polnischen und russischen Juden, zu schaffen? loh, dessen Vorfahren väterlicher» und mütter* Heherseits seit sechshundert Jahren im Herzen von Deutschland lebten und arbeiteten?" In dem Vorwort *u seinem Werke „Priester der j/iebe" (Die Welt der Ohsssidim) bringt Chajim Bloch, der bekannte Autor mehrerer Werke über Ohas« sidiemus, eine eindringliche Widerlegung der Ansichten Wassermanns über das Qstjundentum und schreibt u. a,: „Auoh die Ahnen dieser von Jakob Wassermann ao herab* geletzten OstjundSn väterlicher« wie mütterlicherseits Silberhell bleibt blankes Aluminiumfr «ach irr beim Reinigen mit SCHICHTS ' ALU HIN-SO DA Verwendet! Sie auch zum Koche« und Einweichen der Wäsche auf SCHICHTS ALUMIN-SODA diese entfernt mühelos den größten Schmutz lebten und arbeiteten viele Jahrhunderte im Herzen Deutschlands, Wir besitzen die Berichte von Zeugen und Zeitgenossen über die Judenverfolgungen in Deutschland Während der Kreussgüge und später, und sehen, daß unsere Ahnen gezwungen waren, ihre geliebte deutsehe Heimat zu verlassen; Polen hat sie aufgenommen. „Und diese „Jidden", heißt es in dem von Walter Qerbing, einem deutschen Nichtjuden, herausgegebenen Buche „Das Erdbild der Gegenwart", „hingen treu am Alten, sprachen das Mittelhochdeutsch ihrer aus dem Westen ausgewan? derten Ahnen, lebten und webten aber im Grunde gar nicht auf polnischer Erde, sondern im Ghetto und in ihrer Synagoge." . . . Diese Juden haben, vielleicht unbe«> wüßt, Jahrhunderte hindurch deutsche Kultur im Osten verbreitet und in gewissem Sinne auch deutsche Wesensart auf polnischer Erde bewahr t." Jakob Wassermann hat nun als Erwiderung auf diese Vorrede ein Schreiben an Ghajim Bloch gerichtet, in dem er u, a, sagt: „Ihre Bemerkung wegen der Ost* juden trifft in keiner Weise meine wirkliche Haltung und Stellung. Vor Jahr und Tag ließ ich mich einmal zu einer ungeduldigen Abwehrgeste hinreißen, die, von einigen j ü d i 9 c h * n a t i o n a 1i s t i* sc h e n Hetzblättern aufgegriffen, Veranlassung zu allerlei fcärm und Verleumdung gab; Wer sollte besser wissen als ich, Wieviel G e'ia,t, Tiefe u nd M aft yxejjaf kra f t gerade i ti" diesem Te i 1 d es V oIkes steckt." Die1 jüdische Telegraphen^Agentur beginnt ihre Meldung mit einer Unrichtigkeit. Wnsucrmann hat sein Urteil über die Ostjuden nicht in einem Briefe, sondern in einem sorgfältig einstudierten und niedergeschriebenen Vortrage in der „Deutsohen Vereinigung für sta'atswlasenschaf tliche Forschung'! vor niohtjüdisohem Publikum abgegeben. Der zitierte Passus über den ostjüdischen „Unrat" und „Unflat" war in den Zeitungen alswesentlicher Teil seines Vortrages wiedergegeben, ohne daß Wassermann Irgend etwas dazu bemerkt hätte. Später ist Herrn Wassermann die Geschichte unangenehm geworden, weil die „Neue Welt" diese Art, sein Deutschtum durch verlogenes Be* schimpfen anderer Juden vor Ariern besonders zu unter« streichen* festgenagelt hat und andere Blätter dies bil* ligend zur Kenntnis nahmen. Wenn jetzt Wassermann von einer „ungeduldigen Abwehrgeste" spricht, zu welcher er sich hat „h i n r e i ß e n" lassen,' so spricht er bewußt Unwahres. Wer hat ihn denn damals enge* griffen, daß er „abwehren" mußte, und wer hat ihn „bin* gerissen"? Er hat einen bis ins kleinste Detail vorbe* reiteten Vortrag vor einem nicht jüdischen Publikum ge* halten. Polnische und russische Juden, welche hätten pro« testieren und ihn reizen können, waren nicht dort. Nie* mand hat ihm widersprochen, Diskussion hat's keine ge« geben. Wenn er jetzt den durch Herausforderung ge* reizten Nervenmenschen spielt, dann spielt er eine Komödie, Wenn er jetzt von allerlei Larm und Verleum» dung spricht, dann haut er um sich, wie ein ertappter Verleumden Wenn er jetzt „Unrat" durch „Geist und Tiefe" und „Unfkt" durch „Märtyrerkraft" ersetzt, so ist das Tasohenepielerei, welche mit dem kurzen Gedäohtnia und der Dummheit des Publikums rechnet. Nächstens wird dieser plötzlieh voll gewordene Jude noch erzählen, (laß er sein Kind hat taufen .lassen, weil er dazu „heraua« gefordert" wurde. Erat hat Herr Waasermann verleumdet, dann erst wurde sr von „jüdisch»nationalistischcn Hetzblättern" nach Gebühr behandelt. Und wenn er jetzt wieder nach Gebühr behandelt wird, so geschieht das beileibe nicht aus reiner Lust an der Verfolgung des berühmten Schrift« stellers Wassermann. Wenn die Leute die dichterischen Schöpfungen Wassermanns bewundern und gerne ge* nießen, ao will und soll sie niemand mit moralischen Be» trsohtungen belästigen, welehe den Autor, sein Judentum und seinen Charakter zum Gegenstande haben. Anders ist es aber, wenn. Herr Wassermann sieh nioht mit dem. Dichten begnügt, sondern auf offener politischer Tribüne dto GfltfteU d#j ftds* «|a uailäti|w Ajuwjjrf frsnnMtafr

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