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Die neue Welt · 1929-12-06 · Heft 116 (6.12.1929) · page 1

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Journal
Die neue Welt
Volume
3 (1929)
Issue
Heft 116 (6.12.1929)
Date
1929-12-06
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Preis 35 C.v J iti. UniversitätsbibHotl? V. b. b. bEZUGSBEDINGUNGEN. Oesterreich monatlich S 1.50, vierteljährig S 4.20, ganzjährig S 16.»; Polen monatlich Zloty 2.—. vierteljährig Zloty 6.—; Tschechoslowakei monatlich Kc 6.—, vierteljahrig Kc 15.—; Jugoslawien monatlich Dinar 14.—, vierteljährig Dinar 40.—; Rumänien monatlich Lei 40.— vierteljährig Lei 120.—. R E V U E H ER AU SGE B E R: RO BE RT STRICKE R BEZUGSBEDINGUNGEN Deutschland monatlich Mark 1.—. vierteljährig Mark 3.—; Bulgarien monatlieh Lewa 40.—, vierteljährig Lewa 1.20, Italien monatlich Lire 6.—, vierteljährig Lire 14.— . Schweiz und die übrigen Länder monatlich Schweizer Francs 1.50. vierteljährig Schweizer Francs 4.50. Redaktion und Verwaltung: Wien, IX., Universitätsstraße 6S Telephon: A25-2-82 — Erscheint reden Freitag /ahrgang 3 Freitag, den 6. Dezember 1929 Nr. 116 George Clemenceau Luke vor der Untersuchungs* kommission Seite 3 Spü^T AMe im redaktionellen Teil befindlichen entgeltlichen Notizen sind durch ein beigefügtes E bezeichnet. | D HflHBBHBHHSG Dr. Leon Reich Das jüdische Volk ist ärmer geworden. Aus Lemberg kommt die unerwartete, erschütternde Nachricht, daß dort Dr. Leon Reich am 1. Dezember um 1,15 Uhr nachts nach kurzer Krankheit verschieden ist. Mit dem Tode Leon Reichs verliert das Judentum einen seiner besten Söhne, derT Zionismus eine seiner bewährten Haupt'gestalten, die Judenheit Polerjs efa^ Köpfe, die Juden Osrgailiziens ihren unermü.diichen* erfofereichen; Ffinrer. Der unerbittliche Tod raffte Reich von" der Arbeit hinweg, als er kaum 51 Jahre alt geworden war. Der Dienst für die zionistische Sache, die Arbeit für das jüdische Voik verbrauchen schnell ihre Jünger. In den Jahren, in welchen man sonst in der Fülle der Kräfte steht, versagt das Herz, kommt das Ende. Theodor Herzl verschied 44jährig. Die Fahnenträger des Zionismus sterben schnell. In Ostgalizien, in dem Lande, in welchem sich der Zionismus mustergültig entwickelte, in welchem die verarmten Juden die schwersten Kämpfe mit der Assimilation auszufechten hatten, nahm das Leben der Männer, die als erste in der Heroenzeit den 'zionistischen Anhang und die Organisation schufen, ein gar zu jähes Ende. Wie Kerzen am Altar verbrannten sie rasch: Adolf Stand, Gerschon, Zipper. Ihnen folgt nun Leon Reich ins Grab . . . ' Gehören am 11. Juli 1879, beginnt Reich in seiner Vaterstadt Drohobyoz, bereits in der dritten Gymnasialklasse, seine zionistische Tätigkeit mit der Gründung eines geheimen zionistischen Zirkels jüdischer Gymnasialschüler „Zion", was ihm den Ausschluß aus dem Gymnasium brachte. Er studiert an' der Lemberger Universität und wird bald Führer der jüdisch-nationalen Hochschuljugend. In den von der Assimilation beherrschten Studentenvereinigungen * „Ogriisko" und „Verein der Rigorosanten" erkämpft er zum ersten Male die Wahl zionistischer Ausschüsse und wird deren erster zionistischer Vorsitzender. Er ist auch gemeinsarn mit Dr. Alexander Hausmann und Dr. Jakob Thon Gründer der ersten und ältesten gailizischen zionistischen Studentenverbindung „Emunah" in Lemberg.1 Nach Promovierung zum Doktor der Rechte, ubernimmt Reich die Leitung des damals einzigen zionistischen Organes in , Galizien „Wschod". In Parjs absolvierte er die Ecole de Sciences politiques. Bei den Reichsratswahlen im Jahre 1911 kandidiert Reich im Wahlkreis Stryi und gelangt. in die Stichwahl.. Nach dem Zerfall ' Oesterreichs ist Reich einer der Gründer und Leiter des jüdischen Nationalrates ■ für Ostgalizien. Er .wird bald darauf , in Barawow interniert. Kaum freigelassen, begibt er sich nach Paris, um als einer der Vizepräsidenten des Komitees der jüdischen Delegation bei der Friedenskonferenz" tätigen Anteil an den jüdischen Bemühungen zur Erlangung der politischen Sicherheit der nationalen Heimstätte in Palästina, und der nationalen Autonomie in den Diasporaländern zu nehmen. | In den letzten zehn Jahren war Reich ununter- | b*ochen Präsident der Zionistischen Organisation in i Ostealh&fcn, führte in den Jahren 1922 und 1928 sieg- » reich das Judentum Ostgaliziens zu den Sejm- und Senatswahlen, leitete erfolgreich im ganzen Lande die Gemeinderats- und Kultuswahlen, half beim Entstehen des jüdischen Schulwesens, der Fachschulen und gründete die Zentrale Jüdische Genossenschaftsbank in Lemberg. Er war ein nie fehlender Teilnehmer und Sprecher der Zionistenkongresse, in •deren Präsidium er oft saß. 3eit 1913 gehörte er dem zionistischen Aktionskomitee an und wurde in Zürich in den Administrationsrat der Jewish Agency gewählt. Als Mitglied des Jüdischen Klubs erlangte er im polnischen Parlament Beachtung und . Bedeutung und war einige Zelt auch Präsident der jüdischen Abgeordneten und Senatoren.? Unter seiner Führung kam die Ugöda,mit4er polnischen ^egie^ rung ■ Skrzynski^Grabski zustande. ,Auoh än; den > TaJ$n£i!^ Miriderheltskohgre&se, •*■ den Semühungeh um 'das- Minderheitenrecht und an den Arbeiten (dessKomitees zum Schutze der jüdischen Rechte nahm er führend1 Anteil. Reich führte eine glänzende Feder, war ständiger Mitarbeiter vieler jüdischer, polnischer und ausländischer Zeitungen. Sein Wissen, sein Temperament, das Beherrschen mehrerer Sprachen, verhalfen ihm zu einer nicht gewöhnlichen Beredsamkeit. Sein gesprochenes, sein geschriebenes Wort galten nur dem Judemtum, dem Zionismus. Er kannte keine Privatinteressen, übte seinen Rechts^hwaltsberuf. fast nicht aus, behielt in der Politik reihe Hände. Von der frühesten Jugend an stand er rastlos, unermüdlich im Dienste des Volkes und der Idee. Sein Leben war von Sitzungen, Versammlungen, Tagungen, Konferenzen, die alle der Sorge um den Zionismus gewidmet waren, ausgefüllt. Voll Energie, Lebensbejahung, Hoffnung stand Reich immer unerschüttert und unentwegt im Kampfe für Judentum und Judenheit, umsichtig und auf den Sieg der ihm anvertrauten Interessen bedacht. Acht Tage vor seinem Tode — schon von der Krankheit ergriffen — präsidierte er der Beratung der zionistischen Vertrauensmänner Ostgaliziens. Während dieser Tagung befiel ihn eine Ohnmacht. Vor Wochen rieten ihm bereits die Aerzte, sich einer Operation zu unterziehen. Er lehnte ab, indem er behauptete, daß er den kommenden Tod ahne. Als er in die Operation einwilligte, scheint es bereits-zu spät gewesen - zu sein. Das Herz versagte. , Das ostgalizische Judentum bleibt verwaist, es wird zusammenrücken müssen, um die Fahne hochzuhalten. Der schwer geprüften Frau; den beiden Töchtern, den Genossen in Ostgalizien, (jen Juden Polens unser brüdlicnes Beileid, Pas, jüdische Volk ist ärmer geworden. Leon Wechsler» ' « Ajm 2. Dezember um 11 Uhr vormittags hat in Lemberg das Leichenbegängnis Dr. Reichs stattgefunden. Er wurde;in. einem von der jüdischen- Gemeinde gewidmeten 'Ehrengrab beigesetzt. An der Feier nahmen etwa 40.000 'Menschen teil; 2000 Hoch« Auch Sie müssen unsere MAJESTROLA SPRECHMASCHINE den klangreinen, lautstarken Kofferapparat, haben! g^iVtflasg? Majestrola I S 73.- Maiestrolall ..... S 120.- Majestrola Luxus . . S 195.- Bequeme Teilzahlung! ii HABEG fii , V E R T R I E B S G E 8. M. B. H. I., Bellariastraße 12 . Telephon B-39-5*70; iSchüler, 3000 Mittelschüler, die gesamte jüdische Be» vpiit;Mflbe^$,' ÄeMe von Delegiertea 'ans dem Lände folgten dem Sarg. Im Trauerhäus sprach der1 orthodoxe Rabbiner Ziff, worauf die' Abgeordnfeten und Senatoren des Jüdischen Klubs den Sarg aüf die Straße trugen. Vom Balkon des Wohnhauses, hielten im Namen der Zionistischen Exekutive Herr Lazarus Barth, namens der Landesorganisation Dr. S c h m o r a k Traueransprachen. Hierauf setzte sich der imposante Leichenzug in Bewegung. Vor dem Haus der jüdischen Gemeinde wurde Halt gemacht. Hier sprach der Präsident Herr M. Chajes. Vor dem Haus des „Tikwath Zion", des ältesten zionistischen Vereines Galiziens, wurde das El mole gesungen. Auf dem Friedhof sprachen die Rabbiner Dr. Freund und Dr. Lewin, sodann im Namen der polnischen Mitglieder der Jewish Agency Doktor Hin des, für die' westgalrzische zionistische Leitung Dr. J. Schwarzbart, für da9 zionistische Zentralkomitee Kongreßpolens Dr. Bychowski und Dr. Gottilieb, für die Bne Brith Dr. Josef Parnas, für die Hitachduth Dr. Brüstiger, für den Misrachi Dr. Federbusch, für die jüdischen Kaufleute Herr Weinreb, für die jüdische Gemeinde Drohobyoa Dr. Tanenbaum u. v. a. In Vertretung der Regierung war der Vize-Wojewode Pilecki, in Vertretung des Sejm Abg. Dr. Lewicki und des Senats Vizemarschall Balaiczczynski erschienen. Die Ordnung des Trauerzuges wurde durch! Akademiker, Schomrim und Mitglieder des Brith Trumpeldor aufrechterhalten. Die Trauerfeierlichkeit dauerte fünf Stunden. Luke verläßt Palästina« ) Ein fünfmonatlicher Urlaub. Jerusalem, 1. Dezember. (J. T. A.) Am 4. Dezember verläßt der Stellvertreter des Oberkommissärs, Mr. Luke, das Land. Sein Urlaub ist zunächst für fünf Monate berechnet. (Luke ist durch, die Vernehmungen der Untersuchungskommission sehr stark belastet. — Red.) Voranzeige: Am siVoesember Groß« Chanukah-Klnderfeler i m^mmmmmmmmm Am 3*Y Deiember VE R B ANO DEM OKR ATISCHER ZION1STEN m Theatersaal Reklame. Große Makkabäerfeier; im Conttnental-Saal Programme werden seitgerecht wer lautbar» <; <.......MMMMMMMMMMMMIIM.....IM»MMMMHMIMM>H»M.....M>»........................»MMM»MM

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