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Die neue Welt · 1929-11-29 · Heft 115 (29.11.1929) · page 7

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Journal
Die neue Welt
Volume
3 (1929)
Issue
Heft 115 (29.11.1929)
Date
1929-11-29
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
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DIB NEUE WEIT Seite f Beamten der Gemeinde hatten sich vergebens bemüht, die aufler Rand und Band geratene Menge zu beruhigen. Dem Präsidenten wurde zugerufen: „Warum zahlt Ihr die Gelder nicht aus, die Ihr unseren Schulen bewilligt habtf" Betör die verständigte Polizei zur Stelle war, hatte die Menge das Gebäude verlassen, < . -. t Die Vorgeschichteist folgende: Vor einigen Wochen erschien eine Abordnung der Eltern der die ZJSCHO-Schitlen besuchenden Kinder beim Präsidenten der Gemeinde, F a r b s t e i n und ersuchte um Aus Zahlung der den Schulverwaltungen versprochenen Subventionen. Präsident Farbstein erklärte, daß a\tf Verlangen jener Mitglieder der Gemeindeverwal hing, die der Partei der Agudas Jisroel artge hören, die Frage der Subventionierung noch einmal zur Verhandlung kommen müsse. Noch, am gleichen Tage hat der Gemeindevorstand den Beschluß gefaßt, die Subventionen an die ZjSCHO-Schulßn solange nicht zur Auszahlung zu bringen, als nicht in diesen Schulen T'nnch (Bibel) in der Ursprache und bei bedeck* fem Haupt gelehrt wird. Dieser Beschluß der Gemeinde hat in den radikalen Jiddischistenkreisen große Erregung hervorgerufen, die sidi nun in dem Ueberfall auf das Gebäude der Gemeinde entlud. Auf ttie Warschauer jüdischen Kreise hat dieser Vorfall sehr deprimierend gewirkt. Die litauische Regierung stellt jüdische Philanthropen vor Gericht. Kowno, 21. November. Unter der litauischen Jttdenheit herrscht Erregung darüber, daß der Innenminister gegen die Mitglieder der Verwaltung von Hias-Ica-Emigdirect in Litauen, die sich aua den angesehensten jüdischen Persönlichkeiten, wie z. B, den früheren Sejmabgeordneten Advokaten F i h k e 1stein und S. G a r f un k e 1, dem Chefredakteur der „Ydischen Stime" R. Rubinstein und dem Advokaten A. Makowsky zusammensetzt, vor Gericht die Anklage erheben ließ wegen eines Deliktes, auf das ein Jahr Gefängnis steht. Das Innenministerium erhebt gegen die Verwaltung von HJCEM die Beschuldigung, (daß diese Institution das Emigrationsgesetz übertreten hat,- indem, es, ohne die Aus wände; rtmgssteuer zu entrichten, Emigranten aus Litauen befördert, hat,. .In Wirklichkeit ist HJCEM als philaur thropische Gesellschaftzur Zahlung einer solchen Steuer nicht verpflichtet. Die "Cferie^1sver^9ndiung wird am 27. November stattfinden, man sieht dem Ausgang derselben mit großer Spannung'' entgegen, UFA-TON-KINO tBMmmmmmrmtmmim*-----"—~---- Wien, Ii.', iabotstr.6 Tal. IMS-»-» *H#m&9tj(W9P?11i Olli FllmthaaUr der guten <i«t«lltcftatt *•!«<* Prolongiert! ■ ' Prolonglortt Frau im Mond Ein Film von Fritz Lang . Manuskript: Thea von Harbou Hauptdarsteller: 0«rda Maurus und Willy Frltsoh. Beginn: Wochentag 5, % 9 Uhr, Sonn- und Feiertag 3, 5, 7, 9 Ühr. Druck der litauischen Regierung auf die Rabbiner. Kowno, 20. November. (J. T. A.) Das litauische Judentum und insbesondere die Rabbiner stehen heute einem wichtigen Problem gegenüber, da die Regierung einen schweren Druck auf den Rabbinerverband ausübt« um ihn ihren Zwecken gefügig zu machen. Die Rabbinerkonferenz vom Jahre 1926 hat sich mit der Frage der Gründung eines Konsistoriums befaßt, ist aber zu keinem Beschluß gekommen, da die gesamte jüdische Öeffentlichkeit in Litauen sich darüber klar war. daß die Diktatur regier ung das Rabbinat zu einem Werkzeug ihrer Politik machen wolle. In den letzten Tagen nun hat die neue litauische Regierung dem Rabbinerverband mitgeteilt, daß sie die Auszahlung der staatlichen Rabbinergehälter ein- 9t eilt und alle Rabbiner, die noch nicht das 32. Lebensjahr vollendet haben, zum Militärdienst einberufen wird, weil der Rabbinerverband und die Rabbinate keine legalen Körperschaften sind, Die Regierung macht gleichzeitig den Vorschlag, eine Konferenz aller litauischen Rabbiner zwecks Schaff ung. eines Konsistoriums einzuberufen. Die Regierung, erklärt sich sogar bereit, die Kosten dieser K*o n f e r e n z zu decken. Sie verspricht ferner, der berühmten Jeschiwah in Slabodka gewisse Privilegien zu gewähren und zum Bau eines Hauses für das Rabbinat sowie zum Bau von Synagogen beizusteuern. Man gibt sich in der jüdischen Öeffentlichkeit Litauens auch heute keinem Zweifel darübe^ hin, daß die Regierung,den.Rabbinerverband vollkommen in Abhängigkeit von sich bringen will, Der Verband tritt demnächst zusammen. An die Freunde und Leser **. Nf. 115 . NEUERÖFFNETE REICHHALTIOE MODERNE LEIHBIBLIOTHEK D ER BÜCHER9TUBE M. RATH WIIN, IL, TA BORST* Af ü Nr. Ml TELt R-4M48. ALLE NEUBRSCHE1NUNOEN! RÜCHE AUSWAHL Hl MBRAIKA UND JUDAIKAI MONATSGEBUHR NUR S 3.- KEINE BANDQEBÜHRI TÄGLICHER UMTAUSCH I wurden die Steuern um zwanzig Prozent erhöht. Alles mit Zustimmung der zionistischen Vertreter! In Angelegenheit des allgemeinen Wahl« rechtes für die Judengemeinde, eines Hauptpunk« tes des zionistischen Gemeindeprogramme s, ha« ben die zionistische Leitung und die zionistischen Man« datare ein Spiel getrieben, dessen Inhalt nackter politischer Wortbruch ist. Nach den Wahlen und vor der Abstim« mung über das Budget im Jahre 1928 haben der zionlsti* sehe Klubobmann und der Vizepräsident erklärt, daß die Wahlreform im Laufe des Jahres 1929 gründlich bearbeitet und ihre Erledigung von den zionistischen Mandataren mit aller Energie betrieben werden würde. Dieses Ge* löbnis war vorbedachte Täuschung. Nicht ein einziges Mal ist bis jetzt der Wahlreform« aussebuß zu einer Arbeitssitzung zusam« mengetreten! Und jetzt, zu Ende des Jahres 1929 und vor Beginn der neuen Budgetberatung wird allem Anscheine: nach dieselbe unwürdige Täuschung wieder ins Werk gesetzt werden. Aus all diesen Tatsachen geht hervor, daß bei einer noch längeren Dauer dieser Leitung und Wirtschaft die österreichische zionistische Organisation ihr letztes Käpi« tal an moralischer und politischer Vertrauenswürdigkeit verHeren muß. Der Vorband demokratischer Zionisten hat wieder* holt seine Bereitwilligkeit erklärt, an der Wiederaufrich* tung der Organisation mitzuarbeiten. Er hat lediglich foi» gende sachliche Bedingungen gestellt: Schaffung eines Wahlkreises für Wien, wodurch das bisherige Wahl« unrecht unmöglich gemacht werden soll, Anerkennung des Verbandes und Prüfung der finanziellen Gebarung und des Schuldenstandes der Organisation durch eine neutrale Kommission, Einsetzung einer unpolitischen Wahlkommission. Die derzeitige Leitung hat diesen Versuch zur Sä« nierung der Organisation zu vereiteln gewußt, indem sie verbreitete, unser Verband sei eine „a b s e i t sM stehende und. „ü n b e d e ü t ende" Gruppe. Die Kongreßwahlen haben uns, dieser unbedeutenden Gruppe, eine große Majorität gebracht. Aber die Leitung hat' sieh weiter an ihre Mandate geklammert und den letzthin wiederholten Versuch der' Zusammenarbeit wieder zunichte gemacht. Nun beruft sie einen Parteitag ein, welcher dem Verfalls* zustand neuerlich den Schein der Legalität geben soll, einen Parteitag, welcher auch nicht annähernd die Mai«*1 rität der Zjqnisten repräsentiert, Angesichts dieser Lage haben wir uns verpflichtet gefühlt, den Zionisten die volle Wahrheit bekannt zu machen, um den Zusammenbruch der Organisation' zu verhindern. Wir fordern alle Zionisten ■— welche' Rieh« tung im Zionismus sie auch angehören mögen, wenn sie nur guten Willens sitid — auf, nunnvehr auch ihre Stirn» men zu erheben. Wir Werden gerne m|t ihnen zusammen nach Mitteln und Wegen suchen, die Organisation wieder aufzurichten und stark zu machen. Der Verband demokratischer Zionisten Oesterreich». Vom österreichischen Keren Hajesaod. . Direktor Dr, A, Hantkp In Wien, Der geschäftsf töhrende Direktor der Kercin-Haijessod- Zemtrale in Jerusalem, Herr Dr; A, Hantke, weilte dieser Tage in W i e n, uro an der Reorganisierung. 4m Aster* reiefhischen Kerenrflajessod^öureaus mitzuwirken und die notwendigen Maßnahmen für die vom Kongreß beschlossene Neutrallslarurig des Keren Hajessod m erörtern; Der bis* hertge Präsident: des österreichischen Keren Haiessod, Herr Dr, Josef Löwenherz, hat seine Stelle zu* rückgelegt. / _ Ueberfall radikaler Jiddischesten auf 4*8 Gebäude der jüdischen Gemeinde in Warschau. Warschau, 80, November. (J. T, A.) Die seit einiger Zeit «wischen der Verwaltung der jüdischen Gemeinde in Warschau, der größten jüdischen Gemeinde der Alten Welt, und . den radikalen jüdischen Ärbeiter- Kulturkreisen, die sich nach dem „Bund" orientiertem hellsehende Spannung wegen der Frage der Subventionierunir der Zentralen. Jiddische?! Schulorganiwtion (ZJSCHO) durch die Gemeinde hat gestern zu einer explosiven Entladung gefuhrt, Gegen 1 Uiir mittags drangen große Seharen jüdischer Arbeiter und Eltern der die ZJSCHQ-Schulen besuchenden Kinder, sowie ein Teil der Schuljugend selbst, in da» Hauptgebäude der. Jüdischen Gemeinde in der Straße Grzybowska 26 ein und richteten dort Zerit ü r ungenau. Die Fenster der Sitzungssäle und Arbeitsbüros wurden ausgeschlagen, die Inneneinrichtung wurd« demoliert, Akten. Bücher und Photographien wurden' zerrissen iwd durcheinandergeworfen. Tintenbehttlter wurden an die Wände geschleudert, so daß die Tinte überall herumflofl. tische, Stühle und Larapen wurden zerbrochen, Schreibmaschinen zerstört. Der Präsident der Gemeinde, Sejmabgeordneter F a r b e t e i o und die Antisemitismus In der griechischen Armee.' Die jüdische PreßzCntr'äle meldet aus Athen: Athen,-(J.'P. Z.) fn der Garnison von Seres wurde dieser 'Tage ein scharfes antisemitisches Manifest v«r<« breitet. In Form eines antikommunistischeh Aufrufes wird den Juden darin vorgeworfen,'daß sie für die Konfis* kation der Kirchengüter in Rußland und die Ver« folgung Bürgerlicher verantwortlich seien und daß sie1 in Rußland ansteckende Krankheiten absichtlich verbreitet hätten. Weiter wird: in dem Aufruf behauptet, die Juden wollten als bolschewistische Agenten die Di9» ziplin des griechischen Heeres untergraben, um Grift* chenland zu ruinieren etc. Als Folge der .Ver# breitung dieses lächerlichen Aufrufs wurden zahlreiche jüdische Soldaten der Garnison beleidigt und miß* handelt und ihnen das Leben in der Garnison uner« träglich gemacht Eine aus jüdischen Parlamentariern be# stehende Deputation intervenierte beim .Kommandanton General Cannavos, der Abhilfe versprach; inzwischen wird der Aufruf jedoch auch in anderen Garnisonen .ver* breitet und verursacht dort weiteres Unheil. ALj.8 'SCHLAQgR STETS AM lAQBR! MUSIfCHAUS BXCELSIOR Inhaber Rlch«rd HWIOfl Inhaber I., Adltroaaio « ||f fan M.i Kl. Pfarrei* 2ft Telephon i"w*89«44W OTIWI Telephon A-ti-ft-g* des Blattes! Wenn Sie der Ansicht sind, daß die „Neue Welt" ein empfehlenswertes platt ist, geben Sie uns freundlichst die Adressen von Freunden und Bekannten an. Wir werden denselben die „Neue Welt*' durch mehrere Wochen zur Probe gratis zukommen lassen. Wenn wir uns bei der Werbung auf Sje berufen dürfen, bitte dies ausdrücklich zu bemerken. Aus der Zusendung erwachsen weder Ihnen noch den Empfängern Irgend welche Verpflichtungen. Die Verwaltung der „Neuen Weit". General q. D. Karl Schwarz gestorben. Brünn, 22. November.'Am 20. November verstarb in Brünn im Alter von 60 Jahren General a. D. Karl Schwarz, im Weltkrieg war. er Brigadekornmandeur Im iteterelchischen Heer und zeichnete sieh vielfach au*« Jm Gegeto&atz zu anderen jüdischen Generalen der österreichisohen Armee blieb er bis m sein-Lebwe^de döm Judenttarn «nd de^ni jüdi^phen Gliben treu. Er wurde am 21* November unter miütärisphen Ehren a.uf dem Brüntior Jüdischen Friedhof bestattet. Jüdische Geüeräle unter Franz Joseph. Der voy einigen Tagen in Brünn, verstorbene General iin Ruhestand Schwarz war nicht der einzige jüdische General in der alten Monarchie. Ein Teil von ihnen, zum Beispiel der vor einigen Jahren verstorbene Generai Simon Vogel, erhielt den Generalsrang erst anläßlich ihrer Versetzung In den Rune» stand ad hanores. Die größte Karriere hat jedoch der gleichfalls bereits verstorbene General Ritter Eduard von Schweitzer in der alten Armee gemacht. Gleich Simon Vogel, b«*t. ftueh Schweitzer als gemeiner Soldat begonnen. Seine Biographen behaupten, daß er eis Balkanreisender «um Militär eingerückt war und die bosnische Okkupatipn bereits als Feldwebel mitgemacht hat. Hier geschah es, daß eine ungarische Abteilung, die eine alte Bnrg verteidigte, von den aufständischen Herzegowinern umzingelt wurde und nahe daran war, pich ergeben zu müssen, als Feldwebel Schweitzer, der die Sprache, Sitten und Gebräuche der Bevölkerung kannte, sich erbötig machte, durch einen lebensgefährlichen Nachrichtendienst die Lage auszukundschaften und zwischen der eingeschlossenen Abteilung und den Kerntruppen die Verbindung herzustellen. Pas Untez*- nehwen gelang und seine Heldentat wurde vom Feld' zeugmeister Philippovies au den Kaiser gemeidet. Nach Beendigung der Okkupation wurde Schweitzer in. di^ Kadettenschule kommandiert, kam von dort als junger Subalternoffizter zum Generalstab, nachdem er schon vorher für seine glänzende Kriegödieastleiatung in den

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