Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 3 (1929)
- Issue
- Heft 115 (29.11.1929)
- Date
- 1929-11-29
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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r Seite 6 DIB NEUE WELT Nr. Ü9 MIT INGELEN U3 KOMMT RADIO SltHtUNOS. PRIII wollte ihn der Polizei Übergeben, die Polizisten waren aber allzu beschäftigt. Der Festgehaltene versuchte, sich loszureißen, und während er, Weisl, mit ihm rang, fühlte er einen Stich in den Rücken. Er sah sich um und sah, daß es ein junger Araber war, der den Messerstich geführt hatte. Er sah weiter, daß die Polizisten den Angreifer faßten, ihn aber nicht verhafteten, sondern in den Zug hfnein stießen. Fast in der gleichen Minute wurde der Jude Eliah R a i t a n von einem anderen Araber durch Messerstiche tödlich verletzt. Ebenso' wurde der hebräische Schriftsteller Ittmar ben Awi, der sich unweit von Dr. Weisl befand, verletzt. — Dann zog der Anwalt der arabischen Exekutive,. Herr Stoker, Dr. Weisl in ein Kreuzverhör* Er wollte wissen, was fAevisioiiismus ist und will Dr. Weisl erwiderte, wenn er auch nicht mit dem Führer der Zionistischen Weltorganisation, Dr. Weidmann, Übereinstimme, so sei es doch falsch zu sagen, daß die Revisionisten im Vergleich zu anderen Zionisten extrem sind. Die Revisionisten betraditen Dr. Weizittanns politische und wirtschaftliche Richtlinien als für den Fortsdiritt Palästinas und der Zionistischen Organisation schädlich. Die Revisionisten bekämpfen die unproduktive Art, in der die gesammelten Gelder in Palästina verwendet werden. Stoker wies auf einen ^Artikel Dr. Weizmanns hin, in welchem es heißt: Der Schlüssel zum Tore Palästinas liegt nicht in den Händen des High Commissiöner, sondern jjn den Taschen der Juden Amerikas, und fragte Weisl, ob er dem zustimme. Weisl erwiderte, er möchte nicht Dr, Weizmanns Worte erläutern, aber er verstehe sie so, daß ÜivWeizmanii sagen wollte: wenn die Judeh Amerikas ihre finanzielle Leistung erhöhlsp^sq werc^ Palästinas weiter als bisher geöffnet Werden« Die Revisionisten teilen diese Ansicht nicht, sie glauben, daß de* Schlüssel gerade in den Hunden des High Commissioner liegt Dr. Weisl erklärte weiter, der Besuch der Klagemau,er geschehe nicht '.hur aus gottesdienstlichen, sondern auch aus nationalen Gründen. - ' '! Audi der Regierungsanwalt 'Kenelm Preedy stellte Fragen über den Revisionismus* in denen die Andeutung lag, daß die revisionistische Politik eine Gefahr bedeutet. Das Ziel des Revisionismus; erwiderte Dr. Weisl,. ist die allmähliche Bildung eroer -jüdischen Mehrheit in Palästina. Dieses Programm ist auch in einer Ansprache Sir Herbert Samuels vom Jähre 1919 enthalten. Mitsein Worte .^allmählich" ist ein Zeitraum von - 25 bis 30 Jahren gemeint. Die Revisionisten hoffen,» daß die Araber, auch wenn sie, eine Minderheit der Bevölkerung darstellen werden, nicht wehiger Rechte genießen werden, als sie die Revisionisten für die heutige jüdische Minderheit in Palästina fordern. ' Der Distriktsbeamte von Nablus, Herr Miller, sagte aus, R o w d y elemente unter den Moslems von Nablus haben sich am il. August, dem Geburtstag des Propheten, nach Jerusalem begeben; dies mußte auffallen, denn ftir gewöhnlich begibt sich nur die bessere Klasse an solchen Tagen nach der Hauptstadt. Die Uneinigkeit, die früher unter den Moglemiten geherrscht hat, machte am 16. August im Zusammenhang mit der Klagemauerfrage einer Einigkeit Ph\tz. Miller erzählte hoch, er habe zwei Handgranaten deutscher Provenienz in den Händen von Nablus-Arabern gesehen. Ohne das Work von Agitatoren wäre es trotz der jüdischen Demonstration nirgends zu Unruhon gekommen. Die Leute in diesem Lande, schloß Miller, folgen einigen wenigen Agitatoren, die zuweilen sich aus dem Staube machen, wpnn es ssu Unruhen kommt Wie auch zionistische Beamte? fragte der Regierung«- unwäit SUiey, Ja. erwiderte Miller, lind man könnt« hinzufügen; Wie Regierungaheamte. Der stellvertretende Distriktskommissär für Jerusalem, Herr G»st, nodiraals vorgerufen, erklärte, er habe detr Eindruck gehabt, daß die Verhandlungen des Ziönistenkongresses und der jewinh Agency in Zlirich die Araber erregt hätten. Warum der Journalist Shean Antizionlst wurde, New York, 24. November. (J. T. A.) Die antizionistischen Annagen des amerikanischen Journalisten S'iean vor der Unteriuchungskomraission in Jerusalem haben in Now York großes Erstaunen hervorgerufen. Herr Mpyer, Weisgal, Redakteur des „New Palestine", teilte der Jüdischen ' Teiegraphenagentur mit. Herrn Sheans Umwandlung vom Zionisten zum Antizionisten sei darauf zurückzuführen, duß die aüierikönisdie zionistische Organisation seinem Ersuchen, ihm 3000 Dollar zu bewilligen, Dicht entsprocher«» WÜN II, ZIRKUSGASSE NR. 33 JUQENDVIRGIN „EREZ ISRAEL" SONNTAG, DEN 15. DEZEMBER 1929, HALB 8 UHR ABENDS SSSI«b*th*ussaaLIII. HEBRÄISCHES KONZERT KÜNSTLERISCHE LEITUNG: PROF. ARTUR WOLF MITWIRKEND 1 RENA PFIFFER-LAX (Volksoper) / ERIKA WAGNER (Deutsch. Volkstheater) / Kammersänger JOSEF MANOWARDA (Staatsoper) / Oberkantor GERSON MARGULIES / CARL LAFITE, Klavieru.Orgelbegl./GEMISCHTER CHOR OAS REINERTRÜGNIS FLIESST DEM OHAJES-REALQYMNASIUM UND DEM OHAJES-WALDE ZU Karten xu haben: Zion. Bureau, I, Kärntneratr. 28/ Bücherstube Rath, II. Taborstf. 2Öa'/ Theateikartenbureau „Aida", Ii, taborstr. I und bei allen Verelnsmltgtledern hat. Im April, sagte-Weisgnl, kam Herr Shean in unser Bureau, uns empfohlen als der Vertreter der North American Netvpaper Alllance, und stellte an die Zionistische Organisation Amerikas das Ersuchen, ihm 2000 Dollar für eine Reise nach Palästina zur Verfügung zu stellen. Idi machte Herrn Sliean den Vorsdilag, daß ich ihm 500 Dollar als Vorschuß für vier zu liefernde Artikel gebe, wahrend ihm der Rest von 1500 Dollar nach seiner Rückkehr aits Palästina als Honorar fUr zu haltende Palästina-Vortrüge gegeben werden würde. Ich sagte ihm ausdrücklich, daß mein Vorschlag provisorisdien Charakter trage, und der Bestätigung seitens des Administrative Committee der Organisation bedarf. Das Committee lehnte aber diesen Vorschlag ab. Am 10.. Mai gab ich Herrn Shean 500 Dollar als Vorsdmß für vier Artikel im „New Palcstine". In einem am 17. Mai vom Bord der „Carmania" abgesandten Schreiben dankte mir Shean für die Bemühungen und sdiloß: „Denken Sie an Ihr Versprechen, daß weitere 1500 Dollar folgen, ich werde sie im Sommer brau dien." Später legte mir Herrn Sheans New Yorker Arzt Redinungen zur Begleichung vor; ich versidierte dem Arzt, daß wir mit Herrn Shean kein Arrangement getroffen haben. Hern Shean hatte seinem Arzt merkwürdigerweise mitgeteilt, daß er laut einer Abmachung mit der Zionistischen Or* ganisation nach Palästina geht, obwohl eine derartige Abmachung nicht bestand. Im Juli erhielten wir versdiiedenedringliche Bitten des Herrn Shean, ihm 1500 Dollar zu schicken. Dies konnte aber nidit gesdiehen, weil das Administrative Committee LERNET FREMDE SPRACHEN In der Berlitz School, Wien I, Graben 13 Prospekt 7 auf Wunsch Sheans Ersuchen zum zweitenmal abgelehnt hat, Ende August, als die Unruhen, in Jerusalem stattfanden, übermittelte Shean dem „New York World" telegraphisch einen Bericht über die; Ereignisse, der im höchsten Grade unfair war. Derj schledite Glaube des'Herrn Shean war um so offenkundiger, ,aJ.s die Berichte der Korrespondenten aller anderen New Yorker Zeitungen ein ganz anderes Bild der . Ereignisse ergaben. Es lag auf der Hand, daß Herr Shean nur darum vom Zionisten zum Antizionisten wurde, weil ihm die erbetene Geldsumme nicht bewilligt worden war. Dem Redakteur des »New York World" wurde von diesen Tatsachen Kenntnis gegeben, woraufhin Herrn Sheans Telegramme aufgehört hatten, im „World" zu erscheinen. Ich möchte hinzufügen, sddießt Herr Weisgal, daß „New Palostine" keinen einzigen det vier Artikel von Herrn Shean erhielt, für die ihm 500 Dollar ausbezahlt wurden. Vöii der österreichischen Monistischen Organisation- Protest und Aufruf der demokratischen Zionisten. . Die „Neue Welt" erhielt folgende Erklärung zur Veröffentlichung: „Der Zustand, in welchen die offizielle Leitung der zionistischen Organisation Oesterreichs geraten ist, nötigt den unterzeichnete» V e r;b an d de m o k r ja t i 's eh er Zionisten Oesterreichs an die zionistische Qef* fentjichkeit heranzutreten und alje, die guten Willens sind, aufzufordern, die Laridesqrgahisation vor dem Zu* •ammenbruche zu bewahren und wieder aufzurichten, . Nach. ^ede^o)t^ 'yergehli^n Versuchen, die An» gelegenheit -auf internem W^fe' zü: lösen, tritt der Ver* band vor die Oeffentlichkeit, Er glaubt nicht Hinger schweigen und zusehen zu dürfen, wie in Oesterreich, wo der zionistische Gedanke stark und die Zahl der Zio» nisten eine große ist, jede ersprießliche zionistische Ar« beit unmöglich gemacht wird. In der österreichischen zionistischen Organisation besteht ein Wahlsystem, das schon lange nicht mehr ge* eignet ist,,, den wahren Willen der Zionisten zum Aus« drucke zu bringen, und heute einfach auf die Einen» nung von Delegierten durch eine kleine Zahl von Per« sonen hinausläuft. Maßgebend sind nur der Besitz der Vereinsstampiglie, alter, fiktiver Mitgliedsvcrzeichnisse und der Erlag einer bestimmten Geldsumme. Damit können Delegiertenmandate in beliebiger Zahl ge« schaffen werden. Mit Hilfe dieses Systems hat sich eine kleine Gruppe, welche nichts weniger als die Vertreterin der Mehrzahl der Zionisten ist, der Organisation bemäch* tigt und bewährten und verdienten zionistischen Ar« beitern jede Einflußnahme und Mitarbeit unmöglich gemacht. Der jetzt allein maßgebende Einfluß dieser Gruppe, welcher die Fähigkeit zur Leitung einer großen Organi« sation und einer geradlinigen, prinzipientreuen politischen und werbenden Arbeit abgeht, hat den Zustand der Orga« nisation gänzlich heruntergebracht. Wesentliche Teile der Organisation bestehen nur mehr auf dem Papiere. Die Generalversammlungen einst sehr wichtiger Gruppen ver* einigen jetzt, wenn es hoch kommt, zwanzig Personen, meistens weniger. Die Arbeit für Palästina, die Arbeit für die jüdische Jugend und die politische Arbeit haben gänzlich aufgehört. Vor der ersprießlichen, dem idea» listischen Charakter des Zionismus einzig allein angepaßt ten freiwilligen, ehrenamtlichen Arbeit ist so gut wie n i c h 18 geblieben. An ihre Stelle ist ein Bürokratismus getreten, dessen Begleiterscheinungen' Unfähigkeit und Kostspieligkeit sind. Der letzte, auf Grund des geschilderten Wahl« Systems vor wenigen Monaten versammelte Parteitag hat eine vi elk öpf ige ,Lei t ung gewählt. Die damals ge* wählten Herren Adolf Böhm, Dr. L. Goldhammer, Dr. A. Karplus, Dr. Kobler und Dr. H. Benedikt sind wegges gangen. Herr Dr. Kellner hat sein Amt gar nicht an* getreten. Geblieben sind lediglich Herr Dr. Finkelstein und Frau Sofie Löwenherz. Der im Statut vorgesehene, zur Leitung mitberufene Parteirat ist. überhaupt nicht gebildet worden. So sieht die Leitung einer Orga* nisation aus, welche einst zu den wichtigsten der zioni* stischen Weltorganisation zählte und, nicht nur sich selbst, sondern auch d-jr zionistischen Weltbewegung tüchtige Führer gegeben hat. Das 'haben der heute leitenden Gruppe hat es dahin gebracht, daß das wertvollste Gut, welches die zionistische Organisation auch in der Zeit ärgster An* feindung von außen her immer besaß, das. Vertrauen in ihre Geradheit und Gewissenhaftigkeit, Ins Wanken geraten ist. Unter der derzeitigen Leitung ist mit den zionistischen Mittein gewirtschaftet worden, wie ge* wissenhafte Verwalter von Volksmitteln nicht wirtschaf* ten dürfen. Die letzten Aktiven wurden gedankenlos ver* zettelt und die Organisation in peinliche, drückende Ver« schuldung gestürzt. Zur Unfähigkeit und Gewissenlosigkeit in der Ver» waltung gesellen sich Untätigkeit, Verantwortungslosig* keit und Mißachtung der zionistischen Grundsätze in poli* tisch«zionistischen Dingen. Werbearbeit wurde nicht ge« leistet. Die schwierige Lage, in welche die österreichische Judenschaft geraten ist, hat die zionistische Organisation nicht zu irgend einer Tätigkeit veranlaßt, Die zionistische Organisation nimmt keinen Anteil am Schicksal der Juden, am Schicksal der jüdischen Jugend, Sie nimmt keine Stel* hing zur politischen Lage in Oesterreich. Sie wird, wenn keine radikale Änderung eintritt, als Faktor im Leben der österreichischen Juden verschwinden. Ist 0» dieser Leitung unmöglich gewesen, der zjo* nistischen Organisation neue Machtpositionen zu schaffen, so Ist e« ihr gelungen, solche, die ihr anvertraut wurden, wertlos su machen. Die letzten Wahlen in die Wiener Juden gern ein de haben die bisher herrschende jüdi* sehe Assimilation um die Majorität und den Zionisten eine starke Vertretung gebracht. Was hat diese Vertretung getan? Sie hat sich unfähig gezeigt, den Sieg auszunützen und hat durch schwächliche, programm* widrige Haltung die frühere Majorität wieder gestärkt, förmlich neu belebt. Von allen Versprechungen, welche den zionistischen Wählern gemacht wurden, ist keine ein* gehalten worden, Die zionistischen Mandatare, welche fruchtbare Arbeit und Kampf gegen alles, Sohlechte und Unjüdische gelobt hatten, freuen sieh des ruhigen Be< sit«es von Mandaten und sagen zu allem Ja und Amen. Die soiialen Einrichtungen der Gemeinde wurden im Aergsten belassen. Das jüdische Erziehungswerk ist «o elend, wie es war, vielleicht noch elender. Die Fürsorge» tätigkeit ist nichtsbedeutend geblieben. Die Beiträge für den Aufbau Palästinas wurden um vierzig und mehr Pro« cent herabgesetzt. Die. Gesuche von sozialen, religiösen und kulturellen Vereinen wurden mit abschlägigen Bescheiden erledigt, auf welchen gewöhnlich .die Unter« , schrift des zionistischen Vizepräsidenten prangt. Dafür i