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Die neue Welt · 1929-11-29 · Heft 115 (29.11.1929) · page 8

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Journal
Die neue Welt
Volume
3 (1929)
Issue
Heft 115 (29.11.1929)
Date
1929-11-29
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
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Seite 8 DIE NEUE WELT Nr. 115 Ritterstand erhoben worden war. Von da an galt er in der Armee als besonderer Günstlingdes Kaisers und machte sehr rasch Karriere. Er wurde bald Regiments« kommandant des in Gran stationierten Infanterieregiments Großfürst Michael, oas bald darauf nach Wien transferiert wurde. In Wien wurde Schweitzer wiederholt von seinen Kameraden und Vorgesetzten, aber auch von den einflußreichen Hofstellen bedrängt, damit er zum Chri stentum übertrete. Schweitzer lehnte jedoch alle ähnlichen Vorschläge und Drohungen ab, Einmal kam es beinahe zu einem ernsten Zerwürfnis. Zur Zeit, als er Kommandant des den Namen des russischen Großfürsten Michael tragenden Regiments war, feierte der Regimentsinhaber sein 50jähriges Dienstjubiläum, zu welcher Feier er auch die Vertreter seines österreichisch-ungarischen Regiments einlud. Es bot große Schwierigkeiten, die Offiziersabordnung, die nach Petersburg entsendet werden sollte, zusammenzustellen. Man konnte den jüdischen Regimentskommandanten nicht gut umgehen, andererseits wies Schweitzer auch bei diesem Anlasse das Ansinnen, sich taufen zu lassen, mit Entrüstung zurück. So hatte sich denn die Offiziersabordnung unter Führung des» Regimentskommandanten Ritter von Schweitzer nach Petersburg begeben, wo sie auch vom Zaren empfangen wurde. Die Presse der gesamten Welt besprach damals die sensationelle Zeremonie, mit welcher der Kaiser von Rußland den jüdischen Offizier mit dem Großkreuz des Sankt Anna-Ordens mit den Diamanteu dekorierte. Bald darauf wurde Schweitzer zum aktiven Generalmajor befördert und zum Brigadekommandanten nach Kaschau ernannt. Einige Jahre später erkrankte General Schweitzer und da er, wie er erklärte, nur dann seinen Posten als aktiver Soldat behalten wolle, wenn er auch in vollkommener Gesundheit den Dienst zu versehen vermag, bat er um seine Versetzung in den Jluhestand, was ihm unter besonderer Anerkennung seiner langjährigen verdienstvollen Dienste bewilligt wurde. Es verdient verzeichnet zu werden, daß General Schweitzer, als er in Wien Regimentskommandant war, Franz L e h a r, den heute berühmten Musiker und Komponisten, kennenlernte und, seine Fähigkeiten erkennend, zum Kapellmeister und Musiklehrer seines Regiments ernennen ließ und auch sonst als Protektor Lehars sehr viel zu dessen weiterer künstlerischer Entwicklung beitrug. Als Jude hat General Schweitzer sich gleichfalls aktiv betätigt. Während seiner Dienstzeit in Budapest war, er als Förderer aller jüdischen W.ohlfahrtseinrichtungen bekannt und war lange Jahre Vorstandsmitglied der/Budapester Chewra-Ka d i seh a.. Er wcir häufiger Besucher der Gottesdienste im Tabaktempel, wo er an-Feiertagen in voller Generals uniform mit allen seinen Dekorationen erschien und sich stets freute, wenn er damit beehrt wurde, aus der Bundeslade die Thorarolle zu heben und zum Almemor zu tragen. Die kommunistische Rätediktatur. in Ungarn hatte General Schweitzer, der damals in Budapest lebte, offiziell aller seiner Offizierswürden und sonstigen Ausnahmsstellungen für verlustig erklärt. Er starb, noch bevor die Proletarierdiktatur von der rassenschützlerischen Diktatur abgelpst. worden war, und so waren die Herren * Ivan Hejjasf^^ Garde der Judenmörder der unangenehmen Pflicht enthoben, dem nackensteifen, pflichttreuen jüdischen General die letzten Ehrungen zu erweisen. , (—bus) AUl PALÄSTINA. Eine Siedlung lettländischer Juden in Palästina. R i g a. Die Rigaer zionistische Vereinigung „Hasmoneah'4 hat in GaIi 1 äa eine Genossenschaftssiedlung gegründet, die den Namen . „H ä s m o n e ä hM trägt. Mitglieder des/^Brith Trumpeldor" aus Riga und an-' deren Orterj Lettlands werden sich In der Kwuzah ansiedeln. Neim Personen leisten bereits die; Vorbereitungsarbeit,in Palästina, 28 weitere Mitglieder des Brith Trumpeldor begeben sich in diesen Tagen nach der neuen Siedlung.. . " -: Pas Handelszentrum in Jerusalem. Unter dem" Einflüsse des Araberüberfalles hat das Bestreben der jüdischen Kaufleute und Handwerker, die Wochen-Kalender November ,1929 H*n snn Cheschwan 5690 29 Freitag '«h? Sabbateingang 4.0C : 30 Samstag 27-D Sabbatau8gang 4.48 in ^ero mtcßn ,rnm *n Dezember 1 Sonntag 23-P3 2 Montag 39-B3 ' 3 Dienstag «nn mi 4 Mittwoch 5 Donnerstag 3-J - SIEGM. KORNMEHL GROSSFLEISCHHAUERBI Zentrale IX., Berggn««* 19, Te'ephon ti. 16-9-34 I Liefe ran > U. i Heilanstalten Abteilungen für ■^■Fleisch unter Aufsicht des Ehrwürdigen Kabbinats der Isr. Kul* tusgemeitide Wien Autoxustalltino kostenlo» IX. Barggasi« IS / Xflll., ttfährlngaritr. •? ffittywtMttwtwimmmrti Hmmmtmm rnimnmtrm »mtiti hihiihw i wiiirtmwitmiHwt*HHHrm wiihhhh mwitmmmwwttmffl min* mwmwrmtmK *iffMii»'UuiMiiHUiii«i«Hiwiffliimiiiw^^^ tHBiiimmiiiin w^Hiiaiinuii'iiiwiiuiffwiiiiH'imiiiiiiiumtmirt? Altstadt zu verlassen und säch in modern gebauten Vierteln zusammenzuschließen, an Intensität gewonnen. Eine Gruppe von 25 indischen Goldschmieden, die bisher ihre Läden in der Jerusalemer Altstadt hatten, wandte sich an die Zionistische Exekutive als Vertreterin des Hilfsfonds mit.der Bitte, einen Betrag zur Errichtung von Läden, außerhalb der Mauer in dem letzt im Bau befindlichen Merkas-Mischari (Handelszentrum) zur Verfügung zu stellen. Sie wollen aus eigenen Mitteln die zur Erwerbung des Bodens notwendigen Summen aufbringen. Es handelt sich um den vor einigen Jahren von der Palestine Land Development Co. Ltd. in Jerusalem gegründeten Merkas-Mischari an der Mamillahstraße. In ihrem Memorandum betonen die Goldschmiede, daß sie unter allen Umständen ihre Läden in der Altstadt verlassen wollen und daß auch andere Kreise des Jischuw in der Altstadt die Absicht haben, sich außerhalb der Mauer anzusiedeln. — Zahlreiche jüdische Handwerker in Jerusalem haben sich zu einer Baugesellschaft zusammengeschlossen, die in der Nähe von Talpioth, der Jerusalemer Villenstadt, ein neues Stadtviertel errichten wird. Außerordentliche Tagung des Waad Leumi. Jerusalem, 22. November. (J. T. A.) Der Waad Leumi (Jüdischer Nationalrat Palästinas) hat in einer soeben abgehaltenen außerordentlichen Sitzung beschlossen, den Oberkommissar Sir John Chancellor dahin zu informieren, daß die jüdische Bevölkerung den jetzigen Zustand der Anarchie im Lande auf die Schwäche der Regierung zurückführt. Der Oberkommissar wird aufgefordert, strenge Maßnahmen zur Unterdrückung 'des Terrors^ Und zur Wiederherstellung der Sicherheit im Lande zu ergreifen. In einer zweiten Resolution wird dagegen protestiert, daß seitens der Regierung oder Privatp e r s o n e n Besprechungen mit arabischen Führern über die Errichtung eines Parlamentes gepflogen werden. In der Resolution wird erklärt, daß Konzessionsangebote als eine Prämie für Pogrome angesehen werden müßten. Der Waad Leumi hat einen Aufruf an den gesamten jüdischen Jischuw erlassen, in weldiem dieser aufgefordert wird, Disziplin zu wahren und keinerlei gesonderte politische A k t i o h zu unternehmen. Zum Präsidenten des Waad Leumi wurde Pinchas Ruthenberg wiedergewählt Ein Beschluß des Waad Leumi lautet dahin, daß zur Weiterführung des jüdischen Aufbauwerkes eine zentrale Finanzinstitution geschaffen werde, deren Direktorium sich aus Persönlichkeiten der Jewish Agencyi und des Waad Leumi zusammensetzen solle* " •' * Der Protest des Waad gegen politisdie Sonderaktionenrichtet: sich' in erster Linie gegen den vom Universitätsrektor Maynes und Bibliotheksdirektor Doktor H. Bergmann geleiteten „Brith Schelom", welcher von der jüdischen Bevölkerung pro-arabischer und a n t izionist isch er Umtriebe beschuldigt wird. Zahl der Töten und Verwundeten in Palästina. London, 22, November. (J. T. A.) Auf eine Fragendes Konservativen Sir John Power teilte Herr Lunn im Unterhaus mit: . Während der jüngsten Unruhen in Palästina wurden im ganzen 207 Personen getötet und 379 Personen verwundet in ^4je Krankenhäuser eingeliefert. Arabische Kaufleute für Boykott. Jerusalem,23. November. (J. T. A.) Eine ip Jerusalem abgehaltene Konferenz von Vertretern arabischer Kauf» leute ganz Palästinas hat den Beschluß gefaßt, den Boykott gegen die Palestine Electric Corporation (Rothenberg» Cesßilsc^Älit), die Afchlit-Salzwerke, die Nesher- Zem^ntfabri'k ')t|td die Streichholzfabrik „Nur" m erklären u^d aca|rfkhsi;ZemenU und Salzfabriken zu begründen. Die Konferenz forderte die Regierung auf, eine Larcdwlr|^%f|9^jp:j'9n gründen und das Zebent-Steuersystem abzuschaffen» '■■ Die Konferenzteilnehmer schworen, an Juden keinen Bjpden zu verkaufen. — In Jaffa wurden si&bwi arabische Boykottagitatoren verhaftet. Bin Jude in Palästina zum Tode verurteilt Jerueajejrn, 23. November. (J. T. Ä.) Das Gericht in Jaffa :J$rütMt0m spaittoHschen Juden Josef Orp halft der tesctwldigt war, während des Araberaufstandes bei der Abwehr der arabischen Angriffe auf Juden zwei A r ab er e rs chossen zu haben, zum Tode. Als erschwerend wurde vom Gericht angenommen, daß die Tötung cjer Araber erfolgt war, ais bereits britische Truppen zur Niederwerfung des Aufstandes in Jaffa eingetroffen waren. — Die Verurteilung Josef , Orphales. dessen; Schuld man nicht für erwiesen hält, bat in der palästinensischen Jude^elt eine sehr gedrückte Stimmung hervor« gerufen. Es Ist dies der erste Fall, daß ein Jude In Palästina zolin Tode verurteilt wird. Im Zusammenhang mit den jüngsten Ereignissen sind bekanntlich bisher vom Gericht in Haifa unter Vorsitz des obersten palästinensischen Richters MoDonnel fünf Araber zum Tode verurteilt worden.) Statt fünf Jahren nur drei Monate Gefängnis. Jerusalem, 23. November. Das Jerusalemer Gericht hat die vom Richter Litt in Haifa gegen 29 Araber dos Dorfes Tireh, die einen bewaffneten Angriff auf die jüdischen Stadtviertel von Haifa versucht hatten, verhängte Strafe von je fünf Jahren Gefängnis auf je drei M o n a t e Gefängnis, vom Tage der Verurteilung an gerechnet, herabgesetzt. Die Bewohnerschaft des Dorfes Tireh marschierte an einem der Unruhetage bewaffnet gegen Haifa. Militär trat den Tirehbewohnern entgegen und entwaffnete sie, wobei sie der Entwaffnung gewaltsamen Widerstand entgegensetzten und das Militär bedrohten. Nur 29 Angehörige dieser Schar konnten festgenommen und in das Gefängnis eingeliefert werden. In der Begründung des seinerzeitigen Urteils führte Richter Litt aus, die Angeklagten können von Glück reden, daß die Ausführung ihres Vorhabens, in den jüdischen Vierteln von Haifa ein Blutbad anzurichten, verhindert wurde, sonst wären sie vor Gericht als Mörder dagestanden1 und man hätte sie zum Tode verurteilen müssen. Neue Provokation an der Klagemauer. Jerusalem, 23. November. (J. T. A.) Von unbekannter Seite ist ein neuer Provokationsakt an der Klagemauer begangen worden: an die Steine der Klagemauer wurde in der Nacht mit weißem Kalk ein riesiges Kreuz aufgemalt. Die Juden, die am Morgen zur Andacht erschienen, wischten dos Kreuz weg. Am Nachmittag aber war das Kreuz wieder da. Die Aufmalung von Kreuzen an die Klagemauer erscheint unverständlich angesichts der Tatsache, daß keine christliche Gruppe je einen Anspruch auf die Mauer erhoben hatte. In dem Weißbuche der britischen Regierung wird hinsichtlich des Status quo an der M^uer festgestellt, daß die Mauer einen Teil der westlichen Außenwand des einstigen jüdischen Tempels bildet und als solcher der jüdischen Gemeinschaft heilig ist, ferner daß die jüdische Tradition, an der Mauj»r zu beten, bis auf das Mittelalter und vielleicht noch auf frühere Zeiten zurückgeht. WeUer wird. festgestellt, daß die Mauer auch einen Teil! des Harem eä Sharif Wldet und als solcher den Moslemiten heilig ist. Emir Abdullah über jüdischen Waffenschmuggel. Jerusalem, 23. November. (J. T. A.) Emir; Abdullah von Transjordanien sandte ein Schreiben an Sir John Chancellor, den Oberkommissär für Palästina und Transjordanien, in welchem er ihm mitteilt, es werde schwer sein, die Araber Transjordaniens davor zurückzuhalten, ihren palästinensischen Brüdern zu HHfe zu kommen, wenn nicht die Einschmuggelung von Waffen nach Palästina durch Zionisten unterbunden wird. Ein ottomanisches Auiruhrgesetz wieder in Kraft. Jerusalem, 21. November. In Palästina wurden im Hinblicke auf die außerordentlichen Umstände das unter ottomanischer Herrschaft in Kraft gewesene Aufruhrges e t z durch Oberkommissar Sir John. C h a n c e 11 o r wieder in Kraft gesetzt. Laut diesem Gesetz sind Vergehen gegen die Autorität der Regierung sowie trügerische Unternehmungen gegen irgend einen Teil der Bevölkerung, einer Rasse oder einer Körperschaft in Palästina mit lebenslänglichem Gefängnis zu , ahnden. Gewöhnliche aufrührerische Verschwörung oder Besitz aufrührerischer Dokumente sind mit drei Jahren Gefängnis zu bestrafen. Drei oder mehr Personen, die sich mit der Absicht versammeln, einen Bruch des Friedens herbeizuführen oder die Öffentlichkeit zu terroristeren, haben sich einer Aufruhrs schuldig gemacht und sind mit zwei Jahren Gefängnis zu bestrafen. Jeder Kommissar, Distrfktsoffizier oder PoHzeiöffiizler über den Rang eines Inspektors hinaus, darf, nachdem' er die Aufrührer durch ein Zeichen aufgefordert hat, sfcb zu, zerstreuen, jede ihm als notwendig erscheinende Aktion ergreifen und wird in Zukunft keine rief; Kriminal« oder Zivilverfahren unterworfen sein, wenn durch seine Aktion Verletzung oder Tod verursacht wird. Jeder, der der Verordnung zuwiderhandelt, wird mit fünf Jahren Gefängnis, Aufrührer, die Hab und .Gut vernichten, werden mit lebenslänglichem Gefängnis bestraft. Besitz von Feuerwaffen wird mit dreijährigem Gefängnis bestraft. Wie ein guter Jude über Palästina denkt. Als ein erfreulicher Beweis dafür; daß die traurigen Vorgänge in Palästina nicht nur den überzeugten parteimäßigen Zionisten, sondern auch den nüchtert! denkenden, aufrechten Juden t zum fiberzeugten Zionisten machen müssen, sei hier ein Schreiben des aus Ungvar Vor vielen Jahren nach New York ausgewanderten Flnanciers und Kaufmannes Josef Weiß angeführt, den er dieser Tage an einen in Ungvar lebenden Verwandten gerichtet hat. In diesem Briefe schreibt Mr. Weiß unter andereni: „Ich hoffe, daß Du nunmehr ein begeisterter Zlonist bist und fleißig im Interesse der Errichtung der h e b räisc l/en Mittelschule In Ungvar tätig bist. Die palästinensischen Ereignisse müssen, sowie Jeden guten Zionisten, auch Dich und leden guten Juden, zu stärkerer und begeisterter Arbelt für den Aufbau des Judenstaates anspornen. Du wirst sicherlich überrascht sein, von mir zu hören, daß ich entschlossen Wn,

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