Mannheim
Compact Memory

Die neue Welt · 1929-11-29 · Heft 115 (29.11.1929) · page 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die neue Welt
Volume
3 (1929)
Issue
Heft 115 (29.11.1929)
Date
1929-11-29
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
90% known words query
IRI
…/2711613-2711683-2711731--1515-2714738
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Nr. 115 DIE NEUE WEL1 Seite 5 1 Die Untersuchungskommission arbeitet weiter. Der arabische Anwalt versucht einen Betrug. — Die Palästina-Regierung gegen jüdische Journalisten« — Ein verlogener Zeuge. — Ein Regierungskommissär, der nicht vermitteln wollte und sich an nichts erinnert. — Dr. Weisls Aussage. Jerusalem, 22. November. Der Anwalt der Araber Stoker fragte den Polizeiinspektor Quiglcy, ob die Juden im Besitz von Waffen und ITandgranaten waren. Quigley erwiderte: Wir haben in einem jüdischen Hause an der Grenze zwischen Jaffa und Tel- Awiw vier Flinten und zwei Revolver beschlagnahmt, sonst wurden bei Juden keine Waffen gefunden. Zu keiner Zeit wareu Juden bewaffnet, nicht einmal die jüdischen Polizisten. Bei den Arabern beschlagnahmten wir eine Pistole und vier Revolver. 18 Gewehre wurden in der jüdischen Kolonie Hulda gefunden, die sich mit diesen Gewehren hartnäckig verteidigt hatte, die aber später von der Bewohnerschaft geräumt und dann von Arabern niedergebrannt wurde. TJeber die „Haganah" (Jüdischer Selbstschutz) befragt, sagt Quigley, er wisse nichts Genaues, er glaube, sie sei ein Teil der allgemeinen Arbeiterorganisation. An dieser Stelle der Aussagen überreichte Moghanan Effendi, einer der Sekretäre der arabischen Exekutive, dem Anwalt Stoker ein hebräisch geschriebenes Büchlein, in welchem angeblich die Tätigkeit der Haganah geschildert und Bilder über Paraden der Haganah enthalten sind. Es herrschte allgemeine Verblüffung. Diese Leute sehen wie Soldaten aus, sagte Quigley mit Bezug auf die Bilder. Sofort aber lenkte der Korrespondent der Jüdischen Telegraphen-Agentur, Herr Agronsky, die Aufmerksamkeit des Anwalts der Zionistischen Exekutive Sir Boyd Merriman darauf, daß das Büchlein, wenn auch in Tel-Awiw gedruckt, doch von nichts anderem handelt als von der T ä t i g k e i t d e s jüdischen Selbstschutzes in der Ukraine zur Zeit der Pogrome vor zehn Jahren. Audi die Bilder beziehen sich nur auf den ukrainischen Selbstschutz. Sir Boyd machte die Kommission auf diese Tatsache aufmerksam, woraufhin Herr Stoker das Büchlein beschämt zurücknahm. Stokei bemühte sich dann zu beweisen, daß sich bei der arabischen Kundgebung vor der Moschee in Jaffa am 25. August Juden provozier end verhielten. Quigley erklärte, daß nur wenige Juden zugegen wareu, die nichts taten, was Aergcmis hätte erregen können. Jerusalem, 22. November. Ein amcrikanisdier Journalist nanieris' Vincent Shea ii, der sich als Arabe rf reund und 'Antizionist betätigt hat, meldete sich freiwillig bei der Untersuchungskommission als Zeuge und wurde auf Antrag des Anwaltes der Araber Stoker vernommen. Er sagte aus, er sei . am Tisdia b'Aw mit einer bekannten jüdischen Dame, Miß G o 1 d s m i i h, zur Klagemauer gegangen, da'-.ihm-.Miß Goldsmith gesagt hatte, es kämen Chaluzim nach, Jerusalem, von denen mehrere bew a f f n e t sind, und es würde Unruhe geben. Hei'r Shean ei;zähltev er habe die telegraphische Berichterstattung an die North American Newspaper Alliance einstellen müssen, weil Juden vor dem Gebäude des New York World demonstrierten und jüdische Inserenten der Zeitung die Aufträge entzogen. Er sei als ein Freund des Zionismus nach Palästina gekommen, aber jetzt hege er andere Gefühle. ,. Miß G ö 1 d s. m i t h, eine Englisch-Lehrcrin, Tochter eines - bekannten .Pianisten in New Britain, Connecticut, Stellt eijtschieclen in Abrede, daß sie Herrn Shean gesagt habe« ejsv bereite sich ein Aufruhr an der GKHMIlZTAHIROL SchnellzugstaUon Steintet» am Brenntr. Wundtrachönea SklfleWnd« mit günstigen Schnt«verh8ltnl««n von MttU Dutmbct bis Ende MUh. Skikurf e, flodtlbah», Iis- Iciifplatz. BahaQlieher Aufenthalt Im HOTEL UND PENSION TRINtERHOF 1214 m tt. d, M., m sennlgw Las«, mu ar« baut, modam und gsditgan elngartchtaV 60 Betton, fließend«* Kalt- und Warm« wasser. Zentralheltung und Bflder. Erst* klaisige Wiener Küche. Pensionspreis ab UK. 7.3a Auf Verlangen Prospekte. Klagemauer Vorabend des Tisdia b'Äw vor. Sie habe ihn . nur gebeten, ihr bei der Absendung eines Telegramms Im die Londoner „T i m e s" behilflich zu sein. Sie hatte in Abwesenheit des zeitweiligen „Times"- Korrespondenten, Herrn Agronsky, die Aufgabe, in seiner Vertretung die »Times'4 zu bedienen. Shean brachte nun zur Sprache, daß Herr A g r o nsk y offizielle Beziehungen mit der Zionistischen Exekutive in Palästina unterhalte. Daraufhin erklärte Sir BoydiMerrirnan, daß Herr Agronsky nur im Ehrenamte Presseberater der Exekutive sei. Großes Erstaunen erregte die Mitteilung Sir Boyd Merrimans, daß die Palästina-Regierung die „Times" ersucht habe, Herrn Agronsky nicht mit der Vertretung des Predigers Danrjy von der St. George Cathedrale in Jerusalem, der sich auf einen zweimonatigen Urlaub begeben hatte, zu betrauen, da II er r A g i o n s k y Jude sei. Die ./Times" habe nichtsdestoweniger Herrn Agronsky mit dieser Vertretung betraut. Herr Sillcy, der zweite Anwalt der Regierung, teilte der Kommission mit, Herr Shcnn habe an die North American N e ws'paper Alliance telegraphiert, daß er die Tclegrammscndungen einstellt, weil er A n t i z i o n i s l geworden ist und den Zionismus für aggressiv und ungerecht halte, nachdem er soeben Zeuge einer organisierten Beschimpfung der heiligsten Stätte des Islam in Palästina gewesen ist. Sillcy legte auch Kopien eines Briefes vor, den Herr Shean an den damals in Zürich weilenden Herausgeberdes offiziellen Organs der Zionistischen Organisation Amerikas ..New Palest ine", Herrn Meyer Weisgal, gesandt hat und in welchem er ein mit Weisgal getroffenes Arrangement wegen Lieferung von Aufsätzen aufhebt. Herr Shean erklärte, er habe seine Meinung geändert. Seine Sympathien für den Zionismus seien geschwunden, als er gesehen habe, wie durch das System getrennter Schulen die Kinder Palästinns dazu erzogen werden, einander zu hftssen. Mifl G o 1 d s m i t h, die auf Antrag von Sir Boyd Merriman geladen wurde, sagte aus, sie hätte Herrn Shean, von dem sie wußte, daß er ein Freund Agronskys ist, ersucht, mit ihr zur Klngemauer zu gehen. Sie hat nichts davon gesagt, daß ein A u f r u h r erwartet werde, sie konnte es auch nicht gesagt haben, da sie es nidit wußte. Sie hat Herrn Shean n i e etwas über bewaffnete Chaluzim gesagt. Sic selbst hat RENZ-VA&iETB VmiS'fzBGAM T£l.ß46'S'30 32.50 84.- 19.50 12.50 ftof q!eu*©tief el mit Sfteigüerfcbjujj imb SBottfutter 2ß e 11 i n g t o n * © t i e f e l mit njarmem SBoflfuttcr % a m e n * @> dj n e e f dj u fj e mit gippoerfdilufs SD a m c u * <3 dj h c e f dj u fj e mit ©c^natte unb jätttiftdje übrigen, luarm gef ütterten ..£) a tn e u. * .© dj ivÄ. e f $ u () e in größter $fit3ttajfjl'- ®ummtiuarenl)att3 „ALPHAS I, Slblcvgaffe 8 keinen Revolver gesehen und Herr Shenn hat ihr midi nicht gesagt, daß er eine soldie Waffe bemerkt hat. Die Ä^enge an-der Klagemauer bestand aus jüngeren und älteren Leuten; es geschah "'nichts Besonderes/ , Jerusalem, 25. November: (J. T. A.) Der stellvertretende Kommissär für den Nörddistrikt, Herr G. M[ a c j/arch aus Haifa, und der stellvertretende Kojhmissär des Süddistriktes, Herr R. E. Crosbie aus - J a f fmachten heute ihre Ausagen zuerst öffentlich,- und r)ann hinter gesdilössenen Türen. Der gehejinpn Einvernahme dürften audi nidit die Anwälte der Pftlä» Stinja-Rqgierung, der Jewish Ageney und der arabischen Exekutive beiwohnen. \-~ . ' 'McLaren sagte aus, er habe am Freitag den 33,, Aujgnst abends von den Jerusalemer Unruhen erfahren. Am Samstag den 24. August wnr aber auch in; Haifa eine geringe Erregung festzustellen. Einer bei;; ihm vorspredienden jüdischen Deputation habe er lüit- ■ geteilt, daß Vorsichtsmaßregeln ergriffen worden seien. * Die Juden waren in erregter Stimmung, hatten ihn aber in * der Aufrechterhaltung der Ruhe unterstützt,' Audi die moslemitischen Notabein hatten versprochen,. für.! Ordnung zu sorgen. McLaren konnte keine Auskunft über die Zusammensetzung der Bevölkerung von Haifa geben, so daß Sir Boyd Merriman seinerseits feststellte, daß in Haifa 14.000 Juden und 13.000 Möslemiton leben. Die gegen die Juden sidi bemerkbar modiende Bewegung, sagte McLaren weiter, war nicht spon- > t a n- McLaren mußte weiter zugeben, daß er es iint^r» lassen habe, jüdische und arabische Persönlichkeiten zu einer v Ausspradic zusammenzubringen*r oJ>- wohi IJerr Shabati Lcvy ihn dahin informiert habe, (Jaß er, Levy, mit dem Moslemiten I b r a h i tii B o. y Khlalil die Abhaltung einer gerneinsamen Versa^n^vi lun^ am 24. August, um der Agitation entgegenzu» { wirlcen, besprochjen und McLaren ersucht habe, bei ] cjieaer Beratung r den V o r s i iz zu führen. McLaren .-* g^b^zu, <^aß er audi mit |brah,im Bey Kbalil gesprochen hable, antwortete ini übrigen ausweichend und sagte,.! es . sei in der Sache «nichts inelfr ge-1 q c h c h e n. . '' ' l; tjerr G r o s b i e, der VizekQmmissär dj^s '■■ dj^eiktes, schilderte die Anstrengungen, die gequakt * wurdQQ, um eine arabische Demonstration in Jaffa, $\e aejxf gefährliche Formen hätte annehmen können, zu verhindern. Einige der Führer, die offenbar von a usyllt 8 beeinflußt worden waren, wollten nichts tun, UP unbeilkündende Demonstration m verljliu^rp. > DiB ÖJERUHM/tEN CLOWNS XVM ERSTENMAL IN WIEN! W*— AB -#. DEZEMBER -*m Auf Befragen des Anwaltes Slülley sagte Crosbie, nur eine kleine Minderheit sei für die Unruhen verantwortlich, die ganze arabische Bevölkerung von Jaffa war g e g'c n d i e B n 1 f o tt r - D e k 1 a r a t i o n. Crosbie sagte weiter aui^ er sei überzeugt, daß ein Massaker in Tel-Awiw dadurdi abgewendet worden sei, daß Polizeioffizier R i g g s gegen die auf Tel-Awiw marsdiicrenden Araber das Feuer eröffnete. Es sei nicht wah r; daß die Erregung erst durch dos Feuern entstanden sei. -- Der Anwalt der Regierung, Sillcy, brachte wieder die Angelegenheit des jüdischen Selbstsdiutzes (Haganah) und das in * Tel-Awiw erschienene hebräische Büchlein über den ukrainischen Selbstschutz zur Sprache, wogegen Sir Boyd Merriman Einspruch erhob. Crosbie erklärte auf Befragen von Viscount Erlcigh, er könne sich absolut nicht daran erinnern, daß eine Abordnung jüdischer Bauprn ihn um Schutz für die .jüdischen Kolonien ersudit hatte. Auch als ihm Erlcigh die Namen der Mitglieder der Deputation laut einem Berieht im „Hnarcz" vorlas, blieb er dabei, daß er sidi nidit erinnern könne. Jerusalem, 25. November. (J. T. A.) Vor der Untersucnungskominission ersdiien heute Dr. Wolfgangv. Wcisl, der bekannte Orientschriftsteller und Vertreter des Berliner Ullstein-Dienstes, der auch Mitglied des Zentralrates des Weltverbandes der Z i o n i s t e n- Revisionisten ist. Dr. v. Weisl, der während der Jerusalemer Unruhen als einer der ersten verletzt wurde und noch heute an den Folgen dieser Verletzung zu leiden lüit, erschien irii Saale-j gestützt von spiner Gattin und einer Pflegerin. Seine Einvernahme dauerte viele Stunden lang. Er berichtete über die Gesdiehhisse au der Klagemauer am 16. August und in der Jaffastraße am 23. August und entwickelte auf Befragen der Anwälte die Grundsätze des Revisiönismus, die, so sagte erj die Grundsätze der e r s t e n Z i o n i s t e n sind und nichts^ enthalten, was den Arabern Anlaß zu Befürditungen geben könne. Am 6. August, sagte Dr. i Weisl, sei er nadi Palästina gekommen und beabsiditigte, bald nach Amerika zu reisen, wo er clie „Vossische Zeitung" vertreten sollte. Am 6. August ging er zur Klagemauer, um skh die arabische Demonstration anzusehen. Ev war Zeuge dessen, daß die Demonstran ien Gebetbücher und Amulette aus den Ritzen der Mauer hervorholten, sie zerrissen und mit Füßen auf d ie Fetzen traten. Er fand auf dem .Pflaster Blätter auseinandergerissener Gebetbücher und „Kinoth" (am Tisdia b'Aw zu lesende Klagelieder). Das aus der Omar-Moschee führende neue Tor war geöffnet und etwa 40 bis 50 Araber traten cliirch diese Tür auf das Pflaster yor der Mauer. Au dem tragischen, Freitag den 23. August, nach 1 Uhr, hörte er, daß sich in der Jaffastraße Unruhen vorbereiteten. Er eilte an das Jaffa-Tor, dort traf er bewaffnete britische und unbewaffnete arabische Polizei an. Ein britischer Offizier und der stellvertretende Distriktskommissär, Herr Cust, waren ebenfalls da. Die Straße entlang marschierten 150 bis 200 mit Sdvwertern und Knütteln bewaffnete Araber. Ein verfolgter Jude rannte auf die Polizei zu, er wurde aber, bevor er, diese erreichte, niedergestochen; er erhob sidi, fiel aber, durdv einen zweiten Stich getroffen, wieder hin. Dr. v. Weisl begab sich zur Jaffastraße, wo er besorgte Juden einander zurufen hörte: Die Araber kommen! Vor dem arabischen Demonstrationszug waren zwei Polizisten zu Pferde, hinter dem Zuge fuhr ein Panzerautq in Begleitung von vier englischen Polizisten. Der Zug bewogte sich ruhig fort, Plötzlich stürzte sich ein Araber, ein Hühne von Gestalt, mit $inem Knüttel auf einen Juden, fast in demselben Augenblick erhielt er,. Dr. v. Weisl, von zwei Arabern Schläge auf den Kopf, sein Tropenhelm milderte die Wirkung der Schläge. Er packte einen der Angreifer und WIEN VII., KAISERSTRASSE 12Q IX., ALS E R ST R A S SE Q F gRNSPRECHER 8.38-0.43

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.