Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 3 (1929)
- Issue
- Heft 115 (29.11.1929)
- Date
- 1929-11-29
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Seite* DffitfftßWßLf Nr. 115 Berdiczower scheint tu vergessen, daß der Saal der G emeinde, also allen Bürgern gehört und nicht sein Privateigentum ist. Angesichts dieses ganz unerhörten Benehmens und dieser Dreistigkeit — wir wählen ein mildes Wort — braucht es die Führer der österreichischen Sozialdemokratie nicht zu wundern, dafi sie ftuf Widerstände und feindselige Stimmungen stoßen. Ol« Schwedens beste Rasierklinge mit haarscharfer Schneide sichert schnelles angenehmes Rasieren! fähren*« lohwidlioha ttoltmarkel Das Judentum in der russischen Holle. Prof. Weizmanns Bruder gegen Palästina. — soll helfen. — Pogromhelden sind frei. — Kein Mißerfolg, kein Debakel kann die sowjetrussi» sehen Machthaber, besonders aber ihre jüdisch*köhi« mun'stischen Handlanger der JewsekzU davon ab* halten, für ihre Kolonisationsprojekte Propaganda zu machen. Die Resultate, welche die kürzlich in Rußland weilende amerikanische Expertenkommission bezüglich der Ansiedlung von Juden im AtmmGebiet, in Biro*Bid* s c h a n, vorfand, waren so kläglich, daß selbst die Opti# misten unter ihnen gelegentlich ihrer Berliner Bericht« erstattung sehr kleinlaut geworden sind. Liese Tatsachen; hind ten nicht einen neuen Wortführer der russischen Judenkolonisation, den Ing. Samuel Weizmann (einen Bruder Prof. Chaim Weizmanns), um Sympathie und Geld für das sowjetrussische Abenteuer zu werben. Sein Referat in einer Versammlung des Berliner, jüdischen Kultur Vereines, der den Kom« munisten allerdings sehr nahesteht, bewies ein wenig Offenheit. Ing Weizmann mußte zugeben» daß der Versuch einer jüdischen Kolonisation in der Krim g ' -?tert ' zunächst wegen der schlimmen Nachbarn, der Tataren und Ukrainer, die überaus pogromfreundlich seien. Hingegen verspreche Blro« Bidschan für die Zukunft ein Eldorado >u werden. Heute, führte S. Weizmann aus, gibt es in B;i-o*Bidschan zuviel Regen ui 1 Sümpfe und auch zuviel Moskitos. Den Regen kann man durch Drainagen praktisch. verwenden und die Moskitos kann man ausrotten. Und die große Entfernung vom Zentrum Rußlands, 16 Tage von Moskau, ist günstig, weil jedem, der einmal das Biro?Bidschaner Paradu betreten hat, die. Tust vergehen wird, zurückzu« kehren. Für die lisation sind zurzeit 30 Million 2n Rubf>t notwendig, wovon die Regierung 18 Millionen be* reitzustell-n gewillt ist. Den kest müssen; , die Juden selbst aufbringen. . ■ -■ - Das nennt sich also staatliche Kolonisation f' Ing. Weizmann ließ es sich bei dieser Gelegenheit nicht rieh» men, mit „seines Bruders Gesellschaft';', d. i. mit den' Zionisten zu polemisieren; nach, altbewährter jesuitischer; undverleumderischer. Methode; -Er-.-Lkaute, dieu Phrase wieder, daß die Juden, in Palästina riür den . .englischer»'., Imperialismus arbeiten, hingegen Biröt'Bidschft'n zu einer, „jüdischen Republik mit nationaler KuU Zeugenschaft bei Gericht ist wertlos gegenüber der von einem Araber gemachten Aussage. Nachdem die Gemeinde von Sanaa zu Beginn des 12. Jahrhunderts von 3000 auf 150 Seelen durch Krieg und Hungersnot zusammengeschmolzen war, gab der tman folgende Kundmachung aus: „Im Namen des allmachtigen und gnädigen Herrn Allah! Die folgenden Punkte gelten für die Juden, die unter meiner Gesetzeshoheit stehen, solange sie meiner * Obhut anvertraut sind und ihre Steuern ohne Versäumnis bezahlen. Ich erinnere an die früheren Erlässe. Ich erinnere die Türken an ihre Pflicht, welche sie seit jeher gegenüber : den Heiligen Imans hatten und an die sie scheinbar vergessen haben, die aber dennoch auf Grund des Gesetzes bestehen. Die Juden können in Sicherheit leben, wenn sie regelmäßig ihre Abgaben leisten. Jeder erwachsene Jude (nach vollendetem dreizehnten Lebensjahr) hat die Steuer zu bezahlen; der reiche Jude 48 Silberdrachmen, der Mittelständler 24, der arme 12. Unsere Regierung wird sie beschützen. Dem Juden ist verboten: 1. laut seine Stimme zu erheben, wenn er mit einem Mohammedaner spricht, 2. sein Haus höher zu bauen als das eines Mo- * hammedanerB, 3. die Kleider eines vorbeigehenden Mohammedaners zu berühren, 4. dasselbe Gewerbe auszuüben wie ein Araber, 5. zu sagen, daß der mohammedanische Glaube fehlerhaft sei, 6. die Propheten zu beschimpfen, 7. mit einem Mohammedaner über Religion zu argumentieren, < 8. ein Tier zu reiten oder zu führen, 9. mit den Augen zu zwinkern, wenn er einen halbnackten Mohammedaner, sieht/, \ 10. sich außerhalb der Synagoge-mit seinen Gesetzesbüchern zu beschäftigen,, . , . ( 11. sein Gebet ,laut zu, verrichten, . 12. Scbofar laut zu blasen, r . ,. 13. zu / wuchern, (|a , dies * zur Zerstörung der Menschheit führen würde,; , 14* zu, sitzen, wenn, er mit einem Mohammedaner beisammen ist, da er zu jeder Respektleistuag yov ihm verhalten Jet;"- ■"::\ *'-rh Unter dietetn «Sehttta" konnten die unterdrückten Juden ihr Gemeinwesen wieder aufbauen. (Ein iweiter Artikel foJft). Der jüdische Arbeiter hungert — Das Ausland Jüdische Dollar für sowjetrussische Bluffs* t u r" ausgestattet werde. Wer hat das versprochen? Herr Kalinin! Und seine Deklaration ist mehr wert als die Balfour*Deklaration. So sprach S. Weizmann, Er mußte zwar zugeben, daß das Geld für seid Projekt aus den Taschen der verfluchten Bourgeois gezogen werde, aber, meinte er. geistreich, der Bourgols, der Chasir, sei trefe, sein Dollar aber koscher; Biro*Bidschan sei ein Idealland, Palästina aber ein. Land für Wucherer und Ausbeuter, vor denen man warnen müsse. Während auf der einen .Seite die Sowjetregierung angeblich große Summen für jüdische Ansiedlungen bereit* hält, ist sie auf der andern nicht einmal imstande, ihre jüdischen Untertanen vor dem Verhungern zu schützen; gar nicht zu reden von. der, Unmöglichkeit, sie mit Ma* schinen und Rohstoffen zu versorgen, was im. Einklänge mit der Industrialisierung! der jüdischen Massen ~ ein weiterer Plan Moskaus — stehen sollte.. * i . Der Direktor des Moskauer Arbeitsbürds mußte zugeben, daß die Existenzder deklassierten jüdischen, Massen nur dann gesichert werden könne, wenn die Versorgung der russischen Juden mit Ma« schinen . und Rohstoffen durch Verwandte im Aus» lande oder durch ausländische jüdische Organisationen erfolgen würde. Das Ausland soll also helfen, Ruß* land selbst kann für die Juden nichts tun. Ebenso schlimm * steht" Ös üm" B r o t v ersor* g u n g. Nach einer neuen , Verordnung erhalten nur jene Heimarbeiter ebensmittelkarten/ die-Mitglieder, von Pro» duktionsgenossenschaften sind.;Da aber tausende jüdische Heimarbeiter in diese 'Genossenschaften nicht aufgenom*!men werden, stehen sie vor der Gefahr// Lebensmittel im Schleichhandel zu unerschwinglichen Preisen kaufen zu [müssen. •' &;/ * '; : ';. /. ' s So sieht es im Innern Rußlands'aus. Und in' den |jüdischen SMedhjngsgebieten^ der .-Ver* einigung der privaten Gesellschafteft. für jüdische Kölonisa» 'tion;;',Özetil' machte kürzlich $e Mitteilung;1 dä% niari^in fden jüdischen Koldnien»^ujc' Fprmr -?der:■?':kollektiven landwirtschaftlichen Arbeit . übergehen werde, um der i,,aHgemeihiönpblitischei|i;;rir^f^i^ng des? Landes". Rechnung [zu tragen. Das heißt, daß-dasr Geld des American Joint 'Distribution;^ommittee; , daß. Kdie . amef ikanischen Dollar, für ko,mm;unis tische E xperimen.te;verwendet werden, Und sogar -der.E^hr^r--.;:derv:'..-Jewsel5Ziat- A. M e r e s c h i u; mußte. gestehe^, •; daß die Lage in den . jüdischen Kolonien eine sehr ernste geworden/sei, da man die Kolonisten nicht, ge« nügend mit Brot zur Ernährung ihrer Familien und mit Saatgetreide versorgen könne. Aber nicht nur ausländisches Geld, ausländische Maschinen-und Rohstoffe splTen helfen! Es mangelt auch jan qualifizierten jüdische. 'Arbeitern und Landwirten und auch solche sollen' — sonst ist die Einreise für ausländ»* Samuel Gottlieb; Dora Komet 2 Wien Baden bei Wien I ' empfehlen sich als Verlobte r ' Wien,-Im November 1929 ••'•> " Qifc&iPap^Vaes&itt sehe Juden gesperrt-,.^.;au^^n^,';Au^landvbezogen.;werden. Das a 1 s.o. ist das r u s s i sc he K o 1 o n i sati on s* programm: G e 1 d, M a s c h i n e n, Roh s t ö f f e, Getreide und Menschen aus dem AusIiandl Wunderl^h nimmt sich dazu die Meldung aus, wonach sämtliche Mitglieder der -.'^.izirakolott' „Maajon" } in Südrußland sich über Odessa nach Palästina be* , geben haben. So gut geht; es den Juden in. den russi» sehen Kolonien, daß sie HaU über Kopf nach Palästina flüchten, Inzwischen gehen die pohtischen und. religiösen Verfolgungen weif er. *uf einer Deleg'U-t'enkonferenz der unparteiischen jüdischen Arbeiterschaft/ in Moskau er» klärte die Delegiurte Gontsch'aroWa, daß man in den Fabriken die jüdischen At-K:* r. antisemitisch yerfglge, weil sie ^senbewußter seien?1s die russischen Arbeiterl Jn Astrachan wurden drei Juden wegen angeblicher wirt« ^chaftlicher Konterrevolution' 'um Tode' verurteilt. Die Zuführung der jüdischen Deklassierten zur Industrie, wo« durch das Problem der1 jüdisch; Massen gelöst werden soll, geht unter grausamen! Ter vor sich, In verschie» denen Fabriken fordern antisemitische Hetzer die Entlas. »ung aller jüdischen Arbeiter. Es gibt tausende jüdische Helmarbeiter, die 12 Rubel im Monat (1) verdienen. Daa Schicksal dieser Menschen bedarf keiner, näherjd Srdrt«fttn|i Auoh der religiöse Terror herrscht unumschränkt nach wie vor. In Kiew und in anderen Städten ist eine Bewegung im Gange, sämtliche jüdischen Arbeiter, die an den hohen Feiertagen von der Arbeit wegbleiben, wegen Schädigung der Produktion zu entlassen. Gleichzeitig wer* den verurteilte Pogromhelden begnadigt und auf freien Fuß gesetzt, darunter der Bandit Bondar, dem nachgs« wiesen wurde, daß er sich an der Abschlnchtung hundertcr Juden beteiligt hat. Ueber dem Haupt solcher Verbrecher schwebt die Gnadenhand der jüdisch*kommunistischen Partei, der Jewsekzia. Es ist dieselbe Jewsekzia, die in Deutschland und in Amerika durch den Mund ihrer Wortführer i\ la S .Weizmann für BirosBidschan und gegen Palästina Stimmung macht und das Geld derjenigen Chaserim (Bourgeois) einsteckt, die sich in Wort und Schrift bc» schimpft und auslacht. Wir haben es oft ausgesprochen: Es darf keine Illusionen mehr gebenl Scheinbar zu wenig oft für die jüdischen Dollarmillionärc, die sich noch immer von ihren sogenannten Expertenkommissionen bluffen fassen. Der Kampf gegen die jüdische Religion geht weiten Moskau, 24. November. Der Kampf der jüdischen koimmtimstischen Sektionen gegen die jüdische Religion geht unvermindert weiter. Die' Minsiker Jiddische Tageszeitung „O k t i ab r" und die russische Zeituli« „B i e z-: boschnik"' besoftuld'ijeen in Leitartikeln die Rabbiner, daß sie mit den „zafistischen PogromfÜhrern"' Hand in Hand gehen'. Die Zeitungen bringen Mitteilungen über weitere Beschlagnahmen jüdischer Synagogen und deren Umwandlung ih Arbeiterkltibs. In den letzten Wochen wurden ih verschiedenen Städten Rußlands 5 3 Synagogen und kleinere Bet- und Lehrhäuser (Bote Midraschiim) " In A r b e i t e r k 1 u b s ' umgewandelt. In einigen Städten wurden die beschlagttaihmten Synagogen der kommunalen Wohnungsfürsorge zur VerfÜgU'n« gestellt. Die Zeitungen melden, daß religiöse jüdische Jugend oit die 'Fensterscheiben der Arbeiterklulbs, die in früheren Synaigogen untergebracht sind, mflt Steinen einschlägt und die K'iubbesucher belästigt Die' Zeituatg „Emess" klagt darüber, daß im vielen 1 Städten, wo Synagogen beschlagnahmt wurden, in privaten Häusern Betstuben eingerichtet werden, und fordert ein diesibezügliobess. „Vi^r bot. Auch^n. .den jüdischen Dörfern, schreibt „Bmess", erweitert sioh das Netz der jüdischen religiösen Anstalten und der Chedarim, „Em-ess" fordert Verstärkten Kampf gegen die jüdische Religion auch auf dem Lande. Die Zeitung briiigt zahlreiche Beispiele, dafür, $aß,.auch .innerhalt) der jiidiSiOhen Arbdtei^oiiaft, tasb.esonaere. der, Heimarbeiter,igi;.0s^vi üdische aditione»n. fortleben. Die , Charkower jiddische, Ze-ituinfg i.S ter'n" berichtet, daß, acht jüdische Holizarbeiter. in. Owrutsch dem ailiuikrainischen professionalen Rat eine Petition Überreichten, daß ihnen erlaubt werde, am, Sab-" bat zu ruhen und die, an diesem Tage ausfallende Arbeit an einem anderen.Tage der Woche zu verrichten. „Stern"' schreibt,, daß das Vorgehen der Owrutscher Holizarbeiter nicht vereinzelt dasteht, und fordert ein scharfes Vorgehen gegefi ..überhandnehmende k 1 e r i k a 1 e Stimmungen", unter, der. jüdischen Arbeiterschaft. Ein jüdischer Museums verein in Berlin. s Berlin, 22. November. Ein Komitee führender Persönlichkeiten hat sich zur Gründung eines jüdischen Museu.ms ve r eins in Berlin gebildet und ladet zu einer Gründungsversammlung ein, die am Donnerstag, den .28. November, halb 6 Uhr, im Hotel Kaisethof stattfindet. Der Kunstkritiker der „Vossischen Zeitung" Dr. Max Qsborn wird über die Aufgaben eines jüdischen Museumsvereins sprechen. Der Kustos der Kunstsammlung der jüdischen Gemeinde Dr. Karl Schwärz wird einen Lichtbild Vortrag t über . die Kunstsammlung der Jüdischen Gemeinde halten. Die Einladung ist unterzeichnet von Prof. ÜrJ Max L-i e b e rm af n n, Präsident jcjer Akademie der Künste, Professor Georg Bern har d; Eugen Caspary, Adolph Donath. R^-A. Sanimy Gronemann, Jüstizra't Dv. Julius MagniüDr. Max O sb orn, Dr. Aröh; S a n die r; Dr< Kafl Schwär z, 'Geocg'i- T i e t z, Theodor W ö 1 f. f, Arnold Z w e ig,-i * >:. Der jüdische Musetim^vereia macht es 'sich zur Aufgabe, das allgemeine Interesse für jüdische Kunst und Ku|tur zu wecken, insbesondere die. Kunstsammlung der Jüdischen Gemeinde zu Berlin zu fördern und zu einem jüdischen: Museum auszubauen. Nachdem andere Großstädte durch Begründung von privaten;und öffentlichen Einrichtungen zu gunsten jüdischer/Kunst mit bestem Beispiel vorangegangen sind, geht man nun daran, auch in Berlin, wo bereits eine bedeutende Kunstsammlung besteht, das Interesse in weitere Kreise zu tragen Die jüdische Kultur früherer Zeiten und der Gegenwart ist in ihren wichtigsten Dokumenten so gnt wie unerschlossen. Diese Schätze zu heben und zu bewahren, sie der Allgemeinheit zuganglich zu machen und so eine empfindliche Lücke in dem jüdischen Geistesleben auszufüllen, ist die Aufgabe des jüdischen Museumsvereins. Mehr als eine halbe Million radikalantiseinitisdhe Stimmen in Preußen, . . München, 21. November. Der „Völkische Beobachter" errechnet, daß bei den letzten Koramunalwakleu ia Preußen auf die Listen der Nationalsozialisten 948410 Stimmen abgefeben wurden.