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Die neue Welt · 1929-11-29 · Heft 115 (29.11.1929) · page 3

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Journal
Die neue Welt
Volume
3 (1929)
Issue
Heft 115 (29.11.1929)
Date
1929-11-29
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Nr. W Dlfi NEUE WELT Seife J 3 KOHLE KOKS ANTHRACIT HSdwtar avalliltt BÄSCH, IV. ArgentiniertfraBa 23 Telephon Juden hinaus! Wie die „Neue Welt" in der Vorwoche gemeldet hat, berichtete das gut informierte Wiener Blatt „Montag mit dem Sportmontag" über die anwachsende antisemitische Tendenz in der österreichischen Sozialdemokratie. Es setzt in der letzten Nummer seine Betrachtung fort und schreibt: „Der Parteivorstand verhält sich taub! Unsere Veröffentlichung über die merkwürdigen Vorgänge im Verband der A r b e i t e r f u fi b a 11 v e reine Oesterreichs, haben ungeheures Aufsehen erregt. Bekanntlich haben alle jüdischen Delegierten demissioniert und wurden nicht wieder gewählt. „Juden hinaus'\ dieses Schlagwort Luegers und Karl Hermann Wolffs, das Stichwort für die schamlosesten Exzesse sogenannter Intellektueller an österreichischen und deutschen Hochschulen, diese Phrase hat in eine Organisation der sozialdemokratischen Partei, eines injtegrierenden Bestandteiles der mächtigen Internationale, Eingang gefunden. — Innerhalb des j ü d i s c h c u Eontingents der sozialdemokratischen Parteimitglieder Leopoldstadt wurde seit Jahr und Tag Klage über d i e wachsende antisemitische Strömung in der sozialdemokratischen Partei geführt. Man wußte die israelitischen Parteileute immer wieder zu beruhigen, aber die erste Pressestimme über diese Vorgänge, war der Anlaß za einer höchst bemerkenswerten Aktion, deren Wirkung momentan noch nicht abzusehen ist." . „Sieben Sektionen der Bezirksorganisation Leopoldstadt, die viele jüdische Mitglieder haben, haben gleichlautende, einhellige R esolutionen gefaßt, in denen der Bezirksvorstand ersucht würde, bei der Parteileitung eine Klärung der Judenfragc herbeizuführen. Wie diese erfolgen soll, ist derzeit noch nicht klar ersichtlich, aber es ist natürlich, daß es schon in allernächster Zeit in den Beratungszimmern der Wienzeile zu Debatten über die jüdi-s c h e F r a ge kommen wird. Uebrigcns hat auch eine Sektion der Bezirksorganisation Alsergrund, der viele Juden angehören, eine gleichlautende Entschließung gefaßt." „Daß bisher nichts geschah, ist der Einsichtslosigkeit der Führer in dieser Frage zuzuschreiben. Aus Aeußerungen einiger prominenter Funktionäre über unsere Veröffentlichung geht hervor, daß man sich nicht an eine radikale Lösung der Aufgabe herantraut, ans Furcht, die Parteimitglieder und Wähler in dieser Sache nicht hinter sich zu haben." „Auch hört man, daß der Vafö ganz judenrein gemacht werden soll. Als nächste Maßnahme ist die Kündigung eines jüdischen Angestellten in Aussicht genommen. So werden die Herren dem leidenden Arbeiterfußballsport nicht auf die Beine helfen I" Nur diese Schwedenklinge macht Rasieren zum Vergnügen Die führende schwedische Weltmarke Ein Weltverband der zionistischen Intellektuellen. Am 21. November hat in Wien der Geueralkonvent des Ringes der Alte Herre n-V e r b ä n d e der Wiener zionistischen wehrhaften Verbindungen stattgefunden. Dieser Ring, dem sämtliche Verbindungen angehören, soll zu einem Weltverband der zionistischen Intellektuellen ausgebaut werden. In der Versammlung, die eine zionistisch gehaltene Verfassung angenommen hat, waren Delegationen aus MODE SCHUH elegant, gut and billig! DETAILVERKAUF nur in der FABRIK UAfiS£UJ?G« anrufen- *, derbequemsfe \ß»schtagl TEL' £24-5-20 S€ßl£ Prag, Czernowitz und Lemberg erschienen.; Es wurde mitgeteilt, dafi ein gleicher Verband in Prag unter Führung der Barissia gebildet worden ist. Die von der Versammlung gewählten Geschäftsführer, Julius Low y, Dr. Oskar Grünbaum und Dr. Oskar Fi cht mann, nehmen nunmehr die Verhandlungen mit den Verbindungen in Polen und Bukowina auf und werden sodann nach England und Amerika reisen, um auch dort die Organisierung der zionistischen Intellektuellen durchzuführen. Es wurden fünf Kommissionen gebildet, denen ein Amt für Stellennachweis angegliedert wird. Die ..Neue Welt" wird in ihrer nächsten Nummer eine ausführliche Besprechung dieser interessanten, bei gesunder Entwicklung sehr bedeutsamen Gründung bringen. Rß VII« kMUSE RSTÄ 4*$, IM STOCK« Ein dreister Uebergriff. Der Verein zionistischer Mittelschüler wandte sich an die Bezirksvorstellung Leopoldstadt mit dem Ersuchen um Ueberlassung des Saales im Magistrat für einen Vortrag. Der Saal wird häufig an Parteien abgegeben. Mehrere Vorträge des Vereines sozialistischer Mittelschüler fanden dort statt.Der sozialdemokratische Bezirksvorsteher Bcrdiczower, ein Jude, verhandelte zuerst mit den Petenten. Als er den Namen des ansuchenden Vereines hörte; brach er brüsk ab und erklärte: „Z i o n i s t e n haben hier nichts zu suchen!" Er riet den jungen Leuten an, in ein Gasthaus zu gehen. — Diese Art, des Amtes zu walten, ist wohl dreister Amtsmißbrauch. Herr Die Juden von Yemen und Aden Reisebilder yon Ariel Benzion (Jerusalem). Ariel B e n z i o n entstammt einer bekannten sphardischen Familie, die aus Bagdad nach Jerusalem gekommen ist. Er hat da Jerusalem, Deutschland und in der Schweiz studiert und sich als publizistischer Mitarbeiter hebräischer, deutscher und arabischer Zeitschriften einen guten Namen gemacht. In den letzten Jahren hat Benzion eine rege zionistische Tätigkeit unter den Sphardim entfaltet und im Zusammenhang damit die jüdischen Zentren des weiten Orients besucht. Die literarischen Früchte seiner Studienreisen liegen nun in einer Reihe von Schilderungen vor, von denen wir die nachstehenden dem „Menorah Journal" entnehmen. Yemen liegt friedlich zwischen grünen und sonndurchglühten Hügeln, die zum Himmel emporragen. Die steilen Hügelketten dampfen von auftürmenden Weizengarben und silberfarbigem Getreide. Die Straßen sind schlecht, soweit es solche gibt. Die Führer sind mit häßlichen gebogenen Messern bewaffnet und soweit überhaupt Gasthäuser vorhanden sind, starren sie vor Unreinlichkeit. Man reist auf Mauleseln, schmachtet tagsüber vor Hitze und friert des Nachts. Und der I m a n, der Herrscher über dieses geheimnisvolle Land, sieht es nicht gerne, wenn nichtmuselmanische Besucher ins Land kommen, besonders wenn sie aus dem englischen Aden kommen. Aber um die Nachkommen jener Juden sehen zu können, die einst Yemen beherrscht haben, nimmt man das Risiko auf sich und unternimmt den mühseligen Ritt nach Sanaa, der Hauptstadt, wo einst das arabische Judentum ein ruhmreiches Kapitel seiner Geschichte erlebt hat. Vernachlässigt, fast zerstört, beherbergt Sanaa heute noch ein paar tausend Juden, welche von der Vergangenheit nebelhaft erzählen und von den Gemeinden ihrer Ahnen, die nach und nach untergingen. Die Juden von Yemen sprechen sich den Vorzug zu, schon zu Zeiten Saloraos ins Land gekommen zu sein. Eine Legende erzählt, daß damals, als E s r a der Schriftgelehrte die Juden zurückbringen wollte, um den Tempel wiederzuerbaueu, sich die Juden von Yemen weigerten, ihm Folge zu leisten. Esra tat sie daraufhin in Acht und Bann. Die Juden vergalten es damit, daß sie ihren Nachkommen nicht den Namen Esra gaben. Im dritten Jahrhundert der christlichen Zeitrechnung erschien Toba, Sohn des Hassan, König der II i m i e r i t e n, um den Hedschas zu erobern. In Jatre traf er reiche und mächtige Judenstämme. Unter dem Einfluß zweier Rabbis wurde er zum Judentum bekehrt und zwang den jüdischen Glauben auch seinen Anhängern auf. Nach Yemen zurückgekehrt, brachte er Juden mit, aber das Volk von Sanaa verschloß sich seinem Führer, der seinen Götzenglauben verleugnete. Trotz alldem — das Judentum setzte sich durch. Allmählich bekehrten sich die Sanaiteu zum Judentum und die Juden wurden II errc n v o n Y e m c n. Der nächste König war ein fanatischer Jude, der im Streit mit seinen Nachbarn stand. Doch die Aethiopier vergalten ihm dies, indem sie Yemen überfielen und den Einwohnern das C h r i s t e n t u m aufdrängten. Die nächsten Eroberer, die Perser, gestatteten den Juden, zum Judentum zurückzukehren, und es herrschte Friede, bis Molu m m e d kam, der den Koran mit dem Schwert in der Hand predigte. Unabhängig von der Legende, daß einige Juden entkamen, deren Nachkommen heute wilde Nomadenstämme sein sollen, sich zum Judentum bekennend und selbst die Mohammedaner jenseits des Gebirges bedrängend, flohen die meisten Juden aus dem Hedschas vor Mohammed nach Yemen. Der Prophet richtete^ hierauf ein Gemetzel unter den Juden von Yemen au. Viele wurden zwangsweise bekehrt, viele ausgerottet. Im kritischesten Augenblick bekamen die Juden von Yemen eine Botschaft des Maimoni des, der sie aufforderte, sich an ihre glorreiche Vergangenheit zu erinnern und der T h o r a treu zu bleiben. Unzählige Kämpfe folgten. Die sich bofehdenden Imans versuchten, Herren von Arabien zu werden. In allen Kämpfen waren die Juden die Opfer. Immer wieder mußten zerstörte Synagogen aufgebaut und die Gemeinden wiederhergestellt werden. Schließlich kamen die Portugiesen aus Indien i:nd die Mameluken aus Aegypten, und von den nach ihnen ins Land gekommenen Juden nimmt man an, daß sie die Ahnen der heutigen yemenitischen Juden sind.' Das Auftauchen des Sabbatai Z w i, des falschen Messias, gab den Yemeniten die kühnsten Hoffnungen ein. Die Frauen salbten sich, kleideten sich in Festgewänder und schmückten sich mit Kostbarkeiten. Viele Familien verkauften ihren Besitz und harrten der Ankunft des Messias. Der Imau, der die religiöse Wirkung dieser Aktion auf die Araber fürchtete, fiel über die jüdischen Gemeinden her, tötete die Männer und warf Frauen und Kinder ins Gefängnis. Er zwang den Großrabbiner, ein königliches Gewand anzulegen und vor den Juden zu erscheinen. „H i e r '1:5t euer Messias!" rief er aus. „Er soll sich vor euch retten, wenn er kann." Und der Rabbi wurde vor aller Augen zu Tode gemartert. Die Araber in Yemen waren ohne Juden in.einer schwierigen Situation, da diese ihre Schneider-, Töpfer¬ und Schmiedearbeiten verrichteten, ihre Felder bebauten, ihre Häuser schufen, so daß der Iman gezwungen war, sie aus dem Exil zurückzurufen. Die strengen Beschränkungen aber machten das Leben der Juden trostlos; sie mußten in abgegrenzten Rayons wohnen, vier Meilen von der Stadt entfernt, eine Strecke, die sie täglich zweimal zurückzulegen hatten, um ihre Arbeiten zu erledigen. In Sanaa selbst wurden aus Synagogen Moscheen, und heute noch findet man im arabischen Sanaa den „Masgid el Dschile", d. i. den Tempel der Exilierten, und die einst ,von den Juden bevölkerte Straße, die.Tiberias heißt. Als der Iman von Reda, der mit den Mameluken aus Aegypten kam, Yemen im 18. Jahrhundert eroberte, ging es den Juden besser. Dieser Iman verdankte seine Lebensrettung einem Aaron Haraguiha Cohen, der ihm Schutz bot. Cohens Sohn Schalom kam zu großer Macht und erhielt den Titel Usta, d. i. Gebieter, für sein Volk die wichtigsten Handelsmonopole, baute viele öffentliche Gebäude und verschönerte das jüdische Viertel. Große jüdische Gelehrte brachten den Glauben sogar bei den fanatisch gläubigen Arabern zu Hochachtung und ein arabisches Sprichwort, das noch heute besteht, lautet: „Die Gebete des Rabbi Jahije dringen bis zu Go11." Jm 19. Jahrhundert verschlimmerte sich die Lage der Juden. Erst bis die Türken kamen, wurden die Beschränkungen lockerer, die zum Teil heute noch be-" stehen. Kein Jude darf einen Esel reiten oder einen Wagen lenken, als Gewand bloß einen langen schwarzen Mantel anlegen, der die Füße frei läßt, keine Schuhe tragen; des Nachts muß der Jude in seinem dunklen Ghetto verbleiben, da das Beleuchten seiner Gassen untersagt ist. Vorgeschrieben sind lange Stirnlocken, die, falls sie von Natur aus nicht vorhanden sind, durch künstliche ersetzt werden müssen. Ein beliebter Scherz ist es, den vorübergehenden. Juden ins Gesicht zu spucken oder sie möglichst lang an den Stirnlocken durch die Gassen zu ziehen. Der Jude muß dem Araber bei Tag und Nacht zur Verfügung stehen. Er kann niedrigsten Arbeiten ohne Entgelt zu vorrichten, Seine

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