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Die neue Welt · 1929-11-22 · Heft 114 (22.11.1929) · page 6

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Journal
Die neue Welt
Volume
3 (1929)
Issue
Heft 114 (22.11.1929)
Date
1929-11-22
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Sefte 9 m mm mit St. 114 suchte, habe er sofche arabische Notabein angetroffen. Araber von auswärts hätten die von Juden bewohnten Häuser gar nicht ausfindig machen können, wenn sie nicht durch Bewohner von Hebron geführt wor« den wären. S t o k e r unterbreitete der Kommission eine vom Großmufti, der Arabischen Exekutive und dem Mos« lemitjsohen Obersten Rat unterzeichnete Proklamation, in der die Araber ersucht werden, mit dem Blutver* gießen aufzuhören. Cafferata bemerkte dazu, er habe von. einer aolohen Erklärung keine Kenntnis: diese hätte, wenn sie bekennt geworden wäre, bestimmt eine gute Wirkung ausgeübt. Per Regierungsanwalt Kanelm Preedy lobte das Verhalten Cafforates und verlas einen ausführlichen Be* rieht, in welchem Nachdruck darauf gelegt wird, daß die Unruhen überraschend gekommen waren und daß Caffe* rata, als sich Zeichen der Unruhe bemerkbar machten, seine Polizeikraft in Bereitschaft hielt, Es gab aber nur 18 Polizisten zu Pferde und 15 zu Fuß, meist alte Leute, die ihrer Aufgabe nicht gewachsen waren, Als eine Menge von 7Q0 Arabern, unter ihnen Not ab ein, sich am Freitag in den Straßen ansammelte, Rufe ausstieß und die jüdischen Häuser mit Steinen lombardierte, da konnte Cafferata der Lage nicht mehr Herr werden. Es folgte eine Nacht, die „still war wieder Tod". Das „Ghetto" wurde von einem Polizeiposten bewacht. Vor* her am Vorabend besprach Cafferata mit jüdischen Ver* tretern die Arrangements .für das Begräbnis des in der Jcschiwah getöteten' Studenten. Er wollte die Beteiligung von nur sechs Trauernden gestatten. Rabbi Epp* Jungem Rechtsanwalt immm Die Untersuchungskommission arbeitet weiter. Die S^iUJobt«l^^i in Umm ttitfejto: *- Der dekorierte CaflWat*. ~ Die Polizei hilft ci«n Mördern. -^Polizisten unter «Jen Mördern. — Sie morden vor den Augen des Kommandanten. - Die Maichinenffewehre bleiben in der ßaracke, - Ein Kommunist ah religiöser Hetzer. — In Moskaus Auftrag. Jerusalem, 12. November. Nach ihrer Rückkehr aus Hebron, wo sie die Lage an Qrt und Stelle untersuchte» trat die britische Untereuchungslfommission in die Be« hftndfung der antijüdischen Unruhen in Hebron ein. Ali erster Zeuge wurde der stellvertretende Distriktspolizei* inspektor und Poligeichef von Hebron, Raymond O. CafV f e r a t a, vernommen, dem bekapntliflh für sein „tapferes Verhalten" während der Unruhen in Hebron das Viktoria* Kren* verlieht» wurde, obwohl die Judenscheft vo» Hebron gegen Ihn die schwere Besöhuldlgung erhob, daß er duroh Entwaffnung d«r Poliaei und Puldung der arabischen Hetze dj* Massaker trät« vifiafettldöt hüt, Den Aussagen Cafferatas war, au entnehmen, daß er sich gleich in einer schworen Situation befand, Er war der ein'?; ig© Brite in einer Stadt mit 20,000 meistenteils fanatisierten Moslems und nur 60Q Juden, in der die Polizei aus 39 Arabern und einem einzigenJuden bestand und die yon einem arabischen Djstriktsbeamten verwaltet war, Dieser arabische Beamte hatte alle peti* titionen und Warnungen der jüdischen Bevölkerung, die um Schutz bat, ihm, Cafferata, vorschwiegen. Cafferata hat wiederholt die Regierung i t\ J e r u s a 1 e m um Verstärkung seiner geringen Polizeimacht ersucht, seine Appelje wurden ab schlügig beschießen, Ungeheure Spannung herrschte, als Cafferata die tief tragischen Ereignisse in H e b r q n im einzelnen schil* derte. Oer arabische Anwalt, Herr Sto.ker, erklärte, er wplle die Schlächterei in Hebron nicht rechtfertigen, den« noch versüßte er, aus geringfügigen Tataachen eine Mit* s g h u I d der Juden zu konstruieren, Seine Bpmühun« gen waren §o quälend und imdurchsichtig, daß sich das liberale Mitglied der Kommission," Herr Hopkins M o r r} s, bewogen, fühlte, an ihn die Frage zu richten; „Was wollen Sie eigentlich beweisen?" Ich wi(f zeigen, sagte Stoker, daß der Mängel,an Disziplin unter den Juden die Unruhen' .mityerschuldet hatte, Er Vies. auf den polizei« liehen Bericht über Hebron hin, in welchem es heißt, daß dje aus Amerika stammenden Studenten der Slabod« kaer Jeschiwa* 9»^H unruhig verhielten- Bei de? ws|fe,ret\''t{pktirre'>fles Berichteß stellte es sieh aber heraus, daß mft dem Worte „unruhig" das Verhajten der ame« ' rijqjnißcfien;ju'^en;'Leute am Son'ntag, dem Tage na eh dem Hassaker, charakterisiert war; die darauf be? standen;.;daß" }hn^h! eine te 1 epHonisehe öder tel'e« g r a p h l s c h e Yejbindung mjt dem amerikanischen Kon* sul in Jerusalem gewährt werdet Sir .Walter S h a w, der. Vorsitzende der Kommission, bemerkte dazu in scharfem Tone! 1 ' v „S{e halben nicht das Recht, Menschen zu töten, nur weil sie versuchen, zu ielephonieren; auch kann r4an «in solches Verlangen nicht al* ,,üu» < 'Vi if rüftMtlftung" charaktertslere» " Die Aeltesten eines Dorfes1 in der Nähe von He» b?pn, fuhr Gajfer&tft in seiner Schilderung fort, haben ihm am 23. Auguji mitgeteilt, der Mufti von Jerusalem habe ihnen unter A n d r q b u o g de v Auferlegung von. Q_e 1 d.hu.ßgn befohlen,!n.ach Jerusalem zu kommen, Cafferata gelang es, sie zu' beschwichtigen und m veranlassen, in ihr potf eurupkzukehren. Das Mas? sa,ker |n Hebron, sagte Cafferata. wurde durch das Ge* rüeht veiufaaek, daß die Juden in Jerusalem Araber töteten,;Vori den in der Hebrpn^Qaohee gehaltenen aufhetzerischen Reden habe er,. Cafferata, damals noch nichts gewußt. Derarabische Diatriktsbeamte h a b e i h m n j e j t jrj %,$\>pT dje Hnter den '3v$m bestehende Besorg* nis bezüglich der Sicherheit ihres Lebens und Eigentums mitgeteilt,' Viscpunt E r 1 e i g h ffagte, warum so viel kostbare Zeit vergehen mußte, bevor die Polizei die Erlaubnis er» hielt, von «Jen Sc hußwaffen Qebrauch »u machen, Cafferata .hat döoh selbst den Juden geraten, ihre Häuser nicht zu verlassen; er wußte doch, daß viele Juden im Hause von S} q n i m und in anderen ala sicher vor arabi» sehen Angriffen angesehenen Häusern konzentriert waren; warum hat .er k e in e n e i n t, i g e v. Bq 1 i z i»t en vor diesen Häusern Japsten stehen laaaen? Die in den Straßen patrouillierenden Polizisten gaben nicht einen ein» zigen Sehuß ab, auch nicht, ab die Menge in die HadaasfthkUnik eindrang und vor den Augen der Polizei alles üentgrte und niederbrannte, Cafferata erwiderte, er habe dem Fojizeikorporal befohlen, im Ernstfälle zu feuern. Per Korporal fragte, ob in die Luf t geachost sen werden soU,,jBv mußte aUo aeinan Befehl wiederholen, und sehließUeh «ah er sich gezwungen, die Polizei zu» riiekismi«h,en, Cafferata fügte hinzu, gewiß hatte man die Juden retten kennen, wenn man ele früher auf einen PunW konzentriert und i h n n ß e hui 8 gegeben bitte. Nicht, «in einziger Araber in Hebron wurde r* * * von Juden getötet, V Caffertta beetritt die Wahrheit der von Stoker a^fgeateUten Behauptungen, daß die moilemitiicbeo No« tib#|%yon |Jeliron gegebenes Venpreehen, auf das Volk beruhigend einzuwirken, gehalten hätten. In .vielen Jildiachen Hausern, die er, Cafferata, dann be? der meine 24]ährlqe, hübßQhe,wrnohnft Iah und beruflioh sehrtüohilg« Sohwester mit S 10.000 bar heiratet, Udergeoe loh die •ehr elntpBnllohe Re hteabteHung meiner Firma. Zuschrift© , wOmögilon mit Lio tbild, wa ohes ehienwörtlich retournlert wird, unter „Solid' an Anr.-Exp. Sohalok, Wien I, Wollzella 11 [ i K" .l-M'ill'l H » PI I '■ m.» II ■ .u ,j Hill II " .III I »-in IIIIHI i n'inu | I ..| l|i Ii |i stein, der Leiter der Jesehlwah, erklärte jaber, ohne Er« mächtigung seitens des Qberrabbinera Kook könne er es. night «ulassen, daß ein Begräbniß mit einer Beteiligung von w e n i g e r a l s e i n e m i n j a n" (10 Juden) statt» finde. . Am Sonnabend morgen, heißt ee in Cafferatas Be» Ficht, wurden zunächst?!Wxei Studenten der Je? schi wah,auf bestialiaehe Weise vnr seinen» Caf» feriatas, Augen ermordet, JPje jungen Leute klammerten sich an die Rücken der Pferde von Cafferatas berit* tener Pojweipatrouille, der Mpb riß aie herunter und s9h 1mg sie mit Steinen tot. Es war unmöglich, die Opfer den Händen des Mobs m entreißen, Sr, Cafferata, Bchqß in die Menge und traf > zwei der Angreifer. SeWieß' Uch ging ihm die Munition aus und er war waffenlos, Als er, seinPferd wendete, . rutschte er vom Sattel an, die Araber stürzten sich auf ihn und begannen iJ»n?u steinigen. Es gelang ihm, wieder auf die Beine zu kommen und sich in Sicherheit zu bringen. Nun sab er, wie die Menge, die durch das Töten der zwei Jeschiwah» JStudenien Blut gerochen hatte, mit Beilen und Polchen auf die von Judeh bewohnten Häuse* losging. Er sandte seinen Polizisten nach Gewehren. Inzwischen war der Mob in die Häuser eingedrungen. Die Polizei gab Schlisse ab, der Mob zerstreute sich, sammelte sich aber unter Rufen „Auf pm Ghetto!" wieder und durch* b rach die Polizeike tt e. Die Basare wurden ge* plündert, wobei zwischen jüdischen und arabischen Läden kein Unterschied gemacht wurde. Cafferata sah, wie ein Araber einem Kinde mit der Axt den Kopf abhieb, Bin ihm bekannter Polizist aus Jaffa stieß mit seinem Dolch auf eine Frau ein. Cafferata schoß auf den Angreifer, der schrie: „Euer Gnaden, ich bin PoH?lettM Schließlich trat Ruhe ein; die Polizei hinderte den Mob, in das jüdische Stadtviertel zurückzukehren, Ein arabischer Arzt eröffnete ein NotspitaL Um l Uhr nach» VßißiniglüßüitaDös-fltt-QGSßlM ünt mmmß»i uii GigtrabiMtiii: Wieg im Radeerplatz 5, flberplatz 3 Telepüon B-43-5 20 Serie OtlmBilm tfiflliir SiAiMovifilitiiripi!«(da koUBfwt«B WIcgBDgw md Mi!w IngeEen Radio?f „U" Serie und ngeEen Laufsprecher _«teti führend I mittags war die gesamte jüdische Bevölkerung im Hospital und in den Polizeibaracken konzentriert. * Jerusalem, 13. November. (J. T. A.) Der stellver» tretende Distriktskommissär von Jerusalem, L. G. Archer C u s t, schilderte vor der Kommission die arabi« sehen Umtriebe im Zusammenhang mit der Klaf g e m a u e r. Die jüdischen Behörden klagten darüber, daß die marokkanischen Moslems in men an die Mauer grenzenden Garten ein Orchester mit Zimbeln, Trommeln und Schnarren gebracht haben, das während der Gebetsstunden der Juden, besonders am Vor* abend des Sabbat, in ohrenbetäubender Weise musizierte. Der stellvertretende Oberkommissär, Herr Luke, er* suchte den Großmufti, anzuordnen, daß dem Unfug Ein* halt getan werde. Der Mufti versprach, eine solche An* Ordnung zu treffen, aber am folgenden Freitag abend war das Orchester wieder da und machte das Beten u n m Ö g 1 i ch. Herr Luke ersuchte den Großmufti noch* mals, hier Ordnung < zu schaffen, da die Tätigkeit des Orchesters mit keiner mostemitischen religiösen Zere* monie verbunden und nur dazu da war, die Juden zu stören, Das Massaker in Safed. — Polizeikommandant Farndny als Zeuge. Jerusalem, 13. November (J. T. A.) Unter allge* meiner Spannung wurde der Polizeikommandant von Safed, Faraday, vernommen, Faraday schilderte die grauenvollen Ereignisse in Safed und teilte mit, er habe selbst zwei Araber erschossen, als diese den Petroleumladen des Juden Klinger in Brand gesteckt hatten. Sir Boyd Merriman fragte, wie es kommt, daß der erste offizielle Bericht über die Safed*Unruhen dahin lautete, daß ein arabisehrjiidis-cher Zusammen* stoß erfolgt war, wo es sich doch in Wirklichkeit um eine Abschlachtung friedlicher jüdischer Ein* wohn er gehandelt hat. Captain Faraday erwiderte, er habe in seinem ersten Bericht die Ereignisse nicht so geschildert, er habe nur geschrieben, der lang erwartete Aufruhr begann damit, daß die Moslems in das jüdische Vier* tel eindrangen, jüdische Männer, Frauen und Kinder ab# schlachteten, jüdisches Eigentum plünderten und in. Brand steokten. Sir ßoyd Merriman erwähnte, daß Gaptain Faraday S03*Rufe hinaussandte, aber vergebens um Verstärkungen bat, obwohl zur Zeit der Katastrophe in Safed bereits britisehe-Truppen von auswärts Palästina besetzt hatten. Die beiden Maschinengewehre, die in Safed waren, wurden nicht zum Schutze des jüdischen Viertele verwendet, sondern standen ungenutzt in den Polizeibaracken. Der Mufte von Safed, fuhr Sir Boyd fort; stand dauernd mit dem.Mufte von Jerusalem in Verbindung. Ein prominenter arabischer Agitator besuchte am Tage der Demonstration, dem 25. August, Safed; in seiner Gegenwart wurde die Hedjaz*Pahne ge* hißt. Auffallen muß es, daß sich die Polizei im unteren Teil des jüdischen Viertels von Safed befand, wenn der Mob im oberen Teil wütete, und daß später die Polizei sich im oberen Teil aufhielt, als gerade der Mob im unteren Teil sich befand. Während die Aufrührer in dem jüdischen Viertel wüteten, die Einwohner niedermetzelten und Häuser in Brand steckten, waren ein Polizeioffizier und acht Ppli* »ieten damit beschäftigt, e i n v o n J u d e n b e w o h n t e s Haus nach Waffen zu durchsuchen; sie;fanden dort nichts anderes als eine «erbrochene Pistole i die ein* üige Feuerwaffe, die überhaupt unter den mehr als 3200 Juden Safeds gefunden wurde. Angesichts dieser Tatsache, sagt» Sir Boyd, habe der Protest der arabischen Exekutive gegen Sir John Ghahcellors Proklamation e»ne« Wöhe* punkt an Verlogenheit erreicht. Schließlich be» merkte Sir Boyd, daß die Tragödie der Irrtümer in dem Verkehr «wischen Captain .Faraday. und den Militär* behörden ihren Höhepunkt in dem plötzlichen Tod des Captain Bulfin vom Green Howards Regiment erreichte;, denn durch diesen Todesfall hat sich die Aokvnft der Truppen in Safed uro «wei Stunden verzögert. Der Anwalt der Araber W. H. Stoker deutete an, daß es möglich wäre, daß der Jude K^nger selbst sein Haue in Brand geateekt habe, um die Versieherungs* summe einzuheimsen! Captain F a r a d a y erklärte hierzu, daß in Safed ausschließlich Araber Gewalttaten begingen. Die Juden waren nur der leidende Teil'. Einer der Haup tan gestellten im öffent* liehen Geaundheitg4epartement, ein Araber namens Nasouk, war unermüdlich im Verbreiten von Legenden dar über, 'daß in den Straßen Jerusalems das Blut von Moslems in Bächen fließt. Er, Faraday, habe Nasouk gewarnt und ihn mit Gefängnis bedroht, wenn er mit der Hetze nicht aufhört, Von der Absieht der Moslems, den Petroleumladen klingers in

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